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Klimawandel-Folgen in ausgewählten Sektoren

Wetterextreme nehmen immer mehr zu. Foto: Daniel Loretto/ Panthermedia.net

Europäische Industriemetropole, drittgrößtes deutsches Agrarland, touristisches Reiseziel - kaum ein Bundesland vereint so viele unterschiedliche Wirtschaftsbereiche wie Nordrhein-Westfalen. Entsprechend vielfältig sind die Folgen des Klimawandels im Land. Die Klimaprojektionen für ausgewählte Sektoren sind die Basis für die Erarbeitung von Anpassungsmaßnahmen.


Abschätzung der Klimafolgen

Die hier präsentierten Daten und Fakten stützen sich auf die wissenschaftlichen Arbeiten des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V. (PIK). Sie wurden im Rahmen des Projektes „Klimawandel in Nordrhein Westfalen - Regionale Abschätzung der Anfälligkeit ausgewählter Sektoren“ durchgeführt. In diesen Bericht sind auch Beiträge des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Halle eingegangen. Grundlage der Studie sind  umfangreiche Statistiken und Datensätze zahlreicher Mess- und Beobachtungsprogramme zum Zustand von Natur und Umwelt in NRW. Sie wurden dem PIK durch das Ministerium, das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz und andere Landesbehörden zur Verfügung gestellt.

Die Hochwasser-Ereignisse nehmen zu. Foto:  Daniel Loretto/ Panthermedia.net

Landwirtschaft und Boden

Die Landwirtschaft mit ihren rund 400.000 Beschäftigten ist ein Sektor in Nordrhein-Westfalen, der vom Klimawandel aller Voraussicht nach eher profitieren wird. So bringen die wärmeren Temperaturen längere Vegetationsperioden mit sich und ermöglichen in den meisten Regionen höhere Erträge. Ausnahme sind Gebiete mit einer bereits heute geringen Wasserspeicherkapazität des Bodens. Hier ist eher mit Ertragsrückgängen zu rechnen.

Negative Auswirkungen des Klimawandels sind außerdem die Schädlingsverbreitung infolge der  kürzeren und milderen Winter. Mit den zunehmenden Starkregenfällen steigt auch die Gefahr der Bodenerosion.


Wald- und Forstwirtschaft

Wegen der langen Entwicklungszeiträume der Wälder muss die Forstwirtschaft mit besonders langwierigen Auswirkungen des Klimawandels rechnen. Durch die zu erwartenden Temperatur- und Niederschlagsveränderungen und durch die Zunahme  gewaltiger Schadensereignisse wie die Orkane der letzten beiden Jahrzehnte verändern sich die Rahmenbedingungen der Forstwirtschaft. Das betrifft sowohl die Entwicklung der für die verschiedenen Baumarten als auch das Waldmanagement.

Die Landesregierung hat daher eine Klimaanpassungsstrategie für den Wald in NRW erstellt. Diese soll die Stabilität und die Anpassungsfähigkeit der heimischen Wälder erhöhen sowie die Forstwirtschaft bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen.

Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz

Rund 50.000 Kilometer Fließgewässer, 2.000 stehende Gewässer und große Niederschlagsmengen machen Nordrhein-Westfalen zu einem wasserreichen Bundesland. Das wird der Klimawandel auch in Zukunft nicht ändern. Fragen stellen sich trotzdem, denen das Umweltministerium NRW aufmerksam nachgeht: Ist in Zukunft häufiger mit Hochwasser und Trockenperioden zu rechnen? Werden die Grundwasserstände eher steigen oder sinken? Werden Wasserqualität und Wasserversorgung durch klimatische Änderungen beeinträchtigt oder besteht in heißen Sommern die Gefahr, dass Trinkwasserspeicher austrocknen und es bei Kraftwerken zum Kühlwasserengpass kommt?

Tourismus

Mit über 40 Millionen Übernachtungen pro Jahr, rund 500.000 direkt oder indirekt Beschäftigten und einem jährlichen Umsatz von über 22 Milliarden Euro ist die Tourismus-Branche eine tragende Säule der nordrhein-westfälischen Wirtschaft. Während der Klimawandel sich auf die Städte, von gelegentlichen Hitzewellen im Sommer abgesehen, zunächst relativ wenig auswirken wird, sind die Folgen für die die bergigen Regionen im Winter bereits massiv. Der große Rückgang der Schneefälle hat den Skitourismus längst hart getroffen. Klimaprojektionen lassen für den Zeitraum von 2036 bis 2065 – verglichen mit 1961 bis 1990 – eine Abnahme der Schneemenge um 40 bis 60 Prozent erwarten. Dagegen ist allerdings im Sommer und Herbst durch die Zunahme der warmen Tage mit besseren Umständen für Wanderer und Mountainbiker zu rechnen.

Schon heute verfügt allein das Sauerland über zahlreiche Beschneiungsmaschinen, die allerdings den Rückgang der Schneemenge nur vorübergehend werden kompensieren können. Für die Zukunft sollten die Bergregionen daher neue touristische Ganzjahresangebote entwickeln, um die Klimaabhängigkeit zu verringern. Vor allem Gesundheits-, Event- und Erlebnisangebote haben großes Potenzial.

Gesundheit

Die zu erwartenden höheren Temperaturen werden direkte und indirekte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben – etwa bei den häufiger auftretenden Hitzewellen. Die Symptome reichen dann von der harmlosen Schlappheit bis zu ernstzunehmenden Hitzeschlägen. Besonders gefährdet sind ältere und kranke Menschen mit relativ geringer Hitzetoleranz. In ländlichen Regionen werden die Zeckenpopulationen und damit die von ihnen übertragenen Krankheiten zunehmen. Die verstärkte Verbreitung von Organismen, die starke allergische Reaktionen auslösen können  wie etwa die Ambrosiapflanze,  ist auch bereits zu beobachten.

In den Ballungsräumen Nordrhein-Westfalens muss künftig nicht nur für ausreichende Kühlung in und außerhalb der Gebäude gesorgt werden, auch die Sensibilisierung des  medizinischen Personals für Symptome bei Hitzestress und  Dehydrierung ist vonnöten. Gegen Zeckenbisse hilft nur individuelle Vorsorge.  Wer größere Ambrosia-Bestände entdeckt, ist aufgefordert, sie bei der kommunalen Verwaltung zu melden.

Industrie, Gewerbe und Anlagensicherheit

Nordrhein-Westfalen ist mit seinen riesigen Industrieanlagen an Rhein und Ruhr ein zentraler Industrie-Standort in Europa und zugleich das Zentrum der deutschen Chemieproduktion. Ob Leverkusen oder Duisburg: Meist sind die Orte mit der größten Industrie auch die Städte mit hoher Bevölkerungsdichte. So ist der sichere Betrieb der Anlagen besonders wichtig – und mit dem Klimawandel sind neue Herausforderungen verbunden, die sehr ernst genommen werden müssen. Sturm, Starkregen und Hochwasser sind potentielle Gefahren für die Industrieanlagen, die mehr Aufmerksamkeit als bisher erfordern. Die Fokussierung auf standortbezogene Risiken wird jedoch der Komplexität einer hochgradig vernetzten und exportorientierten Wirtschaft nicht gerecht. Betrachtet werden müssen vielmehr auch die indirekten Wirkungen des Klimawandels auf Beschaffungswege und Transportketten, auf Absatzrisiken in globalen Wertschöpfungsketten sowie die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, Rohstoffen und Energie.

Biologische Vielfalt und Naturschutz

Ein großer Teil der Tiere und Pflanzen in Nordrhein-Westfalen leidet unter den Folgen des Klimawandels. Eine Studie des NRW-Umweltministeriums zeigt: Mehr als ein Viertel der untersuchten rund 1.200 Tierarten, jede Achte der rund 1.900 betrachteten Pflanzenarten und 18 der 48 untersuchten Lebensräume (38%) haben bereits negativ auf die Klimaerwärmung reagiert - oder werden voraussichtlich in Zukunft darunter leiden.


Wald in NRW – Klimaschutz und Klimaanpassung

Wälder leisten über die Speicherung von Kohlenstoff einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz. Zugleich sind sie aufgrund der langen Entwicklungszeiträume besonders vom Klimawandel betroffen. Die Landesregierung untersucht den Beitrag von Waldbewirtschaftung und Holzverwendung zum Klimaschutz und entwickelt eine Klimaanpassungsstrategie für die Wälder. Der Wald ist auch Gegenstand des Klimaschutzplans und der Umweltwirtschaftsstrategie für NRW.

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