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Klimawandel-Folgen in den Regionen

Die Folgen eines Orkans in NRW. Foto: Michael Nowak/ Panthermedia.net

Die Auswirkungen des Klimawandels bekommen die verschiedenen Landschaften Nordrhein-Westfalens unterschiedlich zu spüren. Die Folgen sind im Einzelnen abhängig von den individuellen, ökonomischen und naturräumlichen Rahmenbedingungen.


Der Artenwandel in allen Regionen Nordrhein-Westfalens

Nordrhein-Westfalen hat mit rund 43.000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten  eine üppige Artenvielfalt, auf die der Klimawandel erheblichen Einfluss haben wird. So nehmen die Wärme liebenden Arten zu und es werden sich voraussichtlich  bestimmte, heute noch gebietsfremde Arten aus südlichen Ländern neu etablieren. Kälte und Feuchtigkeit liebende Arten werden zurückgehen. So projiziert das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) für den Zeitraum von 2051 bis 2080 einen möglichen Artenverlust von 13 bis 35 Prozent, einen Artenzugewinn von 17 bis 24 Prozent und einen Gesamtartenwandel von 25 bis 47 Prozent. Viele über Jahrzehnte gewachsene Lebensgemeinschaften und Nahrungskreisläufe sind bereits im Umbruch.  


Städte und Ballungsräume

Über acht Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen leben in Städten mit über 100.000 Einwohnern. Dort werden die infolge des Klimawandels häufiger und länger auftretenden  Hitzeperioden dazu führen, dass sich  sogenannte Hitzeinseln bilden. Die zunehmenden Starkregen treffen in der Stadt auf viele versiegelte Flächen und  Überschwemmungen werden zunehmen.

Auf die prognostizierten Folgen des Klimawandels müssen Stadtplanung und Politik schnell reagieren, da städtische Umgestaltungen viel Zeit benötigen.  Zu den empfohlenen Maßnahmen, um das Stadtklima abzukühlen, gehören die Begrünung von Dächern, Straßenzügen und Fassaden sowie das Anlegen von Parks und Natur- und Wasserflächen. Um die wachsenden Niederschlagsmengen zu bewältigen und Hochwasser zu vermeiden, muss ein eigenes Risikomanagement entwickelt werden.

Bergisches Land, Sauerland und Siegerland (Süderbergland)

Diese größte Mittelgebirgsregion in Nordrhein-Westfalen ist fast durchgehend dicht bewaldet, nur an wenigen Stellen unterbrochen von Ackerbauflächen. Die Region weist eine extrem hohe Niederschlagsmenge auf, die in den Höhenlagen an rund 100 Tagen im Jahr für eine geschlossene Schneedecke sorgt.

Laut Klimaprojektion wird es im Süderbergland im Zeitraum 2031 bis 2060 um knapp zwei Grad Celsius wärmer sein als zwischen 1961 bis 1990. Dadurch werden die  Schneetage zurückgehen, während die Niederschläge insgesamt in den Wintermonaten stärker werden.

Folgen des Klimawandels in der Region:

  • Landwirtschaft: Die höheren Durchschnittstemperaturen sorgen für eine längere Vegetationszeit und damit für höhere Erträge in der Landwirtschaft.
  • Wald- und Forstwirtschaft: Die Zusammensetzung der Wälder wird sich wandeln. So wird die Fichte als bislang dominierende Baumart an Konkurrenzkraft verlieren; in höheren Regionen des Sauerlands wird das Sturmwurfrisiko ansteigen.
  • Wasser: Lokal kann es zu einer Verminderung der Grundwasserneubildung und dadurch zu einer Verknappung der Ressource kommen. Starkregenereignisse treten in Mittelgebirgslagen wahrscheinlich häufiger auf. Hier können abschwemmbare Bodenbestandteile – darunter Schadstoffe und Krankheitserreger – in Oberflächengewässer gelangen. Zudem sorgen höhere Temperaturen für einen geringeren Sauerstoffgehalt in Gewässern, so dass sich die Lebensbedingungen für Wasserorganismen wie Insektenlarven, Schecken und Fische verschlechtern. An kühle Gewässer angepasste Wasserbewohner ziehen sich in höhere Regionen zurück oder sterben aus.
  • Biologische Vielfalt: Sie kann in Feuchtlebensräumen wie Mooren und in den Gewässern durch die höheren Temperaturen beeinträchtigt werden.
  • Tourismus: Die Skigebiete im Sauerland müssen mit weniger Schneetagen und Einnahmeeinbußen beim Wintertourismus rechnen.

Eifel

Die Eifel weist hohe Temperaturdifferenzen auf: In höheren Lagen ist es mit einer mittleren Jahrestemperatur von 6,5 Grad Celsius und über 100 Frosttagen sehr kühl, in der wärmebegünstigten Nordeifel und im Vennvorland steigen die Jahres-Durchschnittstemperaturen bis auf acht Grad Celsius an.

Folgen des Klimawandels in der Region:

  • Landwirtschaft: In der Osteifel werden die landwirtschaftlichen Erträge bei Winterweizen und Silomais zunehmen, in der Westeifel und dem Vennvorland leicht zurückgehen.
  • Wald- und Forstwirtschaft: Als weitgehend mit Wald bedecktes Gebiet mit einem hohen Anteil an Nadelbäumen, wird die Eifel künftig mit einem höheren Sturmwurfrisiko kämpfen müssen.
  • Biologische Vielfalt: In den Sommermonaten wird in vielen Teilen der Eifel künftig weniger Wasser zur Verfügung stehen. Dadurch erhöht sich die Anfälligkeit von Sumpfwäldern, Mooren und anderen, auf Feuchtigkeit und niedrige Temperaturen angewiesenen Lebensräumen.
  • Wasserwirtschaft: Durch längere Wärme- und Trockenphasen ist mit einer abnehmenden Grundwasserneubildung zu rechnen – mit entsprechenden Folgen, etwa für die Trinkwasserversorgung.

Westfälische Bucht und Westfälisches Tiefland

In dieser landwirtschaftlich geprägten Region beträgt die mittlere Jahrestemperatur etwa neun Grad Celsius. In den anderen Gegenden ist es etwas kühler.

Folgen des Klimawandels in der Region:

  • Landwirtschaft: Die höheren Durchschnittstemperaturen sorgen für eine längere Vegetationsperiode und bei bestimmten Getreidesorten für höhere Erträge. Zwischen 2035 und 2050 sind allerdings leichte klimabedingte Ertragseinbußen möglich.
  • Biologische Vielfalt: Im westfälischen Tiefland wird es im Sommer weniger regnen. Dadurch wird die Anfälligkeit von Feuchtlebensräumen steigen.
  • Wald- und Forstwirtschaft: Im Münsterland steigt die Gefahr von Waldbränden. In den Waldgebieten der westfälischen Bucht, die stark den Westwinden ausgesetzt sind, erhöht sich das Sturmwurfrisiko.
  • Wasser: Bewohner des ländlich geprägten Münsterlandes, die ihre Wasserversorgung teils mit eigenen Brunnen bestreiten, müssen sich auf zurückgehende Grundwasserpegel einstellen und gegebenenfalls daran anpassen. Schon heute ist der chemische Zustand des Grundwassers in Teilen des stark für den Ackerbau genutzten Münsterlandes in einem mäßigen Zustand – ein Trend, der sich bei einer weiteren Bodenerwärmung und der voraussichtlich damit einhergehenden höheren Nitratauswaschung fortsetzen kann.

Niederrheinische Bucht und Niederrheinisches Tiefland

Am Niederrhein herrscht ein überwiegend mildes Klima mit Durchschnittstemperaturen von teilweise über neun Grad Celsius. Die Jahresniederschläge erreichen in der nur dünn bewaldeten und vom Ackerbau geprägten Region maximal Werte von 750 Millimetern. Im Vergleich zu den anderen Regionen wird sich das Klima am Niederrhein etwas schwächer erwärmen. Im niederrheinischen Tiefland werden die Niederschläge leicht ansteigen. Für die niederrheinische Bucht lassen die Klimaprojektionen etwas geringere Niederschlagsmengen erwarten.

Folgen des Klimawandels in der Region:

  • Landwirtschaft: In der niederrheinischen Bucht gehen die Erträge in der Landwirtschaft im Zeitraum zwischen 2015 und 2030 voraussichtlich  zurück, sie steigen zwischen 2035 und 2050 aber wahrscheinlich wieder an. Im niederrheinischen Tiefland lassen die Analysen bei der untersuchten Getreidesorte Silomais für die Zukunft einen Ertragsrückgang erwarten.
  • Biologische Vielfalt: Die Klimaprojektionen legen nahe, dass im Zeitraum 2036 bis 2065 in den Sommermonaten weniger Wasser zur Verfügung stehen wird, wodurch einige Feuchtlebensräume beeinträchtigt werden könnten.
  • Wasser: Große Teile des niederrheinischen Tieflands und der niederrheinischen Bucht sind durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung mit Nitratkonzentration schon heute in einem schlechten Zustand. Durch längere Hitze- und Trockenperioden kann es in Einzelfällen zu einer Verknappung des Trinkwassers kommen.

Weserbergland

Teutoburger Wald, Eggegebirge und Wiehen- und Wesergebirge bilden einige lang gestreckte Gebirgsketten mit relativ mildem Klima. Die durchschnittlichen Jahrestemperaturen liegen bei etwa acht Grad Celsius und darüber.

Im Vergleich zum Süderbergland – der anderen höher gelegenen Region Nordrhein-Westfalens – ist im Weserbergland mit einer leicht stärkeren Erwärmung zu rechnen. Die Niederschläge verlagern sich mehr  in den Winter.

Folgen des Klimawandels in der Region:

  • Landwirtschaft: Im oberen Weserbergland wird es vermutlich zu Ertragszuwächsen, im unteren Weserbergland zu geringen Ertragseinbußen bei der untersuchten Getreidesorte Winterweizen kommen.
  • Wald- und Forstwirtschaft: Die Buche wird voraussichtlich durch die Klimaerwärmung künftig auch in höheren Lagen des Weserberglandes an Konkurrenzkraft gewinnen. Im stark dem Wind ausgesetzten Eggegebirge und dem nadelreichen Teutoburger Wald steigt durch die häufiger auftretenden Orkane das Sturmwurfrisiko.