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Tierkörperverwertung

Tierische Nebenprodukte der Kategorie 3. Foto: Jürgen Hies / MKULNV

Tierische Nebenprodukte - wie zum Beispiel Felle, Lebensmittelabfälle, Tierkadaver, spezifiziertes Risikomaterial, Gülle, Küchen- und Speiseabfälle - sind nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt. Ihre fachgerechte Beseitigung ist Teil der Tierseuchenbekämpfung.


Teil der Tierseuchenbekämpfung

Da durch tierische Nebenprodukte Tierseuchen, wie zum Beispiel die Maul- und Klauenseuche oder die Schweinepest, ausgelöst werden können, ist ihre fachgerechte Beseitigung eine bedeutende Vorsorgemaßnahme zur Verhinderung der Übertragung von Tierseuchen- und Krankheitserregern. Darüber hinaus muss vermieden werden, dass zum Schaden der Verbraucherinnen und Verbraucher Material aus der Schlachtung, dass nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist, in die Lebensmittelkette gelangt.

In der Europäischen Union ist die Handhabung von tierischen Nebenprodukten von der Entstehung des Materials bis zur Beseitigung umfassend geregelt Mit den Vorschriften soll der Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier, Schutz der Umwelt, Schutz der Sicherheit der Lebensmittel- und Futtermittelkette gewährleistet werden. Darüber hinaus haben die Vorschriften zum Ziel, dass tierische Nebenprodukte soweit als möglich verwertet werden.

Risikokategorien und Verwendung

Tierische Nebenprodukte werden nach dem Grad der von ihnen ausgehenden Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier in drei Risikokategorien eingeteilt, die jeweils auch für die zugelassene Verwendung ausschlaggebend ist:

  • Material der Kategorie 1: Material mit einem hohen Risiko wie zum Beispiel BSE-verdächtige Tiere, spezifiziertes Risikomaterial vor allem aus der Rinderschlachtung, Küchen- und Speiseabfälle von international eingesetzten Verkehrsmitteln; Material der Kategorie 1 kann grundsätzlich nur verbrannt werden, mit oder ohne Vorbehandlung;
  • Material der Kategorie 2: Material mit einem mittleren Risiko wie zum Beispiel tierische Erzeugnisse mit Rückständen bestimmter Tierarzneimittel oder Umweltkontaminanten, Magen- und Darminhalt sowie Ausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere einschließlich Pferde (Gülle, Festmist); Material der Kategorie 2 kann verbrannt, teilweise in Biogas- oder Kompostierungsanlagen oder zur Herstellung von organischen Düngemitteln verwendet werden;
  • Material der Kategorie 3: Material mit einem geringen Risiko wie zum Beispiel Schlachtkörperteile von genusstauglichen Tieren, Felle, ehemalige tierische Lebensmittel sowie Küchen- und Speiseabfälle aus Großküchen, Kantinen, Catering-Einrichtungen einschließlich gebrauchter Speiseöle, wenn sie für die Verfütterung oder für Biogas- und Kompostieranlagen bestimmt sind; Material der Kategorie 3 kann wie Kategorie 1- oder 2-Material und zur Herstellung von Futtermittelausgangsstoffen oder Heimtierfuttermitteln verwendet werden

In Einzelfällen können tierische Nebenprodukte auch für Forschungszwecke, besondere Fütterungszwecke oder andere Zwecke verwendet werden.


Registrierung, Zulassung und Rückverfolgbarkeit

Wird ein Unternehmer auf einer der Stufen der Erzeugung, des Transports, der Handhabung, der Verarbeitung, der Lagerung, des Inverkehrbringens, des Vertriebs, der Verwendung oder der Beseitigung von tierischen Nebenprodukten und Folgeprodukten tätig, muss dies der zuständigen Kreisordnungsbehörde vor Aufnahme der Tätigkeit nach Artikel 23 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 zur behördlichen Registrierung angezeigt werden. Bestimmte Tätigkeiten beziehungsweise Betriebe bedürfen jedoch einer Zulassung nach Artikel 24 der Verordnung (EG) Nr. 1069/2009, die gesondert zu beantragen ist. Dazu zählen beispielsweise Hersteller von Futtermitteln oder organischen Düngemitteln und Biogasanlagen.

Tierische Nebenprodukte sind stets getrennt von Lebensmitteln zu halten sowie eindeutig zu kennzeichnen und zu identifizieren. Jeder Transport von tierischen Nebenprodukten muss von einem Handelspapier begleitet sein, das die wesentlichen Angaben zur Herkunft, zur Art, zur Menge des Materials, zum Transporteur und zum Bestimmungsort enthält. Darüber hinaus hat jeder Betrieb für tierische Nebenprodukte entsprechende Aufzeichnungen zum Warenverkehr und zu den jeweiligen Tätigkeiten zu führen. Dadurch wird die Rückverfolgbarkeit sichergestellt.

Verarbeitungsbetriebe für tierische Nebenprodukte in Nordrhein-Westfalen

Die Europäischen Vorschriften zu tierischen Nebenprodukten verpflichten die Mitgliedstaaten, eine leistungsfähige Infrastruktur für die Beseitigung von tierischen Nebenprodukten der Kategorie 1 und einiger Materialien der Kategorie 2, die der Beseitigungspflicht unterliegen, bereitzustellen. Festlegungen zu den Beseitigungspflichtigen, Einzugsbereichen, Gebühren und Entgelten werden in Nordrhein-Westfalen im Ausführungsgesetz zum Tiergesundheitsgesetz und zum Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz (AG TierGesG TierNebG NRW) getroffen.

In Nordrhein-Westfalen werden die Beseitigungsleistungen von den Kreisen und kreisfreien Städten ausgeschrieben. Derzeit sind drei Verarbeitungsbetriebe für tierische Nebenprodukte in Nordrhein-Westfalen tätig:

Jean Schaap GmbH
Averbeck 51
48619 Heek

SecAnim
Werner Straße 95
59379 Selm

SNP Icker GmbH & Co. KG
Engterstraße 101
49191 Belm

Heimtiere

Körper toter Heimtiere sind grundsätzlich beseitigungspflichtig. Es gibt hier jedoch Ausnahmen. Tote Heimtiere können auch in einem zugelassenen Tierkrematorium verbrannt werden. Auch das Vergraben einzelner (kleinerer) Körper von Heimtieren ist zulässig, wobei zu beachten ist, dass dies nur auf behördlich zugelassenen Plätzen (Tierfriedhöfen) oder auf dem Gelände des Tierhalters erlaubt ist, soweit das Gelände nicht in einem Wasserschutzgebiet liegt. Der Tierkörper darf dabei nicht in der Nähe von öffentlichen Wegen oder Plätzen vergraben werden und muss mit einer mindestens 50 cm starken Erdschicht bedeckt sein.