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Landwirtschaft

Starke Regionen: Landwirtschaft und ländlicher Raum

Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland und gehört zu den großen Volkswirtschaften Europas. Es ist gleichwohl nicht nur ein bedeutender Industriestandort, sondern zugleich ein wichtiges Agrarland. Nach Bayern und Niedersachsen nimmt es als Agrarstandort in Deutschland den dritten Platz ein. Rund die Hälfte der Fläche Nordrhein-Westfalens wird landwirtschaftlich genutzt. Über 35.000 landwirtschaftliche Betriebe und rund 4700 Gartenbaubetriebe bilden zusammen mit der Ernährungswirtschaft einen starken Verbund, der rund 400.000 Arbeitsplätze bietet. In keinem Bundesland ist die Ernährungswirtschaft so stark vertreten wie in Nordrhein-Westfalen. Die Land- und Ernährungswirtschaft in NRW liefert etwa ein Fünftel des deutschen Gesamtumsatzes an Lebensmitteln. Landwirtschaft und Gartenbau produzieren in NRW praktisch alles, was man zum Leben braucht: Fleisch- und Wurstwaren, Brot und Backwaren, Milch und Milcherzeugnisse, Obst und Gemüse. Landwirtschaft und Gartenbau sind im Verbund mit den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen (Zulieferer, Verarbeiter, Handel) eine tragende Säule der ländlichen Regionen in unserem Land.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung fördert die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen, bäuerlichen und gentechnikfreien Landwirtschaft, die zum Erhalt und zur Entwicklung lebenswerter ländlicher Räume beiträgt. Landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe und Strukturen müssen sich den Herausforderungen einer tier-, umwelt- und klimagerechten Modernisierung stellen und werden mit Fördermitteln zielgerichtet dabei unterstützt. Ein möglicher Weg dahin kann die Umstellung von Betrieben auf die Methoden der ökologischen Landwirtschaft sein. In der EU-Agrarpolitik muss das Prinzip „öffentliches Geld für öffentliche Güter“ zur Grundlage der Direktzahlungen in der ersten Säule werden. Die Landesregierung setzt sich darüber hinaus für eine Stärkung der zweiten Fördersäule der EU-Agrarpolitik ein und unterstützt besonders tier- und artgerechte Haltungsformen, besonders umweltverträgliche Anbauverfahren sowie den Erhalt der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft durch eigene Programme. Der Entwicklung artgerechter Formen der Tierhaltung in der Landwirtschaft kommt im Sinne des Tierschutzes, aber auch im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher eine zunehmend größere Bedeutung zu. Die weitere Ausbreitung von Großmastanlagen weist – auch aus Gründen des Immissionsschutzes und der Gülleproblematik – in die falsche Richtung.


Aktuell:
Landwirte und Landwirtinnen als grüne Unternehmer stärken – Potentiale in der Ökolandwirtschaft und in der Energieerzeugung nutzen

20.01.2012 - Landwirte und Landwirtinnen sind heutzutage nicht mehr nur als Lebensmittelproduzenten tätig, sondern erzeugen zudem Erneuerbare Energie, pflegen die vielfältigen Kulturlandschaften, beherbergen Gäste oder betreiben Hofläden und Hofcafés. „Die Landwirtschaft ist und bleibt auch in Zukunft einer der wichtigsten Faktoren zur Stärkung des ländlichen Raumes“, erklärte NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel heute (20. Januar 2012) auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Dabei gilt es vorhandene Potentiale zu nutzen, vor allem in den Bereichen der Erneuerbaren Energien und bei der Herstellung von regionalen Produkten und Biolebensmitteln. Regionale Inwertsetzung ist hier das Stichwort. Dazu gehört auch, betriebliche Strukturen breiter aufzustellen und neue zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen, anstatt immer nur zu wachsen und auf "Masse statt Klasse" zu setzen“. Vor allem der Markt für Ökolebensmittel ist ein interessanter Wachstumsmarkt. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln in Nordrhein-Westfalen steigt kontinuierlich deutlich an – sie kann aber nicht mit dem heimischen Angebot gedeckt werden. Aktuell werden rund 68.000 Hektar in NRW ökologisch bewirtschaftet, weitere 36.000 Hektar müssten umgestellt werden, um den nordrhein-westfälischen Bedarf mit regional erzeugten Biolebensmitteln zu decken. Um den Anreiz auf ökologische Landwirtschaft umzustellen, ist die Förderung für die Umstellungsphase deutlich erhöht worden:

  • bei Ackerflächen von 324 Euro auf 400 Euro pro Hektar,
  • bei Gemüsebau von 900 Euro auf 1.200 Euro pro Hektar und
  • bei Dauerkulturen von 1.404 Euro auf 1.800 Euro pro Hektar.

Zudem hat sich im Bereich Erneuerbare Energien eine ganze Bandbreite an neuen Geschäftsfeldern für Landwirte und Landwirtinnen eröffnet: Biogas, Photovoltaik, Brennstoffe aus Biomasse und Windräder sind zu einer wichtigen Einnahmequelle für landwirtschaftliche Unternehmer und Unternehmerinnen geworden. Die Agrar-Branche wird damit zum aktiven Klimaschützer und spielt eine wichtige Rolle in einem Konzept zur Energiewende. Eine Erhebung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hat ergeben, dass der Anteil der Investitionen von landwirtschaftlichen Betrieben zur Erzeugung von Erneuerbaren Energien derzeit den Löwenanteil ausmacht, in etwa gleichauf mit dem Bau von Wirtschaftsgebäuden.

Deutschlandweit investierten landwirtschaftliche Betriebe im vergangenen Jahr geschätzt etwa sechs Milliarden Euro in Erneuerbare Energien, das sind rund 40 bis 45 Prozent der landwirtschaftlichen Gesamtinvestitionen.

Im Bereich Biogas fällt die Situationsanalyse allerdings etwas nüchterner aus: Trotz der Erkenntnis, dass Bioenergie unverzichtbar für die Energiewende ist, ist erkennbar, dass eine euphorische Betrachtung der Möglichkeiten der Bioenergie nicht angemessen ist. Denn wir müssen uns auch mit den Problemen der Bioenergie auseinandersetzen. Dazu gehört die "Tank oder Teller"-Debatte, die "Vermaisung" der Landschaft und damit verknüpft Fragen zum Arten- und Naturschutz sowie Konflikte um Pachtpreise und mögliche Wettbewerbsverzerrungen.

Um die Potentiale in NRW für die verschiedenen Formen der erneuerbaren Energien zu ermitteln, ist vom NRW-Landwirtschaftsministerium eine Potentialstudie in Auftrag gegeben worden. Sobald die Ergebnisse dieser Studie vorliegen, voraussichtlich im Sommer dieses Jahres, wird zu prüfen sein, welche landesspezifischen Maßnahmen neben den bundespolitischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um ein nachhaltiges Potenzial für NRW auszuschöpfen.

Weitere Informationen:


Das NRW-Programm „Ländlicher Raum 2007-2013“…

… ist das zentrale Förderprogramm für die Land- und Forstwirtschaft sowie für den ländlichen Raum insgesamt. In diesem Programm, in das auch Fördermittel der Europäischen Union und des Bundes einfließen, sind alle Maßnahmen zur Investitionsförderung, zur beruflichen Weiterbildung, zu Agrarumweltmaßnahmen und zum Vertragsnaturschutz, zur integrierten ländlichen Entwicklung sowie weitere Förderbereiche gebündelt. Das Förderprogramm „Ländlicher Raum“ hat auch deshalb eine zunehmend höhere Bedeutung für die Landwirte, weil die europäische Agrarpolitik sich immer weiter aus der Marktsteuerung zurückzieht und im Gegenzug eine immer stärkere Marktorientierung von den Betrieben verlangt. Zudem stehen die Betriebe auch vor der wirtschaftlichen Notwendigkeit, sich stärker als bisher an den Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbrauchern zu orientieren. In der Programmänderung 2011 sind die Aspekte der Nachhaltigkeit und der gesellschaftlichen Akzeptanz im Programm weiter gestärkt worden. Bei den Agrarumwelt- und Tierschutzmaßnahmen wird das Förderangebot nochmals erweitert und attraktiver gestaltet. So werden die Prämien für die Umstellung auf den ökologischen Landbau erhöht und beim Anbau vielfältiger Fruchtfolgen ein Bonus für Körnerleguminosen – wie Erbsen oder Ackerbohnen - eingeführt; zusätzlich werden auch Erosionsschutzmaßnahmen im Ackerbau sowie umwelt- und tiergerechte Haltungsverfahren auf Stroh neu gefördert. Die einzelbetriebliche Agrarinvestitionsförderung wird neu ausgerichtet, indem insbesondere die Förderung tiergerechter Haltungsverfahren und die Flächenbindung der Tierhaltung gestärkt werden.

Weitere Informationen: Interner Link Themenbereich „NRW-Programm Ländlicher Raum“



Ökologische Landwirtschaft

Die ökologische Landwirtschaft ist besonders umweltfreundlich und nachhaltig, schützt das Trinkwasser, den Boden und das Klima. Ökologisch wirtschaftende Landwirtinnen und Landwirte erhalten die Bodenfruchtbarkeit überwiegend aus den eigenen Kräften des Betriebes, streben eine Kreislaufwirtschaft mit möglichst geschlossenen Nährstoffzyklen an und nutzen die Kräfte der Selbstregulation im Ökosystem. Sie halten ihre Tiere möglichst tiergerecht und füttern sie überwiegend mit betriebseigenen Futtermitteln. Zukauffuttermittel müssen bis auf einzelne Ausnahmen aus ökologischer Erzeugung stammen. In der Tierbehandlung haben phytotherapeutische Mittel auf pflanzlicher Basis und homöopathische Präparate Vorrang. Ökologische Landwirtschaft schützt seltene Pflanzen und Tiere und erhöht die Aktivität der Bodenlebewesen. Sie vermindert den Energieverbrauch und schont Rohstoffreserven. Ihre Methoden sind klar geregelt durch die EU-Öko-Verordnung. Ökologisch wirtschaftende Betriebe unterliegen zusätzlich zu den für alle Betriebe bestehenden Regelungen regelmäßigen Kontrollen bei der Erzeugung, der Verarbeitung und im Handel.

Wir verzeichnen zurzeit einen immer noch anhaltenden Aufschwung bei Bio-Produkten. In Nordrhein-Westfalen gibt es bereits 3.282 Unternehmen, die Ökolebensmittel erzeugen, verarbeiten und handeln. Darunter sind 1.800 landwirtschaftliche Betriebe mit rund 67.750 Hektar ökologisch bewirtschafteter Fläche. Doch die Nachfrage nach Bio-Produkten aus heimischer Produktion kann in etlichen Bereichen nicht gedeckt werden. Hier liegen noch große ungenutzte Chancen für die Landwirtinnen und Landwirte in Nordrhein-Westfalen.

Weitere Informationen: Interner Link Themenbereich „Ökologische Landwirtschaft“


Agrarumwelt- und Tierschutzmaßnahmen ...

...honorierenetzlichen Anforderungen hinausgehende Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte für Umwelt, Natur und Tierschutz. Sie stellen einen zentralen Förderbereich des NRW-Programms „Ländlicher Raum 2007-2013“ dar, denen 44 % der Fördermittel gewidmet sind. Diese Mittel setzt das Land Nordrhein-Westfalen gezielt für Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt, für den Gewässer- und Bodenschutz sowie insgesamt für den Erhalt einer vielseitigen bäuerlichen Kulturlandschaft ein. Zu diesen Maßnahmen gehören der Ökologische Landbau, der Vertragsnaturschutz mit zahlreichen spezifischen Angeboten, die betriebsbezogene Grünlandextensivierung, die Förderung vielfältiger Fruchtfolgen, die Anlage von Blühstreifen und von Uferrandstreifen, Erosionsschutzmaßnahmen im Ackerbau und nicht zuletzt die Haltung vom Aussterben bedrohter Haustierrassen. Im Rahmen der Tierschutzmaßnahmen werden die Weidehaltung von Milchkühen und - seit 2011 - umwelt- und tiergerechte Haltungsverfahren auf Stroh gefördert. Die Landwirtinnen und Landwirte in Nordrhein-Westfalen sind in hohem Maße bereit, den steigenden gesellschaftlichen Ansprüchen an eine nachhaltige, ressourcenschonende Landbewirtschaftung nachzukommen und die von der Landwirtschaft beeinflussten, aber auch abhängigen Lebensräume in ihrer Vielfalt zu erhalten. Dies zeigen die beachtlichen Teilnahmezahlen: Über 14.000 Betriebe nehmen im Wirtschaftsjahr 2011/2012 die angebotenen Agrarumwelt- und Tierschutzmaßnahmen wahr. Sie bringen hierbei ca. 260.000 Hektar und 200.000 Großvieheinheiten (umgerechnet entsprechen z.B. eine Kuh oder sechs Mastschweine über 50 kg etwa einer Großvieheinheit) in die Förderung ein.

Auch für die Zukunft gilt der Grundsatz, dass besondere gesellschaftliche Zusatzleistungen angemessen honoriert werden müssen. Das Land Nordrhein-Westfalen setzt sich daher für eine starke zweite Säule der gemeinsamen Agrarpolitik ein.

Weitere Informationen: Interner Link Themenbereich „Agrarumwelt- und Tierschutzmaßnahmen“



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