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Förderung von Tierschutzmaßnahmen

Milchkühe in Weidehaltung. Foto: Phillip Minnis/Panthermedia.net

Die Nutztierhaltung in landwirtschaftlichen Betrieben steht seit einiger Zeit im öffentlichen Fokus. Zentrale Fragen sind dabei: Wie sollte die Nutztierhaltung heute aussehen und welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um das Tierwohl weiter zu verbessern. Neben der Weiterentwicklung der gesetzlichen Regelungen setzt sich die Landesregierung für eine Förderung besonders tiergerechter Haltungsverfahren ein.


Das Land Nordrhein-Westfalen fördert im Rahmen des "NRW-Programms Ländlicher Raum 2014 - 2020" zwei Tierschutzmaßnahmen in landwirtschaftlichen Betrieben: Die "Sommerweidehaltung" und "Haltungsverfahren auf Stroh".

Die Maßnahmen werden auf Basis der sogenannten ELER-Verordnung durch die Europäische Union (EU) und im Fall der Förderung der Sommerweidehaltung zusätzlich durch den Bund über die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) mit finanziert.

Im Jahr 2017 erhielten in NRW rund 2.000 Betriebe für die "Sommerweidehaltung" und rund 900 Betriebe für "Haltungsverfahren auf Stroh" eine Förderung. Insgesamt wurden an die teilnehmenden Betriebe Auszahlungen in Höhe von fast 12 Mio. Euro geleistet.

Für die laufende Förderperiode sind an öffentlichen Mitteln (EU-, Bundes- und Landesmittel) für beide Tierschutzmaßnahmen zusammen über 80 Millionen Euro eingeplant. Gefördert werden Landwirtinnen und Landwirte mit Betriebssitz in Nordrhein-Westfalen. Bewilligungsbehörde für beide Maßnahmen ist der Direktor der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen als Landesbeauftragter. Die Gewährung einer Zuwendung ist unter anderem an die Voraussetzung geknüpft, dass die Förderbedingungen im gesamten Betriebszweig eingehalten werden. Die Anforderungen gehen über die gesetzlichen Anforderungen deutlich hinaus.

Schweinehaltung auf Stroh. Foto: Hennadiy Ivanov/Panthermedia.net

Auf Stroh gehaltene Schweine zeigen ein natürlicheres Verhalten. (Foto: Hennadiy Ivanov/Panthermedia.net)

Haltungsverfahren auf Stroh

Die Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere auf Stroh bietet gegenüber der konventionellen Haltung in Ställen mit perforierten Bodenflächen aus Sicht des Tieres deutliche Vorteile. Vor allem für Schweine gilt: Stroh ist eine wärmeisolierende und feuchtigkeitsabsorbierende Einstreu und kommt dem Spiel- und Erkundungstrieb entgegen. Stroheinstreu, so haben Untersuchungen in Dänemark gezeigt, führt dazu, dass "Schwanzbeißen" oder andere Aggressionen gegenüber Artgenossen tendenziell zurückgeht.

Zu den wesentlichen Verpflichtungen gehört, dass den Tieren mehr Licht und mehr Bodenfläche zur Verfügung stehen muss als üblich beziehungsweise rechtlich gefordert. So muss die für das Tageslicht erreichbare Fläche des Stalles mindestens 3 % der Stallgrundfläche bei Schweinen und 5 % der Stallgrundfläche bei Rindern ausmachen. Für das Platzangebot gilt, dass jedem Tier mindestens folgende uneingeschränkt nutzbare Stallfläche zur Verfügung steht:

  • Milch-/Mutterkühe 5,5 Quadratmeter
  • Mast- und Aufzuchtrinder 4,5 Quadratmeter
  • Zuchtläufern und Mastschweinen, Jungsauen und Sauen im Zeitraum von über vier Wochen nach dem Decken bis eine Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin sowie Ebern jeweils eine 20 % größere Stallfläche, als die nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung festgelegte
  • mindestens 6 Quadratmeter je Abferkelbucht

Sommerweidehaltung

Aus Sicht des Tierschutzes ist die Haltung von Rindern auf der Weide die beste Haltungsform überhaupt. Die Sommerweidehaltung ermöglicht es den Tieren deutlich besser als im Stall, ihr arttypisches Verhalten auszuleben. Hierzu gehört beispielsweise das gemeinsame Grasen in der Herde. Neben dem größeren Aktionsradius und mehr Bewegung sind die Tiere der Witterung und weiteren Reizen ausgesetzt, die zum Wohlbefinden beitragen. Letztlich trägt die Weidehaltung auch zum Erhalt des Dauergrünlands bei und unterstützt über ein traditionelles Haltungsverfahren die Pflege der Kulturlandschaft. 

Zu den wichtigsten Verpflichtungen gehören der tägliche Weidegang der gesamten Weidegruppe im Zeitraum vom 16. Mai bis 15. Oktober des Jahres und der Nachweis von mindestens 0,2 Hektar Dauergrünland je GVE als Beweidungsfläche. 


Erlinghausen im Sauerland. Foto: Dr. Sabine Gerlach

ELER-Förderung (NRW-Programm Ländlicher Raum)

Die Förderung des "Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums" wird in den Mitgliedsstaaten der EU über eigene Programme umgesetzt. In Nordrhein-Westfalen ist das "NRW-Programm Ländlicher Raum" das Kernstück der Förderpolitik für die ländlichen Räume und die Land- und Forstwirtschaft. Ziel des Landes ist der Erhalt und die Entwicklung lebenswerter ländlicher Räume und die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen, bäuerlichen Landwirtschaft.

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