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Futtermittel

Rinder bei der Fütterung. Foto: J. Schulte-Domhof / MKULNV

Nordrhein-Westfalen ist eines der größten Agrarländer in Deutschland. Die landwirtschaftliche Tierhaltung spielt dabei in über 27.000 Betrieben eine besondere Rolle. Futtermittel bilden hier die Grundlage für die Erzeugung der vom Tier gewonnenen Lebensmittel wie Fleisch, Milch und Eiern. In Nordrhein-Westfalen sind fast 47.000 Unternehmen erfasst, die sich mit der Herstellung, der Verarbeitung und dem Handel von Futtermitteln beschäftigen.


Über 300 Mischfutterhersteller in NRW

Größter Produzent von Futtermitteln ist die Landwirtschaft selbst. In Milchviehbetrieben bilden die Silagen aus Gras oder Mais, aber auch die Weidehaltung, die Grundlage der täglichen Futterration. In der Schweine- und Geflügelhaltung ist es meist das hofeigene Getreide, welches die Basis der Futtermischung ausmacht. In der Regel kaufen Landwirte weitere Komponenten und Ergänzungsfuttermittel hinzu. Häufig nutzen sie die Möglichkeit und beziehen fütterungsfertige Mischfuttermittel, welche vielfach auch als „Alleinfuttermittel“ komplett den Ernährungsbedarf der Tiere decken. Die industriell hergestellten Mischfuttermittel enthalten nicht nur betriebseigene, sondern auch auf dem Weltmarkt eingekaufte Komponenten. Dadurch bekommen Futtermittel- und Rohstoffkontrollen bei der Einfuhr eine entscheidende Rolle.

Über drei Millionen Tonnen Mischfuttermittel für landwirtschaftliche Nutztiere werden jährlich in Nordrhein-Westfalen erzeugt. Über 300 Herstellerbetriebe für Mischfuttermittel sind erfasst. Damit liegt das Land im bundesweiten Vergleich auf Platz zwei. Eine gut ausgebaute Infrastruktur, die Anbindung an wichtige Wasserstraßen sowie die unmittelbare Nähe zur landwirtschaftlichen Tierhaltung und den Verbrauchern zeichnen Nordrhein-Westfalen als idealen Standort aus. Damit ist die Produktion von Mischfuttermitteln sowohl für Nutztiere als auch für Heimtiere über die Landesgrenzen hinaus von Bedeutung.

Futtermittelsicherheit

Futtermittel stehen immer in der ersten Stufe in der Produktionskette für Lebensmittel tierischer Herkunft. Sichere Futtermittel stehen deshalb ebenso wie Lebensmittel im Zentrum der Verbraucherschutzpolitik des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Europäische Union hat sich diesen Grundsatz ebenfalls zu Eigen gemacht und die Grundsätze für das europäische Hygienerecht auf dieser Grundlage festgesetzt. In NRW ist das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz die oberste Landesbehörde für die Lebens- und Futtermittelüberwachung. Die Überwachung wird im Land von den 53 Kreisen und kreisfreien Städten sowie dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Verbraucherschutz (LANUV) durchgeführt.

Nordrhein-Westfalen setzt die einheitliche Betrachtung von Lebensmitteln und Futtermitteln um, wie sie mit der Reform des EU-Hygienerechts festgeschrieben worden ist. Auf nationaler Ebene sind die Anforderungen an die Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln in einem einheitlichen Lebens- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) zusammengefasst.

Die Futtermittelunternehmen sind für die Sicherheit der von ihnen erzeugten Futtermittel verantwortlich. Die amtliche Futtermittelüberwachung überprüft unter anderem die Eigenkontrolle der Futtermittelunternehmer zur Sicherstellung der Unbedenklichkeit der vom Tier gewonnenen Lebensmittel. Weitere Ziele der Futtermittelüberwachung sind der Schutz der Tiergesundheit, die Erhaltung und Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Tiere sowie der Schutz des Naturhaushaltes.

Die für die Überwachung zuständigen Behörden überprüfen die Betriebe und die von ihnen hergestellten Futtermittel stichprobenweise auf die Einhaltung der Rechtsvorschriften. Dabei werden die Betriebe risikoorientiert, in der Regel ohne Voranmeldung, durch Betriebs- und Buchprüfungen kontrolliert. In Augenschein genommen werden bei diesen Kontrollen unter anderem der Zustand des Betriebsgeländes sowie von Räumen, Anlagen, Transportmitteln und Geräten. Es wird geprüft, ob der Betrieb ordnungsgemäß Eigenkontrollmaßnahmen durchführt und, zum Zwecke der Rückverfolgbarkeit, umfassende Aufzeichnungen über den Bezug und Verkauf von Waren und Rohstoffe vorliegen. Darüber hinaus werden während der Betriebskontrollen Futtermittelproben genommen. Diese werden nach einem Kontrollplan zum Beispiel auf ihre Zusammensetzung, ihre Kennzeichnung gegenüber dem Abnehmer und auf das Vorhandensein von unerwünschten und verbotenen Stoffen hin untersucht. Überprüft werden weiterhin die Qualität der eingesetzten Rohstoffe sowie die ordnungsgemäße Verwendung von Futtermittel-Zusatzstoffen.

Um die Sicherheit von Futtermittel zu gewährleisten werden in Nordrhein-Westfalen routinemäßig Proben von Futtermitteln genommen und in den „Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern“ untersucht. Die Proben werden sowohl in landwirtschaftlichen Betrieben als auch in der Futtermittelindustrie entnommen und auf eine Vielzahl von möglichen Parametern untersucht – zum Beispiel auf Arzneimittelwirkstoffe, Mykotoxine (Pilzgifte), Pflanzenschutzmittel und unerwünschte Stoffe wie Dioxine. Um die Beprobung organisiert und strukturiert zu gestalten haben die Bundesländer das mehrjährige nationale Kontrollprogramm Futtermittel vereinbart.

Registrierung von Futtermittelunternehmen

Die europäische Union hat die Anforderungen an die Erzeugung und den Umgang mit Futtermitteln in allen Mitgliedsstaaten per Verordnung einheitlich festgesetzt. Hierzu gehören Kriterien an die Ausrüstung, das Personal, die Dokumentation und die Qualitätskontrolle. Darüber hinaus müssen sich nach der EU-Verordnung seit dem 1. Januar 2006 sämtliche Unternehmen, deren Betriebe Futtermittel erzeugen, verarbeiten, lagern, transportieren oder mit diesen handeln, bei den zuständigen Überwachungsbehörden registrieren lassen. Für bestimmte Unternehmen, deren Betriebe zum Beispiel Futtermittel-Zusatzstoffe verarbeiten oder in den Verkehr bringen, ist eine weitgehende Zulassung zwingend vorgeschrieben.

Um den Futtermittelunternehmern eine Handlungsorientierung zu geben, wurde in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe ein Leitfaden zur Registrierung erarbeitet. Die Verpflichtung zur Registrierung gilt grundsätzlich auch für Landwirte, wenn sie in ihren Betrieben Futtermittel erzeugen und diese im eigenen Betrieb verwenden. Zuständig für die Registrierung der Landwirte sind in Nordrhein-Westfalen die Kreise und kreisfreien Städte. In Nordrhein-Westfalen wird jährlich mit dem Sammelantrag zur Betriebsprämie von der Landwirtschaftskammer bei Landwirten abgefragt, ob diese als „Futtermittelunternehmer“ tätig sind. Landwirte, die noch nicht registriert sind, können einen Antrag auf der Seite der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen herunterladen.

Ausgenommen von der Registrierungspflicht sind landwirtschaftliche Betriebe, die:

  • keine eigenen Futtermittel herstellen und ausschließlich zukaufen. Diese Betriebe setzen fütterungsfertige Futtermittel ein, die nicht weiter verarbeitet werden - beispielsweise Geflügelbetriebe, die nur zugekauftes Alleinfutter verfüttern.
  • ausschließlich Tiere halten und füttern, welche nicht der Lebensmittelgewinnung dienen.
  • ausschließlich Futtermittel herstellen und an Tiere verfüttern, welche ausschließlich zur Lebensmittelgewinnung für den privaten Eigengebrauch dienen.
  • kleine Mengen von Futtermitteln erzeugen und an andere Landwirte auf örtlicher Ebene abgeben. Als Orientierungshilfe gelten für eine direkte Lieferung zwischen Landwirten eine Entfernung von 50 Kilometern und eine Produktionsmenge, die jährlich auf einer Fläche von fünf Hektar pro Jahr in einem Umkreis von 50 Kilometern, erzeugt wird.

Aktionsplan Dioxin

Ende des Jahres 2010 wurde bekannt, dass eine Reihe Mischfutterhersteller in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Fette verwendet hatten, die über dem Grenzwert mit Dioxinen belastet waren. Wegen dieser Kontamination im Nutztierfutter wurden zum Jahresbeginn 2011 über 4.000 landwirtschaftliche Betriebe, insbesondere in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, behördlich gesperrt. Noch während dieser Geschehnisse beschlossen die Ministerinnen und Minister für Landwirtschaft und Verbraucherschutz gemeinsam mit dem Bund gesetzliche Konsequenzen. Im Rahmen einer Sonderkonferenz in Berlin im Januar 2011 wurde ein Aktionsplan verabschiedet. In diesem sind unter dem Titel „Unbedenkliche Futtermittel, sichere Lebensmittel, Transparenz für den Verbraucher“ insgesamt 14 Maßnahmen für mehr Sicherheit in der Lebens- und Futtermittelkette zusammengefasst. Inzwischen sind mit der Verabschiedung des dritten Gesetzes zur Änderung des Lebens- und Futtermittelgesetzbuches (LFGB) durch den Bundesrat im Februar 2013 die Maßnahmen des Aktionsplanes umgesetzt. Unter anderem wurden in die nationale Gesetzgebung neue Meldepflichten für Unternehmen und Labore eingeführt. Mit der Änderung des Verbraucherinformationsgesetzes (VIG) wurden die Möglichkeiten für Verbraucherinnen und Verbraucher ausgeweitet, Informationen bei Behörden zu erfragen. Und nicht zuletzt hat auch der Europäische Gesetzgeber mit neuen Zulassungsverfahren und Anforderungen für Unternehmen, die Futterfetten herstellen, als Reaktion auf den Dioxin-Skandal eingeführt