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Pelztiere

Fuchs in Käfighaltung. Foto: Yulia Chupina/ Panthermedia

Die Haltung von Pelztieren in Farmen wird nicht nur von Tierschutzorganisationen kritisiert. Dabei steht vor allem die Frage im Vordergrund, ob das Töten von Tieren, das lediglich dem Gewinnen von Pelzen dient, ein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes ist. Bereits die beengte Massenhaltung dieser teilweise nur wenig domestizierten Tiere stellt ein fortdauerndes Tierschutzproblem dar.


Grundsätzlich fragwürdig

Nordrhein-Westfalen vertritt – wie andere Länder auch – die Auffassung, dass die Zucht und Haltung von Pelztieren zur Gewinnung von Pelzen nicht einem angemessenen und würdigen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen entspricht. Mit Aufnahme von Regelungen über die Haltung von Pelztieren in die bundesrechtliche Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) ist jedoch rechtlich klar gestellt, dass die Haltung unter den dort beschriebenen Rahmenbedingungen grundsätzlich zulässig ist.

Durch die Dritte Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vom 30.11.2006 (BGBl. I S. 2759) sind die Anforderungen an die Pelztierhaltung, vor allem in Bezug auf das Platzangebot, erheblich angehoben worden. Seit dem 12. Dezember 2011 gelten so verschärfte, deutlich tierschutzgerechtere Vorschriften für die Pelztierhaltung.

Chinchilla im Käfig. Foto: ludovikus/ Panthermedia

Auch Chinchillas werden in Farmen gezüchtet, um Pelze zu erzeugen. Foto: ludovikus/ panthermedia.net

Mehr Platzangebot für Pelztiere

Für bestehende Betriebe wurden durch die Neuregelung Übergangsfristen bis zu fünf Jahren zugestanden, die jedoch zum 11.12.2011 endgültig abgelaufen sind. Seit diesem Zeitpunkt gelten für alle Betriebe unter anderem die folgenden Anforderungen:

  • Die Haltungseinrichtungen müssen zusätzlich zu den Innenflächen eines Nestkastens und den Flächen eines Schwimmbeckens oder Sandbades folgende Grundflächen aufweisen:
  • Nerze und Iltisse: für jedes ausgewachsene Tier und für jedes Jungtier nach dem „Absetzen“ eine Grundfläche von mindestens einem Quadratmeter, mindestens jedoch eine Grundfläche von drei Quadratmetern;
  • Füchse und Marderhunde: für jedes ausgewachsene Tier und für jedes Jungtier nach dem „Absetzen“ eine Grundfläche von mindestens drei Quadratmetern, mindestens jedoch eine Grundfläche von zwölf Quadratmetern;
  • Sumpfbiber: für jedes ausgewachsene Tier eine Grundfläche von mindestens zwei Quadratmetern und für jedes Jungtier nach dem „Absetzen“ eine Grundfläche von mindestens 0,5 Quadratmetern, mindestens jedoch eine Grundfläche von vier Quadratmetern;
  • Chinchillas: für jedes ausgewachsene Tier eine Grundfläche von mindestens 0,5 Quadratmetern und für jedes Jungtier nach dem „Absetzen“ eine Grundfläche von mindestens 0,3 Quadratmetern, mindestens jedoch eine Grundfläche von einem Quadratmeter.

Mit Verfügung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz vom 1. April 2011 sollte sichergestellt werden, dass diese Mindestanforderungen in ganz Nordrhein-Westfalen fristgerecht umgesetzt werden.

Bestätigung durch die Rechtsprechung

Gegen die Umsetzung der neuen Regelungen in Form veterinärbehördlicher Anordnungen haben einige Pelztierhalter den Gerichtsweg beschritten. Unter anderem halten sie die neuen Haltungsanforderungen für wirtschaftlich existenzbedrohend.  Diese kämen einem Verbot der Haltung gleich, da eine Haltung von Pelztieren unter diesen Vorgaben nicht mehr ökonomisch betrieben werden könne. Dementsprechend hat bislang kein Betrieb in NRW die Haltungsvorgaben umgesetzt und entsprechende Umbauten vorgenommen.

Die bisher ergangenen Urteile der Verwaltungsgerichte in Münster und Minden in den Jahren 2012 und 2014 geben jedoch der Linie der nordrhein-westfälischen Landesregierung Recht. Die Gerichte halten die Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung insgesamt für verhältnismäßig und sehen die Grundrechte der Tierhalter (Eigentumsrecht, Berufsfreiheit) nicht unzulässig eingeschränkt. Die Richter verweisen ausdrücklich auf die den Betrieben eingeräumten großzügigen Übergangsfristen, die diese nicht ausgenutzt hätten. Als Folge der verschärften Haltungsbedingungen und der gerichtlichen Auseinandersetzungen ist in Nordrhein-Westfalen von den im Jahr 2011 noch bestehenden sieben Pelztierfarmen derzeit nur noch eine Farm in Betrieb. Allein dies ist bereits als großer Erfolg für den Tierschutz zu werten.