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11.06.2018

Ministerin Heinen-Esser am 11. Juni 2018 im Technologiezentrum Oberhausen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Schranz,
sehr geehrter Herr Beck,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich grüße Sie herzlich im Namen der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Gerne bin ich zu Gast beim Projekt Greentech.Ruhr hier im Technologiezentrum Oberhausen.

Wir befinden uns hier mitten im Ruhrgebiet - wir sehen vor uns eine alte europäische Metropolregion, die in beeindruckender Weise den Wandel von der traditionellen Industrielandschaft zu einer modernen Industrie- und Dienstleistungsregion vollzieht.

Von einer "Renaissance des Ruhrgebietes" spricht der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung "Globale Umweltveränderungen".

Hier hat die "Green Economy" längst Einzug in die Wirtschaft gehalten. Viele Unternehmen stellen sich umwelt- und klimabewusst auf und entwickeln neue, ressourcenschonende Produkte und Dienstleistungen. Hier entstehen neue Identifikationen, Wettbewerbsvorteile, Lebensqualitäten und Arbeitsplätze, die wir in NRW dringend brauchen.

Das Ruhrgebiet war seinerzeit erst die Lokomotive für die Schwerindustrie, dann wurde es mit der industriellen Strukturkrise zum Sorgenkind. Heute, 70 Jahre nach der Gründung NRW's, kann diese Region ein Vorbild für andere Ballungsräume mit Millionen von Einwohnern auf der Welt werden.

Das ist genau der richtige Ort für eine Veranstaltung zur Umweltwirtschaft.

Wir sind hier, um über eine Branche zu reden, die inzwischen viele bewegt. Sie bewegt eine Region mit über fünf Millionen Menschen in 53 Städten. Ich bin vom Netzwerk Greentech.Ruhr eingeladen, um über die Chancen zu sprechen, die die Umweltwirtschaft für die Metropolregion Ruhr bietet.

Die Umweltwirtschaft gehört weltweit zu den zukunftsträchtigsten und wachstumsstärksten Märkten für Unternehmen. Laut Umwelttechnologieatlas des Bundesumweltministeriums wird in den nächsten zehn Jahren mit einer Erhöhung der deutschlandweiten Umsätze in diesem Bereich von 344 Mrd. € auf 740 Mrd. € gerechnet.

Hier darf man also künftig mit vielen guten Geschäften rechnen, wenn man sich frühzeitig dem Strukturwandel und der Innovation stellt.

Das alte Industriemodell der Ressourcenausbeutung wird derzeit abgelöst von einem regenerativen Modell der Ressourcennutzung. So sind mit der Umweltwirtschaft nicht nur ökologische Ziele verbunden, sondern klare ökonomische Chancen.

Nordrhein-Westfalen ist bundesweit der größte Anbieter von Umweltwirtschaftsprodukten und Dienstleistungen. Umweltwirtschaft in NRW ist Job-Motor:

  • Schon heute ist jeder zwanzigste Arbeitsplatz im Bundesland in der Umweltwirtschaft angesiedelt. Das sind 368.000 Erwerbstätige.
  • Das Land verzeichnet damit mehr Beschäftigte in der Umweltwirtschaft als jedes andere Bundesland.
  • Der jährliche Anstieg der Erwerbstätigen in der Umweltwirtschaft seit 2010 liegt mit 1,6 % über dem der Chemiebranche (+1,5 % p. a.) und deutlich höher als etwa im Maschinenbau (+0,8 % p. a.).
  • 90.000 Erwerbstätige arbeiten allein in den Bereichen Materialien, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft.

Umweltwirtschaft in NRW ist Wertschöpfung:

  • Mit einer Bruttowertschöpfung von rund 30 Milliarden Euro werden über 6 Prozent der NRW-Wirtschaftsleistung mit Produkten und Dienstleistungen der Umweltwirtschaft erzielt.
  • Die Bruttowertschöpfung in der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft ist zwischen 2010 und 2015 durchschnittlich um 3,4 % p. a. gewachsen, auf insgesamt auf 27,7 Mrd. € (2015). Im Jahr 2015 beträgt der Umsatz der Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen 66,3 Mrd. €.

Nordrhein-Westfalen ist einer der patentstärksten Standorte in Deutschland:

  • 19 % der Patente in Deutschlands Umweltwirtschaft kommen aus Nordrhein-Westfalen.
  • Dies entspricht 2 % der weltweit gemeldeten Patente in diesem Bereich (2014).

Unsere Umweltwirtschaft in NRW ist mit 10,4 Mrd. € Exportvolumen ein wirklicher Exportmeister:

  • Zu den Top-Exportgütern gehören neben Wasserinfrastrukturen und Sekundärrohstoffen, wie Eisen und Kupfer, auch Schienenfahrzeuge.
  • Dabei ist die Europäische Union mit 69 % der größte Abnehmer für Exporte.
  • Die wichtigsten außereuropäischen Absatzmärkte sind die beiden größten der Welt: China und die USA.

Dies alles sind sehr beeindruckende Zahlen, und so ist es kein Wunder, dass die Umweltwirtschaft ein zentrales Handlungsfeld in meinem Ministerium ist.

Mit unserer Umweltwirtschaftsstrategie wollen wir erreichen, dass viele junge Talente, Neugründungen und etablierte Unternehmen darin unterstützt werden, eine starke und innovative Umweltwirtschaft mitzugestalten. Wir streben an, dass bis zum Jahr 2030 über 460.000 Menschen in der Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalens Beschäftigung finden.

Das Zentrum der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft ist hier zu Hause - hier in der Metropolregion Ruhr:

  • Hier gibt es landesweit den stärksten Anbietermarkt im Bereich Umweltwirtschaft.
  • Hier ist ihr größter Wirtschaftsstandort.
  • Hier befinden sich zahlreiche starke Unternehmen, sowohl DAX- wie auch wichtige Mittelstandsunternehmen.
  • Hier finden wir bereits eine hohe Dichte an Innovations-, Technologie- und Gründerzentren vor.
  • Hier gibt es einen neuen Dreiklang: Bildung, Wissen, Innovation. Das Ruhrgebiet hat die dichteste Hochschullandschaft in Europa. An rund 60 außeruniversitären Einrichtungen wird geforscht, darunter viele Fraunhofer- und Max-Planck-Institute.

Ich komme zu einem herausragenden Förderprojekt im Revier: Greentech.Ruhr.

Dieses Projekt zielt auf die nationale und internationale Vermarktung der Metropole Ruhr, seiner Stärken, seiner Unternehmen in der Umweltwirtschaft.

Das Projekt wird aus Mitteln meines Hauses und aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Greentech.Ruhr ist ein Netzwerk der Umweltwirtschaft, das inzwischen 100 Partner umfasst: vom multinationalen Konzern bis zum Hidden Champion, vom internationalen Forschungsinstitut bis zur Beratungsagentur.

Das ist einzigartig - und es ist ein Modell für diese Region, für NRW.

Der Umweltwirtschaftsbericht 2017, den mein Haus herausgibt, zeigt uns, dass sich die Stärke der Metropole Ruhr in einer breiten Technologie- und Innovationskompetenz ausdrückt. Sie reicht von Energietechnik über Ressourcenmanagement und chemischen Aufbereitungsprozessen bis zum nachhaltigen Stadtumbau.

Diese hohe Kompetenz bei Umwelttechnologien steht natürlich zur Verfügung, wenn es heute neue Antworten geben muss: zur Mobilität in unseren Städten und Gemeinden, zur Kreislaufwirtschaft in der Ökonomie.

Neue Technologien verbinden sich hier mit klassischen Branchen. Thyssen etwa versucht, in Kooperation mit Forschungsinstituten eine klimaverträgliche Stahlproduktion zu schaffen. Hüttengase sollen aus der Stahlproduktion in chemische Grundstoffe umgewandelt werden - einschließlich des darin enthaltenen Klimagases Kohlendioxid.

So wird das Treibhausgas nicht mehr in die Atmosphäre abgegeben, sondern in die technologischen und wirtschaftlichen Kreisläufe zurückgeführt.

Der mit Abstand stärkste Innovationstreiber in der Umweltwirtschaft ist die Digitalisierung. Ich nenne Ihnen ein paar Stichworte: Präzisionslandwirtschaft, intelligente Stromnetze, Smart Home und smarte Gebäude, E-Mobilität, digitale Entsorgungslogistik, städtisches Mobilitätsmanagement, Wasser 4.0, vernetzte Messsonden, virtueller Wald.

Hier entstehen neue Märkte und neue Arbeitsplätze.

Die Ergebnisse des neuen Umweltwirtschaftsberichtes zeigen uns allerdings auch: Nordrhein-Westfalen hat zwar einen Vorsprung in der Umweltwirtschaft. Doch die Konkurrenz auf den Märkten wird härter.

Vor allem haben sich China und die USA in den vergangenen Jahren zu den größten Exporteuren von Umweltwirtschaftsgütern weiter entwickelt. Neue Player kommen hinzu: Mexiko und Polen zum Beispiel, die ihre Exporte bei der Umweltwirtschaft in jedem Jahr zweistellig steigern.

Darauf muss Nordrhein-Westfalen sich neu einstellen.

Ich sehe die wichtigsten Handlungsfelder in der Innovationsförderung, in der Marktentwicklung und Internationalisierung sowie in der Beratung und Vernetzung. Die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen ist ein zentraler Punkt der Umweltwirtschaftsstrategie. Innovationen können nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn der Zugang zu Auslandsmärkten da ist.

So wollen wir unbedingt den Vorsprung der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft im weltweiten Wettbewerb festigen und ausbauen.

Damit bin ich wieder beim Projekt Greentech.Ruhr. Es kann vieles bewirken: mit seinem Auftreten nach außen, mit seinem Einblick in die Unternehmenslandschaft der Region.

Sie, meine Damen und Herren, präsentieren öffentlichkeitswirksam, sie bilden internationale Kooperationen und bauen so ihr Netzwerk aus, ohne den regionalen Markt aus dem Blick zu verlieren. Sie machen die Stärken der Region nach außen sichtbar. Die Steigerung der Bekanntheit fördert das Image des Wirtschaftsstandorts.

Haben Sie bitte weiter den Mut, die Zukunft Ihrer Region größer zu denken! Zeigen Sie die Stärken der Metropole Ruhr und reden darüber!

Es ist schön dabei zu sein und zu erleben, wie Greentech.Ruhr wächst, wie es durch die einzelnen Player geformt wird, wie es sich weiterentwickelt.

Das alles beeindruckt mich sehr!