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24.10.2011

Rede

Johannes Remmel

Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft,
Natur- und Verbraucherschutz
des Landes Nordrhein-Westfalen

"Hier wachsen ökologische Leitmärkte heran"

Begrüßungs- und Einführungsrede
zur
Jahresveranstaltung 2011 des Clusters Umwelttechnologien.NRW
im Rahmen der Messe UrbanTec

Köln
24. Oktober 2011

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede.

Ich begrüße Sie herzlich im Namen der Landesregierung hier auf dem Gelände der KoelnMesse - und möchte sogleich mit einer grundlegenden Überlegung beginnen.

Wenn wir in unserer hochindustrialisierten und hochtechnisierten Gesellschaft die natürlichen Ressourcen weiter im heutigen Tempo abbauen, dann wird das die Basis der Wirtschaft, unsere Lebensgrundlage und die der nächsten Generationen bedrohen. Wir müssen dann befürchten, dass notwendige Ressourcen zur Herstellung von Produktionsmitteln und Verbrauchsgütern - oder auch zur Reinigung von Luft und Wasser - unwiderruflich geschädigt oder verschwinden werden.

Daher ist die Schonung der natürlichen Ressourcen und ihr möglichst effizienter Einsatz so wichtig - und daher zählt die Förderung der neuen Umwelt- und Effizienztechnologien auch zu den zentralen Aufgaben der Landesregierung NRW.

Dieser Ausbau der Umweltwirtschaft wird auch im Rahmen des Clusters Umwelttechnologien.NRW stattfinden.

Das Umweltcluster NRW wurde vor zweieinhalb Jahren ins Leben gerufen und die heutige Veranstaltung ist bereits die dritte ihrer Art.

Heute können Sie, meine Damen und Herren, mehr als eine erste Bilanz ziehen, um dann über weitere Schritte zu beraten. Wichtig zu debattieren ist die Vernetzung zwischen den vielfältigen Akteuren der Umwelttechnikbranche Nordrhein-Westfalens.

Das bietet sich unmittelbar an, denn die heutige Veranstaltung ist ein Treffpunkt der Branchen-Akteure. In diesem Kontext soll ja auch am Ende der Veranstaltung eine Partnerbörse für künftige Gemeinschaftsprojekte stattfinden; organisiert im Rahmen der Kooperation mit der InnovationsAllianz.NRW.

Anrede.

Nordrhein-Westfalen legt gerade die Weichen für einen industriellen Strukturwandel, in dessen Mittelpunkt die innovativen Umwelt- und Energietechnologien stehen.

Für große Industrieregionen wie der unseren ist die Vorreiterrolle im Umweltschutz inzwischen ein nicht mehr weg zu denkender Beitrag zum künftigen wirtschaftlichen Wohlstand. Wir merken das längst in solchen prosperierenden Branchen wie der Umweltschutztechnologie und den regenerativen Energien.

Wir, die Landesregierung, wollen den ökologischen Umbau der Industriegesellschaft konsequenter als bisher vorantreiben und entwickeln ein umfassendes, ressortübergreifendes Umweltwirtschaftsprogramm.

Damit wollen wir die starke Position nordrhein-westfälischer Unternehmen auf den Leitmärkten der Zukunft weiter festigen. Umwelttechnologien, Rohstoff- und Materialeffizienz, moderne Verkehrstechnik und Erneuerbare Energien sollen in Zukunft das Bild Nordrhein-Westfalens genauso nachhaltig prägen wie Chemie, Kohle und Stahl.

Anrede.

Für die beiden ersten Jahresveranstaltungen des Clusters Umwelttechnologien.NRW wurde nicht zufällig als Veranstaltungsort die Zeche Zollverein mitten im Ruhrgebiet gewählt, wo sich unmittelbar alte und neue Industrien hart im Raume stoßen. Dort ist der wirtschaftliche Strukturwandel ein Alltagsthema.

In diesem Jahr hat das Cluster sich dafür entschieden, an die Messe UrbanTec anzudocken.

Das bringt für jede Teilnehmerin, jeden Teilnehmer einen Zusatznutzen.

Vor allen Dingen aber findet so eine wichtige Unterstützung dieser neuen Messekonzeption statt, die künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus unter dem Thema stehen soll: "Smart technologies for better cities".

Hier eine Cluster-Tagung abzuhalten, liegt also nahe - und so ist das Cluster Umwelttechnologien.NRW zusätzlich auch an dem Landes-Gemeinschaftsstand auf der Messe selbst beteiligt. Neben anderen Themen zeigen dort auch zwei Unternehmen ihre umwelttechnischen Innovationen, darunter die Fa. TerraTransfer, die in diesem Jahr den Deutschen Gründerpreis als Start up gewonnen hat.

Anrede.

Nachdem das Cluster Umwelttechnologien.NRW vor zweieinhalb Jahren gegründet worden war, stand zunächst die organisatorische Aufbauarbeit im Mittelpunkt. Längst aber widmet sich das Cluster intensiv der inhaltlichen Arbeit.

Wenn ich es richtig sehe, dann setzt sich das Cluster Umwelttechnologien.NRW drei Ziele:

  • Zunächst: es will eine Branchenidentität innerhalb der noch relativ kleinteiligen Umwelttechnikbranche schaffen.
  • Zudem: es will die Internationalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette voran bringen.
  • Schließlich: es will die Innovationsfähigkeit fördern - im Sinne von Technologieförderung und Entwicklung guter Ideen bis zur Marktreife.

Und an dieser Stelle taucht eben das zentrale Zauberwort auf: Vernetzung.

Diesmal der Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Das heißt also: Vernetzung zwischen Wirtschaft, Wissenschafts- orten, Kreditinstituten, Bildungseinrichtungen etc.

Ein konkretes Beispiel aus der Clusterarbeit zeigt, welches Potenzial in der Vernetzung steckt:

Die Stadt Aachen hat am 9. Oktober 2010 eine örtliche Brennstoff- verordnung verabschiedet, die über die bundesgesetzlichen Anforderungen hinausgeht. Wir konnten bereits bei der letzten Clusterjahrestagung über erste Erfolge berichten.

Gegenstand der Verordnung sind die berühmten Kaminöfen, die - mit Holz beheizt - im Trend der Zeit liegen und für große Behaglichkeit sorgen, die allerdings häufig mit unerwünschten Emissionen verbunden sind. Darunter vor allen Dingen Feinstaub, der die menschliche Gesundheit angreift.

Um diesen Feinstaub zu begrenzen wurden auf Initiative des Clusters Umwelttechnologien.NRW Hersteller entsprechender Filtertechnologien, Vertreter aus dem Bundesumweltministeriums, Forschungseinrichtungen und die Schornsteinfeger an einen Tisch gebracht, um gemeinsam Strategien zu entwickeln. Diese Arbeit trägt nun Früchte. Aktuell sind bereits drei Feinstaubfilter für die Nachrüstung von Kaminöfen vom Deutschen Institut für Bautechnik in Berlin (DIBt) zugelassen worden.

Damit steht dem Förderprojekt in Aachen in der Umsetzung nichts mehr im Weg. Um die "Emissionsquelle Kaminofen" so schnell wie möglich zu drosseln, wird in Aachen mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von rund 80.000 Euro eine Abwrackprämie für die Ausrüstung dieser Anlagen mit modernen Feinstaubfiltern gefördert.

Die Verordnung der Stadt Aachen hat durch diese Arbeit des Umweltclusters deutschlandweit Beachtung erfahren. Ich konnte mir selbst am 3. Oktober auf dem Bundesfest zum Tag der deutschen Einheit in Bonn einen davon Eindruck machen, wie erfolgreich diese Kooperation für Unternehmen in NRW umgesetzt wurde. Ferner planen bereits verschiedene Städte, dem Modell Aachen zu folgen, und möchten im Rahmen der Luftreinhaltung die Feinstäube aus Einzelbrandstellen mit einer lokalen Verordnung begrenzen.

Damit hat die Stadt Aachen für NRW ein Modellprojekt gestartet. Und das ist das Ergebnis einer engen Kooperation zwischen der örtlichen Wirtschaft, Forschung und Politik - unter Beteiligung des Umweltclusters.

Am 30. November wird das Projekt in Aachen im Detail vorgestellt werden. Nähere Informationen hierzu können Sie der Homepage des Umweltclusters entnehmen.

Ich denke, meine Damen und Herren, Sie werden im Laufe der Veranstaltung weitere Kurz-Präsentationen zu den diversen Technologie-Bereichen zu sehen bekommen. Ich freue mich insbesondere auf die Erfolgsgeschichten aus den Bereichen "umweltfreundliche Energieerzeugung" und "Echtzeit-Überwachung von Umweltdaten per Internet".

Auch ist mit spannenden Diskussionen zu rechnen zu den Zukunftsthemen: nachhaltige öffentliche Gebäude, Elektronikschrott- recycling, neuartige Sanitärsysteme, Abwärmenutzung sowie Spurenstoffelimination im Wasser. Neugierig bin ich auf die Ausführungen des Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) zu Erfahrungen im Bereich Beteiligungsfinanzierung.

Dieses breite Themenspektrum zeigt die Vielfalt der nordrhein-westfälischen Umwelttechnikbranche - eine Vielfalt, die sie während der heutigen Veranstaltung aktiv erleben können. Die Vielfalt der Branche ist inzwischen eine Kraft für sich geworden, aus der man neue Ideen und praktische Innovationen ziehen kann.

Meine Damen und Herren, ich wünsche Ihnen in diesem Sinne eine erfolgreiche Jahresveranstaltung des Clusters Umwelttechnologien.NRW.

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