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Jagd

Jäger mit Hund. Foto: auremar / Panthermedia

Nordrhein-Westfalen ist der Fläche nach das viertgrößte Bundesland, zugleich aber das bevölkerungsreichste. Bei einer derart hohen Bevölkerungsdichte sind Nutzungskonflikte bei der Jagdausübung nicht immer vermeidbar. Am 28. Mai 2015 ist das neue Ökologische Jagdgesetz für Nordrhein-Westfalen (ÖJG) in Kraft getreten. Schwerpunkte des neuen Gesetzes sind der stärkere Schutz des Waldes und der Wildtiere.


Natur- und Tierschutz im Blick: Die Jagd in Nordrhein-Westfalen

Die Erhaltung der Artenvielfalt und der Schutz von Lebensräumen sind Ziele, die mit einer nachhaltigen Jagd vereinbart sein müssen. Die Ausübung der Jagd ist dort gerechtfertigt, wo sie notwendig ist (zum Beispiel zur Regulierung überhöhter Schalenwildbestände), und nur dann sinnvoll, wenn sie ohne Schaden für Tierschutz, Natur und Kultur betrieben wird.

Fast alle nicht besiedelten Flächen werden bejagt. Das sind im Wesentlichen die landwirtschaftlich genutzten Flächen, die Waldflächen und Gewässer. In Naturschutzgebieten kann die Jagdausübung abhängig vom Schutzzweck gemacht werden. In Nationalpark findet eine Wildtierregulierung nur  ausnahmsweise statt. Nach geltendem Recht darf die Jagd nur in Jagdbezirken ausgeübt werden. Die Gesamtjagdfläche (bejagbare Fläche) des Landes Nordrhein-Westfalen beträgt rund 80 % der Landesfläche. Das sind rund 2.714.000 Hektar, die sich auf insgesamt rund 8.430 Jagdreviere verteilen. Die Jagd darf nur in Revieren mit einer Mindestgröße von 75 Hektar als Eigenjagdbezirk (EJB) oder 150 Hektar in gemeinschaftlichen Jagdbezirken (GJB) ausgeübt werden. Es gibt in Nordrhein-Westfalen rund 4.000 Eigenjagdreviere mit einer durchschnittlichen Größe von rund 216 Hektar. Die Jagdgenossenschaften haben rund 4.460 Reviere mit einer Durchschnittsgröße von rund 418 Hektar verpachtet. In befriedeten Bezirken (zum Beispiel Hofräume, Hausgärten, Friedhöfe, Bundesautobahnen, Kleingartenanlagen, Dauerkleingärten) ruht die Jagd.

Im Jahr 2014 haben in NRW rund 82.700 Personen eine Jagdberechtigung (Jagdschein).

Um den berechtigten Ansprüche der Land- und Forstwirtschaft auf Schutz gegen Wildschäden zu entsprechen, legen die Behörden für den Abschuss des Wildes Zielvorgaben fest. Die Abschussregelung trägt dazu bei, dass ein gesunder Wildbestand aller heimischen Tierarten in angemessener Zahl erhalten bleibt und insbesondere der Schutz von Tierarten gesichert ist, deren Bestand bedroht erscheint, so wie es das Bundesjagdgesetz fordert. In der Schonzeit darf Wild grundsätzlich nicht gejagt werden.


Neues Ökologisches Jagdgesetz für NRW

Am 28. Mai 2015 ist das neue Ökologische Jagdgesetz für Nordrhein-Westfalen (ÖJG) in Kraft getreten. Schwerpunkte des neuen Gesetzes sind der stärkerer Schutz des Waldes und der Wildtiere. Mit der Neufassung des Gesetzes, dessen Ursprünge fast 100 Jahre alt sind, kommt die Landesregierung auch dem Wunsch der Menschen im Land nach einer stärken Berücksichtigung des Tier- und Naturschutzes nach. In der Vergangenheit hatte es starke Kritik an althergebrachten Jagdmethoden gegeben, etwa dem Einsatz von Totschlagsfallen, der übermäßigen Fütterung von Wildtieren, der Ausbildung von Jagdhunden an zuvor flugunfähig gemachten Enten oder dem Abschuss von Hauskatzen. Das neue Ökologische Jagdgesetz ist das Resultat eines mehrjährigen Dialog-Prozesses mit Jagd-, Umwelt- und Tierschutzverbänden sowie Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern.

Die wichtigsten neuen Punkte im Ökologischen Jagdgesetz im Vergleich zum bisherigen Jagdgesetz sind:

1. Verbot des Tötens von Katzen

Der Abschuss von Hunden ist nur noch in absoluten Ausnahmen möglich, wenn andere und mildere Mittel vorher nicht erfolgreich waren. Der Abschuss von Hauskatzen wird grundsätzlich untersagt. Im Jagdjahr 2013/2014 wurden 7595 Katzen und 51 Hunde erlegt.

2. Baujagd nur noch in Ausnahmefällen

Grundsätzliches Verbot der Baujagd auf Füchse oder auf Dachse im Natur- und Kunstbau, allerdings mit Ausnahmen beispielsweise im Falle der Öffentlichen Sicherheit und Gesundheit sowie der Gefahrenabwehr. Zum Schutz der Tierwelt kann auch regional, etwa zum Schutz von Bodenbrütern in Naturschutzgebieten die Jagd im Kunstbau zugelassen werden.

3. Schutz der Umwelt: Änderungen bei Büchsenmunition

Seit April 2013 darf im nordrhein-westfälischen Staatsforst nur noch mit bleifreier Munition gejagt werden. Das Land reagierte damit auf den weiterhin hohen Bleieintrag in die Umwelt und in das Wildbret. Aus Schutz vor weiteren Belastungen der Umwelt und aus Gründen des Verbraucherschutzes und den positiven Erfahren im Staatswald wird bleifreie Büchsenmunition ab dem 1. April 2016 allgemein vorgeschrieben.

4. Aktualisierung des Kataloges jagdbarer Arten

Der Katalog der jagdbaren Arten, der letztmalig in den 70er Jahren geändert wurde, wird in Nordrhein-Westfalen neu festgelegt und anhand bestimmter Kriterien aktualisiert. Arten wie Wildkatze, Luchs, Graureiher und Greifvögel sind aus der Liste der jagdbaren Arten gestrichen worden. Neu aufgenommen in die Liste wurde hingegen der amerikanische Nerz (Mink). Insgesamt werden sich hierdurch die Abschuss-Zahlen nach der Einführung des ÖJG um nur etwa 1 Prozent reduzieren. In NRW sind im Jagdjahr 2013/2014 rund 956.000 Tiere von Jägerinnen und Jägern erlegt worden.

5. Verbot von Totschlagfallen

Mit der Neuregelung gehören Totschlagfallen allgemein den verbotenen Fanggeräten an. Mit der Untersagung wird den Belangen des Tier- und Artenschutzes entsprochen und geschützte Tiere vor Fehlfänge - und deren damit verbundene Tötung z.B. von gefährdeten Arten wie Baummarder oder Wildkatze - verhindert.

6. Verbot der Hundeausbildung an der flugunfähigen Enten und am Fuchs in der Schliefenanlage

Die Jagdhundeausbildung an lebenden Tieren wie der Ente oder dem Fuchs war aus Gründen des Tierschutzes zu novellieren. Die Ente darf nicht mehr flugunfähig gemacht werden, beim Fuchs ist nur noch die Arbeit auf dessen Duftspur erlaubt.

7. Einführung eines jährlichen Schießnachweises

Aus Gründen des Tierschutzes und der Unfallverhütung wird ein Schießnachweis als Voraussetzung für die Teilnahme an Bewegungsjagden auf Schalenwild eingeführt. Dieser Schießnachweis kann auf dem Schießstand, aber auch in Schießkinos erbracht werden.

8. Einführung einer Meldepflicht bei Zusammenstößen von Fahrzeugen mit Schalenwild aus Gründen des Tierschutzes

Eine Meldepflicht von Fahrzeugführerinnen und Fahrzeugführern bei Wildunfällen mit Schalenwild ist aus Gründen des Tierschutzes künftig erforderlich. Ansprechpartner ist die Polizei, da die Telefonnummer des Jagdausübungsberechtigten in den wenigsten Fällen bekannt sein dürfte.

9. Abschaffung der behördlichen Trophäen-Schau

Die allgemeine behördliche Hegeschau, auf der bisher der sogenannte "Kopfschmuck" und die Unterkiefer des im vorangegangen Jagdjahres erlegten männlichen Schalenwildes präsentiert werden, wird abgeschafft.

10. Erweiterung der Gremien der Jagdverwaltung

Die sogenannten "Jagdbeiräte" werden um je einen Vertreter oder eine Vertreterin des Tierschutzes erweitert. Dadurch wird dem Tierschutz Rechnung getragen. Die Beiräte sind in allen grundsätzlichen Fragen zu hören.

11. Aussetzen von Wildtieren nur als Hegemaßnahme

Das Aussetzen von beispielsweise Fasan und Stockenten wird unter Genehmigungsvorbehalt gestellt. Voraussetzung ist der Nachweis biotopverbessernder Maßnahmen für die auszusetzende Wildart. Es soll verhindert werden, dass Tiere nur zum bloßen Schießen - und nicht als Hegemaßnahme - ausgesetzt werden.

12. Stärkerer Schutz des Waldes und wertvoller Schutzgebiete

Wälder übernehmen wichtige Funktionen für Mensch und Tier. Sie speichern Wasser, bieten Lebens- und Erholungsraum und liefern den wertvollen Rohstoff Holz. Durch zu hohe Wildbestände entstehen in den Wäldern große Verbiss- und Schälschäden. Oberstes Ziel ist eine Anpassung der Wildbestände an die Kapazitäten des jeweiligen Naturraumes. So sollen Jägerinnen und Jäger sowie Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer die jagdlichen Konzepte künftig so weit wie möglich gemeinsam planen. Die Bejagungsmöglichkeiten für Rehwild und Rothirsch sollen ausgeweitet werden.

13. Bildung von Jagdvereinigungen

Die Voraussetzungen zur Bildung von Jagdvereinigungen werden erleichtert und analog zu den Kriterien der anerkannten Tierschutzverbände formuliert.


Jagdverwaltung in NRW

Die Jagdverwaltung ist in Nordrhein-Westfalen zweistufig aufgebaut. Oberste Jagdbehörde ist das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Sie nimmt Aufgaben von landesweiter grundsätzlicher Bedeutung wahr, ist zuständig für das Jagdrecht und hat die Fachaufsicht über die unteren Jagdbehörden.

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Beizvogel. Foto: asturianu / Panthermedia

Falknerprüfung

Wer die Beizjagd ausüben möchte, benötigt einen Falknerjagdschein. Für die erste Erteilung des Falknerjagdscheins müssen die Bewerberinnen und Bewerber zusätzlich zur Jägerprüfung (ohne das Fach Waffenkunde und Schießen) die Falknerprüfung bestanden haben. Die Prüfung findet einmal jährlich beim Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in Essen statt.

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Paragraph.

Jagdrecht

Die Jagd ist im Wesentlichen im Bundesjagdgesetz (BJagdG) und in den Jagdgeset-zen der Länder geregelt. Das Jagdrecht ist die ausschließliche Befugnis, auf einem bestimmten Gebiet wild lebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen (Wild), zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. Aber nicht alle wildlebenden Tiere unterliegen dem Jagdrecht. Mit dem Jagdrecht ist ausdrücklich die Pflicht zur Hege der Tiere verbunden.

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Schwarzwild. Foto: jahmaica / Panthermedia

Jägerprüfung

Die Jägerprüfung ist erforderlich für die erste Erteilung des Jagdscheines. Sie wird von den unteren Jagdbehörden bei den Kreisen und kreisfreien Städten durchgeführt und besteht aus einem schriftlichen Teil, einer Schießprüfung und einem mündlich-praktischen Teil. Die schriftliche Prüfung findet in ganz Nordrhein-Westfalen am gleichen Tag und zur gleichen Zeit statt.

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Rotwild.

Jagdstrecken-Statistik

Die Jagdstrecken-Statistik erfasst alle im jeweiligen Jagdjahr vom 1. April zum 31. März erlegten Wildtiere. Die Statistik umfasst auch die Verluste durch Verkehrsunfälle und anderes Fallwild.

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Rehbock. Foto: Viktor Cap / Panthermedia

Jagdabgabe und Förderung des Jagdwesens

Für die Ausübung der Jagd und Falknerei wird in Nordrhein-Westfalen eine besondere Abgabe erhoben. Als Sonderabgabe sind die Mittel aus der Jagdabgabe gruppennützig zu verwenden. Das bedeutet, dass die Einnahmen aus der Jagdabgabe zweckgebunden nur für bestimmte Maßnahmen der Jagd und Falknerei verwendet werden. Anträge für Förderungen aus der Jagdabgabe nimmt das zuständige Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Verbraucherschutz entgegen.

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Feldhase (Lepus europaeus). Foto: Digoarpi / Panthermedia

Jagdzeiten; Schonzeiten und Schonzeitaufhebungen NRW

Die Bundesjagdzeiten-Verordnung legt fest, auf welche Wildarten in welchen Zeiträumen die Jagd ausgeübt werden darf. Die Länder können die Jagdzeiten abändern oder auch die Schonzeiten aus besonderen Gründen aufheben. In der Schonzeit darf Wild grundsätzlich nicht gejagt werden.

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Peter Wey / panthermedia.net

Fangjagd

Mit Inkrafttreten des "Ökologischen Jagdgesetzes" müssen Jägerinnen und Jäger in Nordrhein-Westfalen einen vom zuständigen NRW-Umweltministerium anerkannten Fangjagdlehrgang besuchen, bevor sie die Jagd mit Fallen ausüben. Dies gilt nicht für Revierjäger und bestätigte Jagdaufseher. Auch Jägerinnen und Jäger, die bereits in der Vergangenheit am Lehrgang des Landesjagdverbands erfolgreich teilgenommen haben, gelten als qualifiziert.

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