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Maifisch

Maifisch. Foto: Peter Beeck

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts kamen noch große Schwärme von Maifischen zur Fortpflanzung in den Rhein. Die Bestände dieses Heringsfischs erloschen im frühen zwanzigsten Jahrhundert vollständig. Im Jahr 2013 konnten erstmals wieder Jungfische aus natürlicher Reproduktion nachgewiesen werden. Ein sprunghafter Anstieg von adulten - also ausgewachsenen - Maifischen im Frühjahr 2014 ist unzweifelhafter Beleg für die erfolgreiche Wiederansiedlung.


Eine ausgestorbene Art kehrt zurück

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts waren die meisten Flüsse im heutigen NRW weitgehend naturbelassen mit großen Fischbeständen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschwand ein großer Teil der Laich-, Aufwuchs- und Nahrungsbiotope parallel mit dem industriellen Aufschwung und der ungehinderten Einleitung von Abwässern. Mit ihnen verschwand auch der Maifisch (Alosa alosa), einst „Brotfisch“ der Erwerbsfischerei auf dem Rhein.

Auf Grundlage einer durch die HIT-Umweltstiftung finanzierten Machbarkeitsstudie, wurde im Jahr 2007 das durch das Förderinstrument LIFE der Europäischen Union unterstütze Projekt zur Wiederansiedlung des Maifischs im Rheinsystem gestartet. Das Projekt wurde durch Partner in NRW, Hessen, Frankreich und den Niederlanden mit getragen. Hauptziel war die Entwicklung von Techniken zur Massenzucht von Maifischen und das Ausbringen von rund 5 Millionen Maifischen im Rhein in der Projektlaufzeit bis 2010. Die große Herausforderung bestand darin, dass sowohl die Zucht als auch die Markierung sowie der Transport und das Aussetzen von Maifischen bis dahin weitgehend unbetretenes Neuland darstellten. Als Spenderpopulation sollte der Gironde-Garonne-Dordogne-Bestand fungieren, der größte verbliebene und zu diesem Zeitpunkt noch überaus vitale Maifischbestand mit mehreren hunderttausend in die Flüsse zurückkehrenden Laichfischen pro Jahr. In Frankreich werden laichbereite Maifische bei ihrer Laichwanderung an Fischaufstiegen gefangen und zu einer Fischzuchtanlage transportiert. Dort laichen sie nach Injektion eines stimulierenden Hormons in großen Rundbecken ab. Die geschlüpften, wenige Wochen alte Maifischlarven werden nach Deutschland transportiert und im Rheinsystem besetzt. Auf diese Weise konnten zwischen 2008 und 2010 rund fünf Millionen Maifischlarven in Seitengewässern des Rheins in NRW und Hessen ausgewildert werden. Wiederholte Nachweise von jungen Maifischen im Beifang eines Aalschokkers am Niederrhein konnten eindrucksvoll belegen, dass die Maifische im Rhein geeignete Aufwuchshabitate vorfinden und im Herbst zum Meer hin abwandern. Der Besatz ist somit erfolgreich geglückt. Seit 2011 wird ein Folgeprojekt im Rahmen einer LIFE+-Förderung der Europäischen Union fortgeführt.

Das LIFE+-Projekt soll nicht nur dazu beitragen die verbliebenen Populationen des Europäischen Maifischs vor dem gleichen Schicksal zu bewahren, dass zum Aussterben der Art im Rhein und in großen Teilen des ehemaligen Verbreitungsgebiet führte, sondern die Wiederansiedlung im Rhein weiter vorantreiben und als Modell für künftige Projekte zum Schutz und zur Wiederansiedlung des Maifischs und anderer Wanderfische dienen.

Die Projektleitung hat der Fachbereich 26 „Fischereiökologie“ des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) im Auftrag des NRW-Umweltministeriums übernommen. Die Projektkoordination wird durch Dr. Andreas Scharbert vom Rheinischen Fischereiverband von 1880 e. V. durchgeführt.