Zum Inhalt springen

umwelt.nrw

Hauptinhalt

Nordseeschnäpel

juvenile Nordseeschnäpel. Foto: Bernd Stemmer

Der Nordseeschnäpel (Coregonus oxyrinchus) ist eine heimische Fischart aus der Familie der Felchen. Er kann mehr als 65 Zentimeter lang werden und mehr als 2,5 Kilogramm wiegen. Den überwiegenden Teil seines Lebens verbringt der Nordsee-schnäpel im Wattenmeer der Nordsee. Als sogenannter „anadromer“ Wanderfisch zieht er im frühen Winter in die Unterläufe der Flüsse, wo er zum Laichen geeignete Flussbereiche mit sandig-kiesigem Untergrund aufsucht.


Eine ausgestorbene Art kehrt zurück

Der Nordseeschnäpel wanderte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in größeren Mengen den Rhein bis nach Wesel herauf. Historischen Aufzeichnungen zufolge sollen einige Fische sogar bis in den Mittellauf und zur Moselmündung gewandert sein.

Für den Zusammenbruch der Nordseeschnäpelpopulation im Rhein war das Zusammenspiel einer Reihe von Faktoren verantwortlich: Überfischung, die Verschlechterung der Wasserqualität, die Kanalisierung des Rheins und die damit verbundene Vernichtung der Lebensräume sowie der Bau von Querbauwerken in den Flussläufen sorgten dafür, dass die Fischart seit den 1940‘er Jahren als ausgestorben galt.

Das NRW-Umweltministeriums, die Bezirksregierung Düsseldorf, die Rheinfischereigenossenschaft, die HIT-Umweltstiftung finanzieren und unterstützen im Rahmen des Wanderfischprogramms NRW die Wiederansiedlung dieser ausgestorbenen Fischart im Rhein. Seit 1996 wurden regelmäßig junge Nordseeschnäpel im unteren Niederrhein ausgesetzt. Die Jungfische stammten aus einer Fischzucht in Norddeutschland und sind Nachfahren der letzten existierenden Population des Nordseeschnäpels. Seit 2001 wird die Wiederansiedlung durch das Zoologische Institut der Universität zu Köln geleitet und wissenschaftlich begleitet.

Bereits 2006 gab es eine natürliche Reproduktion des Nordseeschnäpels im Gebiet von Ijssel und Ijsselmeer. Durch Genuntersuchungen wurde festgestellt, dass mehr als 95% aller dort gefangenen Jungschnäpel nicht aus dem Besatz am Niederrhein stammten. Dieses ermutigende Ergebnis führte dazu, dass ab 2007 kein weiterer Besatz mehr durchgeführt wurde.

In den letzten Jahren wurden mit stetiger Regelmäßigkeit adulte (ausgewachsene) Nordseeschnäpel auf ihrer Laichwanderung am Niederrhein gefangen. Die erstmals im März 2014 im Rhein bei Rees im Driftnetz gefangenen Schnäpellarven werden aktuell genetisch untersucht. Die Ergebnisse liegen allerdings noch nicht vor.

Ein erstes Fazit zur Wiederansiedlung des Nordseeschnäpels fällt also positiv aus: Die Art wurde erfolgreich im Rhein wieder angesiedelt und existiert derzeit in einer sich selbst reproduzierenden Population ohne weiteren Besatz.