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15.04.2015

Minister Remmel: "NRW macht die Wälder fit für den Klimawandel" - Umweltministerium stellt "Klimaanpassungsstrategie Wald NRW" vor

Wälder wachsen über einen sehr langen Zeitraum. Junge Buchen, die heute als Setzlinge in den Wald gepflanzt werden oder natürlich aus Samen heranwachsen, brauchen fast ein Jahrhundert, bis sie geerntet werden können. Forstarbeiterinnen und Forstarbeiter müssen also bereits heute Entscheidungen für eine Waldentwicklung treffen, die unseren Nachfahren in den Jahren nach 2100 gesunde, vitale Wälder garantieren sollen. Der Klimawandel stellt hier das größte Risiko dar. Das Land Nordrhein-Westfalen hat deshalb eine Strategie zur Anpassung der Wälder und der Waldbewirtschaftung an die Auswirkungen des Klimawandels erstellt. So soll sichergestellt werden, dass die vielfältigen Leistungen der Wälder – vom Erhalt der Biodiversität über Erholungsmöglichkeiten bis zur Bereitstellung von Holzressourcen – auch zukünftig nachhaltig erbracht werden können.

Im Rahmen einer Fachveranstaltung stellte Umweltminister Johannes Remmel heute (15.04.15) in Düsseldorf die „Klimaanpassungsstrategie Wald NRW“ vor. Die Strategie beschreibt zunächst die nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Wälder. Die Experten erwarten weniger Niederschläge oder veränderte Niederschlagsmengen in den Jahreszeiten, weniger Frosttage, Trockenperioden, häufigere Stürme und eine höhere Durchschnittstemperatur.

Weiterhin enthält die Strategie Handlungshinweise, um die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wälder so gering wie möglich zu halten. Sie differenziert dabei zwischen den verschiedenen Regionen des Landes, in denen sich die Klimaveränderungen unterschiedlich auswirken werden. Die Fichte, der derzeit wirtschaftlich wichtigste Baum für die Forstwirtschaft, wird vorrausichtlich nur noch in den höheren Lagen der Mittelgebirge existieren können. Buchen und Eichen können in einigen Regionen voraussichtlich sogar vom Klimawandel profitieren.

„Angesichts des Klimawandels sind standortangepasste und naturnahe Mischbestände eine gute Risikovorsorge für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer“, sagte Minister Remmel. „Für die gesteigerten Anforderungen eines zukünftigen Waldmanagements müssen die Möglichkeiten moderner Informationstechnologien noch stärker genutzt werden“.

Grundsätzlich ist die „Klimaanpassungsstrategie Wald NRW“ als Arbeitsprogramm zu verstehen, das in den nächsten Jahren und darüber hinaus umzusetzen ist, um unsere Wälder und den gesamten Cluster Forst und Holz fit für den Klimawandel zu machen. Die Klimaanpassungsstrategie Wald weist einen engen Bezug zur Waldstrategie 2050 und zum Klimaschutzplan auf.

Die Strategie benennt 49 konkrete Umsetzungsmaßnahmen, die in den nächsten Jahren begonnen werden müssen. Hierzu gehören insbesondere die Entwicklung und Einrichtung eines klimadynamischen Waldinformationssystems (KlimaWIS.NRW) und die Erstellung eines gesamtheitlichen Waldbaukonzepts für klimaplastische Wälder in NRW. Bei vielen Maßnahmen zur Klimaanpassung spielt die Forschung eine größere Rolle. Einige Wald- und Baumschädlinge werden vom Klimawandel profitieren. Neue Ideen werden gebraucht, um sie mit waldbaulichen Methoden zu bekämpfen. Wir müssen Baumarten finden, die geeignet sind, diejenigen Baumarten zu ersetzen, die den Klimawandel nicht vertragen. Die milderen Winter verhindern immer häufiger, dass die Holzernte bodenschonend auf gefrorenen Waldböden erfolgen kann.

Vor allem die Menschen aus den Ballungsräumen werden ihre Freizeit bei häufigeren und längeren Hitzeperioden voraussichtlich häufiger in den kühleren Wäldern verbringen. Die Konflikte in dem heute schon problematischen Spannungsfeld Freizeitnutzung/Naturschutz/Holzernte werden voraussichtlich größer. Die sich verändernden Freizeitansprüche mit Naturschutz und Holznutzung müssen in Einklang gebracht werden.

Die Sägeindustrie hat sich zurzeit stark auf die Verarbeitung von Fichtenholz spezialisiert – diejenige Baumart, die voraussichtlich besonders stark unter dem Klimawandel leiden wird. Gleichzeitig wird der Holzbedarf der Bevölkerung voraussichtlich steigen. Die Klimaanpassungsstrategie Wald NRW basiert auf einem umfassenden Fachkonzept, das im Auftrag des Umweltministeriums durch das forstliche Beratungsunternehmen „Unique forestry and land use GmbH“ erstellt wurde. In einer Serie von Workshops brachten sich Fachleuten der Landesforst- und Umweltverwaltung sowie Vertreterinnen und Vertretern vielfältiger Institutionen aus dem Bereich Wald, Forst- und Holzwirtschaft statt in die Erarbeitung ein.

Minister Remmel: „Für eine erfolgreiche Umsetzung der Klimaanpassungsstrategie Wald müssen wir gemeinsam an einem Strang ziehen: öffentliche Hand, private und kommunale Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer und auch Unternehmen der Forst- und Holzwirtschaft.“