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09.12.2016
Umweltministerium meldet Nachweise von Trifluoracetat auch in Gewässern und im Trinkwasser in NRW

Das Landesumweltamt erweitert für Gewässer, Grundwasser und Abwässer die Untersuchungen. Die Datenlage ist hinsichtlich der gesundheitsbeeinträchtigenden Bewertung nicht vollständig, eine Gesundheitsgefährdung bislang nicht festgestellt.

Auch in Nordrhein-Westfalen wurde die chemische Substanz Trifluoracetat (TFA) in Gewässern und im Trinkwasser in geringer Konzentration - oberhalb des Gesundheitlichen Orientierungswerts (GOW) und unterhalb des Vorsorgemaßnahmenwert (VMW) -nachgewiesen. Noch steht nicht fest, wie es zu den TFA-Einträgen gekommen ist. Neben industriellen Einleitungen kommt auch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und die dabei entstehenden Abbauprodukte als Eintragsquelle in Betracht. Die dem Umweltministerium vorliegende Datenlage ist zurzeit noch begrenzt, so dass eine landesweite Einschätzung der Situation aktuell schwierig ist. Das Umweltministerium hat aber bereits das Landesumweltamt (LANUV) beauftragt, Untersuchungen in Gewässern, Grundwasser und Abwässern durchzuführen. Zudem hat das Umweltministerium eine Abfrage bei den Wasserversorgungsunternehmen gestartet und diese gebeten, dem Ministerium vorhandene Untersuchungsdaten zum Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. "Wir werden die Wasserversorger unmittelbar zu einem Treffen ins Ministerium einladen, um das weitere Vorgehen zu besprechen", sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel in Düsseldorf. "Darüber hinaus werden wir die Wasserversorger bitten, die Ergebnisse ihrer Untersuchungen und Analysen zu TFA zu veröffentlichen."

Erste Meldungen von TFA in Gewässern und Trinkwasser kamen Anfang Oktober aus Baden-Württemberg. Dort ist TFA über industrielle Einleitungen in den Neckar gelangt. Inzwischen wurde TFA auch im nordrhein-westfälischen Rheinabschnitt sowie in Gewässern in NRW und im Trinkwasser nachgewiesen - allerdings in geringerer Konzentration - oberhalb des GOW und unterhalb des VMW. "Aktuell fehlen Untersuchungen zur Einschätzung der Wirkung von TFA auf den Menschen und die Umwelt, daher werden wir jetzt weitere Untersuchungen für eine abgesicherte Risikoeinschätzung durchführen sowie das Umweltbundesamt bitten, uns dabei zu unterstützen", kündigte Minister Remmel an. Für TFA gibt es in der Trinkwasserverordnung keinen Grenzwert. Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt allerdings für TFA derzeit einen Gesundheitlichen Orientierungswert (GOW) von 1,0 Mikrogramm/Liter (µg/L) und einen Vorsorgemaßnahmenwert (VMW) von 10 µg/L für Trinkwasser. Das UBA soll - unter anderem auf Wunsch des NRW-Umweltministeriums - auch hinsichtlich des GOW mögliche gesundheitliche Auswirkungen von TFA und deren Einordnung untersuchen.

Der Gesundheitliche Orientierungswert und der Vorsorgemaßnahmenwert dienen vor allem der vorsorglichen Vermeidung von Belastungen ohne unmittelbaren Gefahrenbezug. Sie werden aufgrund unvollständiger Datenbasis mit hohen Sicherheitszuschlägen abgeleitet. So besteht selbst bei Überschreitung des GOW im Trinkwasser aktuell kein Anlass zu weiteren, über die angeordneten Prüfungen, Messungen und Bewertungen hinausgehenden Maßnahmen. Auf Basis der Risiko-Einschätzungen des Umweltbundesamtes unter Beteiligung der Wasserversorger wird das NRW-Umweltministerium 2017 notwendige Maßnahmen zum weiteren Schutz der Trinkwasserversorgung und der Gewässer veranlassen. Minister Remmel: "Aus Vorsorgegesichtspunkten sind die TFA-Einträge deutlich zu reduzieren und Maßnahmen zur Verminderung zu ergreifen. Weil die Quellen in NRW nicht eindeutig zuzuordnen sind, müssen und werden wir weitere Analysen und Recherchen durchführen, um die Eintragsquellen von TFA eindeutig zu identifizieren. Einleitungen, die direkt oder indirekt in den Rhein gehen, müssen beendet werden. Der Einsatz TFA-bildender Präparate sowie von Pflanzenschutzmitteln in Trinkwassergebieten muss grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt werden."

Was ist TFA?

Trifluoracetate sind Salze der Trifluoressigsäure. TFA ist sehr gut wasserlöslich, gilt als chemisch recht stabil und sehr mobil und kann aufgrund der sehr geringen Molekülgröße nur sehr schwer aus dem Wasser entfernt. TFA kann über verschiedenste Wege in die Gewässer gelangen, zum Beispiel durch Auswaschungen aus der Atmosphäre oder Einleitungen beziehungsweise Abschwemmungen in die Gewässer. Nach den ersten vorliegenden Daten wird vermutet, dass die Ursache für die gemessenen TFA-Werte in NRW unter anderem auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln beziehungsweise deren Abbauprodukte zurückzuführen sein könnten sind. Allerdings ist TFA beispielsweise auch in Kühlmitteln (unter anderem in Kfz-Klimaanlagen) enthalten und wird zudem in Laboren verwendet.

Befunde in Baden-Württemberg

Als Folge einer industrielen Einleitung wurde TFA im Rhein-Neckargebiet in Baden-Württemberg mit

  • > 10 µg/ L im Trinkwasser (im Einzelfall 22 µg/ L)
  • > 10 µg/ L im Neckar

nachgewiesen.

Untersuchungsergebnisse in NRW

In geringer Konzentrationen um 1µg/ L wurde TFA im nordrheinwestfälischen Rheinabschnitt nachgewiesen. Weitere Untersuchungen in Gewässern und Trinkwasser ergaben TFA-Konzentrationen von < 10 µg/ L im Gewässer und < 3 µg/ L im Trinkwasser.