Zum Inhalt springen

umwelt.nrw

Hauptinhalt

20.12.2016

46. Station der Zukunftsenergientour: Mieterstromprojekt in Köln-Longerich wird Teil der KlimaExpo.NRW – Minister Remmel: "Veedel Energie steht für Bürger-Beteiligung an der Energiewende"

Im Mieterland NRW gibt es unzählige Mietshausdächer, auf denen Solarstrom erzeugt werden könnte. Bei "Veedel Energie" beziehen die Mieterinnen und Mieter der GAG Immobilien AG den Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, die in den Immobilien selbst installiert sind. Das Pilotprojekt dazu auf der Heinrich-Hoerle-Straße im Kölner Stadtteil Longerich versorgt 72 Wohneinheiten günstig und effizient mit Strom. "Das Veedel steht seit jeher für den Zusammenhalt der Menschen. Das eigene Viertel zeichnet sich nicht nur in Köln durch Homogenität und die Bereitschaft zur Kooperation aus. Es ist somit eine soziale Insel – und durch dezentrale Mieterstromangebote wird daraus zusätzlich eine Versorgungsinsel. Wenn Bürgerinnen und Bürger auf so intelligente Weise an den Vorteilen der Energiewende beteiligt werden, dann ist das gleichzeitig auch ein gutes Beispiel für den 'Klimaschutz – made in NRW'", so Umweltminister Johannes Remmel.

Im Rahmen der Zukunftsenergientour der EnergieAgentur.NRW besuchte der Minister heute mit einer Delegation der EnergieAgentur.NRW und der KlimaExpo.NRW das Projekt der GAG Immobilien AG in Köln. Gleichzeitig wurde es als Vorreiter-Projekt in die Leistungsschau der Landesinitiative KlimaExpo.NRW aufgenommen. Minister Remmel übergab gemeinsam mit Wolfgang Jung, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW und Dr. Frank Michael Baumann, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW die entsprechende Urkunde an Uwe Eichner, Vorstandsvorsitzender GAG Immobilien AG und Projektleiter Florian Ellenbürger (Energiemanagement GAG Serviceges. mbH). Für die Strom- und Wärmeproduktion nutzt Veedel Energie erdgasbetriebene Blockheizkraftwerke, die im Keller der GAG-Gebäude Platz finden. Durch die hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung der Systeme mit einem Wirkungsgrad von bis zu 95 Prozent geht kaum Energie verloren. Allein im Pilotprojekt können durch die äußert effiziente Energieproduktion pro Jahr bis zu 115 Tonnen CO2 eingespart werden. Sollte die erzeugte Strommenge einmal nicht ausreichen, deckt die GAG den zusätzlichen Bedarf durch zertifizierten Ökostrom, der zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen stammt.

"Mieterstrommodelle machen sich für die Mieter bezahlt, weil Mieterstrom in der Regel günstiger als der durchschnittliche Vergleichspreis des Grundversorgers ist. Das ist möglich, da bestimmte Strompreisbestandteile wie Netznutzungsentgelte, Stromsteuer und weitere Umlagen nicht zu zahlen sind", erklärte Minister Remmel. Jedoch würden Mieterstromprodukte noch weiter an Attraktivität gewinnen, würden sie nicht durch die volle EEG-Umlage belastet. Remmel: "Kämen solche Projekt in den Genuss der reduzierten EEG-Umlage wie beim Eigenverbrauch, würde der wirtschaftliche Vorteil noch einmal um 35 bis 40 Prozent steigen." Hier sei indes der Bund in der Verantwortung, so der Minister. Die NRW-Landesregierung will die Verbreitung von Mieterstromprojekten unterstützen und hat deshalb seit dem 1. November ein Förderprogramm aufgelegt, bei dem Mieterstromprojekte mit bis zu 30.000 Euro bezuschusst werden.

Der angebotene Strompreis des Projekts Veedel Energie – als Mischpreis aus dem vor Ort produzierten KWK-Strom und dem zugekauften Ökostrom – beträgt 23,00 Cent pro Kilowattstunde zzgl. 99 Euro Grundpreis pro Jahr. Damit ist der Mieterstrom ca. 3 Cent je kWh günstiger als beim Regionalversorger. Über das Jahr gerechnet ergibt sich für einen 4-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3.500 kWh eine Ersparnis von 100 Euro. "Bei Veedel Energie denken wir allerdings langfristig: Bis zum Jahr 2018 wollen wir bei der GAG den Mieterstrom für mehr als 800 Wohneinheiten in unseren Neubauten anbieten", erläutert Uwe Eichner, Vorstandsvorsitzender GAG Immobilien AG. So werde bereits bis Ende 2016 neben dem Pilotprojekt in der Heinrich-Hoerle-Straße in vier weiteren Neubauprojekten mit rund 200 Wohnungen den Mieterinnen und Mietern Veedel Energie angeboten. Aktuell wird in der zur Sanierung anstehenden Kannebäcker-Siedlung mit knapp 1.000 Wohneinheiten überprüft, ob dort zur Erzeugung des Mieterstroms klimafreundlicher Photovoltaik-Solarstrom zum Einsatz kommen kann. "Dies wäre ein weiterer großer Schritt in der Anwendung von Photovoltaik-Dachanlagen in Köln", so Eichner. Die GAG betreibt inzwischen 135 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 2,6 Megawatt peak.

Mieterstrommodelle versprechen eine hohe Attraktivität als Instrument der Effizienzsteigerung und des Klimaschutzes. "Nach Berechnungen des Bundesverbandes Solarwirtschaft und des Verbandes der Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen beträgt das bundesweite Potenzial der Mieterstrommodelle mittelfristig zwischen 3,4 und 4 Terawatt. Das entspricht der Leistung von drei bis vier großen konventionellen Kraftwerken. Insgesamt könnten 20 Prozent aller deutschen Mietwohnungen auf der Basis von Mieterstrommodellen versorgt werden", so Dr. Frank-Michael Baumann, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW. Besonders hervorzuheben sei auch, dass hier ein Wohnungsbauunternehmen auch die Stromversorgung seiner Mieter als eigenes Geschäftsfeld in Kooperation mit dem regionalen Energieversorger Rheinenergie AG aufgebaut und weiterentwickelt hat. "Dies war und ist ein intensiver und zeit- und kostenaufwändiger Prozess von über eineinhalb Jahren gewesen, dafür meine Anerkennung an alle Beteiligten", so Baumann.

Die GAG wurde 1913 auf Initiative des späteren Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer gegründet. Schwerpunkt der Tätigkeiten ist die Bewirtschaftung von derzeit fast 45.000 eigenen und 4.000 fremden Wohnungen. Das Engagement der GAG im Allgemeinen und das Projekt Veedel Energie im Besonderen haben auch dazu geführt, dass das Projekt von der KlimaExpo.NRW als Vorreiter-Projekt qualifiziert wurde und nun das "Wir-sind-dabei"-Logo der KlimaExpo.NRW verwenden darf. Wolfgang Jung, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW: "Der Mieterstrom bringt nicht nur finanziellen Nutzen für Mieter und Vermieter. Durch hocheffiziente Blockheizkraftwerke wird der Strom klimafreundlich vor Ort produziert. Das schafft neue Identität im Viertel."