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PFT

PFT in der Umwelt

Perfluorierte Tenside (PFT) sind synthetisch hergestellte, langlebige organische Chemikalien, die in der Natur nicht vorkommen. PFT werden bei der Herstellung zahlreicher Industrie- und Konsumgüter verwendet, da sie schmutz-, farb-, fett-, öl- und wasserabweisend und außerdem hitzestabil sind.

Das Auftreten von perfluorierten organischen Verbindungen in der Umwelt wurde in den 1970er Jahren erstmals beobachtet. PFT werden heute weltweit in Flüssen, in den Weltmeeren, in Tiefseeproben und in der Atmosphäre nachgewiesen. Auch im Gewebe bzw. Blut von Menschen und Tieren wurden die Wissenschaftler fündig, wobei die Wege und physikalisch-chemischen Mechanismen, über die sich speziell die PFT bisher global verteilt haben, noch nicht vollständig aufgeklärt sind. Rückstände dieser Verbindungen sind sogar im Lebergewebe von grönländischen Eisbären und Fischen aus der Arktis nachgewiesen worden.

Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses standen bisher vor allem zwei PFT-Stoffgruppen, die Perfluoroctansäure (PFOA) und die Perfluoroctansulfonsäure (PFOS). Bedenklich sind die weltweiten Nachweise von PFOA und PFOS im menschlichen Blut: Der Körper scheidet beide Verbindungen nur langsam wieder aus. Für den Menschen haben PFOA und PFOS eine vergleichsweise geringe bis mäßige akute Giftigkeit. Ein krebserzeugendes Potenzial für den Menschen aufgrund umweltbedingter PFOA-Exposition ist als sehr unwahrscheinlich anzusehen. Eine abschließende gesundheitliche Bewertung für die gesamte Stoffgruppe der PFT ist derzeit aber noch nicht möglich.


PFT-Belastung des Grundwassers im Düsseldorfer Norden

Juli 2013 - Die Stadt Düsseldorf hatte Ende Mai mit einer weiteren behördlichen Verfügung auf die bestehende Grundwasserbelastung im Düsseldorfer Norden reagiert. Demnach darf das Grundwasser in Teilen von Lohausen, Kaiserswerth und Kalkum nicht mehr zur Gartenbewässerung genutzt werden, da es mit perfluorierten Tensiden (PFT) belastet ist. Eine Gefährdung der Gesundheit der Nutzer könne bei weiterhin uneingeschränkter langfristiger Nutzung des verunreinigten Grundwassers nicht ausgeschlossen werden. Die Verwendung von Grundwasser zu Bewässerungszwecken wurde deshalb im Sinne eines vorbeugenden Boden- und Gesundheitsschutzes per Allgemeinverfügung durch die Stadt untersagt. Sie ist für 15 Jahre gültig.

Der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel hat eine umfassende Aufklärung der massiven Grundwasserbelastung durch perfluorierte Tenside (PFT) im Düsseldorfer Stadtgebiet angemahnt und dringt auf die zügige Erarbeitung eines Sanierungsfahrplans. „Die Belastungen durch PFT sind schon wegen der räumlichen Ausdehnung auf inzwischen mehr als 8,5 Quadratkilometer nicht hinnehmbar“, sagte Minister Remmel. Hinzu komme, dass auch Analyseergebnisse im Grundwasser mit einem gemessenen Höchstwert von 57.000 Nanogramm pro Liter (ng/l) extrem über den von der Trinkwasserkommission für die langfristige Trinkwasservorsorge empfohlenen allgemeinen Vorsorgewert von 100 ng/l für PFT im aufbereiteten Trinkwasser lägen. Remmel: „Das Land hat der Stadt

Düsseldorf bereits Mittel zur Altlastenerkundung zur Verfügung gestellt. Wir haben auch weiterhin die fachliche Hilfestellung durch das Landesumweltamt angeboten und unterstützen unter Einbeziehung des Altlastensanierungsverbandes (AAV) die Entwicklung einer geeigneten Sanierungstechnik.“ Ziel müsse es sein, etwa auch durch weitere Analysen, die möglichen Verursacher für die entstandenen Schäden möglichst schnell in Anspruch nehmen zu können.“ Inzwischen sind vier Schadstellen im Bereich des Flughafens bekannt. Von diesen gehen Schadstofffahnen im Grundwasser in Fließrichtung zum Rhein hin aus. Erste Maßnahmen zur Quellensanierung sind ergriffen worden. Aufgrund eines vom Betreiber vorzulegendes Sanierungskonzept werden dann weitere Schritte zur dauerhaften Sanierung des Grundwassers und Sicherung der Schadensstellen ergriffen.

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Rechtliche Regelungen

Ende 2006 wurden auf europäischer Ebene erste Maßnahmen zur Beschränkung des Einsatzes bestimmter PFT auf der Grundlage einer Risikobewertung getroffen. Mit der Richtlinie 2006/122/EG vom 12. Dezember 2006 wurde auf die Gefahren durch die Verwendung der zur Stoff-Familie der PFT gehörenden Stoffe Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA) und deren Verbindungen aufmerksam gemacht und die Verwendung von PFOS eingeschränkt. Die europäische Richtlinie wurde in das deutsche Chemikalienrecht übernommen (11. Verordnung zur Änderung chemikalienrechtlicher Vorschriften). Für PFOA gibt es derzeit noch keine Einsatz-Beschränkungen. Da diese chemische Stoffgruppe ein ähnliches Risikopotenzial aufweist wie die PFOS, prüft die EU-Kommission, ob die Verwendungsbeschränkungen auch auf PFOA auszudehnen sind. Im August 2013 wurde PFOS seitens der EU-Kommission als Stoff in die EU-weite Liste der Prioritären Stoffe aufgenommen (2013/39/EU). Als relevante Umweltqualitätsnorm (UQN) gilt zukünftig ein Wert von 9,1 Mikrogramm pro Kilogramm (µg/kg), der in Fischen nicht überschritten werden darf. Der korrespondierende Wert für die Wasserphase betragt 0,65 Nanogramm pro Liter (ng/l), der in Gewässern im Jahresdurchschnitt nicht überschritten werden darf

Für den Verzehr von Fischen aus Möhne, Ruhr und dem Bereich der Ruhrmündung werden daher weiterhin Beschränkungen empfohlen.


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PFT im Trinkwasser

Beim Bekanntwerden der PFT-Belastung von Gewässern und Trinkwasser an Ruhr und Möhne im Jahr 2006 existierten für diese Schadstoffgruppe noch keine speziellen Trinkwassergrenzwerte, Qualitätsnormen für Oberflachengewässer, Zielvorgaben oder Orientierungswerte für eine fachliche Bewertung der gefundenen Belastungen. Das Umweltbundesamt hat danach auf der Grundlage einer Risikoabschätzung durch die Trinkwasserkommission eine Bewertung der gefundenen Konzentrationen mit Blick auf die Trinkwasserversorgung herausgegeben: Danach gilt ein gesundheitlich duldbarer Leitwert (LW) von 0,3 Mikrogramm pro Liter (µg/l) für die Summe aus PFOA und PFOS. Bis zu dieser Konzentration kann das Trinkwasser gemäß dieser Stellungnahme für alle Bevölkerungsgruppen lebenslang bedenkenlos getrunken werden. Der Vorsorglichen Maßnahmewert für Erwachsene (MW = VMW0) wird mit 5,0 μg/l angegeben. Ab 5,0 μg/l ist das Trinkwasser nicht mehr für Lebensmittelzwecke verwendbar. Dieser Vorsorgliche Maßnahmewert gilt seit 2007 für die Summe aller gemessenen perfluorierten Verbindungen im Trinkwasser.

Für sensible Gruppen (Säuglinge, Schwangere, stillende Mütter) gilt der Vorsorge-Maßnahmenwert von 0,5 µg/l PFOA und PFOS. Für diese Gruppe hat das Umweltbundesamt für die Summe aller perfluorierten Verbindungen den Wert von 1,0 µg/l festgelegt, mit der Maßgabe, dass auch hierbei der Summenwert von PFOA und PFOS 0,5 µg/l als VMWS nicht überschritten werden darf. Trinkwasser mit einer PFOS- und PFOA-Belastung über 0,5 μg/l sollte deshalb auch nicht zur Zubereitung von Säuglingsnahrung verwendet werden.

Für die Einzelsubstanz PFBA (Perfluorbutansäure) hat die Trinkwasserkommission im Jahr 2008, veranlasst durch Befunde beim Wasserwerk Möhnebogen, einen lebenslang duldbaren Trinkwasserleitwert von 7,0 µg/l abgeleitet. Dieser Wert basiert auf neueren toxikologischen Daten zu PFBA, denen zufolge diese Substanz nicht zell- und nicht gentoxisch ist und eine um 3 Größenordnungen geringere biologische Halbwertszeit (verglichen mit PFOA) beim Menschen aufweist.

Seit Inbetriebnahme der Aktivkohlefilteranlage beim Wasserwerk Möhnebogen und weiterer Maßnahmen zur Regulierung der PFT-Belastung der Ruhr sind seit August 2006 keine Überschreitungen des gesundheitlich duldbaren Leitwertes von 0,3 µg/l bei PFOA undd PFOS festgestellt worden. Der langfristige Zielwert von 0,1 µg/l PFT wird derzeit noch bei einigen Ruhrwasserwerken zeitweilig überschritten. Aus gesundheitlicher Sicht ergeben sich nach heutiger Einschätzung daraus keine Bedenken. Die festgestellten PFBA-Befunde lagen weit unterhalb des angegebenen Trinkwasserleitwerts. Analysen zum Gesamtspektrum der perfluorierten Verbindungen, die an den Wasserwerken der Ruhr durchgeführt wurden zeigen, dass sämtliche Werte deutlich unter dem vom Umweltbundesamt 2007 als lebenslang gesundheitlich unbedenklich festgelegten Vorsorgemaßnahmenwert liegen.

Mittlerweile wird für Stoffe, für die noch kein Leitwert toxikologisch abgeleitet werden kann, ein gesundheitlicher Orientierungswert (GOW) festgelegt. So kann eine Belastungseinschätzung für weitere PFT-Verbindungen (sowie für PFT-Summen) unter Berücksichtigung des GOW-Konzeptes des UBA aus dem Jahr 2003 und der vom UBA darüber hinaus für Trinkwasser und Trinkwasserressourcen empfohlenen, langfristigen Ziel- und Vorsorgewerte (VW) erfolgen. Auf Basis dieser Vorgehensweise hat das Land NRW zwischenzeitlich die „Bewertungsstrategie Reine Ruhr“ zum Schutze der Trinkwasserresourcen entwickelt.

Im Zusammenhang mit dem PFT-Fund im Sauerland wurden seit 2006 im Auftrag des NRW-Umweltministeriums durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW verschiedene umweltepidemiologische Studien konzipiert und wissenschaftlich begleitet.

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PFT in Oberflächengewässern

Seit Juni 2006 werden PFOA und PFOS, seit Oktober 2007 zusätzlich weitere acht PFT-Verbindungen landesweit analysiert. Zur Aufklärung der PFT-Belastungen der Oberflächengewässer wurden bisher bis 2012 an 360 Messstellen über 4800 Proben untersucht. Der Schwerpunkt der Untersuchungen lag hierbei im Ruhreinzugsgebiet. Die Auswertung der neueren Ergebnisse der Jahre 2008 bis 2012 ergibt für NRW, dass an den meisten Überblicksmessstellen sowohl für die Einzelparameter als auch für die Summe der 10, bzw. seit 2012 17, wichtigsten PFT (Σ10 bzw. 17 PFT) der angestrebte Zielwert von 100 Nanogramm pro Liter (ng/l) im Jahresmittel eingehalten wurde. Seit 2010 zeichnet sich eine Tendenz zu einem – im Vergleich mit 2008 und 2009 – leicht abgesenkten Belastungslevel. Diese positive Tendenz hat sich erfreulicherweise bis 2012 weiter fortgesetzt und ist an den sinkenden Konzentrationen wie Frachten gut zu beobachten. Die PFOS-Konzentrationen in der Ruhr lagen in den Jahren 2011 und 2012 im Jahresmittel deutlich unter 0,1 Mikrogramm pro Liter (μg/l). Oft liegen die Konzentrationen in der Ruhr inzwischen unterhalb der Bestimmungsgrenze, sind also gar nicht mehr nachweisbar. An den Nebengewässern der Ruhr sind jedoch teilweise noch erhebliche Belastungen feststellbar. Überschreitungen des in NRW als langfristiges Mindestqualitätsziel angestrebten Vorsorgewertes von 100 ng/l (Σ10 PFT) wurden bei der Betrachtung der Jahresmittel ab 2010 unter anderem in der Möhne (2010, 2011), im Baarbach (2010 und 2012) sowie in Küttelbecke und Silberbach (jeweils 2010 bis 2012) beobachtet. Vor dem Hintergrund des neuen Vorschlages der Europäischen Kommission ist zukünftig ein niedrigeres Qualitätsziel für das Schutzgut Gewässer heranzuziehen (9,1 μg/ kg in Biota bzw. Fischen bzw. 0,65 ng/ l in der Wasserphase).

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PFT im Abwasser

Die Abwasserverordnung mit ihren branchenspezifischen Anhängen enthält für PFT-Verbindungen keine gesetzlichen Anforderungen. In Deutschland gibt es somit keinen Abwassergrenzwert für PFT. Dies betrifft sowohl die Einleitungsgenehmigungen der Betriebe, die ihr Abwasser in die Kanalisation einleiten (Indirekteinleiter), als auch die Einleitungsgenehmigungen der Kläranlagenbetreiber (Direkteinleiter). Aufgrund der besonderen Gegebenheiten an der Ruhr, aus der Wasser zur Trinkwasserherstellung gewonnen wird, hat Nordrhein-Westfalen die zuständigen Behörden angewiesen, den von der Trinkwasserkommission vorgeschlagenen Vorsorgewert von 0,3 Mikrogramm pro Liter (μg/l) auch im Rahmen der (ab)wasserrechtlichen Erlaubnisse und Genehmigungen für Abwassereinleitungen in Oberflächengewässer zu fordern. Für die Summe der zur zeit analytisch erfassbaren 17 PFT-Substanzen wird ein Zielwert von 17µg/l angestrebt. Dies betrifft sowohl die Betreiber der Kläranlagen als auch die Betreiber industrieller Kläranlagen. Durch diese strikte Vorgabe soll das Vordringen von PFT ins Rohwasser der Trinkwasserherstellung weitgehend unterbunden werden. Inzwischen werden auch für Indirekteinleiter in den Genehmigungsbescheiden entsprechende Begrenzungen für PFT-Konzentrationen aufgenommen. Mit Blick auf die Einhaltung der neuen Umweltqualitätsnorm ist bei Abwasseranlagen zukünftig sicherzustellen, dass der Gewässerwert von 0,65 Nanogramm pro Liter (ng/l) eingehalten wird.

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PFT im Boden

Vorrangige Ursachen von PFT-Belastungen in Böden sind unsachgemäße Abfallverwertung, Galvanikbetriebe, Feuerlöschschaum aus Feuerlöschübungen, Herstellung und Befüllung von Feuerlöschern, Durchführung von Löschversuchen und Brandschäden nach Einsatz von Löschschaum. In Nordrhein-Westfalen sind insgesamt nahezu zwanzig PFT-Sanierungsmaßahmen an belasteten Böden und Altlaststandorten durchgeführt worden, in Betrieb oder sind in der Phase der Vorbereitung. Zur Sanierung erfolgt entweder die Entnahme und Entsorgung des belasteten Bodens auf geeigneten Deponien oder eine Behandlung des Sickerwassers mit Aktivkohle. Zu möglichen verfahrenstechnischen Lösungen zur Aufbereitung von Sickerwasser mit hohen Anteilen kürzer kettiger PFT-Belastungen führt der AAV – Verband für Altlastensanierung und Flächenrecycling NRW gemeinsam mit der Stadt Düsseldorf und dem LANUV Aufbereitungsversuche am Standort eines Großbrandschadens in Düsseldorf-Gerresheim durch. Ziel der Versuche ist zu klären, ob mit einem zweistufigen Aufbereitungsverfahren (Aktivkohle, Adsorberharze) eine umwelttechnisch vertretbare und wirtschaftlich zumutbare großtechnische Anlage realisiert werden könnte.

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