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Tierhaltungsanlagen

Neubau einer landwirtschaftlichen Tierhaltungsanlage. Foto: Peter Jobst/ Panthermedia.net

Anlagen zur Aufzucht und Haltung von Tieren können in erheblichem Maße Luftverunreinigungen wie Staub, Ammoniak, Gerüche und Bioaerosole freisetzen. Insbesondere die Haltung von Schweinen und Geflügel ist oft mit Belästigungen verbunden. Während kleinere Tierhaltungsanlagen lediglich baugenehmigungspflichtig sind, ist für die Errichtung oder Änderung von größeren Tierhaltungsanlagen eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung einzuholen.


Neue Anforderungen durch den NRW-Tierhaltungserlass

Zuständig für die immissionsschutzrechtliche Genehmigung und Überwachung von Tierhaltungsanlagen sind in der Regel die Kreise und kreisfreien Städte. Im Zuge der Errichtung oder Änderung von Tierhaltungsanlagen werden von den zuständigen Genehmigungsbehörden im Rahmen von immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren umfangreiche Prüfungen vorgenommen, um schädliche Umwelteinwirkungen – insbesondere für die Nachbarschaft – zu verhindern und die immissionsschutzrechtlichen Anforderungen an die Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen einzuhalten. Der sogenannten Immissionsprognose, das heißt der Vorhersage zukünftiger Immissionen, die durch die geplante Anlage oder ihre Änderung zu erwarten sind, fällt dabei eine entscheidende Rolle zu.

Bei besonders umweltrelevanten Tierhaltungsanlagen ist ein Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchzuführen. Die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner der Anlage sowie die Umweltverbände haben die Möglichkeit, sich aktiv in die Genehmigungsverfahren einzubringen und Bedenken gegen das Vorhaben vorzutragen.

Zur Minderung des Luftschadstoffs Ammoniak (NH3) wurden auf europäischer Ebene durch die Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen (NEC-Richtlinie 2001/81/EG) auch für Deutschland entsprechende Begrenzungen festgelegt. Zur Erreichung der NH3-Grenzen sind entsprechende Maßnahmen erforderlich, um die Emissionen insbesondere im Bereich der Landwirtschaft, zum Beispiel durch entsprechend emissionsarme Gülleausbringung, gezielte Abluftreinigung an Stallgebäuden oder emissionsmindernde Abdeckung von Güllelagerbehältern, zu vermindern.

Um eine Minderung der Emissionen von Tierhaltungsanlagen zu erreichen, wurde in Nordrhein-Westfalen im sogenannten „Tierhaltungserlass“ vom 19. Februar 2013 ein neuer Stand der Technik vorgeschrieben, der unter anderem für große Schweinehaltungsanlagen den Einbau von Abluftreinigungsanlagen zur Minderung von Staub, Gerüchen und Ammoniak vorsieht sowie Regelungen zur emissionsarmen Lagerung von Gülle trifft. Darüber hinaus gibt dieser Erlass den Behörden konkrete Handlungsvorgaben zur Prüfung der Belastung durch luftgetragene Mikroorganismen (Bioaerosole) im Genehmigungsverfahren.

Tierhaltungsanlagen können aber auch zu Geruchsbelästigungen führen, vor denen das Bundes-Immissionsschutzgesetz die Bürgerinnen und Bürger schützt.

Hennen in Bodenhaltung. Foto: Ina Penning/ Panthermedia

Hennen in Bodenhaltung. Foto: Ina Penning/ Panthermedia

Stickstoff-Deposition

Die Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) schreibt vor, dass bei Bau oder Erweiterung genehmigungsbedürftiger landwirtschaftlicher Anlagen unter anderem auch die Stickstoff-Deposition zu bewerten ist. Im Auftrag der Bund/Länderarbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI) wurde hierfür – unter Einbindung von Umwelt-, Agrar- und Forstbehörden – ein praxistaugliches Verfahren in Form eines „Leitfadens zur Ermittlung und Bewertung von Stickstoffeinträgen“ erarbeitet.

Ziel des LAI-Leitfadens ist die Vereinfachung und Vereinheitlichung der Bewertung der Stickstoff-Deposition in Genehmigungsverfahren. Hierbei wird in einem gestuften Verfahren geprüft, ob die Stickstoff-Immissionen einer geplanten, beziehungsweise zu erweiternden Anlage, gegebenenfalls zu einer Schädigung empfindlicher Pflanzen und Ökosysteme führen können. Kann dies nicht ausgeschlossen werden, muss im Anschluss eine detaillierte Einzelfallprüfung gemäß Nr. 4.8 der TA Luft durchgeführt werden. Im Rahmen dieser Einzelfallprüfung muss dann nachgewiesen werden, dass der Schutz empfindlicher Pflanzen und Ökosysteme gewährleistet ist.


Moderne Tierhaltungsanlage. Foto: Johannes Weber-Monecke / Panthermedia

Tierhaltungsanlagen können Bioaerosole freisetzen.

Bioaerosole

Mit großen Tierhaltungsanlagen, oft in Kombination mit Biogasanlagen, ist häufig der Austrag von Bioaerosolen mit der Luft verbunden. Einige Bioaerosole, wie beispielsweise Schimmelpilze, stammen aus natürlichen Quellen und können daher auch als natürlicher Bestandteil der Außenluft vorkommen. Unter Bioaerosolen versteht man „biologische Partikel“ in der Luft, also beispielsweise Bakterien, Viren, Schimmelpilze oder Bestandteile abgestorbener Bakterien oder Schimmelpilze. Sie können möglicherweise zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Besondere Besorgnis gilt dabei den Antibiotika-resistenten Keimen. Die genaue umweltmedizinische Einschätzung der Wirkung von Bioaerosolen ist schwierig. Ursache ist eine oft unterschiedliche Zusammensetzung und Konzentration dieser Aerosole. Der Bereich der Umweltmedizin beteiligt sich an der Entwicklung von Bewertungsmöglichkeiten.



Luftverunreinigungen und Geruchsbelästigungen

Geruchsbelästigungen können sich durch Luftverunreinigungen vor allem aus Lebensmittelfabriken, Tierhaltungs-, Abfallbehandlungs- oder Chemieanlagen ergeben. Sie können schon bei sehr niedrigen Stoffkonzentrationen und auch durch das Zusammenwirken verschiedener Substanzen hervorgerufen werden. Ein Nachweis durch technische Messverfahren ist in der Regel nicht möglich. Das geeignete „Messinstrument“ für Gerüche ist die menschliche Nase.

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