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Umweltmedizin
Die Umweltmedizin untersucht den Einfluss von Umweltfaktoren auf die menschliche Gesundheit. Im Gegensatz zur individuellen Umweltmedizin, die im direkten Kontakt Arzt/Ärztin – Patient/in umweltbedingte Gesundheitsstörungen untersucht, befasst sich das nordrhein-westfälische Umweltministerium mit den Auswirkungen von Umweltfaktoren auf die gesamte Bevölkerung bzw. auf einzelne Bevölkerungsgruppen. Auf Basis wissenschaftlicher Studien werden die Wirkungen von chemischen und biologischen Schadstoffen, Lärm und anderen physikalischen Einwirkungen auf die menschliche Gesundheit bewertet. Und es wird festgestellt, in welchem Ausmaß Personen solchen schädlichen Umweltfaktoren ausgesetzt sind (Exposition). Denn das alleinige Auftreten eines Schadstoffes in der Umwelt sagt noch nichts darüber aus, ob unsere Gesundheit beeinträchtigt wird. Entscheidend ist, ob und in welcher Konzentration ein Schadstoff in den menschlichen Körper gelangt, wo er seine schädliche Wirkung entfalten kann. Prinzipiell orientiert sich das NRW-Umweltministerium bei der Risikobewertung am vorsorgeorientierten Ansatz. Unter anderem heißt das, dass im Fall von unzureichenden oder fehlenden Informationen zur Schädlichkeit eines Stoffes empfohlen wird, die Exposition gegenüber einem Stoff so niedrig wie möglich zu halten (Prävention).
In Gebieten in Nordrhein-Westfalen, wo sich in verschiedenen Umweltmedien, wie zum Beispiel in der Außenluft oder im Trinkwasser, erhöhte Schadstoff-Konzentrationen finden, führen wir umweltepidemiologische Studien durch. Mit diesen Untersuchungen wollen wir herausfinden, ob es einen Zusammenhang zwischen einer spezifischen Belastungssituation vor Ort und Auswirkungen auf die Gesundheit der dort lebenden Bevölkerung gibt. Unter anderem wird untersucht, ob Schadstoffe aus der Umwelt zu einer erhöhten inneren Belastung des menschlichen Körpers führen. Solche Untersuchungen werden Human-Bio-Monitoring (HBM) genannt. Ziel von HBM ist es herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schadstoff-Belastung gibt. Als äußere Belastung kommen z.B. Schadstoffe in der Luft oder dem Trinkwasser in Frage. Die innere Belastung wird durch Analyse von Schadstoffen bzw. ihren Stoffwechselprodukten in Blut, Urin, Haaren usw. festgestellt. Außerdem ermitteln wir im Rahmen der Umweltepidemiologie, welche Krankheiten und Symptome im Zusammenhang mit der jeweiligen Umweltbelastung vor Ort stehen.
In den letzten Jahren wurden im Auftrag des NRW-Umweltministeriums folgende umweltepidemiologische Projekte durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) konzipiert, beauftragt und betreut:
Hot-Spot-Studie 2000
Hot-Spot-Studie 2005/2007 (Edelstahl-Studie 2005 - 2007)
Dioxin-Kohortenstudie Duisburg
Feinstaub-Kohortenstudie Frauen NRW
Die Feinstaub-Kohortenstudie Frauen NRW untersucht die Zusammenhänge zwischen Sterblichkeit (bzw. Todesursachen) und Luftbelastung (Feinstaub, Stickstoffdioxid, Wohnen in der Nähe einer Hauptverkehrsstraße) an einer Gruppe älterer Frauen aus NRW.
Im ersten Teil der Studie (Erhebung der Sterbezahlen und Todesursachen bis 2003) wurde ein statistisch signifikanter Zusammenhang der Luftbelastung mit der Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen gefunden:
Im zweiten Teil (Erhebung bis 2008) konnten die Ergebnisse des ersten Teils bestätigt werden und differenzierte Zusammenhänge zwischen einzelnen Todesursachen (Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrebs) und den Luftschadstoffen beobachtet werden:
Duisburger Kinderstudie Umwelt und Gesundheit
Human-Biomonitoring perfluorierter Verbindungen (PFT): Blutuntersuchungen
Human-Biomonitoring perfluorierter Verbindungen (PFT): Muttermilchuntersuchungen
Außerdem werden im Auftrag des Ministeriums vom
Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe in Münster Muttermilchproben auf Umweltschadstoffe untersucht. Stillende Mütter können ihre Milch auf verschiedene Schadstoffe, wie zum Beispiel Dioxine, polychlorierte Biphenyle (PCB), perfluorierte Verbindungen (PFT) untersuchen lassen.
Anlassbezogen befassen wir uns mit sogenannten umweltbezogenen Krankheits-Clustern. In der Umweltmedizin versteht man unter einem Cluster die Häufung von Krankheits- oder Todesfällen in einem geographischen Areal, die auf Einflüsse aus der Umwelt zurückgeführt wird. Ob ein solcher Zusammenhang tatsächlich besteht, muss im Einzelfall untersucht werden. Ein Beispiel für ein Cluster in NRW mit Bewertung findet sich
hier.
Ein weiterer Schwerpunkt unserer umweltmedizinischen Arbeit ist die Beurteilung von Schadstoffen, die über die Lunge (inhalativ) in den Körper gelangen. Hierbei unterscheiden wir zwischen Belastungen aus der Außenluft und der Innenraumluft. Im Außenluftbereich sind es vor allem verkehrs- und industriebedingte Schadstoffe, wie zum Beispiel Feinstaub, Stickstoffoxide, Benzol oder Nickel, die einen schädlichen Einfluss auf die menschliche Gesundheit haben können. Zu vielen dieser
Außenluftschadstoffe gibt es zum Schutz der menschlichen Gesundheit gesetzliche Regelungen. Für Schadstoffe im Innenraum gilt dies mit einer Ausnahme nicht. Lediglich zur Begrenzung von Tetrachlorethen in Innenräumen, die an chemische Reinigungen angrenzen, gibt es einen gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert. Für den Innenraum liegen aber zahlreiche gesundheitsbezogene Beurteilungswerte vor, die als Richt- oder Orientierungswerte zwar keinen Gesetzescharakter haben, aber dennoch von rechtlicher Relevanz sind. Die Ableitung von gesundheitsbezogenen Richtwerten für die Innenraumluft erfolgt in Deutschland von einer Arbeitsgruppe der
Innenraumluft-Hygiene-Kommission (IRK)
am Umweltbundesamt.Eine wichtige umweltrelevante Einflussgröße im Innenraum ist
Radon. Die Exposition gegenüber diesem radioaktiven Edelgas ist die Hauptquelle der
Radioaktivität für die Allgemeinbevölkerung. Radon ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in der Bevölkerung.
Mit der Entwicklung der
Nanotechnologien stellt sich auch die Frage nach den gesundheitlichen Wirkungen von neuen Nanomaterialien. Den aktuellen Wissensstand zu gesundheitlichen Risiken dieser Stoffe bei Aufnahme über die Lunge hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in einem Fachbericht zusammengestellt:
„Gesundheitliche Risiken von Nanomaterialien nach inhalativer Aufnahme - Darstellung des aktuellen Kenntnisstandes".Unsere Arbeit wird von folgenden Institutionen aus unserem Geschäftsbereich unterstützt:
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW
Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe
Weitere Informationen zum Thema "Verkehr und Gesundheit":
