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Gewässerbeschaffenheit

Gewässerüberwachung in Nordrhein-Westfalen

Die Bäche, Flüsse und Seen sind Lebensraum für Flora und Fauna und dienen zum Teil – nach entsprechender Aufbereitung - zur Trinkwassergewinnung. Dementsprechend muss der Zustand der Oberflächengewässer regelmäßig und systematisch untersucht werden.

Die Untersuchungsergebnisse sind hinsichtlich der Frage

  • ob die Bäche, Flüsse und Seen die notwendigen Voraussetzungen besitzen, damit sich dort ein funktionierendes Ökosystem etablieren kann und
  • ob die Qualität des Wassers die Voraussetzungen erfüllt, damit es ggf. als Rohwasser zur Gewinnung von Trinkwasser herangezogen werden kann
zu beurteilen.

Wer macht was?

Die Untersuchung des Gewässerzustands ist rechtlich geregelt im

  • Externer Link - öffnet in neuem Fenster Landeswassergesetz,
  • der Verordnung zur Umsetzung der Anhänge II, III und V der Richtlinie 2000/60/EG vom 23. Oktober 2000 über die Bestandsaufnahme und Einstufung der Gewässer (GewBEÜV vom 10.02.2006),
  • der Gewässerqualitäts-Verordnung (Externer Link - öffnet in neuem Fenster GewQV vom 1.06.2001),
  • der Verordnung zur Umsetzung der Richtlinie 78/659/EWG des Rates vom 18.Juli 1978 über die Qualität von Süßwasser, das schutz- oder verbesserungsbedürftig ist, um das Leben von Fischen zu erhalten (Externer Link - öffnet in neuem Fenster FischgewV vom 27.08.1997)
  • oder der Badegewässerverordnung (Externer Link - öffnet in neuem Fenster BadegewVO vom 16.02.2008)

Das Gewässermonitoring wird von den Wasserbehörden, von Wasserverbänden oder auch von den Gesundheitsbehörden (Badegewässer) durchgeführt. Das Gewässermonitoring, das von den Landesbehörden durchgeführt wird, konzentriert sich auf die größeren Gewässer, das heißt auf Gewässer mit einem Einzugsgebiet von mehr als 10 km² bzw. auf Seen mit einer Fläche von mehr als 50 ha. Die kleineren Gewässer werden von den Wasserverbänden oder von den Kommunen untersucht. Das vom Land untersuchte Gewässernetz umfasst damit 13.000 der insgesamt 50.000 Gewässerkilometer in Nordrhein-Westfalen.

Was wird untersucht?

Ein Ziel der Gewässeruntersuchungen ist die Beurteilung des Gewässers als „Lebensraum für Pflanzen und Tiere“. Um die Lebensraumfunktionen zu beurteilen, sollen zukünftig nach den Vorgaben der EG-Wasserrahmenrichtlinie (bzw. in Nordrhein-Westfalen entsprechend der GewBEÜV) folgende biologische „Komponenten“ untersucht werden:

Die an den Messstellen vorgefundenen Gewässerorganismen, d.h. das Artenspektrum und die Verteilung der Arten untereinander werden mit dem Artenspektrum und der Artenverteilung, die im gleichen Gewässertyp natürlicherweise anzutreffen wären, verglichen. Durch diesen Abgleich mit dem Referenzzustand wird festgestellt, ob es Gewässerbelastungen gibt, die den Lebensraum „Gewässer“ in seinen Funktionen stören. Eine systematische Untersuchung der Gewässerflora und –fauna im Hinblick auf eventuelle Beeinträchtigungen der Lebensraumfunktionen erfolgt erst seit 2006 auf Basis der EG-Wasserrahmenrichtlinie.

Seit 1970 werden hingegen die Nähr- und Schadstoffkonzentrationen in den Gewässern und deren Auswirkung auf die am Gewässerboden lebenden Organismen (Makrozoobenthos) systematisch erfasst. Die „biologische Gewässergüte“ und die auf Abwassereinleitungen, auf Nähr- und Schadstoffeinträge aus der Landwirtschaft bzw. von versiegelten Flächen oder aus Altlasten zurückzuführenden Gewässerbelastungen sind gut bekannt. Die gemessenen Konzentrationen werden mit „Sollwerten“ verglichen, d.h. mit Werten, bei denen eine Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung wo vorhanden, der Gewässerökologie oder negative Auswirkungen auf die Meere nicht zu erwarten sind.

Wo und wann wird untersucht?

Die Gewässerexperten der Bezirksregierungen und des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz untersuchen alle Gewässer in Nordrhein-Westfalen, die ein Einzugsgebiet > 10 km² haben und Seen mit einer Fläche > 50 ha. Damit werden 13.000 der insgesamt 50.000 Gewässerkilometer in Nordrhein-Westfalen regelmäßig untersucht. Auch die kleineren Gewässer werden überwacht, zum Beispiel dann, wenn Kläranlagen in die Gewässer einleiten.

Das Messnetz wird in ein Überblicks-, operatives und investigatives Messnetz unterteilt. An den Überblicksmessstellen werden großräumige und langfristige Trends beobachtet. Mit dem operativen Messnetz wird der Zustand der Gewässer in der Region erfasst. Das investigative Messnetz dient der Untersuchung besonderer lokaler Ereignisse, zum Beispiel der Erfolgskontrolle von Kläranlagen.

An mehreren der Überblicksmessstellen findet eine kontinuierliche „Alarmüberwachung“ statt. Es wird hier mit kontinuierlich arbeitenden Analysegeräten und mit sogenannten Biotestverfahren, die empfindlich auf erhöhte Schadstoffkonzentrationen reagieren, ständig die Wasserqualität überwacht. Damit wird es möglich, im Gefahrenfall rechtzeitig zu reagieren und zum Beispiel sensible Wasserversorgungsanlagen abzuschalten. Dabei muss aber immer klar sein, dass es eine 100 %ige Sicherheit nicht gibt. Es gibt mehrere hunderttausend Schadstoffe und nicht alle Schadstoffe können chemisch detektiert werden.

Wie ist der Zustand der Gewässer heute?

Die Ergebnisse des Gewässermonitorings werden regelmäßig publiziert. Bisher erfolgte dies in den Gewässergüteberichten des Landes (Externer Link - öffnet in neuem Fenster www.lanuv.nrw.de). Der aktuelle Zustand der Gewässer ist 2004 als ein Element der „Bestandsaufnahme“ zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie veröffentlicht worden. Die sehr umfassenden Berichte (Ergebnisberichte) dazu sind im Internet unter Externer Link - öffnet in neuem Fenster www.flussgebiete.nrw.de zugänglich.

Gewässerqualität:

Durch die Einleitung vom gereinigten Abwasser aus den Kläranlagen oder von Niederschlagswasser, das den Staub von Straßen und befestigten Flächen oder von ggf. gerade gedüngten Ackerflächen mit sich führt, werden die Gewässer sehr stark mit organischen Stoffen und Nährstoffen belastet. Regen- und Mischwasser wird nach Möglichkeit behandelt, in der Landwirtschaft wird eine „gute Praxis“ angewandt, dennoch gelangen noch organische und Nährstoffe in die Gewässer. Diese Stoffe sind zwar in der Regel leicht abbaubar. Zum Abbau der Stoffe über die im Gewässer lebenden Organismen („Selbstreinigungskraft der Gewässer“) wird auch Sauerstoff verbraucht. Nach starken Gewitterregen kann es zu Sauerstoffmangelsituationen im Gewässer kommen, „den Fischen bleibt keine Luft mehr zum Atmen“, ein Fischsterben ist die Folge. Durch den hohen in NRW erreichten Stand der Abwasser- und Regenwasserbehandlung ist dies aber zum Glück nur noch sehr selten der Fall.

Neben organischen Substanzen und Nährstoffen werden in einem stark industrialisierten, bergbaulich und intensiv landwirtschaftlich genutzten Land die Gewässer auch mit spezifischen Schadstoffen, die sich zum Beispiel im Gewässersediment oder in Fischen anreichern oder toxisch oder hormonell auswirken, belastet. Solche Stoffe werden zum Beispiel aus den Haushalten (Medikamente und Kosmetik-Produkte), aus der Industrie, aus Altlasten, durch den Straßenverkehr oder aus der Landwirtschaft punktuell oder diffus in die Gewässer eingetragen.

Die aktuelle Situation für die verschiedenen Stoffe ist umfassend in den Ergebnisberichten zur Bestandsaufnahme in NRW dargestellt. Belastungen bestehen noch mit einigen Metallen (aus Regenwassereinleitungen), punktuell mit bestimmten Industriechemikalien bzw. mit Stoffen, die früher im Bergbau eingesetzt wurden bzw. in dort liegenden Altlasten gebunden sind. Ferner gibt es zum Teil Belastungen mit Pflanzenschutzmitteln, insbesondere aber auch mit Totalherbiziden wie Diuron und Glyphosat. Diese Totalherbizide werden nur wenig in der Landwirtschaft eingesetzt, sondern vor allem von privaten Haushalten zur Unkrautvernichtung auf Hauseinfahrten, Terrassen usw. Solche Anwendungen sind verboten.

Gewässer als Lebensraum:

Viele Flüsse und Bäche sind in Nordrhein-Westfalen aus verschiedenen Gründen (Flurbereinigung, Wasserkraftnutzung, Be- und Entwässerung landwirtschaftlicher Flächen, Hochwasserschutz, Schifffahrt) zum Teil erheblich verändert worden. Die Gewässer sind zum Beispiel in „Trapezprofile“ gelegt worden, die Ufer wurden befestigt, um Uferabbrüche bei Hochwasser zu verhindern, die Sohlen wurden zum Teil betoniert und oft ist die Durchgängigkeit der Gewässer durch Staumauern und Wehre unterbrochen worden. In der Fachsprache werden solche Belastungen als „morphologische oder hydromophologische Belastungen“ bezeichnet.

Dass Wehre und Staumauern für die Fischfauna unüberwindliche Hindernisse darstellen, muss nicht näher erläutert werden. Eine Fischwanderung, wie sie zum Beispiel Aal und Lachs typischerweise vom Meer zum Bach und umgekehrt durchführen, ist damit nicht mehr möglich. Die fehlende Durchgängigkeit bzw. der Stau vor den Wehren beeinflussen aber auch die übrige Gewässerflora- und –fauna. Im Stau reichern sich Nährstoffe an und es bilden sich Stillwasserzonen. Dadurch finden sich dort oft Algen, die typischerweise im Fließgewässer nicht anzutreffen wären. Auch Veränderungen des Gewässerbettes bzw. die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit durch die Verkürzung des Gewässerlaufes verändern das Spektrum der im Gewässer lebenden Arten. Makrophyten finden auf betonierten Sohlen keinen Halt, Köcherfliegenlarven finden nicht das zum Bau der Köcher benötigte Material oder Libellenlarven nicht den Lebensraum, um sich zu entwickeln.

Das spiegelt sich im „ökologischen Gewässerzustand“ wider. Bisher fehlen aber die Ergebnisse eines Gewässermonitorings, das diese ökologischen Folgen gewässerstruktureller Veränderungen erfasst. Ein solches Monitoring ist erst mit der Einführung der EG-Wasserrahmenrichtlinie aufgestellt worden und wird bis 2008 intensiv durchgeführt werden. Die Ergebnisse werden dann unverzüglich veröffentlicht werden.

Weitere Informationen und aktuelle Messwerte bei akuten Umweltschadensfällen wie "Rheinalarm" und Störfällen finden Sie auf der Externer Link - öffnet in neuem Fenster Seite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW.

Weitere Informationen zum Thema:

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