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Trinkwasser

Die Wasserversorgung in Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen hat als bevölkerungsreiches und stark industriell geprägtes Bundesland einen besonders hohen Bedarf an qualitativ hochwertigem Trink- und Brauchwasser. Die Qualität des Wassers wird in Nordrhein-Westfalen gewissermaßen "von der Quelle bis zum Zapfhahn“ durch die regelmäßige, landesweite Überwachung von Oberflächengewässern, Grundwasser und Rohwasser sowie durch die ständige Überwachung des Trinkwassers überprüft.

Trinkwasser ist für den Menschen lebenswichtig und gehört zu den bestkontrollierten Lebensmitteln. Um Trinkwasser in entsprechender Qualität und Menge zur Verfügung stellen zu können, wurden EU-weit Rechtsvorschriften erarbeitet und in deutsches Recht umgesetzt. Dies dient dem vorsorgenden Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Die derzeitige Qualität der öffentlichen Trinkwasserversorgung in Nordrhein-Westfalen ist aus gesundheitlicher Sicht sehr gut. Erweiterte Überwachungspflichten der Gesundheitsbehörden und umfassende Informationspflichten der Wasserversorgungsunternehmen tragen dazu bei. Überschreitungen der zulässigen Höchstkonzentrationen werden vereinzelt bei Pestiziden und mikrobiologischen Parametern festgestellt.


NRW-Risikogutachten zu Fracking liegt vor: Gutachter schließen Risiken für die Trinkwasserversorgung nicht aus

September 2012 - In NRW wird es bis auf Weiteres keine Genehmigungen für Erkundung und Gewinnung unkonventioneller Erdgas-Lagerstätten unter Einsatz von schädlichen Substanzen (Fracking) geben. Darauf haben sich das zuständige Umweltministerium und das Wirtschaftsministerium nach der Auswertung einer Risikostudie zur Bohrtechnologie geeinigt. "Der Schutz der Menschen und der Umwelt hat für die Landesregierung oberste Priorität. Daher nehmen wir die Ergebnisse des Gutachtens ernst. Der Einsatz der Fracking-Technologie kann derzeit und bis auf Weiteres in NRW nicht genehmigt werden", sagten Umweltminister Johannes Remmel und Wirtschaftsminister Garrelt Duin bei der Vorlage des Gutachtens in Düsseldorf. Die Landesregierung folgt damit den Empfehlungen der Gutachter.

Wegen der derzeit unsicheren Datenlage und der nicht auszuschließenden Umweltrisiken empfehlen die Gutachter aus wasserwirtschaftlicher Sicht, Fracking-Aktivitäten in Wasserschutzgebieten, Wassergewinnungsgebieten der öffentlichen Trinkwasserversorgung, in Heilquellenschutzgebieten sowie im Bereich von Mineralvorkommen nicht zuzulassen und die genannten Gebiete für diese Zwecke auszuschließen. Es soll aber der Versuch gestartet werden, gemeinsam mit Unternehmen und der Wissenschaft zu überlegen, welche konkreten Erkenntnisse die Erkundungen letztlich liefern müssen, um die Informations- und Wissensdefizite zu beseitigen und eine ausreichende Grundlage für die Entscheidung über mögliche nachfolgende Schritte zu schaffen. Dies soll in einem transparenten und breiten Prozess erfolgen.

Im Dialog mit allen Beteiligten (Unternehmen, Behörden, Wissenschaft und den an der Thematik interessierten Bürgerinnen und Bürger) sollen Forschungsbohrungen ohne Fracking erörtert werden, um ein unter Abwägung aller relevanten Belange sinnvolles Vorgehen zu gewährleisten. Im Anschluss an diesen Dialog soll dann der notwendige Untersuchungsumfang, den Erkundungsbohrungen leisten sollen, gemeinsam auf Basis der Gutachterempfehlungen definiert und die anstehenden Untersuchungen des Untergrundes entsprechend ausgelegt werden. Danach sollten die zuständigen Behörden mit ihrem Sachverstand und Fachwissen Anträge zur Genehmigung von Erkundungsbohrungen ohne Fracking im Einzelfall prüfen.

Bis zu diesem Zeitpunkt gilt unser Erlass vom 18.11.2011 zunächst weiter. In wieweit der Erlass schon jetzt geändert werden kann, um geothermische Bohrungen und Erkundungsbohrungen für konventionelles Erdgas ohne Fracking sowie seismische Untersuchungen genehmigen zu können, wird gegenwärtig geprüft.

Weitere Informationen:


Ihr Recht als Verbraucherin oder Verbraucher

Die am 01.01.2003 in Kraft getretene Trinkwasserverordnung ist eine Bundesverordnung. Sie setzt die EG-Richtlinie über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch vom 3.11.1998 in nationales Recht um.

Die Verordnung trifft nicht nur Regelungen für Wasser, das zum Trinken und für die Zubereitungen von Speisen bestimmt ist, sondern bezieht auch Wasser ein, das zum Duschen, Baden oder Zähneputzen verwendet wird.

Darüber hinaus legt sie die Zuständigkeiten und die Verantwortlichkeiten bei Wasserversorgungs-betrieben sowie überwachenden Behörden fest. Durch die verbesserten Informationspflichten der TrinkwV 2001 erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher das Recht auf geeignete und aktuelle Informationen über die Qualität des ihnen zur Verfügung gestellten Trinkwassers.

Die Informationspflicht der Wasserversorgungsunternehmen umfasst

  • die Bereitstellung von Untersuchungsergebnissen mit der Feststellung, ob die Grenzwerte eingehalten werden,
  • Angaben über die verwendeten Aufbereitungsstoffe (z. B. Mindestkonzen-tration an Chlor, Desinfektionsmittel),
  • Angaben, die für die Auswahl geeigneter Materialien für die Hausinstallation nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (z.B. Anforderungen an Anlagenteile, verwendete Werkstoffe) erforderlich sind.

Gebäudeeigentümer stellen die Informationen der Wasserversorgungsunternehmen in geeigneter Weise den Mietern zur Verfügung.

Weitere Informationen:


Anforderungen an die Trinkwasserqualität

Für die Versorgung mit Trink- und Brauchwasser hat in NRW das Oberflächenwasser eine große Bedeutung. Vor allem in den Festgesteinsgebieten sowie in den großen Städten an Rhein und Ruhr wird vorwiegend Oberflächenwasser (Talsperren) oder Mischungen aus Oberflächenwasser und Grundwasser (Uferfiltrat, künstlich angereichertes Grundwasser) für die Versorgung bereitgestellt. Grundwasser wird insbesondere in der Niederrheinischen Bucht und dem Münsterland aus den ergiebigen Porengrundwasserleitern gewonnen. Die dichte Besiedlung sowie die intensive industrielle und landwirtschaftliche Nutzung des Landes einerseits und die Anforderung an hygienisch einwandfreies Trinkwasser andererseits führen in Wassergewinnungsgebieten vielfach zu Nutzungskonflikten. Die Einzugsgebiete der bedeutenden Wassergewinnungen werden deshalb durch Schutzgebiete geschützt. Darüber hinaus bestehen in den meisten Trinkwassereinzugsgebieten langjährige Kooperationen zwischen den Wasserversorgern und Landwirten, bei denen gewässerschonende Landbaumaßnahmen eingesetzt werden, um gewässergefährdende Stoffeinträge (Nitrat, Pflanzenschutzmittel) zu vermeiden oder zu vermindern.

Für die Trinkwassergewinnung und Aufbereitung ist das sogenannte Multibarrierensystem und die naturnahe Wasseraufbereitung als Ziel anzustreben bzw. zu erhalten. Um möglichst naturbelassenes reines Wasser als Trinkwasser anbieten zu können, muss dafür Sorge getragen werden, dass schon das für die Trinkwasseraufbereitung geförderte Rohwasser so wenig wie möglich mit Schadstoffen belastet ist, d.h. dass die Gewässerqualität so gut ist, dass naturnahe Aufbereitungsverfahren wie z.B. Sandfiltration ausreichen, um die hohen Qualitätsanforderungen an das Trinkwasser zu erfüllen. Kann dies nicht sicher gewährleistet werden, müssen die Aufbereitungsverfahren im Sinne der Vorsorge so ausgelegt sein, dass die hohen gesundheitsbezogenen Anforderungen an die Qualität des Trinkwassers sicher und dauerhaft eingehalten werden. Die gleich bleibende gute Wasserqualität ist von entscheidender Bedeutung, denn von Wasser für den menschlichen Gebrauch dürfen auch bei lebenslangem Genuss keine gesundheitlichen Gefahren ausgehen, es muss frei von Krankheitserregern, genusstauglich und rein sein. Chemische Stoffe und mikrobiologische Verunreinigungen dürfen nicht in Konzentrationen enthalten sein, die eine Schädigung der menschlichen Gesundheit besorgen lassen.


Wer ist zuständig?

Die Wasserversorgungsunternehmen tragen die Verantwortung für die Beschaffenheit des Trinkwassers im gesamten Verteilernetz, während die jeweiligen Gebäudeeigentümer grundsätzlich für die Hausinstallation verantwortlich sind. Die Trinkwasserverordnung 2001 formuliert Pflichten für die Errichtung und den Betrieb von Wasserversorgungsanlagen, die die Betreiber zu beachten haben.

Zuständige Behörde für die Überwachung der Wasserversorgungsanlagen, für die Anordnung von Maßnahmen und für die Erfüllung von Melde- und Berichtspflichten sind die unteren Gesundheitsbehörden der Kreise und kreisfreien Städte (§ 3 Nr. 4 TrinkwV 2001 i.V.m. § 5 Abs. 1 der Verordnung zur Regelung von Zuständigkeiten nach dem IfSG (ZVO-IfSG). Zuständige oberste Landesbehörde ist das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MKULNV). Aus dem Landeswassergesetz NRW ergeben sich darüber hinaus Zuständigkeiten der Bezirksregierungen zur Überprüfung von Wasserversorgungsanlagen. Schnittstellen existieren auch zum Lebensmittelrecht, zum Beispiel wenn Trinkwasser zur Zubereitung von Speisen verwendet wird. Vorschriften der TrinkwV 2001 mit einem spezifisch lebensmittelrechtlichen Bezug stützen sich daher auch auf lebensmittelrechtliche Vorschriften.

Die Verantwortlichkeiten und der Umfang der Überwachungspflichten der Betreiber der einzelnen Wasserversorgungsanlagen sind abhängig von der Art der Wasserversorgungsanlagen und der Größe des versorgten Personenkreises. Die TrinkwV 2001 unterscheidet in § 3 Nr. 2 zwischen großen Wasserversorgungsanlagen, mit einer Wasserabgabe von mehr als 1000 m³ pro Jahr, Kleinanlagen, zu denen in der Regel die Hausbrunnen in ländlichen Regionen zählen, mit einer Wasserabgabe von höchstens 1000 m³ pro Jahr, und Hausinstallationen.

Betreiber von großen Wasserversorgungsanlagen und von Kleinanlagen sind im Rahmen der Eigenüberwachungspflicht zur regelmäßigen Untersuchung und zu einer den Verbraucherinnen und Verbrauchern zugänglichen Dokumentation der Wasserqualität verpflichtet. Die Zahl der vorzunehmenden Untersuchungen steigt mit der Menge des abgegebenen Wassers. Das Gesundheitsamt überwacht diese Wasserversorgungsanlagen zudem durch eigene Kontrollen und Entnahme von Trinkwasserproben im Rahmen der behördlichen Überwachung. Alternativ zu einer eigenen Probenahme kann es sich auf die Prüfung der Untersuchungsergebnisse aus der Eigenüberwachung beschränken, wenn diese von einer von der obersten Landesbehörde bestellten Stelle ermittelt wurden. In Nordrhein-Westfalen sind derzeit über 50 bestellte Stellen (mit Sitz in NRW) durch das Ministeriums bestellt und in einer Landesliste, die das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) führt, im Internet veröffentlicht. Darüber hinaus ist das Landesinstitut die "von den Untersuchungsstellen unabhängige und von der zuständigen obersten Landesbehörde bestimmte Stelle“ Nordrhein-Westfalens im Sinne des § 15 Abs. 5 TrinkwV 2001, die die Liste der Laboratorien nach § 15 Abs. 4 TrinkwV 2001 führt und die Voraussetzungen für eine Veröffentlichung überprüft.

Stichprobenartig wird im Rahmen der behördlichen Überwachung auch am Zapfhahn öffentlicher Gebäude untersucht. Hierzu gehören in erster Linie Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäuser, Altenheime, Schulen oder Gaststätten. Private Hausinstallationen, d.h. solche, aus denen kein Wasser an die Öffentlichkeit abgegeben wird, fallen nicht unter das stichprobenartige Überwachungsprogramm. Sie werden nur dann in die behördliche Überwachung einbezogen, wenn dem Gesundheitsamt konkrete Beanstandungen bekannt werden und die behördliche Überwachung zum Schutz der Gesundheit oder zur Sicherstellung einer einwandfreien Beschaffenheit des Wassers für den menschlichen Gebrauch erforderlich ist. Unabhängig davon, ob aus einer Hausinstallation Wasser an die Öffentlichkeit abgegeben wird oder nicht, unterliegen Hausinstallationen keiner Eigenüberwachungspflicht, es sei denn, das Gesundheitsamt hat dies unter Festlegung nach Art, Umfang und Häufigkeit der Untersuchung aufgrund besonderer Umstände angeordnet. Die Wasserversorgungsunternehmen sind bis zur Übergabestelle in die Hausinstallation (Wasseruhr) für die Qualität des zur Verfügung gestellten Trinkwassers verantwortlich. Nach Übergabe in die Hausinstallation ist der jeweilige Inhaber der Hausinstallation – das ist i.d.R. der Hauseigentümer – für die einwandfreie Qualität des zur Verfügung stehenden Trinkwassers verantwortlich.

Werden die Anforderungen an die Trinkwasserqualität nicht erfüllt, so kann das Gesundheitsamt für eine begrenzte Zeit Ausnahmen von den Grenzwerten der TrinkwV 2001 zulassen, sofern dadurch eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit nicht zu befürchten ist. Bei mikrobiologischen Parametern ist ein Abweichen maximal für die Dauer von 30 Tagen möglich. Für chemische und Indikatorparameter ist maximal eine dreimalige Abweichung von jeweils längstens drei Jahren zulässig. Bei Erteilung der ersten und zweiten Abweichung bestehen Informationspflichten des Gesundheitsamtes gegenüber der obersten Landesbehörde, die dritte Abweichung bedarf je nach betroffenem Parameter der Zustimmung der obersten Landesbehörde oder der Zustimmung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften.


Weiterführende Informationen zum Thema:

  • "Spurenstoffe & Co. - Wächst der Druck auf die Wasserressourcen? Was ist tolerierbar und wer muss zahlen?"

    Rede von Minister Johannes Remmel bei der Verbandstagung 2011 des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) am 13.10.2011 in Bonn

  • Trinkwasserbericht für Nordrhein-Westfalen

    Das NRW-Umweltministerium hat Ende 2008 den ersten Trinkwasserbericht für Nordrhein-Westfalen veröffentlicht und damit die Öffentlichkeit umfassend über die Trinkwasserqualität informiert. Der Bericht liefert Hintergrundinformationen zur Situation der Trinkwasserversorgung, zur Überwachung und Bewertung des Trinkwassers, zur Qualität der genutzten Wasserressourcen und zur Trinkwasseraufbereitung. Die Qualität des Wassers wird von der Quelle bis zum Zapfhahn regelmäßig kontrolliert, landesweit werden Oberflächengewässer, Grundwasser, Rohwasser und Trinkwasser überwacht. Für kein anderes Lebensmittel gelten in der Europäischen Union vergleichbar strenge Werte und Vorschriften. So bilden die von den unteren Gesundheitsbehörden gelieferten amtlichen Überwachungsergebnisse auch die Grundlage für den Trinkwasserbericht.
    PDF - Link öffnet in neuem Fenster Trinkwasserbericht Nordrhein-Westfalen (Stand: Februar 2009; PDF, 7.7 MB)

  • Blei im Trinkwasser

    Blei ist ein giftiges Schwermetall, das bei Erwachsenen größtenteils in den Knochen gespeichert wird. In Phasen erhöhten Stoffwechsels, wie z. B. während der Schwangerschaft, kann es wieder mobilisiert werden und ins Blut übergehen. Junge Frauen, Kinder und Schwangere sollten deshalb kein Trinkwasser konsumieren, das erhöhte Bleigehalte aufweist, da insbesondere die Blutbildung und Intelligenzentwicklung bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern beeinträchtigt wird.
    Interner Link weiter

  • Uran im Trinkwasser

    Das Umweltbundesamt empfiehlt seit 2004 einen gesundheitlichen Leitwert für Uran im Trinkwasser von 10 Mikrogramm pro Liter. Die Empfehlung und weitere Hintergrundinformationen zu Uran im Trinkwasser finden Sie auf der Internetseite des Umweltbundesamtes:
    Externer Link - öffnet in neuem Fenster www.umweltbundesamt.de/wasser-und-gewaesserschutz


Weitere Links:

Bei technischen Fragen:

Bei sonstigen Fragen:

Weitere Informationen zum Thema "Trinkwasser" finden Sie auch auf den Internet-Seiten des Externer Link - öffnet in neuem Fenster Landesamtes für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz NRW

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