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Radioaktivität

Das AKW Grundremmingen in Bayern. Foto: Ullrich Gnoth / panthermedia.net

Die Bevölkerung in Deutschland ist in etwa zu gleichen Teilen natürlicher und künstlich erzeugter ionisierender Strahlung ausgesetzt, zumeist Radioaktivität genannt. Weil sie zu gesundheitlichen Schäden führen kann, wird die in der Umwelt vorhandene Radioaktivität in Nordrhein-Westfalen ständig überwacht.


Vorkommen und Wirkung auf den Menschen

Radioaktivität ist die Eigenschaft bestimmter Atomkerne, sich umzuwandeln und ionisierende Strahlung (Alpha-, Beta- oder Gammastrahlung) auszusenden.
Die ionisierende Strahlung wird umgangssprachlich auch als „radioaktive Strahlung“ oder „Radioaktivität“ bezeichnet.

  • Man unterscheidet zwischen radioaktiven Stoffen, die natürlichen Ursprungs sind und seit Entstehung der Erde existieren (wie zum Beispiel Uran-238, Radon-222 oder Kalium-40) oder durch Einwirkung der ionisierenden Sonnenstrahlung entstehen, und
  • Künstlicher Radioaktivität, die beispielsweise durch Kernspaltung in Kernkraftwerken und bei Kernwaffenversuchen sowie in Beschleunigern entsteht. Sie wird in Medizin, Technik und Forschung angewendet. Auch die Röntgenstrahlung in der Medizindiagnostik ist eine ionisierende Strahlung.

Ionisierende Strahlung kann, je nach Intensität und Dauer einer Bestrahlung, irreversible gesundheitliche Schäden verursachen. Die biologische Wirkung von natürlicher und künstlich erzeugter Strahlung ist dabei gleich.

Einmal freigesetzte  radioaktive Stoffe können sich über große Entfernungen – auch von Kontinent zu Kontinent - auswirken und über die Nahrungskette weiter verbreitet werden. Die Strahlungsaktivität kann sich über sehr lange Zeiträume erstrecken, so dass sie noch nach Generationen nachweisbar ist.


Belastung in Deutschland

Die mittlere Belastung der Bevölkerung durch natürliche Strahlung (kosmische und terrestrische Strahlung, Aufnahme von Nahrungsmitteln, die natürliche radioaktive Stoffe enthalten und Inhalation von Radonbeträgt etwa 2 Millisievert (mSv) pro Jahr.

Die mittlere jährliche, vom Menschen erzeugte Strahlenbelastung liegt ebenfalls bei etwa zwei Millisievert pro Jahr. Sie stammt maßgeblich aus der Anwendung radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlung in der Medizin.

Aber auch die oberirdischen Kernwaffenversuche in den fünfziger und sechziger Jahren und das Reaktorunglück von Tschernobyl 1986 tragen noch heute zur Belastung der Umwelt durch radioaktive Strahlung bei. Langlebige radioaktive Stoffe wie Strontium-90 und Cäsium-137 sind heute noch nachweisbar. Die hierdurch hervorgerufene Strahlenbelastung der Bevölkerung in Deutschland beträgt derzeit jährlich etwa 0,025 Millisievert.

 

 

Überwachung der Umweltradioaktivität

Das nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 verabschiedete  Strahlenschutzvorsorgegesetz hat zum Ziel, die Erfassung und Bewertung der Radioaktivität in der Umwelt nach einheitlichen Kriterien durchzuführen. Im Falle eines Ereignisses, zum Beispiel eines Unfalls in einem Kernkraftwerk, sollen die Auswirkungen auf den Menschen und die radioaktive Belastung der Umwelt so gering wie möglich gehalten werden. Die Aufgaben des Bundes und der Länder sind dabei konkret geregelt:

Aufgabe des Bundes ist die Ermittlung der Radioaktivität

  • in der Luft
  • in Niederschlägen
  • in Bundeswasserstraßen wie beispielsweise dem Rhein
  • in Nord- und Ostsee
  • sowie die Radioaktivitätsmessung 1 Meter über dem Boden (Ortsdosisleistung) mit dauerhaft aufgestellten Messeinrichtungen.

Die Federführung hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Dazu gehören auch die Entwicklung und Festlegung von Probenahme-, Mess- und Berechnungsverfahren sowie die Dokumentation und Bewertung der vom Bund und den Ländern übermittelten Messergebnisse. Zur datentechnischen Bewältigung dieser Aufgabe wurde das sog. Integrierte Mess- und Informationssystem (IMIS) aufgebaut.

Aufgabe der Länder ist die Ermittlung der Radioaktivität in

  • Lebensmitteln, Bedarfsgegenständen und Arzneimitteln,
  • Futtermitteln,
  • Trinkwasser, Grundwasser und den oberirdischen Gewässern mit Ausnahme der Bundeswasserstraßen,
  • Abwässern, Klärschlamm und in Abfällen, sowie im Boden und in Pflanzen.

Regelung der Zuständigkeiten in Nordrhein-Westfalen?

Zum Schutz von Mensch und Umwelt vor möglichen Gefahren durch ionisierende Strahlung hat der Gesetzgeber eine Reihe gesetzlicher Regelungen getroffen, für deren Umsetzung in Nordrhein-Westfalen folgende Ministerien und deren Behörden zuständig sind:

  • Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk:

Atomrechtliche Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde nach dem Atomgesetz für kerntechnische Anlagen, einschließlich der Überwachung der diesen Anlagen zuzuordnenden radioaktiven Emissionen und Immissionen (Umgebungsüberwachung). Beispiel: Urananreicherungsanlage Gronau, Zwischenlager Ahaus. Kernkraftwerke werden in Nordrhein-Westfalen nicht mehr betrieben.

  • Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales:

Strahlenschutz nach der Strahlenschutzverordnung, zum Beispiel Umgang mit radioaktiven Stoffen in der Medizin und Technik.

  • Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz:

Zuständig für den Vollzug des Strahlenschutzvorsorgegesetzes,  insbesondere zuständig für die Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt zum Beispiel aufgrund von kerntechnischen Unfällen.


Überwachung der Umweltradioaktivität in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen werden im Rahmen  eines Routinemessprogramms nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz und von Sondermessprogrammen jährlich rund 1.600 Proben auf Radioaktivität untersucht. Für die Untersuchung von Lebensmitteln werden Proben beim Erzeuger, bei Großhändlern und im Handel genommen. Andere Proben werden direkt in der Umwelt gezogen. 

Das NRW-Umweltministerium ist für die Koordinierung der Durchführung des Strahlenschutzvorsorgegesetzes in Nordrhein-Westfalen zuständig. Für die Messung vor Ort ist in jedem Regierungsbezirk eine amtliche Messstelle zuständig und zwar

  • das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (für den Regierungsbezirk Köln),
  • das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Ostwestfalen-Lippe in Detmold (für den Regierungsbezirk Detmold),
  • der Landesbetrieb Mess - und Eichwesen Nordrhein-Westfalen, Betriebsstelle Eichamt Dortmund (für den Regierungsbezirk Arnsberg),
  • das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf (für den Regierungsbezirk Düsseldorf) und
  • das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (für den Regierungsbezirk Münster).

Die ermittelten Messdaten werden an das Bundesamt für Strahlenschutz als Zentralstelle des Bundes für die Überwachung der Umweltradioaktivität übermittelt. Im nuklearen Ereignisfall erfolgt im Rahmen eines Intensivmessprogramms eine zeitliche und örtliche Verdichtung von Probenahme und Messung.

Das Bundesamt für Strahlenschutz unterhält zudem an 171 Standorten in Nordrhein-Westfalen stationäre Messstellen. Hier werden Messdaten der Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) alle zwei Stunden abgerufen. Wenn also infolge eines Ereignisfalls Radioaktivität nach Nordrhein-Westfalen gelangt, wird dies durch das Netz der ODL-Messstellen festgestellt. Im Ereignisfall können die Daten alle zehn Minuten abgerufen werden. Bundesweit werden die Messergebnisse von insgesamt rund 1.800 ODL-Messstellen gesammelt.

Im Falle eines Unfalls in einem Kernkraftwerk soll ein für ganz Deutschland koordiniertes Handeln dadurch gewährleistet werden, dass die Bewertung der ermittelten Daten nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz allein in den Händen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit liegt. Es entscheidet auch hieraus ergebenden Maßnahmen. Empfehlungen an die Bevölkerung ergehen  in Absprache mit den Ländern.


Ergebnisse der amtlichen Messstellen in NRW

Die Radioaktivitätsmessungen der 5 amtlichen Messstellen zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt zeigen, dass die in Nordrhein-Westfalen im Handel und bei den Erzeugern entnommenen Lebens- und Futtermittel nur noch äußerst geringe Gehalte künstlicher Radioaktivität aufweisen, zum größten Teil unterhalb der Nachweisgrenze.

Bei Messungen an wild wachsenden Pilzen und bei Wildschweinen aus den Wäldern wird noch immer Radioaktivität nachgewiesen. Das liegt an der unterschiedlichen Beschaffenheit von Waldböden und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Im Wald reichert sich das noch aus dem Reaktorunfall in Tschernobyl stammende radioaktive Cäsium in der Humusschicht an und kann so in Pilze und Pflanzen des Waldes gelangen. Wildschweine graben bei der Nahrungssuche mitunter tiefer im Boden liegende Pilze und Wurzeln aus. Darauf ist die radioaktive Belastung der Tiere zurückzuführen. Auf landwirtschaftlichen Flächen wird das Cäsium dagegen durch die Bearbeitung und Düngung des Bodens fest an Bodenbestandteile gebunden und steht damit den Wurzeln praktisch nicht mehr zur Verfügung.

Die Messergebnisse der Radioaktivitätsüberwachung der Umwelt in Nordrhein-Westfalen werden in den Jahresberichten der Messstellen "Strahlenschutzvorsorge in Nordrhein-Westfalen" anschaulich dargestellt.


Messung von Radioaktivität.

Radon

Die Bevölkerung in Deutschland ist in etwa zu gleichen Teilen natürlicher und künstlich erzeugter ionisierender Strahlung ausgesetzt, zumeist Radioaktivität genannt. Den größten Anteil an natürlicher Radioaktivität liefert das natürlich vorkommende, radioaktive Gas Radon.

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