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Hydraulic Fracturing (Fracking)

Erdgasgewinnung aus unkonventionellen Lagerstellen durch Fracking. Grafik: ahu AG/Aachen

Die Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten ist mit erheblichen Umweltauswirkungen und -risiken verbunden. Beim „Hydraulic Fracturing“ („Fracking“) kommen bislang erhebliche Mengen an umwelttoxischen Chemikalien zum Einsatz, die als „Flowback“ mit Formationswasser wieder an die Oberfläche gelangen oder in grundwasserführende Schichten eindringen könnten. In NRW findet deshalb zur Zeit kein Fracking statt.


Risiken für das Grundwasser

Die Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten wird derzeit über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus intensiv diskutiert. Von Kommunalparlamenten und anderen Gremien sind Resolutionen gefasst worden, die sich gegen das Fracking aussprechen. Die Gründe liegen auf der Hand. Während konventionelle Gasreserven relativ einfach zu erschließen sind, da sie lediglich von der Oberfläche aus angebohrt werden müssen, damit das Gas gefasst werden kann, ist die Förderung bei unkonventionellem Gas viel komplizierter.

Kohleflözgas und Schiefergas etwa lagern eingekapselt in Abermilliarden winzigen Hohlräumen im Gestein. Um dieses Gas gewinnen zu können, müssen die Gesteine aufgeknackt werden. Die dafür eingesetzte Technik heißt „Hydraulic Fracturing“ - zu Deutsch etwa: „hydraulisches Aufbrechen“, kurz „Fracking“. Fracking kommt zum Einsatz, um den Gasfluss hin zum Bohrloch zu stimulieren und damit eine Förderung überhaupt erst zu ermöglichen. Dabei werden in die Bohrung in der vorgesehenen Tiefe Löcher eingebracht, durch die dann unter hohem Druck ein Gemisch von Wasser, Quarzsand und Chemikalien (Frack-Fluid) in das umlagernde Gestein gepresst wird.

Erdgas in unkonventionellen Lagerstätten ist in Nordrhein-Westfalen in Tiefen von 1.000 Meter und mehr anzutreffen, daher müssten hier Bohrungen bis in große Tiefen abgeteuft werden. Neben den Risiken durch die Bohrungen selbst, den Betrieb der Anlagen und den Baustellen- und Betriebsverkehr ist insbesondere durch den Einsatz von Chemikalien und das Zutagefördern von Flowback (Betriebswasser, Chemikalien, gelöste Stoffe und Reaktionsprodukte) mit demgegebenenfalls anzutreffenden Formationswasser eine Verunreinigung von grundwasserführende Schichten nicht auszuschließen.

Fracking-Bohrstelle. Foto: XY / Panthermedia

Fracking-Bohrstelle (Foto: XY / Panthermedia)

Das Fracking-Gutachten der NRW-Landesregierung

In Nordrhein-Westfalen wird es bis auf weiteres keine Genehmigungen für Erkundung und Gewinnung unkonventioneller Erdgas-Lagerstätten unter Einsatz von schädlichen Substanzen geben. Die Landesregierung folgt damit den Empfehlungen eines unabhängigen Gutachtens. Im Dezember 2011 hatte das Umweltministerium dieses in Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium in Auftrag gegeben und am 07.09.2012 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die zentralen Aussagen des Gutachtens

Bei den unkonventionellen Erdgas-Lagerstätten in Nordrhein-Westfalen handelt es sich um vermutete Kohleflözgas- und Schiefergas-Vorkommen, die mit Tiefenlagen von teilweise weniger als 1.000m im Vergleich zu den konventionellen Erdgas-Vorkommen in geringerer Tiefe liegen. Das bedeutet auch, dass der Abstand zu Grundwasservorkommen, die für die Wassernutzung oder für Ökosysteme relevant sein können, entsprechend geringer ist.

Die Erkundung der potenziellen Erdgas-Vorkommen steht in NRW noch am Anfang. Die vergebenen Aufsuchungserlaubnisse betreffen rund 60% der Landesfläche von NRW. Mit einer Aufsuchungserlaubnis ist keine Genehmigung von Probebohrungen verbunden. Die Frage nach der wirtschaftlichen Gewinnbarkeit ist bisher nicht geklärt.

Die Erkundung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Erdgas-Lagerstätten können mit einer Reihe von erheblichen Umweltauswirkungen und Umweltrisiken verbunden sein. Sie resultieren hauptsächlich aus dem Gefährdungspotenzial der eingesetzten Frack-Fluide, der Formationswässer und des Flowback (Rückfluss von Frack-Fluid aus dem Bohrloch) in Kombination mit möglichen Wegsamkeiten (sogenannte „hydraulische Kurzschlüsse“), über die eine Verbindung zu Schichten mit genutztem und nutzbarem Grundwasser geschaffen werden könnte. Die Gutachter haben festgestellt, dass auch für die weiterentwickelten Frack-Fluide immer noch von einem hohen Gefährdungspotenzial ausgegangen werden muss.

In allen Bereichen wurden erhebliche Wissens- und Informationsdefizite identifiziert. Dies betrifft Daten und Informationen, die nicht frei zugänglich sind oder nicht vorlagen, wie etwa Stoffdatenblätter oder belastbare statistische Daten zu Eintritts- und Versagenswahrscheinlichkeiten. Eine abschließende Bewertung aller Risiken ist auf der Betrachtungsebene des Gutachtens derzeit – insbesondere aufgrund der festgestellten Defizite – nicht möglich.

Wegen der derzeit unsicheren Datenlage und der nicht auszuschließenden Umweltrisiken empfehlen die Gutachter aus wasserwirtschaftlicher Sicht, Fracking-Aktivitäten in Wasserschutzgebieten, Wassergewinnungsgebieten der öffentlichen Trinkwasserversorgung, in Heilquellenschutzgebieten sowie im Bereich von Mineralvorkommen nicht zuzulassen und die genannten Gebiete für diese Zwecke auszuschließen. Die geologischen und hydrogeologischen Erkenntnisse sollten vom Land transparent veröffentlicht und zur Verfügung gestellt werden. 

Für Tiefbohrungen, die im Rahmen der Erkundung unkonventioneller Erdgas-Lagerstätten abgeteuft werden und in denen kein Fracking erfolgt, müssen aus Sicht der Gutachter keine anderen Anforderungen gelten als für andere nicht auf unkonventionelle Erdgas-Vorkommen zielende Tiefbohrungen soweit sie nicht für Fracking in einer gegebenenfalls nachfolgenden Phase genutzt werden sollen.

Dialogprozess

Der interdisziplinär besetzte Gutachterkreis zum NRW-Gutachten hat vorgeschlagen, den weiteren Arbeitsprozess transparent zu gestalten und alle wichtigen gesellschaftlichen Gruppen bei der weiteren Gestaltung und weiteren Entscheidungsfindung mit einzubinden.

Die Landesregierung wird daher die Gutachtenergebnisse und das weitere Vorgehen mit allen Beteiligten (Wirtschaft, Umwelt, Städte und Gemeinden, Bürgerschaft) diskutieren. Es soll der Versuch gestartet werden, gemeinsam mit der Wissenschaft zu überlegen, welche weiteren Schritte erforderlich sind und welche konkreten Erkenntnisse letztlich vorliegen müssen, um die Informations- und Wissensdefizite zu beseitigen und eine ausreichende Grundlage für die Entscheidung über mögliche nachfolgende Schritte zu schaffen. Dies soll in einem transparenten und breiten Prozess erfolgen.

Im Dialog mit allen Beteiligten soll unter Federführung der Wissenschaft das weitere Vorgehen erörtert werden, um ein unter Abwägung aller relevanten Belange sinnvolles Vorgehen zu gewährleisten. Dabei erfolgt eine klare Trennung zwischen den zunächst erforderlichen theoretischen und grundsätzlichen Diskussionen, unkritischen Erkundungsmaßnahmen und weiteren Vorhaben zur möglichen Erkundung ohne Fracking . Im Rahmen des Dialogs soll der notwendige weitere Untersuchungsumfang und Handlungsbedarf auf jeder Stufe gemeinsam auf Basis der Gutachterempfehlungen definiert werden. Der Erlass vom 18.11.2011 gilt solange weiter, bis im Rahmen des Dialogprozesses ggf. Empfehlungen zu einer Änderung gegeben werden.


Bundesrat gegen Fracking

Auf Initiative der nordrhein-westfälischen Landesregierung hat der Bundesrat sich bereits im Jahr 2012 für ein bundesweites Verbot des Einsatzes umwelttoxischer Chemikalien bei der Anwendung von Fracking zur Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten ausgesprochen. Ebenso hat der Bundesrat auf Initiative der Landesregierung einen Antrag zur „Änderung der Verordnung über die Umweltverträglichkeitsprüfung bergbaulicher Vorhaben“ beschlossen. Ziel dieses Antrags ist es, die Überprüfung der Umweltverträglichkeit bei der Gewinnung von Bodenschätzen über Bohrungen auszuweiten.

Am 19.12.2014 hat die Bundesregierung ein Gesetzespaket zur Regelung von Fragestellungen im Zusammenhang mit Fracking vorgestellt und den Ländern und Verbänden Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben.

Fracking in den Niederlanden

Das niederländische Kabinett hat am 10. Juli 2015 beschlossen, dass in dieser Legislaturperiode keine Schiefergasbohrungen stattfinden werden. In den nächsten fünf Jahren soll es in den Niederlanden nicht zu einer kommerziellen Exploration und Förderung von Schiefergas kommen. Die Genehmigungen für die Exploration von Schiefergasvorkommen sollen daher nicht verlängert werden.

Zunächst hatte die niederländische Regierung im Juni 2014 in einer sogenannte „Strukturvision Schiefergas“ („structuurvisie schaliegas“) Planungen für die Durchführung von Probebohrungen vorgelegt. Die NRW-Landesregierung hatte hierzu im Juli 2014 eine ablehnende Stellungnahme übermittelt, in der zudem ein intensiver Dialog und transparenter Austausch zwischen den niederländischen und nordrhein-westfälischen Regierungsstellen eingefordert worden war.

Im April 2015 hatte das NRW-Umweltministerium eine Informationsveranstaltung für Kommunen, Wasserversorger, Umweltverbände und Bürgerinitiativen zum aktuellen Stand der Bearbeitung in den Niederlanden durchgeführt. In den anschließenden Stellungnahmen und Diskussionen wurde seitens der Landesregierung die Notwendigkeit hervorgehoben, auf allen Ebenen die niederländischen Nachbarn davon zu überzeugen, auf Fracking zu verzichten oder mindestens sicherzustellen, dass nachteilige Auswirkungen für Nordrhein-Westfalen nicht eintreten dürfen.