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Gentechnik in Lebensmitteln

Einkauf von Lebensmitteln/ Foto: Arne Trautmann/ Panthermedia

Weltweit werden eine Reihe gentechnisch veränderter Pflanzen kommerziell für die Lebensmittelerzeugung und für die Herstellung von Futtermitteln genutzt. Auch wenn deren Anbau in Europa kaum eine Rolle spielt, werden Rohstoffe dieser Pflanzen importiert und hier zu Lebensmitteln und Futtermitteln verarbeitet. Dies ist aber nur unter Auflagen möglich und wird durch die europäische Gesetzgebung in allen Mitgliedsstaaten einheitlich geregelt.


In der Europäischen Union streng reglementiert

Gentechnisch veränderte Organismen werden oft auch kurz GVO genannt. Unter GVO versteht man eine Pflanze oder ein Tier, dessen genetisches Material in einer Weise verändert worden ist, wie sie unter natürlichen Bedingungen oder durch Zucht nicht vorkommt. Auch Mikroorganismen können gentechnisch verändert sein und für die Lebensmittelerzeugung genutzt werden. Bei einem GVO im rechtlichen Sinne handelt es sich immer um einen vermehrungsfähigen Organismus. Lebensmittel sind häufig weiterverarbeitet und enthalten oft keine GVO im engen rechtlichen Sinne mehr, sie gelten dann zum Beispiel als „aus GVO hergestellt“.

In jedem Fall muss der GVO für eine Nutzung als Lebensmittel oder Futtermittel in der EU zugelassen sein. Im Rahmen des europaweiten Zulassungsverfahrens muss der Antragssteller wissenschaftlich belegen, dass keine gesundheitlichen Gefahren von den GVO ausgehen und eine spezifische Nachweismethode für diesen GVO mitliefern. So kann später im Rahmen der amtlichen Kontrolle festgestellt werden, ob der GVO in Lebensmittel oder Futtermittel enthalten ist. Außerdem sind die Unternehmen verpflichtet, Lebensmittel und Futtermittel korrekt zu kennzeichnen, wenn diese in den Verkehr gebracht werden. Verbraucherinnen und Verbraucher können also erkennen, ob ein Lebensmittel GVO enthält bzw. aus GVO hergestellt worden ist. GVO ohne Zulassung dürfen in Europa nicht in Lebensmitteln enthalten sein; hier gilt eine Nulltoleranz.

Weitere Informationen:

Überwachung von Lebensmitteln und Futtermitteln

In Deutschland sind die Länder für die Überwachung der Vorschriften zu GVO zuständig. In Nordrhein-Westfalen wurde den Überwachungsbehörden der Kreise und kreisfreien Städte die Aufgabe übertragen, routinemäßig in Herstellerbetrieben und Handelsunternehmen die Einhaltung dieser Vorschriften zu kontrollieren. Neben der Kontrolle der Eigenkontrollsysteme werden auch Proben von Lebensmitteln zur Untersuchung auf GVO-Bestandteile und die korrekte Kennzeichnung der Produkte untersucht. Die Proben werden in den Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern in Detmold, Arnsberg, Krefeld und Münster analysiert. Diese Anstalten öffentlichen Rechts besitzen ein breites Spektrum an Analysemöglichkeiten, mit denen sich GVO-Bestandteile auch in sehr geringen Konzentrationen nachweisen lassen. Bei Verstößen werden die Überwachungsbehörde umgehend informiert, damit die notwendigen Schritte im Sinne des Verbraucherschutzes eingeleitet werden können.

Die Überwachung der Einhaltung von GVO-Vorschriften in Futtermittelunternehmen wird in Nordrhein-Westfalen überwiegend vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) durchgeführt. Auch vom LANUV werden die Kennzeichnungsvorschriften kontrolliert und die Maßnahmen der Unternehmen zur Eigenkontrolle bewertet. Darüber hinaus werden regelmäßig und risikoorientiert Proben von Futtermitteln genommen und Analysen auf GVO in Auftrag gegeben.

NRW-Ergebnisse im Gentechnik-Report zusammengefasst

Die Ergebnisse von Proben zur GVO-Kontrolle werden in Nordrhein-Westfalen im „Gentechnik-Report“ zusammengefasst und veröffentlicht. Jedes Jahr werden in NRW etwa 500 Lebensmittelproben, 100 Futtermittelproben und 80 Proben von Saatgut genommen und auf gentechnisch veränderte Bestandteile hin untersucht. Derzeit sind in der Europäischen Union (EU) keine gentechnisch veränderten Tierarten zugelassen, die für die kommerzielle Lebensmittelerzeugung genutzt werden. Vorsorglich werden aber beispielsweise Lachse auf gentechnische Veränderungen hin untersucht.

In den zurückliegenden Jahren haben sich die folgenden Tendenzen gezeigt: Die Vorschriften zur Gentechnik-Kennzeichnung im Lebensmittelbereich werden von den Unternehmen weitgehend eingehalten. Im überwiegenden Teil der beprobten Lebensmitteln waren keine gentechnischen Veränderungen oder nur Spuren von zugelassenem gentechnisch verändertem Material nachweisbar. Ein Großteil der industriell hergestellten Futtermittel enthält zugelassene gentechnisch veränderte Bestandteile und ist entsprechend deklariert. Wenn in der Vergangenheit Beanstandungen aufgetreten sind, handelte es sich um Funde von gentechnisch veränderten Sojabestandteilen, die über dem Kennzeichnungs-Schwellenwert von 0,9 Prozent lagen. Sie sind in der Regel in der EU zugelassen, müssen aber entsprechend gekennzeichnet werden. Die entsprechend korrekte Kennzeichnung wurde veranlasst.

Siegel für Lebensmittel ohne Gentechnik

Nach europäischem Recht müssen Lebensmittel verpflichtend gekennzeichnet werden, wenn die Lebensmittel aus GVO bestehen oder unter Verwendung von GVO hergestellt worden sind. Nicht vorgesehen hat der europäische Gesetzgeber eine Kennzeichnung, mit der die Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen können, dass bei der Herstellung eines Lebensmittels keine Gentechnik zum Einsatz gekommen ist. Auf nationaler Ebene wurde deshalb in Deutschland im Jahr 2008 die freiwillige „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung eingeführt. Lebensmittelunternehmen haben so die Möglichkeit, ihre Produkte freiwillig mit dem Label „Ohne Gentechnik“ zu versehen, wenn diese ohne Verwendung gentechnischer Verfahren erzeugt worden sind. In den so gekennzeichneten Lebensmitteln sind keine Spuren von gentechnisch veränderten Bestandteilen erlaubt. Darüber hinaus dürfen die Nutztiere eine definierte Zeit vor der Gewinnung Lebensmittel tierischer Herkunft nur Futtermittel erhalten, das keine gentechnisch veränderten Bestandteile aufweist. Wenn das Label genutzt wird, hat der Lebensmittelunternehmer eine Nachweispflicht. Dies bedeutet, dass er gegenüber der Überwachungsbehörde beweisen können muss, dass er keine GVO eingesetzt hat. Das Label wird vom Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) verwaltet.

Weitere Informationen:


Bio- und Gentechnik

Die Gentechnik ist ein Teilgebiet der Biotechnik. Klassische biotechnische Verfahren sind zum Beispiel die Verwendung von Bakterienkulturen zur Herstellung von Joghurt oder die Nutzung von Hefe zur Herstellung von Brot, Pizza, Wein oder Bier. Bei der Gentechnik werden biologische, chemische und physikalische Methoden zur Isolierung, Analyse und zur Veränderung von Erbmaterial angewendet. Durch die Gentechnik kann Erbgut gezielt verändert werden.

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Gentechnik-Recht

Der rechtliche Rahmen für die Anwendung der Gentechnik ist durch das deutsche Gentechnikgesetz und seine Verordnungen sowie durch Richtlinien und Verordnungen der Europäischen Union (EU) vorgegeben. Das Gentechnikgesetz setzt den rechtlichen Rahmen für die Erforschung, Entwicklung und Nutzung der Gentechnik und schützt Menschen und Umwelt vor schädlichen Auswirkungen gentechnischer Verfahren und Produkte. 

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