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Pestizidreport

Obst und Gemüse. Foto:serg_v / Panthermedia

Die Auswertung der Ergebnisse der in Nordrhein-Westfalen durchgeführten Untersuchungen von Obst und Gemüse auf Pestizide sind jedem frei zugänglich. Im Pestizidreport wird für jede Obst- oder Gemüsesorte, eine umfassende Auswertung zur Verfügung gestellt. Diese umfasst Angaben darüber, wie viele Proben Pestizide enthalten und wie häufig Höchstmengen überschritten sind sowie einen Vergleich nach Herkunftsländern und großen Supermarktketten.


Veröffentlichung im Informations- und Kommunikationssystems Lebensmittelüberwachung (ILM)

Die Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen sich Lebensmittel, die möglichst gering mit unerwünschten chemischen Stoffen belastet sind. Der Pestizidreport Nordrhein-Westfalen bietet auf der Grundlage der Kontrollen der amtlichen Lebensmittelüberwachung aus diesem und den zurückliegenden drei Jahren einen Anhaltspunkt dafür, welche Lebensmittel stärker und welche weniger stark belastet sind sowie aus welchen Herkunftsländern die weniger belasteten Produkte kommen. Die großen Handelsketten haben daher bereits seit einiger Zeit ihre Anforderungen an Zulieferer und Erzeuger hinsichtlich der Rückstandsgehalte von Obst und Gemüse deutlich verschärft.

In Nordrhein-Westfalen werden jährlich rund 4.000 Proben Obst und Gemüse auf die Rückstände von etwa 600 verschiedenen Pflanzenschutzmitteln untersucht - von jeder Art von Obst und Gemüse landesweit mindestens 20 Proben pro Jahr. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden im Informations- und Kommunikationssystem Lebensmittelüberwachung (ILM) beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zusammengeführt und ausgewertet. Der Pestizidreport wird regelmäßig mit den neuesten Untersuchungsergebnissen aktualisiert.

In diesem Internetportal haben Verbraucherinnen und Verbraucher die Möglichkeit, sich umfassend über die Belastung von Obst und Gemüse mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln zu informieren und dies bei ihren Kaufentscheidungen zu berücksichtigen. Dadurch steigt zugleich der Druck auf die Importeure und Anbieter, Eigenkontrollen durchzuführen und Höchstmengenregelungen ernst zu nehmen, denn Verstöße gegen die festgesetzten Höchstmengen werden umgehend öffentlich gemacht.

Im Pestizidreport werden alle Untersuchungen des laufenden und der drei vorhergehenden Jahre abgebildet und können als Jahresvergleich oder einzelne Jahresauswertung angezeigt werden. Die Internetseite gibt auch Auskunft darüber, ob grundsätzlich Pestizide nachweisbar waren, ob dabei die zulässige Höchstmenge überschritten wurde und ob Mehrfachrückstände aufgefallen sind. Aufgeschlüsselt wird außerdem, welche Pestizidwirkstoffe am häufigsten gefunden wurden. Ergänzend bietet der Pestizidreport Kurzinformationen darüber, was Pflanzenschutzmittel genau sind, welche Regeln für Rückstände gelten und wie die Lebensmittelüberwachung untersucht.

Tabelle der untersuchten Proben und erfaßten Wirkstoffe

Diese Grafik bilanziert auf der Grundlage aktueller Werte die Ergebnisse des Pestizidreports in Nordrhein-Westfalen.

Pflanzenschutzmittel juergenfrese / Panthermedia

Pflanzenschutzmittel unterliegen der strengen Kontrolle des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Foto: juergenfrese / Panthermedia

Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel

Von Pflanzenschutzmitteln dürfen keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier ausgehen. Daher dürfen Pflanzenschutzmittelwirkstoffe erst in die Praxis eingeführt werden, wenn sie ein umfangreiches Zulassungsverfahren durchlaufen haben. Dafür zuständige nationale Behörde ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Das BVL arbeitet dabei mit drei Bewertungsbehörden zusammen: dem Bundesinstitut für Risikobewertung, dem Julius Kühn-Institut und dem Umweltbundesamt. Für die gesundheitliche Bewertung der Stoffe werden zahlreiche Untersuchungen zu möglichen Formen der Giftigkeit - zum Beispiel akute und langfristige Wirkung -, der Auswirkungen auf das Erbgut und/oder auf die Krebsentstehung durchgeführt. In überwachten Feldversuchen werden die Anwendung des Mittels erprobt und die sich dabei ergebenden Rückstandsmengen gesundheitlich bewertet.

Rückstandshöchstmengen werden so niedrig wie möglich festgesetzt - nicht mehr als für die angestrebte Verwendung nötig und nicht  höher als gesundheitlich vertretbar. Damit bei den erzeugten Lebensmitteln die Rückstandshöchstmengen sicher unterschritten werden, legt das BVL bei der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels Wartezeiten zwischen der letzten Anwendung und der Ernte fest. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist wichtig, dass sich die Höchstmengen nicht auf den essbaren oder sogar zubereiteten Anteil eines Lebensmittels beziehen, sondern auf die Handelsware, also das unverarbeitetete Obst oder Gemüse, wie zum Beispiel Bananen, Orangen und Ananas mit Schale oder Kartoffeln roh, ungewaschen und mit Schale. Der essbare Anteil ist daher meistens deutlich weniger belastet als das Lebensmittel im Ganzen.


Glyphosat: Spuren im Bier

Immer häufiger werden Spuren von Pflanzenschutzmitteln, auch von Glyphosat, in menschlichen Proben und in Lebensmitteln gefunden, die gar nicht damit behandelt wurden. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münster-Emscher-Lippe (CVUA MEL) hat dafür eine neue Untersuchungsmethode entwickelt. Mit dieser neuen Methode können geringste Spuren von Substanzen, wie etwa Glyphosat, ab 0,1 Mikrogramm pro Liter sicher und spezifisch bestimmt werden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden mit ihrer neuen Untersuchungsmethode Glyphosat-Gehalte in 29 von 30 getesteten Bieren. Es ist die bisher größte Untersuchung zur Belastung von Bieren mit Glyphosat. Es wurden keine Grenzwerte oder Höchstmengen überschritten. Die Gehalte lagen zwischen 0,2 und 23 Mikrogramm pro Liter. Sechs Biere enthielten Glyphosatrückstände von mehr als zehn Mikrogramm pro Liter. Nur bei einem Bio-Bier einer Brauerei aus Münster waren die Glyphosat-Gehalte so gering, dass sie nicht quantifizierbar waren. Mit seinen Ergebnissen bestätigte das CVUA MEL die Studie des Umweltinstituts München, das im Februar 2016 Glyphosat in 14 deutschen Bieren gefunden hatte. Die dort verwendete Methode war jedoch im Vergleich eher unspezifisch, da damit auch glyphosat-ähnliche Strukturen erfasst werden. Die neue Methode des CVUA MEL wird nun in weiteren Untersuchungsserien erprobt. Geplant sind Untersuchungen für die Grundnahrungsmittel Mehl, Kartoffel und Milch. Parallel sollen auch saisonale Produkte wie Erdbeeren und Spargel untersucht werden.

Das Landesumweltamt NRW (LANUV) hatte im Mai 2016 eine Untersuchung vorgelegt, bei der Glyphosat im Urin von 158 von 250 untersuchten Kindern zwischen zwei und sechs Jahren gefunden wurde.