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Konsum und Wertschätzung

Nachhaltig konsumieren - Wertschätzung von Lebensmitteln fördern

Konsum ist etwas Alltägliches. Als Verbraucherinnen und Verbraucher konsumieren wir regelmäßig, teils bewusst, meistens aus Gewohnheit. Für welche Produkte wir uns entscheiden, welchen Lebensstil wir pflegen - dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Umwelt. Ein nachhaltiger Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden, begrenzen Ressourcen ist deshalb unerlässlich. Hierzu gehört die Reduzierung von klimaschädlichen CO2-Emissionen ebenso wie der bewusster Umgang mit Lebensmitteln.

Eine wesentliche Herausforderung ist es, eine neue Wertschätzung für Produkte und für Nahrungsmittel zu entwickeln, um auf diese Weise die enorme Lebensmittelverschwendung, deutlich zu reduzieren. Ernährungsbildung in Schulen zu verankern, kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Denn wenn Schülerinnen und Schüler wieder erfahren, wo die Nahrungsmittel herkommen, wie sie erzeugt werden und welche Arbeitsschritte bis hin zum fertigen Produkt erforderlich sind, entwickeln sie einen stärkeren Bezug zu ihnen und damit auch eine erhöhte Wertschätzung. Zu erfahren und zu lernen, wo Obst und Gemüse wachsen, wie es geerntet wird und wie es weiter verarbeitet wird, sind wichtige Erfahrungen für Schülerinnen und Schüler. Ziel ist es, nachhaltiges Konsumverhalten bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu verankern und die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Lebensstil zu schaffen. Das gilt für den gesamten Konsumbereich, zu dem Einkauf, Auswahl der Produkte, Transport und Mobilität, aber auch die Zubereitung oder die Lagerung im Haushalt ebenso gehören, wie das gesamte Wohnumfeld und die Lebensgewohnheiten eines jeden. Hier sind Tipps und Hinweise gefragt, wie nachhaltiger Konsum umgesetzt werden kann, z.B. indem eine klimafreundliche Ernährungsweise aufgezeigt wird. Aber auch der Aufbau entsprechender Infrastrukturen sowie das Wissen der Konsumenten darüber, was eine nachhaltige Konsumentscheidung ausmacht, sind ausschlaggebende Voraussetzungen dafür, dass Nachhaltigkeit im Alltag gelebt werden kann.

Im Dezember 2010 hat das NRW-Verbraucherschutzministerium einen Runden Tisch "Neue Wertschätzung für Lebensmittel" aus Vertreterinnen und Vertretern der Landwirtschaft, der Lebensmittelwirtschaft, des Einzelhandels und des Handwerks, der Gastronomie, von Verbraucher- und Wohlfahrtsverbänden sowie der Wissenschaft mit dem Ziel ins Leben gerufen, eine gemeinsame Handlungsstrategie zur Verringerung der Vernichtung von Lebensmitteln zu entwickeln.


NRW-Studie zeigt: nicht allein Mindesthaltbarkeitsdatum ist Schuld an der Verschwendung von Lebensmitteln

Nicht nur das Mindesthaltbarkeitsdatum ist für die Verschwendung von Lebensmittel verantwortlich. Die Verluste entstehen vielmehr auf allen Stufen der Wertschöpfungskette, von der Landwirtschaft über die Verarbeitung und den Handel bis hin zu Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Das ist das Ergebnis einer im März 2012 veröffentlichten Studie der Fachhochschule Münster und der Verbraucherzentrale NRW im Auftrag des NRW-Verbraucherschutzministeriums.

Die Studie, für die unter anderem Experten der Produktgruppen Gemüse, Brot und Backwaren, Milch und Milchprodukte und Fleisch und Wurstwaren befragt wurden, arbeitet heraus, an welchen Stellen vermeidbare Verluste auftreten und beschreibt mögliche Ursachen. Die wesentlichen Ergebnisse:

- Das Mindesthaltbarkeitsdatum dient danach nicht mehr nur – wie bei seiner Einführung – der Qualitätssicherung von Lebensmitteln, sondern wird von den Unternehmen als Organisationsinstrument für die Mengensteuerung und als Marketinginstrument verwendet. Zudem werden Lebensmittel ohne Mindesthaltbarkeitsdatum wie Brot, Obst und Gemüse häufiger weggeworfen als Lebensmittel mit Datum.

- Gemüse: Hier sind häufig Produktspezifikationen, Vermarktungsnormen und standardisierte Verpackungen im Handel Gründe für die Entstehung von Lebensmittelverlusten. Bei der Direktvermarktung von Gemüse ist der Verlust dagegen geringer.

- Backwaren: Die zentralen Ursachen für Verluste sind hier die kurze Produktfrische bei gleichzeitig geforderter Verfügbarkeit der frischen Waren bis kurz vor Ladenschluss.

- Milchprodukte: In der Wertschöpfungskette für Milch und Milchprodukte treten nennenswerte Ursachen meist durch technische Fehler (zum Beispiel Fehlproduktion durch Maschinenschäden) auf. Auf der Handelsstufe ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) von Milch und Milchprodukten ein wichtiges Kriterium für den Absatz. Bei zu kurzer MHD-Restlaufzeit werden Waren aussortiert.

- Fleisch und Wurstwaren: Die industrialisierte Wertschöpfungskette für Fleisch und Wurstwaren steht unter hohem Zeit- und Kostendruck. Personal und Zeit einzusetzen, um Abfälle zu verringern/vermeiden ist wirtschaftlich nicht darstellbar. Darüber hinaus führen Abweichungen von vorgegebenen Spezifikationen in Bezug auf Qualität, Optik, Textur und Temperatur aufgrund des hohen gesundheitlichen Risikos tierischer Lebensmittel automatisch zu Warenverlusten.

Die Verbraucherzentrale NRW ließ Verbraucherinnen und Verbraucher im Hinblick auf den Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum befragen. Dabei kam heraus, dass es häufig jüngere Menschen und Personen mit einer Vorliebe für Außer-Haus- und Fertiggerichte sind, die dazu neigen, noch verzehrfähige Lebensmittel in die Mülltonne zu befördern.

Über die die Bedeutung des Mindesthaltbarkeits- bzw. -verbrauchsdatums waren drei Viertel der Befragten dagegen zutreffend informiert.



Breite Allianz gegen Lebensmittelverschwendung in Nordrhein-Westfalen

Runder Tisch „Neue Wertschätzung für Lebensmittel“ verabredet Maßnahmen für NRW: Vorschriften sollen überprüft werden

NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel hat eine breite Allianz gegen die Verschwendung von Lebensmitteln ins Leben gerufen. „Wir müssen das massenhafte Wegwerfen von Lebensmittel beenden. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft – aus moralischen, ethischen und ökonomischen Gründen. In NRW haben sich jetzt alle Beteiligten zu einer gemeinsamen Anstrengung verpflichtet“, sagte Remmel.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Studie der Fachhochschule Münster zur Lebensmittelverschwendung hatte der vom NRW-Verbraucherschutzministerium ins Leben gerufene Runde Tisch „Neue Wertschätzung für Lebensmittel“ sich am 21. März 2012 auf folgende Maßnahmen verständigt:

  • Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Lebensmittelwirtschaft, Landwirtschaft, Handel und Verbrauchern und Verbraucherinnen überprüfen gemeinsam die gesetzlichen Vorschriften und die handelsseitigen Normen und Regeln hinsichtlich ihrer Relevanz für Lebensmittelabfälle.
  • Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Lebensmittelwirtschaft und Verbraucherorganisationen überprüfen das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die Lebensmittelabfälle. Ziel ist es, die ursprüngliche Funktion des MHD zu verdeutlichen und das Verbrauchsdatum stärker hervorzuheben.
  • Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft, der Ernährungswirtschaft und des Handels verpflichten sich, in einen Dialog einzutreten, um zu einer schnittstellenübergreifenden Kommunikation und Aktion zu kommen. Für die Produktgruppen Obst/Gemüse, Fleisch/Fleischerzeugnisse, Brot/Bachwaren und Milch/Milchprodukte zeigt die Studie deutlich die Schwachstellen auf.

Ziel ist die Aufklärung darüber, aus welchen Gründen an den erkannten Schnittstellen vermeidbare Lebensmittelabfälle anfallen und sodann in der Konsequenz Wege zu beschreiben, wie diese Mengen deutlich reduziert werden können.

Das NRW-Verbraucherschutzministerium forciert die Ernährungs- und Verbraucherbildung an Schulen und dabei auch das Thema Wertschätzung von Lebensmitteln. Die Universität Paderborn und die Verbraucherzentrale NRW bereiten dazu Schulmaterial, Unterrichtsvorschläge und Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer vor. Die Stadt Köln wird im Sommer 2012 das Unterrichtsmaterial an ihren Schulen einem Praxistest unterziehen. Die Landfrauen werden ihre wichtige Funktion als Ernährungsbotschafterinnen weiterführen. Der Kreis Siegen-Wittgenstein wird Modellregion zur Verringerung der vermeidbaren Abfälle durch die Förderung der Direktvermarktung.


Nachhaltige Ernährungsbildung: Wertschätzung und Verschwendung von Lebensmitteln

Muss wirklich die Hälfte der erzeugten Lebensmittel weggeworfen werden, damit wir in den Supermärkten stets alles und in immer gleicher Qualität zur Verfügung haben? Welche Wertschätzung bringen wir unseren Lebensmitteln überhaupt noch entgegen?

Diesen Fragen geht jetzt ein neu entwickeltes Unterrichtsmodul zum Thema Lebensmittelverschwendung und Wertschätzung von Lebensmitteln nach. Denn trotz eines großen Angebots zur Ernährungsbildung an Schulen gab es bislang kein Material, das sich mit dem Thema Lebensmittelverschwendung beschäftigt.

Daher hat das nordrhein-westfälische Umwelt- und Verbraucherschutzministerium die Universität Paderborn beauftragt, ein Unterrichtsmodul "Wertschätzung und Verschwendung von Lebensmitteln" zu entwickeln. Die Materialien sind fertig gestellt und stehen online zur Verfügung. Sie rüsten Lehrerinnen und Lehrern mit dem nötigen Handwerkszeug, um das Thema Wertschätzung von Lebensmitteln im Unterricht zu behandeln. Vom Mindesthaltbarkeitsdatum über persönliches Einkaufsverhalten oder Fleischkonsum bis zum Film "Taste the Waste" werden in insgesamt 19 Bausteinen zahlreiche Themen angesprochen.

Im September 2013 wurden an einer Kölner Schule die Ergebnisse der Pilotphase zur Erprobung der Unterrichtsmaterialien vorgestellt.

Weitere Informationen:


Erarbeitung eines Coaching-Konzeptes für eine "Klima-gesunde" Schulverpflegung

Gesunde, leckere und Klima-schonende Schulverpflegung – wer will das nicht? Doch welche Kriterien müssen hierfür berücksichtigt, welche Schritte beachtet werden? Welchen Weg muss eine Schule gehen, um den richtigen Caterer zu finden, was für andere Optionen gibt es und wie nachhaltig ist die praktizierte Schulverpflegung an der eigenen Schule schon? All diesen Fragen widmet sich jetzt die Verbraucherzentrale NRW, die im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums ein Coaching Konzept für Schulen zum Thema nachhaltige Schulverpflegung entwickelt.

Das zentrale Ziel dieses Coaching Konzeptes ist die Erarbeitung eines transparenten und handlungsorientierten Kriterienkataloges für eine Klima-gesunde Schulverpflegung, der darüber hinaus die individuelle Schwerpunktsetzung der Schulen berücksichtigt. Alle gängigen Produktionssysteme (Cook & Serve, Cook & Freeze, bzw. Cook & Chill, Cook & Hold), die in nordrhein-westfälischen Schulküchen im Einsatz sind, werden betrachtet, um eine möglichst NRW-weite Übertragbarkeit des Kriterienkataloges für Schulen und Kommunen zu ermöglichen. Den Schulen werden Handlungsoptionen aufgezeigt, mit denen sie an ihrer Schule eine gesunde und Klima-freundliche Schulverpflegung umsetzen können.

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