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Tätowiermittel

Frau beim Tätowierer  Ron Chapple / panthermedia.net

Etwa 9% der Bevölkerung in Deutschland ist tätowiert, in der Gruppe der 16- bis 29-Jährigen sind es sogar fast 25%. Die Inhaltsstoffe der Tätowierfarben sind nicht durchweg untersucht und können gesundheitlich bedenklich sein. Beim Stechen einer Tätowierung ist besonders die Hygiene wichtig.


NRW fordert verbindliche Liste unbedenklicher Inhaltsstoffe

Die Rezepturen der in Deutschland verwendeten Tätowiermittel müssen vor dem Inverkehrbringen dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mitgeteilt werden. Die deutsche Tätowiermittel-Verordnung regelt nicht nur die Kennzeichnung dieser Mittel, sie enthält auch eine Liste, die bekannte gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe verbietet.

Damit ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß weiterhin problematische  Stoffe verwendet werden - denn was nicht verboten ist, ist erlaubt.

Nordrhein-Westfalen hat die Bundesregierung deshalb aufgefordert, die bestehende Tätowiermittelverordnung zu überarbeiten. So sollen Hersteller nachweisen müssen, dass ihre Produkte gesundheitlich unbedenklich sind und eine Positivliste mit unbedenklichen Inhaltsstoffen benennen.

Untersuchung von Tätowiermitteln

Kosmetische Mittel, zu den auch die Tätowiermittel zählen, werden von den Überwachungsbehörden der Bundesländer untersucht. Sie kontrollieren die Produkte auf dem Markt, nehmen Proben oder führen bei Herstellern oder Importeuren Kontrollen durch. 

In Tätowierfarben wurden bedenkliche Werte von Schwermetallen und Konservierungsstoffen nachgewiesen. Untersuchungen aus anderen Bundesländern bestätigen diese Ergebnisse.

Schwarze Tätowiertinte enthält häufig PAK (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe), deren Einsatz in Tätowiermitteln verboten ist und die aus der Sicht des Bundesinstitut für Risikobewertung eine ernste Gefahr für die Gesundheit des Menschen darstellen können.

Nebenwirkungen durch Tätowierung

Neben Allergien, die von den Inhaltsstoffen ausgehen können, kann auch die unsachgemäße Anwendung problematisch sein. Tätowiererinnen und Tätowierer vermischen mitunter Farben mit verschiedenen Flüssigkeiten, um Schattierungen einer Farbe möglich zu machen. So entstehen neue, ungeprüfte Flüssigkeiten, deren Unbedenklichkeit nicht beurteilt werden kann. Durch unsachgemäße Lagerung und Handhabung kann es zu mikrobiellen Verunreinigungen der Farben kommen, was zu Infektionen führen kann. Nicht sterilisierte Nadeln sind ein weiteres Risiko.

Um Infektionen zu vermeiden, muss während des gesamten Tätowiervorgangs einschließlich der sich anschließenden Nachbehandlung der Wunde die Hygiene beachtet werden. Dies gilt in besonderem Maße bei sogenannten „Tattoo Conventions“ in Hallen oder unter freiem Himmel, aber auch von Tätowierungen zu sehr geringen Preisen, durch Bekannte oder im Rahmen von Urlaubsreisen.

Machen Sie sich vor dem Tätowieren ein Bild vom Tätowierstudio und vergleichen Sie mehrere Studios.

Das Bundesamt für Risikobewertung rät, sich möglichst an professionelle Tätowiererinnen und Tätowierer in Deutschland zu wenden, die sich in Dachverbänden wie dem Tattooverband “Deutsche Organisierte Tätowierer” oder dem “United European Tattoo Artists e.V.“  zusammengeschlossen haben. Diese erklären, sich beim Tätowieren an die Hygiene-Mindestanforderungen zu halten.

Auch nach einer erfolgreichen Tätowierung gibt es weitere Unsicherheiten. Es ist beispielsweise nicht hinreichend erforscht, wie die Farben unter UV-Strahlung reagieren, ob aus der Sonne oder im Solarium.

Entfernung von Tätowierungen

Nicht wenige möchten sich ihre Tätowierung später wieder entfernen lassen.

Dies geschieht in den meisten Fällen durch Lasertechnik, wobei häufig mehrere Anwendungen erforderlich sind. Eine vollständige Entfernung wird dabei nicht immer erreicht. Die Laserbehandlung kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Zudem ist noch nicht umfassend untersucht, welche Stoffe durch das Lasern entstehen können und welche langfristigen Auswirkungen sie auf die menschliche Gesundheit haben.

Alternativ werden chemische Verfahren angeboten, die jedoch auch häufig zu unerwünschten Wirkungen führen.


Tipps für Tätowierungen

Wer sich trotz der unklaren Langzeitwirkungen ein Tattoo stechen lassen will, der sollte mindestens die folgenden Punkte im Tätowierstudio vorab abklären:

  • Wie ist der hygienische Eindruck? Verfügt das Studio über Sterilisationsgeräte (zum Beispiel Autoklaven)?
  • Welche Farben werden eingesetzt? Sind die verwendeten Farben gekennzeichnet?
  • Wird die Aufklärung durch den Tätowierer ernst genommen, also wird mit Nachdruck auf die möglichen Risiken sowie die “Lebenslänglichkeit” einer Tätowierung hingewiesen?
  • Werden für jeden Kunden fabrikneue und sterile Nadeln verwendet?
  • Wird mit OP-Handschuhen und Mundschutz gearbeitet?
  • Ist der Tätowierer einem Dachverband angeschlossen?

Weitere Informationen: