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Windenergie

: Windenergie im rheinischen Revier. Foto: Annegret Lippold

In Nordrhein-Westfalen wird die Windenergie seit Anfang der 1990er Jahre zur Stromgewinnung genutzt. Aktuell belegt NRW den fünften Platz unter den 16 Bundesländern, direkt nach Küsten- und dünn besiedelten Flächenländern. Die Windenergienutzung hat für Nordrhein-Westfalen eine hohe wirtschaftliche Bedeutung.


Wirtschaftliche Bedeutung

Derzeit decken rund dreitausend Windenergieanlagen rund 4 % des Stromverbrauchs in NRW. Die Windenergienutzung hat damit für Nordrhein-Westfalen bereits jetzt eine hohe wirtschaftliche Bedeutung, denn rund 14.600 Beschäftigte leben direkt oder indirekt von der Windenergiebranche.

Viele Betriebe des traditionell starken Maschinen- und Anlagenbaus, haben sich als Zulieferbetriebe für Windenergieanlagenhersteller ein weiteres Standbein verschafft. Die technologische Weiterentwicklung von Windenergieanlagen bzw. ihren Komponenten wird entsprechend von vielen Forschungseinrichtungen weiter vorangetrieben.

Für viele Land- und Forstwirte hat sich die Windenergienutzung als zusätzliche Einkommensquelle etabliert. Auch viele Kommunen und Bürger partizipieren über diverse Modelle regionaler Wertschöpfung wie Bürgerwindparks, Energiegenossenschaften, Stadtwerkeprojekte.

Die Landesregierung setzt sich ambitionierte Ziele für den Ausbau der Windenergie.  Der Anteil an der Stromversorgung soll auf 15 % im Jahr 2020 steigen.

Das Ziel soll durch Zubau sowie Repowering, das heißt, durch den Ersatz von Altanlagen durch größere und effizientere Windenergieanlagen erreicht werden.  Begleitet und unter­stützt wird dieser Prozess durch die Initiative "Windenergie und Repowering in NRW", die unter anderem eine Begleitstudie sowie jährliche Veranstaltungen umfasst.

Moderne Windenergieanlagen nutzen nicht nur das Windangebot besser und damit wirtschaftlicher, sie produzieren auch konstanter Strom und lassen sich besser in das elektrische Netz integrieren. Eine geringere Zahl von Anlagen und deren  Konzentration tragen auch zu einer Beruhigung des Landschaftsbildes bei.

Potenzialstudie Windenergie

Nordrhein-Westfalen hat großes natürliches Potenzial für die Nutzung der Windenergie. Dies geht aus einer ersten Potenzialstudie über den Einsatz der erneuerbaren Energien hervor, die den Fokus auf die Windenergie in NRW legt.

Um im Jahr 2020 auf einen 15-Prozent-Anteil an Windenergie-Strom zu kommen, ist eine Nettostromproduktion von 20,7 Terawattstunden pro Jahr (TWh/a) notwendig. Das 2025-Ziel setzt 28 TWh/a aus Windenergie voraus. Die landesweite Potenzial-Studie ergibt unter den möglichen Rahmenbedingungen ein machbares Wind-Potenzial für eine Nettostromproduktion von bis zu 71 TWh/a.

Mit 20,7 TWh/a können im Schnitt fünf Millionen und mit 28 TWh/a sieben Millionen Haushalte versorgt werden.

Soll das große Windenergiepotential in NRW gehoben werden, so müssen zahlreiche Begrenzungen zur Kenntnis genommen werden – so etwa die Siedlungsbereiche und Naturschutzgebiete, die nicht angetastet werden dürfen. Solche Gebiete wurden im Leitszenario der Potenzialstudie berücksichtigt.

Windpark in NRW. Foto: Josef Klein

Windpark in NRW. (Foto: Josef Klein)

Der Windenergieerlass der Landesregierung

Mit dem Windenergieerlass 2011 wurde eine Neuausrichtung der Erlasslage für den Windenergieausbau vorgenommen und Hürden bei Planung und Genehmigung abgebaut. Dies hat zu einer dynamischen Entwicklung des Windenergieausbaus in den letzten vier Jahren beigetragen, der sich in dieser Zeit mehr als verdreifacht hat. Die zunehmenden Fallzahlen haben zu vielfältiger neuer Gesetzgebung, Planung und Rechtsprechung geführt, haben eine Überarbeitung des Erlasses erfordert. In einem umfangreichen Beteiligungsverfahren wurden im Mai und Juni 2015 mehr als 30 Institutionen (unter anderem Energiewirtschafts-verbände, Grundbesitzerverbände, Landwirtschaftsverbände, Naturschutzverbände), kommunale Spitzenverbände sowie die Bezirksregierungen und Regionalplanungsbehörden, Landesbetriebe und die Bundeswehr angehört. Die vielfältigen Stellungnahmen wurden ausgewertet und sind dann in den überarbeiteten Erlass eingeflossen.

Gegenstand der Novelle ist unter anderem die Aufbereitung der neuen Systematik für die kommunale Flächennutzungsplanung, wie sie durch mehrere Entscheidungen von Bundesverwaltungsgericht und Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen entwickelt wurde. Die Neufassung zeigt damit auf, unter welchen Voraussetzungen der Ausbau der Windenergie planerisch gesteuert werden kann. Damit einher, gehen neue fachliche Erläuterungen zu frühzeitiger Öffentlichkeitsbeteiligung, zur Erforderlichkeit der Umweltverträglichkeitsprüfung und zum differenzierten Umgang mit vielfältigen Flächenkategorien in der neuen Systematik. Eine wesentliche Neuerung liegt auch in der Standardisierung der Landschaftsbildbewertung. Dabei werden die Fachbeiträge des Landesumweltamts zur Regionalplanung genutzt. Für nachgeordnete Behörden besitzt der Erlass verwaltungsintern Verbindlichkeit. Der Entwurf wurde am 4. November 2015 in Kraft gesetzt.


Windenergie auf Waldflächen

Nordrhein-Westfalen besteht zu mehr als einem Viertel aus Wald. Darunter viele Höhenlagen in Eifel, Sauer-, Sieger- und Wittgensteiner Land, die sich gut für die Windenergienutzung eignen. Die technische Entwicklung hat zu neuen Anlagentypen für den Wald geführt, so dass inzwischen auch die mehr als 100 Meter hohen turbulenzarmen Zonen über den Baumkronen genutzt werden können.

Der Windenergieerlass 2011 hat den Wald zwar wieder für die Windenergieplanung geöffnet. Allerdings gilt die Vorgabe, dass die Windenergie-Anlagen nur dort gebaut werden dürfen, wo sich ökologisch nicht hochwertige Waldflächen wie zum Beispiel Fichtenforstkulturen befinden.

Bei der Waldinanspruchnahme sind besondere Anforderungen zu beachten. Diese wurden in einem Leitfaden zusammengefasst und im Jahr 2012 von der Landesregierung veröffentlicht.

Windenergie beim Arten- und Habitatschutz

Das NRW-Umweltministerium hat im November 2013 einen neuen Leitfaden zur Berücksichtigung von Arten und Lebensräumen bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen veröffentlicht. Damit werden Umweltprüfungen  vereinheitlicht und die Einhaltung europäischer Naturschutzbestimmungen gewährleistet.

Der Ausbau der Windenergie kann schließlich, so wichtig er auch für die nordrhein-westfälische Klimaschutzpolitik ist, zu Zielkonflikten mit dem Naturschutz führen. Bisher gab es keine einheitlichen Regelungen für Artenschutzprüfungen zu Windenergieplanungen und entsprechende Verträglichkeitsprüfungen im Bereich von europäischen Naturschutzgebieten. Um diese Lücke zu schließen, hat das Umweltministerium diesen Leitfaden entwickelt. In dem Leitfaden wird dargelegt, mit welchen Methoden windenergieempfindliche Arten untersucht werden und in welcher Weise diese Arten bei den Umweltprüfungen zu beachten sind.

Darüber hinaus werden zum Schutz windenergiesensibler Arten konkrete Vermeidungs-Maßnahmen aufgezeigt: So werden Abschaltszenarien für Fledermäuse oder die Entwicklung geeigneter Lebensräume abseits der Windenergieanlagen genannt. Planungsbüros, Investoren, nicht zuletzt Kommunen und Genehmigungsbehörden bekommen mit dem neuen Leitfaden mehr Planungs- und Rechtssicherheit.

Wirtschaftsmotor Windenergie

Die Landesregierung setzt nicht nur politisch auf die Windenergie als Wirtschaftsmotor. Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Branche, insbesondere die Bedeutung der Zulieferbetriebe ist durch diverse Studien belegt. Genannt sei hier die aktuelle Studie des Bundesverbands Windenergie e.V. (BWE).

Die Landesregierung fördert die Vernetzung der Branche mit einem eigenen Netzwerk, das bei der EnergieAgentur.NRW angesiedelt ist. Zum Angebot des Netzwerks zählen die eigene Jahrestagung, Windenergiestammtische, Messeauftritte, Delegationsreisen für Branchenvertreter und die Herstellung öffentlicher Aufmerksamkeit durch Unternehmensbesuche mit dazugehöriger Öffentlichkeitsarbei.

EnergieDialog.NRW: Informationen und Dialog zu erneuerbare Energien

Das NRW-Klimaschutzministerium hat 2011 eine Informations- und Beratungsplattform für erneuerbaren Energien eingerichtet, den EnergieDialog.NRW. Der EnergieDialog.NRW bietet eine breite Palette von Instrumenten, um Konflikten bei der Planung und Umsetzung von Projekten zur Nutzung von erneuerbaren Energien vorzubeugen. Dazu gehören Beratungsgespräche, Vorträge, Workshops, Schulungen, Weiterbildungsmaßnahmen sowie die Gestaltung "Runder Tische". Näheres zu dem kostenlosen Angebot finden Sie auf dem Portal des EnergieDialog.NRW. Hier wird ferner regelmäßig über aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien berichtet, über Veranstaltungen informiert sowie fachliche Hintergründe erläutert. Das aktuelle Informationsangebot wird durch eine umfangreiche Bibliothek sowie Mediathek ergänzt.

Bürgerwindanlagen: Anteile erwerben, Rendite erzielen, Klima schützen!

Das NRW-Klimaschutzministerium strebt die stärkere Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger am Ausbau der Windenergie an. Bürgerinnen und Bürger können bei Bürgerwindanlagen Anteile an Windrädern erwerben, sie können damit von den Renditen profitieren und einen Beitrag für die Wertschöpfung in der Region leisten. Für alle Interessenten wurde bei der EnergieAgentur.NRW eine Informations- und Beratungsplattform für erneuerbare Energien eingerichtet: "EnergieDialog.NRW". Sie bietet neben den zahlreichen Beratungsangeboten auch Hilfestellung bei der Initiierung und Gründung von Bürgerwindparks an. Investitionen in Windenergieanlagen erfordern daneben ein geeignetes Geschäftsmodell und eine passende Finanzierung. In dem Themenportal "Finanzierungs- und Geschäftsmodelle" der EnergieAgentur.NRW finden Sie Informationen und aktuelle Neuigkeiten zu Modellen, die dafür einen Lösungsweg darstellen können.

Wissenschaft und Forschung

An zahlreichen Hochschulen und Forschungsabteilungen der Unternehmen wird in Nordrhein-Westfalen an der Zukunft der Windenergienutzung gearbeitet. Die Landesregierung verfügt bereits seit Ende der 1990er Jahre über ein Testfeld in Grevenbroich, wo die Vermessung der neuesten Anlagentechnik eingerichtet wird.

Besonders hervorzuheben ist das Center for Wind Power Drives - CWD - an der RWTH Aachen - mit Testständen für Antriebsstränge von Windanlagen 1 MW und 4 MW. Hier werden komplette Antriebsstränge von Onshore-Windenergieanlagen getestet.

Eine Schlüsselrolle für die Aktivitäten der Landesregierung hat der Projektträger ETN (Energie, Technologie, Nachhaltigkeit) am Forschungszentrum Jülich, der die Leitmarktwettbewerbe für das Land organisiert.

Für die Ausgestaltung der Windenergie-Förderwettbewerbe gibt es einen Arbeitskreis „Innovation und Forschung Windenergie“, der das Know-how von Experten aus Industrie, Forschung und Verwaltung in die Ausschreibungen einfließen lässt.