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Ökologischer Landbau

Ökolandwirtin. Foto: Peter Hensch / MKULNV

Der ökologische Landbau entspricht in besonderer Weise den Prinzipien einer nachhaltigen und umweltschonenden Landbewirtschaftung. Er verzichtet bewusst auf den Einsatz mineralischer Stickstoffdünger, chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel und auf den üblichen Zukauf von Futtermitteln.


Leitbild für eine ökologisch verträgliche Landwirtschaft

Weitgehend geschlossene Stoffkreisläufe, vielfältige Fruchtfolgen, tiergerechte Haltungsverfahren und der Verzicht auf genetisch veränderte Organismen sind weitere Kennzeichen des ökologischen Landbaus. Die Landbewirtschaftung nach den Kriterien des ökologischen Landbaus ist ein Leitbild für eine zukunftsfähige, ökologisch verträgliche und zugleich ökonomisch erfolgreiche Landbewirtschaftung. Zugleich erfüllen Öko-Lebensmittel die Wünsche der Verbraucherinnen und Verbraucher nach umweltfreundlich und tiergerecht erzeugten Lebensmitteln aus der Region.

Der ökologische Landbau hat mit den entsprechenden Verordnungen der Europäischen Union (EU), dem Öko-Landbaugesetz (ÖLG), der Kontrollstellen-Zulassungsverordnung auf Bundesebene und einer Zuständigkeitsverordnung auf Landesebene eine klare gesetzliche Grundlage. Nur solche Lebensmittel dürfen als Bio- oder Öko-Produkte gekennzeichnet werden, die tatsächlich nach diesen Regelungen erzeugt, verarbeitet, importiert und in den Handel gebracht worden sind. Die gesetzlichen Regelungen schützen Verbraucherinnen und Verbraucher vor Täuschung, aber auch die Erzeugerbetriebe, die verarbeitenden Unternehmen und den Handel vor unlauterem Wettbewerb.

Das Kontrollverfahren auf Einhaltung dieser Regelungen ist zweistufig organisiert:

  • Die Kontrollen in den erzeugenden, verarbeitenden, importierenden und handelnden Unternehmen führen private, von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zugelassene Kontrollstellen nach klaren gesetzlichen Vorgaben durch.
  • Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) überwacht als zuständige Landesbehörde die Arbeit dieser privaten Kontrollstellen und führt risikoorientiert zusätzliche eigene staatliche Kontrollen durch.
  • Die Zulassung der Kontrollstellen sowie das Verfahren der Einfuhren von Öko-Produkten aus Drittländern erfolgen bundesweit einheitlich über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Seit 1999 werden in Nordrhein-Westfalen jährlich im September die "Aktionstage Öko-Landbau" durchgeführt. Initiatoren sind die Ökoverbände, die Landwirtschaftskammer und das NRW-Landwirtschaftsministerium. Ökobetriebe, Naturkostläden, Verarbeitungsunternehmen und viele weitere Akteure des ökologischen Landbaus beteiligen sich daran.

Rinder in Weidehaltung. (Foto: MKULNV/Peter Hensch)

Situation des Ökolandbaus in Nordrhein-Westfalen

Ende 2015 wurden in Nordrhein-Westfalen 1.823 landwirtschaftliche Betriebe mit 69.330 Hektar Fläche ökologisch bewirtschaftet. Das sind 5,7 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe und 4,8 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in NRW. Insgesamt sind in das Kontrollverfahren nach der "Verordnung Ökologischer Landbau" der Europäischen Union (EU) neben den 1.823 landwirtschaftlichen Erzeugern noch 1.739 Verarbeitungs-, Import-, Futtermittel- sowie Handelsunternehmen einbezogen. Somit werden in NRW aktuell 3.562 Unternehmen nach den Vorschriften der EU-Verordnung Ökologischer Landbau kontrolliert.

Von den 1.823 landwirtschaftlichen Öko-Betrieben in NRW sind rund 1.030 Betriebe einem Verband des ökologischen Landbaus angeschlossen.


Vertreterinnen und Vertreter der Ökolandbauverbände in NRW. Foto: MKULNV

Vertreterinnen und Vertreter der Ökolandbauverbände in NRW. (Foto: MKULNV)

Verbände und Landwirtschaftskammer - engagierte Dienstleister für den Ökolandbau

In NRW haben vier Ökoverbände eigene Landesgeschäftsstellen: Bioland, Demeter, Biokreis und Naturland. Das Land NRW fördert Projekte dieser vier Verbände in den Bereichen Beratung, Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit. Die Kerntätigkeit der Ökoverbände besteht in einer umfassenden Betreuung und Beratung von umstellungsinteressierten landwirtschaftlichen Betrieben, von ökologisch wirtschaftenden Erzeugern und von Verarbeitungsunternehmen, die ökologische Lebensmittel herstellen. Darüber hinaus ergreifen die Ökoverbände vielfältige Aktivitäten in der Verbraucherinformation. Im Januar 2014 haben sich die vier Landesverbände zu einer „Landesvereinigung für den Ökologischen Landbau NRW“ zusammengeschlossen, um zukünftig ihre Arbeit noch besser abzustimmen und noch effektiver den Ökolandbau in NRW voranzutreiben.

Auch die NRW-Landwirtschaftskammer ist seit Jahrzehnten ein verlässlicher Partner der Akteure des ökologischen Landbaus. Ihr Dienstleistungsangebot umfasst eine spezialisierte Beratung, ein umfangreiches Versuchs- und Demonstrationswesen, bundesweit vorbildliche Aus- und Weiterbildungsangebote und verbrauchernahe Öffentlichkeitsarbeit. Versuche zum ökologischen Landbaus werden  in drei Einrichtungen der Landwirtschaftskammer durchgeführt: Im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick in Kleve wurde 1999 ein eigener Versuchsbetrieb mit Milchviehhaltung und Futterbau auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt. Das Landwirtschaftszentrum Haus Düsse in Soest verfügt über einen Versuchsstall zur ökologischen Schweinehaltung. Im Gartenbauzentrum Köln-Auweiler werden seit über 30 Jahren Versuche zum ökologischen Gartenbau durchgeführt.


Ausbildung im Ökolandbau. Foto: Peter Hensch / MKULNV

Angehende Ökolandwirtinnen und -landwirte in der Ausbildung. (Foto: Peter Hensch / MKULNV)

Aus- und Weiterbildung im Ökolandbau

Landwirtschaftskammer und Ökoverbände bieten (oftmals in Kooperation) fortlaufend ein fachlich abgestimmtes und informatives Angebot an Tagungen, Fachseminaren, Regionalgruppentreffen, Hof- und Feldbesichtigungen in ganz Nordrhein-Westfalen an. Diese Veranstaltungen helfen Umstellungsinteressierten, den ökologischen Landbau und erfolgreiche Ökobetriebe kennenzulernen beziehungsweise bereits ökologisch wirtschaftenden Landwirtinnen und Landwirten, Forschungs- und Versuchsergebnisse für ihre Arbeit zu nutzen.

Fachschule für ökologischen Landbau

Bereits im Schuljahr 1996/97 hat die (damalige) Landwirtschaftskammer Rheinland eine Fachschule für Ökologischen Landbau eingerichtet. Schülerinnen und Schüler mit abgeschlossener Berufsausbildung können dort in zwei Jahren Vollzeitunterricht umfangreiche Kenntnisse im ökologischen Landbau erwerben. Der Unterricht ist praxisorientiert, zahlreiche Exkursionen und Feldbegehungen sind feste Bestandteile des Lehrplans. Im Rahmen von Projektunterricht wird beispielsweise die konkrete Umstellung vom konventionellen auf ökologischen Landbau detailliert geplant.

Durch die enge Zusammenarbeit mit dem ökologisch bewirtschafteten Milchviehbetrieb in Haus Riswick ist dieses Schulangebot einzigartig in Deutschland. Den Absolventen bieten sich umfassende Berufschancen im ökologischen Landbau und die Möglichkeit zum anschließenden Besuch einer Fachhochschule.

Thema „Ökolandbau“ in Fach- und Berufsschule

Die Landwirtschaftskammer ergreift vielfältige Aktivitäten sowohl im Bereich „Berufsschulen/Berufskolleg“ als auch im Bereich „Fachschulen“ zur Information von Lehrern und Schülern über den ökologischen Landbau. In der Berufsschule informiert sie im Rahmen der jährlichen Fortbildungsmaßnahmen für Berufsschullehrer, führt Exkursionen zu vorbildlichen Ökobetrieben durch und  bietet außerdem eine gesonderte zweitägige Lehrerfortbildung zum Thema Ökolandbau an. In allen landwirtschaftlichen Fachschulen ist das Thema „Ökolandbau“ integraler Bestandteil aller Lernfelder. Die Landwirtschaftskammer hat ein einwöchiges Fachschul-Modul zum Ökolandbau inklusive Exkursion zum Ökobetrieb entwickelt und in der Praxis erprobt. Das Thema ökologischer Landbau in den landwirtschaftlichen Beruf- und Fachschulen soll weiter ausgebaut werden.


Präsentation wissenschaftlicher Untersuchung zum ökologischen Landbau . (Foto: Institut für Ökologischen Landbau)

Präsentation wissenschaftlicher Untersuchung zum ökologischen Landbau . (Foto: Institut für Ökologischen Landbau)

Institut für Organischen Landbau mit Wiesengut

An der Universität Bonn forscht das „Institut für Organischen Landbau (IOL)“ bereits seit 1987 zu Fragen des ökologischen Landbaus. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem: Optimierung des Nährstoffmanagements, Erzeugung und Sicherung hoher Produktqualität, Optimierung der Unkrautkontrolle und Entwicklung von Umweltbewertungssystemen.

Schlüssel erfolgreicher Forschung am IOL ist die Integration von Grundlagenforschung und angewandter Forschung im Feldversuchswesen, Gewächshaus, Stall und auf Betriebsebene, durchgeführt auf der Lehr- und Forschungsstation Wiesengut, dem Versuchsbetrieb für organischen Landbau in Hennef. Der Wissenstransfer in die landwirtschaftliche Praxis wird unter anderem über das Leitbetriebe-Projekt sichergestellt.

Unter der Federführung des Institutes für Organischen Landbau in Bonn (IOL) leistet das 1994 begonnene Projekt "Leitbetriebe Ökologischer Landbau in Nordrhein-Westfalen" eine wichtige Zuarbeit für die Beratung. Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer und 30 Ökobetrieben werden praxisnahe Versuchsfragen bearbeitet. Ziel des Projektes ist es, Praxis, Beratung und Forschung noch besser zu vernetzten. Auf dem Wiesengut, dem Versuchsgut des IOL, werden zunächst in erster Stufe wissenschaftliche sogenannte „Exaktversuche“ durchgeführt. Die Leitbetriebe bieten dann in der zweiten Stufe (ausgehend von den Ergebnissen der Exaktversuche) Beratungs- und Demonstrationsmöglichkeiten praxisreifer Produktionsverfahren vor Ort. Öffentlichkeit und Praxis werden bei Feldtagen, Fachveranstaltungen und mit Fachartikeln in vielfältiger Weise informiert.


Systematische Bewertung der Tierhaltung in Ökobetrieben

Mit dem Beratungskonzept "Verbesserung des Tierwohls in Betrieben des ökologischen Landbaus in NRW" haben die Ökoverbände im Jahr 2012 ein Projekt gestartet, um in verbandsangehörigen Bio-Betrieben bei der Optimierung der Tierhaltung beratend zur Seite zu stehen. Dazu wurden der "Leitfaden Tierwohl" und neue Beratungswerkzeuge für die systematische Bewertung der Tierhaltung entwickelt. Die Betriebsleiter sollen für das Thema Tierwohl noch stärker als bisher sensibilisiert und die Berater im Umgang mit den Werkzeugen geschult werden.

In einem nächsten Schritt soll die Kontrolle von Tierwohl auf Basis der EU-Rechtsvorschriften für den Ökologischen Landbau zu einer nachhaltigen Verbesserung des Tierwohls in allen ökologisch wirtschaftenden Bio-Betrieben beitragen. Ein hierfür in 2015 erarbeitetes Prüfkonzept wird derzeit auf seine Umsetzbarkeit in die Praxis hin evaluiert.

Weitere Informationen:

Risikomanagement für die Öko-Verarbeitung

Was macht ein Risiko bei der Verarbeitung von Öko-Produkten aus? Risiken sind besonders relevant, wo an einer bestimmten Stelle im Produktionsablauf im eigenen oder beauftragten Betrieb ein so gravierender Fehler auftreten kann, der eine Bio-Kennzeichnung der hergestellten Ware ausschließt. Das NRW-Landwirtschaftsministerium hat einen Leitfaden als praktische Handreichung erstellt, um kleine und mittlere Verarbeitungsunternehmen bei der Umsetzung des EU-rechtlich geforderten Konzepts der kritischen Öko-Punkte zu unterstützen. Sie soll dazu beitragen, dass ein vielfältiger, regionaler Markt für Öko-Produkte in Nordrhein-Westfalen gefördert und unterstützt wird.


Biomarkt in Nordrhein-Westfalen

Der Markt für Ökolebensmittel erlebt seit dem Jahr 2000 eine beachtliche Entwicklung. Bis Ende 2016 ist der bundesweite Umsatz mit Bio-Lebensmitteln von zwei auf über neun Milliarden Euro angestiegen. Der NRW-Anteil am bundesweiten Umsatz von Ökolebensmitteln beträgt rund 20 Prozent. Allerdings steigt die Importquote in diesem Marktsegment weiter deutlich an, denn die Nachfrage kann aus eigener Produktion nicht gedeckt werden.

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Hühner in Freilandhaltung - im ökologischen Landbau Praxis.

Förderung des ökologischen Landbaus

Erhalt und besonders schonender Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen - wie beispielsweise Boden, Wasser und Artenvielfalt - gehören zum Grundverständnis des ökologischen Landbaus. Er ist ein Modell einer besonders umweltverträglichen und tiergerechten Form der Landbewirtschaftung, deren Produkte von immer mehr Menschen nachgefragt werden. Die Landesregierung fördert den Ökolandbau daher auf vielfältige Weise.

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