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Düngung

Ausbringung von Gülle. Foto: Günter Jacobs

Pflanzen müssen ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden, um ein ausgewogenes Wachstum der Kulturpflanzen, gute Qualität der Produkte und eine nachhaltige Bodenfruchtbarkeit sicherzustellen. Die gute fachliche Praxis der Düngung erfüllt diese Anforderungen. Das Düngegesetz und die 2020 novellierte Düngeverordnung des Bundes tragen zu einer umweltgerechten Anwendung von Düngemitteln bei.


Düngeverordnung als rechtlicher Rahmen der guten fachlichen Praxis

Grundsätzlich sind Wirtschaftsdünger wie Gülle, Hühnertrockenkot oder Festmist wertvoller Dünger, der im Rahmen einer sinnvollen Kreislaufwirtschaft dem Boden die mit der Ernte entzogenen Nährstoffe wieder zuführen. So können Mineraldünger, die sonst mit hohem Energieaufwand hergestellt werden und Treibhausgase emittieren, ersetzt und eingespart werden.

Unabdingbare Voraussetzung ist jedoch, dass es durch die Anwendung von Wirtschaftsdüngern nicht zu Umweltproblemen oder vermeidbaren Beeinträchtigungen für Mensch und Natur kommt. Dabei ist es unerheblich, ob die Gülle aus heimischen Ställen oder aus anderen Regionen stammt.

Der rechtliche Rahmen für die Düngung und somit auch für die Ausbringung von Gülle, egal welcher Herkunft, ist die bundesweit gültige Düngeverordnung, basierend auf dem Düngegesetz. Darin sind die Grundsätze der guten fachlichen Praxis verbindlich festgelegt. Sie soll einerseits eine fachlich sinnvolle Ernährung der Pflanzen sicherstellen und andererseits negative Umweltauswirkungen soweit wie möglich vermeiden.

In der Düngeverordnung sind unter anderem

  • die Düngung nach dem Düngebedarf der Pflanzen,
  • die maximale Menge für Wirtschaftsdünger wie Gülle und Mist,
  • die Zeiten, in denen keine Ausbringung erfolgen darf,
  • die Bodenverhältnisse, bei denen nicht gedüngt werden darf,
  • die Anforderungen zur Emissionsminderung bei der Ausbringung,
  • die Anforderungen an die Lagerkapazität von Wirtschaftsdüngern,
  • die Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten und
  • die Abstände zu Gewässern

geregelt.

In Gebieten, in denen der Schwellenwert von 50 mg/l Nitrat im Grundwasser überschritten wird, besteht Handlungsbedarf. In diesen Gebieten wurden mit der Landesdüngeverordnung von Nordrhein-Westfalen nitrataustragsgefährdete Feldblöcke ausgewiesen. Hier gelten nach der Landesdüngeverordnung, ab 01.01.2021 auch nach der Bundesdüngeverordnung, weitergehende Anforderungen.

Binnendifferenzierung der Gebietswasserkörper nach §13 DüV (belastete Gebiete)

Binnendifferenzierung der Gebietswasserkörper nach §13 DüV (belastete Gebiete)

Neue Landesdüngeverordnung...

Die neue Landesdüngeverordnung ist am 31.03.2020 in Kraft getreten. Sie sieht eine Binnendifferenzierung in den mit Nitrat belasteten Gebieten vor. Ziel der Landesregierung ist es, durch eine zielgenaue, effiziente und praktikable Düngeregulierung das Grundwasser effektiv zu schützen, ohne die Landwirtschaft unverhältnismäßig zu belasten. Damit gilt für Nordrhein-Westfalen eine neue, differenzierte Gebietskulisse. Statt pauschaler Vorgaben müssen fortan Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers zielgerichtet und nach Bedarf auf den relevanten, klar ausgewiesenen Feldblöcken ergriffen werden.

Ausgangspunkt für die differenzierte Betrachtung der nitratbelasteten Gebiete waren die zwischenzeitlich vorgelegten neuen Monitoring-Ergebnisse zur Bewertung des chemischen Zustands der Grundwasserkörper. Auf Basis dieser Ergebnisse sowie von Modellierungen hat das Umweltministerium in Zusammenarbeit mit dem Landesumweltamt NRW eine Binnendifferenzierung in den belasteten und landwirtschaftlich beeinflussten Gebieten vorgenommen und darauf aufbauend eine neue Gebietskulisse skizziert. Konkret wurden Flächen identifiziert, in denen auch bei Einhaltung der aktuell geltenden Anforderungen der Düngeverordnung eine Überschreitung der Nitratgrenzwerte besteht oder zu erwarten ist und daher zusätzliche Maßnahmen notwendig sind. Die Bewertung und Differenzierung erfolgt auf Feldblockebene. Dadurch werden etwa 90 Prozent aller nitratbelasteten Messstellen abgedeckt. Die differenzierte, neue Gebietskulisse als Grundlage der Anpassung der Landesdüngeverordnung kann ab sofort im geografischen Informationssystem mit wasserwirtschaftlichen Grundlagendaten, ELWAS Web, auf Feldblockebene eingesehen und abgerufen werden.


...und die Änderungen der Bundesdüngeverordnung?

Am 27. März 2020 hat der Bundesrat der Verordnung zur Änderung der Düngeverordnung zugestimmt. Damit wurde auch auf Bundesebene Planungssicherheit geschaffen - die Verordnung wird vermutlich Mitte April unmittelbar nach ihrer Verkündung in Kraft treten. Laut Verordnung müssen bis zum Jahresende eine Überprüfung der sogenannten roten Gebiete und die gegebenenfalls erforderlichen Änderungen der einschlägigen Länderverordnungen erfolgen. Auch die deutlich schärferen Anforderungen in den roten Gebieten greifen ebenfalls erst ab Januar 2021, nachdem die Gebietskulisse festgelegt wurde.

Umweltwirkungen der Düngung

Die nunmehr aktuell geltenden und spätestens ab 1. Januar 2021 zusätzlichen strengeren Anforderungen an die Düngung tragen zu einer umweltgerechten Anwendung von Düngemitteln bei. Zusammen mit einer effektiveren Überwachung und einem im Aufbau befindlichen differenzierten Monitoring sind damit die Grundlagen für eine Verbesserung des Grundwasserzustands gelegt. Und dies ohne die Landwirtschaft insgesamt zu überfordern. Zur Erreichung der Umweltziele im Gewässerschutz tragen neben dem Ordnungsrecht weitergehende Maßnahmen wie Beratungen und Kooperationen bei.

So wurde zum Beispiel im Rahmen eines regelmäßigen Austauschs mit den Niederlanden und dem Land Niedersachsen ein gemeinsames Memorandum zur Zusammenarbeit und Überwachung von Wirtschaftsdüngertransporten vereinbart.

Auf der Grundlage einer Wirtschaftsdünger-Datenbank erstellt die Landwirtschaftskammer NRW alle drei Jahre einen landesweiten Nährstoffbericht, der den Nährstoffanfall von Stickstoff und Phosphat aus der Tierhaltung sowie aus Gärresten von Biogasanlagen und Klärschlamm ermittelt. Dabei werden Nährstoffbilanzen auf Kreisebene erstellt. Der erste Nährstoffbericht ist im Jahr 2014 auf der Grundlage des Datenbestands von 2013 erstellt worden. Der aktuelle Bericht wurde im April 2018 mit Datenstand 2016 veröffentlicht; für den Herbst 2020 ist die nächste Aktualisierung vorgesehen.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW hat im Jahr 2014 einen "Nitratbericht" erstellt, der die Belastung der Grundwasserkörper ausführlich dokumentiert.


Grundwasser und Landwirtschaft

Die Landwirtschaft wird in den letzten Jahrzehnten deutlich intensiver betrieben, als früher üblich. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht bedenklich ist der häufig zu hohe Stickstoffeinsatz bei der Düngung. Ein wichtiger Faktor ist dabei der verstärkte Anbau von Mais zur Verwendung in Biogasanlagen. Bis zur Einführung von agrarförderrechtlichen Regelungen zur Erhaltung von Dauergrünland in 2011 war dies in NRW auch verbunden mit einer Umwandlung von Grünland in Ackerbauflächen.

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