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200 Jahre Verwaltung für Agrarordnung in NRW

Foto: MULNV.

Rund 75% der Fläche Nordrhein-Westfalens werden land- und forstwirtschaftlich genutzt. Der Erhalt und die Schaffung attraktiver, vitaler und lebenswerter ländlicher Räume für Mensch und Umwelt sind Ziel und Aufgabe der ländlichen Entwicklung. Die nordrhein-westfälische Verwaltung für Agrarordnung mit ihren Bodenordnungs- und Förderinstrumenten ist seit nun 200 Jahren die treibende Kraft zur Entwicklung der ländlichen Räume unseres Landes.


Von der königlichen Unterschrift bis zur Verwaltung für Agrarordnung 2020

Mit „höchsteigenhändiger Unterschrift und Beidrückung Unseres Königlichen Insiegels“ versah Friedrich Wilhelm der III. von Preußen am 25. September 1820 ein Gesetz über die Errichtung der Königlich Preußischen Generalkommission in Münster. Der preußische König schuf mit der Generalkommission und den ihr nachgeordneten Spezialkommissionen die Vorläuferbehörden der heutigen Verwaltung für Agrarordnung des Landes Nordrhein-Westfalen, die im Jahr 2020 auf ihr 200jähriges Bestehen zurückblicken kann.

Die General- und Spezialkommissionen entwickelten sich über die Landeskulturverwaltung ab 1919 und über die Verwaltung für Flurbereinigung und Siedlung ab 1957 zur heutigen Verwaltung für Agrarordnung, wie diese Fachverwaltung seit nun 50 Jahren heißt. Die Bezeichnungen beschreiben auch die bodenordnerischen und landeskulturellen Tätigkeiten der Verwaltung unter den jeweiligen gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Nach den beiden Weltkriegen waren die Sicherung der Ernährung und die Ansiedlung und Versorgung der geflüchteten Menschen die Hauptaufgabe. Heute prägen die Stabilisierung wettbewerbsfähiger land- und forstwirtschaftlicher Betriebe, die Verbesserung der Infrastruktur kleiner Gemeinden zur Entwicklung ländlicher Gebiete sowie die Belange von Naturschutz und Landschaftspflege, Klimaschutz und Biodiversität mit ihren jeweiligen, teils konkurrierenden Ansprüchen an die Fläche die Arbeit der Verwaltung für Agrarordnung.

Zielorientiert werden die verschiedenen Bodenordnungsverfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz und die Förderinstrumente der ländlichen Entwicklung eingesetzt.


200 Jahre Verwaltung für Agrarordnung in NRW – es gratulieren!


Ministerin Ursula Heinen-Esser

Foto: Anke Jacob

Foto: Anke Jacob

„Grund und Boden sind ein hohes Wirtschaftsgut, das begrenzt und nicht vermehrbar ist. Mit der ländlichen Bodenordnung bietet das Land Nordrhein-Westfalen seit nun 200 Jahren ein Instrument an, das eigentumswahrend unter den jeweiligen gesellschaftspolitischen Anforderungen erfolgreich zur Neugestaltung und Entwicklung unserer ländlichen Räume eingesetzt wird. Die Verwaltung für Agrarordnung mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat sich von Beginn an den an sie gerichteten Aufgaben gestellt und die Arbeit mit den jeweiligen methodischen und technischen Möglichkeiten bewältigt. Heute ist sie mit den flankierenden Förderangeboten zur ländlichen Entwicklung ein moderner Dienstleister für die ländlichen Räume.“



Prof. Dr. Theo Kötter (Professor für Städtebau und Bodenordnung am Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn)

Foto: Universität Bonn

Foto: Universität Bonn

„Grund und Boden sind eine unverzichtbare und zugleich eine unvermehrbare natürliche Ressource. Auf die Bodenordnung durch ein integriertes Flächenmanagement kommen daher dringende Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben zu, um angesichts steigender Ansprüche, Konkurrenzen und Konflikte unterschiedlicher Landnutzungen eine nachhaltige und effiziente Nutzung der Ressource Fläche zu gewährleisten. In den ländlichen Räumen weisen dafür die Verfahren der ländlichen Neuordnung nach dem FlurbG eine zentrale Bedeutung auf, denn mit deren Hilfe können zukunftsfähige Kulturlandschaften entwickelt werden, die zugleich agrarstrukturellen, ökologischen, klimatischen, energetischen, sozialen und anderen wichtigen gesellschaftlichen Zwecken dienen.“



Maria Mertens (Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft des Flurbereinigungsverfahrens „Groß-Reken“)

Foto: privat

Foto: privat

„Kaum ein Recht ist so wertvoll für unsere Demokratie wie das Recht auf Eigentum. Es ist Grundlage für wirtschaftliche Entscheidungen, für Erfolg und Misserfolg – für Freiheit. Die Flurbereinigung geht daher besonders sensibel mit diesem Gut um. Mit der Einleitung eines Verfahrens erhält jeder Eigentümer genaue Hinweise, wann er mitwirken kann. Die Wertermittlung, die Zuteilung, die Schaffung erforderlicher Wege- und/oder Gewässerstrukturen; alle Inhalte sehen die Mitwirkung des Eigentümers vor. Eigentum ist Recht, aber auch Pflicht. Ein offener Umgang und ein ehrlicher Austausch tragen zum Gelingen bei. Jeder Einzelne darf sich selbst im Blick haben, muss jedoch in seinen Horizont das Gemeinwohl aller Beteiligten einbeziehen. Aktiv sein als Eigentümer - „mit Wirkung“!“



Henning Gronau (Bürgermeister der Gemeinde Erndtebrück) 

Foto: privat

Foto: privat

„Die Gemeinde Erndtebrück hat in der Vergangenheit von der wichtigen Arbeit dieser Institution immer wieder profitiert. Das Flurbereinigungsverfahren in unseren Ortschaften Womelsdorf und Birkelbach ist mit fast 1100 ha Verfahrensfläche eines der größeren Projekte in NRW. Neben vielen positiven Effekten für Land- und Forstwirtschaft werden auch umfangreiche Maßnahmen der Dorferneuerung in dem Verfahren erfolgen. Die Orte profitieren somit in Gänze! Diesem derzeitigen Projekt ist der erfolgreiche Abschluss der Flurbereinigung in unserer Ortschaft Benfe vorausgegangen. In beiden Projekten wissen wir die transparente, beteiligende und vor allem gute Zusammenarbeit sehr zu schätzen. Für die zukünftige Arbeit wünschen wir daher alles Gute!“



Dr. Harald Hoppe (Vorsitzender der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft „Nachhaltige Landentwicklung“)

Logo: ARGE-Landentwicklung

Logo: ARGE-Landentwicklung

„Die Entwicklung der "Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE)" in den 1990er Jahren war nicht nur ein Schritt zur Bündelung der Instrumente der Landentwicklung, sondern auch ein ganz deutlicher Schritt zu mehr Beteiligung der Menschen. Staatliche Förderung von Integrierten Entwicklungskonzeptionen, aber auch von sozialen Elementen in der Dorfentwicklung sowie der umfangreichen Planungen und Beteiligungen bei der Bodenordnung haben letztlich diesen Hintergrund. Der aktive Umgang mit dem Instrumentarium der ILE ist heute der schöne, aber auch verantwortungsvolle Auftrag der Landentwicklung. Aktiv ist dabei deutlich zu machen, dass es um Leistungen für die Menschen auf dem Lande und um nachhaltige Leistungen insbesondere für unsere Landwirte, den Naturschutz und Wasserwirtschaft geht. Ohne die Einbeziehung der Menschen vor Ort geht dies alles jedoch nicht.“



Dr. Waltraud Ruland (ständige Vertreterin des Direktors der Landwirtschaftskammer)

Foto: Landwirtschaftskammer NRW

Foto: Landwirtschaftskammer NRW

„Die Landwirtschaft in NRW arbeitet hoch spezialisiert, arbeitsteilig und ausgerichtet auf einen aufnahmefähigen Verbrauchermarkt. Die Familienbetriebe sehen sich in ihrem Bemühen, den Betrieb über Generationen weiterzugeben mit wirtschaftlichen Herausforderungen, sehr differenzierten Anforderungen der Gesellschaft und zahlreichen Rechtsvorgaben konfrontiert. Aktuell bewegen sich die Bodenpreise in NRW auf Rekordniveau, während die Produktpreise in den wichtigsten Agrarmärkten stagnieren oder sinken. Anforderungen der Gesellschaft werden bei Themen wie Tierwohl, Nitratbelastung oder Biodiversität deutlich formuliert. Bei der Bewältigung können die Instrumente der ländlichen Entwicklung sowie praxisnahe Versuche, Bildung und Beratung einen guten Beitrag leisten.“



Bodenordnung löst Nutzungskonflikte

Für die nachhaltige Entwicklung der vielfältigen ländlichen Regionen Nordrhein-Westfalens als Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturräume stehen der heutigen Verwaltung für Agrarordnung auf der einen Seite die bodenordnerischen Instrumente des Flurbereinigungsgesetzes und auf der anderen Seite die finanziellen oder aktivierenden Förderinstrumente für viele Bereiche der ländlichen Entwicklung zu Verfügung. Die ländliche Bodenordnung nach dem Flurbereinigungsgesetz (FlurbG) ist das Instrument zur Verbesserung der agrarstrukturellen Rahmenbedingungen. Sie hat sich in den letzten Jahrzehnten als wirksames Instrument zur ländlichen Entwicklung, insbesondere zur Lösung von Konflikten zwischen privater Land- und Forstwirtschaft und öffentlichen Nutzungsinteressen bewährt.

Weitere Informationen:

​​​​​​​Bei den zuständigen Dezernaten 33 „Ländliche Entwicklung, Bodenordnung“ bei den Bezirksregierungen