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Grußwort von Ministerin Ursula Heinen-Esser am 17.9.2018 in Essen aus Anlass des 20 jährigen Bestehens der Effizienz-Agentur NRW

17.09.2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

zwanzig Jahre Effizienz-Agentur NRW

  • das sind zwanzig Jahre für mehr Ressourceneffizienz in NRW ,
  • das sind zwanzig Jahre kompetente Beratung für den produzierenden Mittelstand,
  • das sind zwanzig Jahre sinnvoller Verknüpfung zwischen Umwelt- und Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit und
  • das sind zwanzig Jahre Innovationen für eine umweltschonende Wirtschaft.

Ich freue mich daher sehr, Sie heute anlässlich des Jubiläums der EFA zu begrüßen!

Natürlich bin ich stolz auf das Geburtstagskind, weil mein Ministerium ja sozusagen mit Gründung der Agentur 1998 in Duisburg das "Elternhaus" darstellt. 

Wir sind hier in der Essener Philharmonie, das ist ein passender Ort für die Feier: die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat diesen Ort mal als "neu und altehrwürdig zugleich" charakterisiert. Ein wenig lässt sich dieser Vergleich auch auf die EFA übertragen. Neu im Sinne von innovativ, neugierig, das Ohr immer am Markt, zukunftsorientiert; altehrwürdig im Sinne von erfahren, erprobt und anerkannt.

Nun ist man mit 20 Jahren noch nicht wirklich altehrwürdig: man ist jung, vital und neugierig auf das, was noch kommt.

Die Effizienz-Agentur steckt zwar schon lange nicht mehr in den Kinderschuhen, hat sich aber ihre Neugier und ihren Entdeckergeist bewahrt, mit dem sie immer auf der Suche nach Lösungen für mehr Ressourceneffizienz ist - dazu später mehr.

Ich möchte kurz einen Blick zurückwerfen, wie es 1998 und in den Jahren zuvor zur Gründung der EFA kam.

Bis weit in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts dominierte in unserem Land der nachsorgende Umweltschutz. Es ging zunächst darum, Umweltstandards zu setzen und einen Mindestschutz der Umwelt sowie der menschlichen Gesundheit sicher zu stellen. Wir alle erinnern uns an die Forderung Anfang der 60er Jahre (Willy Brandt) vom "Blauen Himmel über der Ruhr".

Der nachsorgende Umweltschutz hat einen erheblichen Beitrag zum Erreichen dieses Ziels geleistet. Die erfolgreiche Umwelttechnik aus NRW hat hier ihre Wurzeln. Diese Querschnittsbranche in Nordrhein-Westfalen ist heute übrigens deutschlandweit der größte Anbieter von Produkten und Dienstleistungen der Umweltwirtschaft und bereits lange ein Global Player. Umwelttechnologien sind Wachstumstreiber und Beschäftigungsmotoren für nordrhein-westfälische Unternehmen.

Ich sehe die wichtigsten Handlungsfelder in der Innovationsförderung, in der Marktentwicklung und Internationalisierung sowie in der Beratung und Vernetzung. Die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen ist ein zentraler Punkt der Umweltwirtschaftsstrategie meines Hauses.

Vorsorgender Umweltschutz aber ist das Stichwort, unter dem die EFA in 1998 ihre Arbeit aufnahm. Als sogenannte "Kopfstelle zur Koordinierung der Landesinitiative zum Produktionsintegrierten Umweltschutz"  ging es darum, Abfälle in der Wirtschaft  gar nicht erst entstehen zu lassen und Emissionen bereits während des Produktionsprozesses zu vermeiden. Die Produktionsweise selbst stand also im Fokus des Handelns.

"Mit weniger mehr erreichen" hieß die Losung zu Beginn ihres Wirkens. Das klingt heute selbstverständlich, war aber im Jahr 1998 ein neuer Ansatz.

Gemeinsam mit der agiplan GmbH aus Mülheim, die den Auftrag zur Einrichtung dieser Kopfstelle erhielt, begann dann der Aufbau der Agentur in Duisburg im Haus der Wirtschaftsförderung, und zum Glück ließ sich dann auch ein griffiger Namen für die Kopfstelle finden: die Effizienz Agentur NRW.

Der Ansatz war genial - die Abfälle beim Schopf packen, also in der Produktion. Und damit die Materialkosten senken, wodurch sich die Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessern ließ.

Viele von Ihnen kennen die Zahlen bereits, aber ich möchte an dieser Stelle noch einmal die sowohl ökologische wie ökonomische Relevanz der Materialkosten verdeutlichen: Im Durchschnitt beträgt der Anteil der Materialkosten rund 45 Prozent an den gesamten Kosten des verarbeitenden Gewerbes. Damit schlagen die Materialkosten deutlich höher zu Buche als beispielsweise die Personalkosten mit rund 20 Prozent und die Energiekosten mit durchschnittlich 3 Prozent.

Das zeigt die großen Potenziale, die noch gehoben werden können. Deshalb ist die Arbeit der Effizienz-Agentur so wichtig: Sie bringt diese Themen schnell, unbürokratisch und mit konkreten Lösungsangeboten in die Unternehmen.

Ein echtes Erfolgsprodukt war zu Beginn der 2000er-Jahre der von der EFA entwickelte PIUS-Check und er ist es heute noch. Mit diesem Leitfaden der EFA können externe Fachberater das Potenzial im Unternehmen für den Produktionsintegrierten Umweltschutz ermitteln. Ähnlich wie das gleichzeitig gestartete Projekt ÖKOPROFIT gingen damals wahre Effizienzwellen durch das Land, die das Thema Ressourceneffizienz in NRW im bundesweiten Vergleich überproportional bekannt machten. Ähnliche Initiativen in anderen Bundesländern – so in Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern sowie auf Bundesebene - kamen erst Jahre später.

Heute lautet der Leitsatz der EFA: "Ressourcen schonen. Wirtschaft stärken.", was die Aufgabe der EFA ebenso kurz und knapp wie präzise beschreibt. Die Ressourceneffizienz steht im Mittelpunkt. Auch hier war NRW wieder der Vorreiter, sogar im europäischen Vergleich. Die Lösungen liegen nämlich längst nicht mehr allein in der Produktion. Neben der Produktion kommt der Produktentwicklung eine maßgebliche Rolle zu. Denn hier werden die Weichen für den Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes von der Produktion bis zum Recycling gestellt.

Aus gutem Grund stand deshalb der heutige Vormittag mit dem Fachforum "ecodesign" ganz im Zeichen dieser Thematik.

Ausdruck dieser wichtigen Rolle der EFA ist auch der Effizienz-Preis NRW, den die Agentur alle zwei Jahre auslobt und der im Januar bereits zum siebten Mal – auch in Essen, auf Zeche Zollverein – überreicht wurde.

Mit der Aquaburg Hochwasserschutz GmbH konnten Sie heute Morgen einen der aktuellen Gewinner kennen lernen. Im Frühjahr 2019 startet die nächste Bewerbungsphase.

Sobald ein Thema wachsende Bedeutung gewinnt, nimmt die EFA es in ihr Portfolio auf und entwickelt Angebote für Unternehmen. Das sind Themen wie

  • Digitalisierung der Wirtschaft (Stichwort "Industrie 4.0"),
  • gezielte Einbindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Veränderungsprozesse im Sinne der Ressourceneffizienz,
  • Wertschöpfungsketten,
  • aber auch: Ansätze für eine "Circular Economy".

Hier ist für mich ein wichtiges Beispiel der konkrete Ansatz zur Ressourceneffizienz 4.0. Unternehmen wird gezeigt, wie sie ihren Betrieb nicht nur digital aufrüsten, sondern mit den digitalen Methoden auch ressourcenschonend gestalten – denn das ist nicht automatisch miteinander verbunden.

Hier bietet der weiterführende Ansatz der Circular Economy große Chancen, die Wirtschaft und unseren Konsum nachhaltiger auszurichten. An dieser Stelle müssen wir Systemfragen stellen und wirtschaftlich stärker in Kreisläufen denken, global und regional. Das tun natürlich nicht nur wir hier in Nordrhein-Westfalen, die Themen sind auch auf EU-Ebene ganz oben auf der Agenda.

In der "Circular Economy Strategy" der EU verbinden sich klassische Aspekte der Kreislaufwirtschaft, wie Wiederverwendbarkeit, Reparaturfähigkeit, effizientes Recycling und Entwicklung eines Marktes für Sekundärrohstoffe mit den innovativen Möglichkeiten einer ressourcenschonenden und energieeffizienten Produktion und mit den Anforderungen an ein nachhaltiges, lebenszyklusorientiertes Produktdesign. Das ist auch richtig – und dringend nötig, denn die jährliche Rohstoffentnahme hat sich – nach Erkenntnissen des Wiener Sustainable-Europe-Research-Instituts (SERI) - in den vergangenen 30 Jahren weltweit um 85 Prozent erhöht. Tendenz steigend.

Auch wenn die Rohstoffmärkte von Preisschwankungen bestimmt sind und bei Öl, Gas, Kupfer, seltenen Erden und vielen anderen Rohstoffen immer wieder neue Reserven entdeckt und neue Extraktionsmethoden entwickelt werden und die Preise temporär fallen, gibt es auf lange Sicht einen klaren und ungebrochenen Trend: Natürliche Ressourcen werden knapper und teurer, denn die Abnehmermärkte wachsen kontinuierlich. Doch nicht nur das:  Die mit dem Abbau verbundenen Umweltschäden und negativen sozialen Folgen werden immer größer, der Klimawandel schreitet voran.

Wir müssen deshalb in den entwickelten Ländern, mit großem Know-how und hohem technologischen Standard vorangehen beim sparsamen und effizienten Einsatz von Rohstoffen, Wasser und Energie. Gerade für Deutschland als rohstoffarmes Land ist Ressourceneffizienz wichtig, insbesondere in einem so hochindustrialisierten Bundesland wie Nordrhein-Westfalen.

Material- und Energieeinsparung ist praktizierter Klimaschutz. Auch wenn der Bereich des Klimaschutzessich nicht im Namen meines Ministeriums wiederfindet, so ist es mir wichtig zu unterstreichen, dass dieses Thema selbstverständlich eine wichtige Rolle in unserem Hause spielt. Im Sinne der Nachhaltigkeit, die für alle unsere Geschäftsbereiche ein Leitbild ist, bildet der Klimaschutz eine Klammer, die für unser Haus und unsere Politik entscheidend ist.  

Auch dazu hat die EFA ein Angebot im Portfolio, das "Ecocockpit". Was man nicht messen kann, das kann man auch nicht verbessern – deshalb hat die Effizienz-Agentur mit dem "Ecocockpit" ein von den Unternehmen verstärkt nachgefragtes Instrument entwickelt, mit dem diese ihre CO2-Bilanz für Prozesse, Produkte oder Standorte einfach und schnell berechnen können. Diese Messung trifft klare Aussagen und hilft bei der Kommunikation mit Kunden und Konsumenten, die immer mehr nach der CO2-Bilanz fragen. Gerade im B2B-Bereich (business to business) ist das Wissen um die CO2-Emissionen zunehmend ein wichtiger Indikator und mittlerweile sogar oft Entscheidungskriterium bei Auftragsvergaben.

Doch das beste ermittelte Potenzial hilft nicht, wenn es nicht umgesetzt wird. Hier liegt eine weitere große Stärke der Effizienz-Agentur: Nachdem Maßnahmen für rohstoff- und energiesparendes Wirtschaften entwickelt wurden, begleitet sie die Unternehmen bei der Umsetzung bis hin zur Ermittlung geeigneter Förderprogramme und Unterstützung bei der Antragstellung.

In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass mein Haus beabsichtigt, in den nächsten Wochen den mit EU-Mitteln kofinanzierten 4. Aufruf des Wettbewerbs "Ressource.NRW" auf den Weg zu bringen. Mit dem Aufruf "Ressource.NRW" sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in NRW angesprochen, sich mit effizienten und innovativen Produktionsabläufen und Recyclingverfahren um Fördermittel zu bewerben, durch die innovative und ressourceneffiziente Investitionen realisiert werden können. Die Vorhaben werden anteilig mit einem nicht rückzahlbaren Zuschuss gefördert. Für Fragen dazu steht Ihnen die EFA gerne zur Verfügung.

Das Ergebnis der Arbeit der EFA kann sich sehen lassen:

Die 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Agentur führen jährlich rund 180 Beratungsprojekte durch.
Pro Jahr werden durch realisierte Projekte 40.000 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart. Die Materialeinsparung beträgt ca.  6.000 Tonnen jährlich und es werden Investitionen in Technologien und Maßnahmen für mehr Ressourceneffizienz von rund 100 Mio. Euro pro Jahr ausgelöst. Einzelbetriebliche Beratungen, Finanzierungsbegleitung von Maßnahmen sowie Veranstaltungen und Schulungen bilden die Grundlage dieses Erfolges.

Meine Damen und Herren,

die Effizienz-Agentur NRW hat auf dem Feld des ressourceneffizienten Wirtschaftens in den zwanzig Jahren ihres Bestehens Herausragendes für unsere Unternehmen, für unsere Umwelt und für die Menschen in unserem Land geleistet.

Dafür möchte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der EFA recht herzlich bedanken.

Ich wünsche Ihnen, Herr Dr. Jahns, und Ihrem engagierten Team zu diesem Geburtstag alles Gute. Meine Anerkennung für die geleistete Arbeit und Ihre Erfolge, die Sie und Ihr Team erreicht haben.

Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit. Und ich freue mich auf neue Ideen, die mit Ihnen, meine Damen und Herren, den Unternehmen und den Fachpartnern aus Verbänden, Institutionen und Forschung entwickelt werden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.