Zum Inhalt springen

umwelt.nrw

Hauptinhalt

Biologische Vielfalt und Biodiversitätsstrategie NRW

Die gefährdete Ringelnatter (Natrix natrix) im Stadtgebiet Dortmund. Foto: Dave Augustin

In Nordrhein-Westfalen leben über 43.000 verschiedene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten in rund 70 verschiedenen Lebensräumen. Der Erhalt dieser biologischen Vielfalt (Biodiversität) ist die zentrale Aufgabe der Naturschutzpolitik in NRW. Zwar konnte mit einem aktiven Arten- und Biotopschutz bei verschiedenen gefährdeten Arten eine Verbesserung erreicht werden, ein Ende des Artenverlusts ist allerdings nicht in Sicht.


Natürlicher Artenreichtum in Gefahr

Der natürliche Artenreichtum Nordrhein-Westfalens ist die Folge des Nebeneinanders zweier großer, sehr verschiedener Naturräume: Das atlantisch geprägte Tiefland trifft hier auf das kontinental geprägte Bergland. Jede dieser Regionen bietet eine historisch gewachsene Vielfalt aus einerseits eher naturbetonten und andererseits kulturbedingten Lebensräumen (Biotopen) mit ihren typischen Tieren und Pflanzen.

Zwar konnten mit einer aktiven Naturschutzpolitik bei verschiedenen gefährdeten Arten eine Verbesserung erreicht werden. So sind Weißstorch, Uhu und Biber an vielen Stellen im Land wieder heimisch geworden. Dennoch drohen Tierarten wie die Kreuzotter, die Gelbbauchunke, die Mopsfledermaus oder der Feldhamster in absehbarer Zeit zu verschwinden, wenn nicht gegengesteuert wird.

Trotz aller bisherigen Bemühungen im Naturschutz konnte bislang noch keine generelle Trendwende beim Artenrückgang erreicht werden. Nach wie vor sind rund 45% der untersuchten Arten in Nordrhein-Westfalen gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Dies dokumentiert die „Rote Liste“. Besorgniserregend ist vor allem, dass auch der Gefährdungsgrad typischer Arten der Feldflur und bisher ungefährdeter „Allerweltsarten“ deutlich zunimmt. Auch die Ergebnisse des FFH-Berichtes für das Jahr 2013 (FFH bedeutet Fauna-Flora-Habitat gemäß der gleichnamigen EU-Richtlinie) zeigen für Nordrhein-Westfalen, dass sich viele Lebensraumtypen und Arten in Nordrhein-Westfalen weiterhin in einem ungünstigen Erhaltungszustand befinden. Dabei ist die Situation bei den Lebensräumen im Tiefland deutlich schlechter als im Bergland. Für rund 77% der Lebensräume im Tiefland wurde ein ungünstiger Erhaltungszustand ermittelt. Im Bergland sind es dagegen nur 32%. Bei den Arten stellt sich die Situation sowohl im Tiefland (62% ungünstiger Erhaltungszustand) als auch im Bergland (60%) gleichermaßen ungünstig dar.

Kiebitze. Foto: Birgitta Hüttemann

Eine typische Art der Feldflur: Kiebitze am Niederrhein. (Foto: Birgitta Hüttemann)

Biodiversitätsstrategie und Landesnaturschutzgesetz

Insgesamt machen die Rote Liste NRW und der FFH-Bericht für Nordrhein-Westfalen deutlich, dass dem fortschreitenden Artenverlust engagiert gegengesteuert werden muss. Die NRW-Landesregierung hat deshalb auf Basis der "Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS)" des Bundes die Biodiversitätsstrategie NRW als ersten Baustein der neuen Naturschutzpolitik für Nordrhein-Westfalen beschlossen.

Die Biodiversitätsstrategie NRW ist eine Standortbestimmung des nordrhein-westfälischen Naturschutzes und zugleich eine Ausrichtung auf die künftigen Herausforderungen. Für die kommenden 10 bis 15 Jahre werden konkrete Ziele formuliert und entsprechende Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt dargelegt. Als weiteren Schritt zur Neuausrichtung der Naturschutzpolitik hat das Land auf der Basis der "Biodiversitätsstrategie" ein neues Landes-Naturschutzgesetz erarbeitet, das konkrete Umsetzungsschritte für den Naturschutz in Nordrhein-Westfalen entwirft und bündelt. Ziel des neuen, vom Landtag im November 2016 verabschiedeten Gesetzes ist es, konkrete Regelungen für einen ambitionierten Naturschutz und den besonderen Schutz wertvoller Lebensräume für Tiere und Pflanzen festzulegen, um den fortschreitenden Artenverlust zu stoppen und die biologische Vielfalt wieder zu erhöhen.

Insgesamt werden in der Biodiversitätsstrategie NRW rund 150 Maßnahmen beschrieben. Dazu gehören zum Beispiel

  • die Novellierung des Landschaftsgesetzes hin zu einem Landesnaturschutzgesetz,
  • die Ausweisung eines zweiten Nationalparks in Nordrhein-Westfalen,
  • die ökologische Entwicklung von Gewässern und Auen mit dem NRW-Programm "Lebendige Gewässer",
  • Schutzprogramme für besonders gefährdete Arten wie Äschen, Wiesenvögel und Wildkatze,
  • die Reduzierung des täglichen Flächenverbrauchs bis zum Jahr 2020 auf fünf Hektar,
  • die Erhöhung des Biotopverbundes, also die Vernetzung von Lebensraum zu Lebensraum, von derzeit zehn auf mindestens 15 Prozent der Landesfläche,
  • die Erhöhung des Anteils standorttypischer Buchenwälder von heute 16 auf mindestens 20 Prozent,
  • der Schutz des Grünlandes und die Wiederherstellung von naturnahen Strukturen in der Agrarlandschaft,
  • die Ausweitung des Vertragsnaturschutzes und des ökologischen Landbaus,
  • die Förderung der Umweltbildung von der Kita bis zur Hochschule
  • und das Erlebbarmachen des wertvollen Naturerbes des Landes für seine Bürgerinnen und Bürger.

 

Naturschutz-, Landwirtschafts-, Waldbauern- und Jagdverbände sowie die Wirtschafts- und Kommunalverbände hatten bereits im Vorfeld die Gelegenheit, sich zum Entwurf der Biodiversitätsstrategie NRW zu äußern.


Naturschutz-Datenbanken und Biodiversitätsmonitoring

Um die breit gefächerten Naturschutzaufgaben fachlich fundiert und im Interessenausgleich mit den Ansprüchen der Gesellschaft umsetzen zu können, bedarf es zuverlässiger Grundlagendaten. Das Biodiversitätsmonitoring NRW (Biotop- und Artenmonitoring, ökologische Flächenstichprobe) beobachtet und dokumentiert landesweit systematisch und dauerhaft die Veränderungen der biologischen Vielfalt, insbesondere vor dem Hintergrund sich wandelnder Nutzungen sowie Umweltveränderungen. Die erhobenen Informationen werden in Naturschutz-Datenbanken wie dem Biotopkataster und dem Fundortkataster des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) verwaltet und regelmäßig aktualisiert. Sie ermöglichen statistische Auswertungen über die landesweite Verteilung wertvoller Lebensraumtypen und Arten.


Biologische Stationen

Die Biologischen Stationen sind in NRW aus dem ehrenamtlichen Naturschutz hervorgegangen und stellen heute ein Bindeglied zwischen dem ehrenamtlichen und dem amtlichen Naturschutz dar. Inzwischen existieren beinahe flächendeckend in fast allen Landkreisen Biologische Stationen. Sie sind in Vereinsträgerschaft in Kooperation mit den Naturschutzverbänden organisiert und werden vom NRW-Umweltministerium und dem jeweiligen Kreis finanziert.

Weiterlesen


Feuersalamander.

Geschützte Arten und Biotope

Der Schutz von Arten und Lebensräumen (Biotopen) wird auf europäischer Ebene unter anderem durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) und die Vogelschutz-Richtlinie (V-RL) geregelt. Diese bilden die Grundlage für den Aufbau des europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000. Die Vorgaben der EU werden im Bundesnaturschutz-Gesetz (BNatSchG) sowie im Landschaftsgesetz Nordrhein-Westfalen (LG NW) umgesetzt und konkretisiert.

Weiterlesen

Heckenschnitt.

Gehölzpflege

Der Gehölzschnitt an Straßen steht immer wieder in der Kritik. Bürgerinnen und Bürger bemängeln den – ihrer Meinung nach - oft rigiden Rückschnitt des „Straßenbegleitgrüns“. Für die Verantwortlichen steht aber die Verkehrssicherheit an erster Stelle. Beim Fällen von Bäumen oder Schneiden von Hecken können auch für Privatleute besondere zeitliche Einschränkungen gelten.

Weiterlesen

Elefant.

Washingtoner Artenschutzabkommen/CITES

Viele Tier- und Pflanzenarten sind heute weltweit als Folge des internationalen Handels in ihrem Bestand gefährdet oder sogar von der Ausrottung bedroht. Gegen diese Entwicklung wurde am 3. März 1973 das "Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen" geschlossen, das sogenannte Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) – auch bekannt unter der englischen Kurzform CITES.

Weiterlesen

Wanderfischprogramm

Mit dem 1998 gestarteten Wanderfischprogramm NRW konnte die Durchgängigkeit insbesondere in den Nebenflüssen von Rhein und Weser inzwischen an einigen Schlüsselstellen stark verbessert werden. Dazu wurden alte Wehre entfernt und neben Schleusen oder kleinen Staumauern Fischwege installiert, mit deren Hilfe Fische diese Hindernisse überwinden können. Zugleich wurden Millionen von jungen Lachsen, Aalen und Maifischen eingesetzt.

Weiterlesen

Wildkatze (Felis silvestris). Foto: H. Grabe

Wildes NRW

Jahrhundertealte Buchenwälder, mystische Sümpfe und Moore, ausgedehnte Seenlandschaften und wilde Bergbäche: NRW ist weit mehr als Kohle und Stahl. Unser Land lebt von seiner pulsierenden Kultur und seiner faszinierenden Natur. Rund 43.000 Tiere und Pflanzenarten sind hier zu Hause. Ein Schatz direkt vor unserer Tür, der immer wieder neu entdeckt werden will. Aber eben auch ein Schatz, den es für die nächsten Generationen zu erhalten gilt.

Weiterlesen

Die Waldohreule ist eine wärmeliebende Art, die vom Klimawandel profitiert. Foto: Gabi Blaesius

Klimawandel und Arten

Ein großer Teil der Tiere und Pflanzen in Nordrhein-Westfalen leidet unter den Folgen des Klimawandels. Eine Studie des NRW-Umweltministeriums zeigt: Mehr als ein Viertel der untersuchten rund 1.200 Tierarten, jede Achte der rund 1.900 betrachteten Pflanzenarten und 18 der 48 untersuchten Lebensräume (38%) haben bereits negativ auf die Klimaerwärmung reagiert - oder werden voraussichtlich in Zukunft darunter leiden.

Weiterlesen

Europäischer Wolf. Foto: Panthermedia/Jürgen Weber

Wölfe in Nordrhein-Westfalen

Dass sich der Wolf in den nächsten Jahren auch in NRW dauerhaft ansiedelt, ist wahrscheinlich. Schon längere Zeit leben im benachbarten Niedersachsen mehrere Wolfsrudel. Und seit 2009 wurden auch in NRW immer mal wieder durchziehende Einzelwölfe gesichtet oder nachgewiesen. Seit dieser Zeit bereitet sich die Landesregierung auf die dauerhafte Rückkehr dieser seit 180 Jahren in NRW ausgestorbenen Tierart vor.

Weiterlesen