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Wölfe in Nordrhein-Westfalen

Wolf (Canis lupus). Foto: Jan Preller/Landesbetrieb Wald und Holz NRW

In Europa kehrt der Wolf in alte Lebensräume zurück, in denen er seit fast 200 Jahren ausgestorben war. Für NRW konnte bislang der wissenschaftliche Nachweis nicht erbracht werden, dass sich ein Wolf hierzulande dauerhaft angesiedelt hat. Erste Anzeichen dafür liegen möglicherweise im Kreis Wesel vor. Das Landesumweltamt geht diesen Hinweisen nach.


Artenschutz und Sicherheit der Bevölkerung

Der Wolf ist eine international geschützte Tierart und genießt daher in Deutschland wie auch in den anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union aufgrund europarechtlicher Vorgaben den höchst möglichen Schutzstatus. In Deutschland gehört der Wolf – nach Bundesnaturschutzgesetz – zu den streng geschützten Arten. So ist es streng verboten, ihn zu fangen, zu verletzen oder gar zu töten. Die Jagd auf Wölfe ist verboten.

Die Sicherheit der Bevölkerung steht trotzdem an erster Stelle. Im Notfall, also dann, wenn ein Wolf gegenüber Menschen ein ungewöhnliches, problematisches Verhalten zeigt, bietet das Artenschutzrecht ausreichend Handlungsmöglichkeiten für notwendige Maßnahmen. So hat das Land Niedersachsen im Fall eines auffälligen, problematischen Wolfs gehandelt. Dieser Wolf zeigte gegenüber Menschen ungewöhnlich wenig Scheu und wurde deshalb getötet.

Auch muss die Weidetierhaltung, vor allem von Schafen und Ziegen, vor dem Wolf geschützt werden. Der Wolf ist ein sogenannter "großer Beutegreifer", der nicht zwischen der natürlichen Beute, dem Wild, und einem Nutztier unterscheidet. Die Sorgen der Halterinnen und Halter von Weidetieren sind daher ernst zu nehmen. Die Weidetierhaltung ist ein bedeutender Wirtschaftszweig, der auch wichtig ist für die Landschaftspflege und das Landschaftsbild.


Wolf. Foto: Jan Preller/Landesbetrieb Wald und Holz NRW

Einzelne Wölfe in NRW

Die Wölfe sind wieder da in Deutschland. Ausgehend von Westpolen breitet sich der Wolf seit rund 20 Jahren auch in Deutschland wieder aus – ohne menschliches Zutun. Schwerpunkte der Verbreitung sind die Länder Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Auf dem Gebiet des heutigen Landes Nordrhein-Westfalen gilt der Wolf seit Mitte des 19. Jahrhunderts als ausgerottet. Ein genaues Aussterbejahr lässt sich nicht bestimmen. 1835 wurde im westfälischen Ascheberg-Herbern das letzte Mal das Erlegen eines Wolfes dokumentiert, im Rheinland bereits Ende des 18. Jahrhunderts bei Hilden.

Erstmals im Jahr 2009 konnte in Nordrhein-Westfalen wieder ein Wolf nachgewiesen werden, der, aus dem benachbarten Nordhessen kommend, sich vorübergehend im Kreis Höxter aufhielt. Seither sind immer wieder einzelne Wölfe auf dem Landesgebiet gesichtet oder anhand von Spuren nachgewiesen worden. So lief im Frühjahr 2016 ein junger männlicher Wolf, der aus einem Rudel bei Cuxhaven stammte, quer durch Nordrhein-Westfalen bis Rheinland-Pfalz, um dann wieder nach Niedersachsen zurückzukehren.

Auch in diesem Jahr gab es einzelne Hinweise auf einen Wolf in NRW. Aufgrund der jüngsten Häufung von Wolfsnachweisen im Raum Schermbeck wird fortan das Wolfsmonitoring im Kreis Wesel verstärkt. Davon erhofft sich das Landesumweltamt (LANUV NRW) Hinweise, ob es sich um ein und dasselbe Tier handelt, das möglicherweise standorttreu geworden ist. Für den konkreten Nachweis auf einen standortreuen Wolf bedarf es nach den bundesweiten Richtlinien zum Wolfsmonitoring wiederholte und individualisierte Nachweise innerhalb von sechs Monaten. Diese liegen bisher nicht vor.


NRW bereitet sich auf den Wolf vor

Die Landesregierung bereitet sich darauf vor, dass der seit 180 Jahren in NRW ausgestorbene Wolf nach NRW zurückkehrt. Wo genau Wölfe sich zuerst niederlassen könnten, dazu ist nach derzeitigem Kenntnisstand keine seriöse Prognose möglich.

Zur Vorbereitung gehört die Einrichtung eines Arbeitskreises "Wolf in NRW" beim LANUV NRW, dem die Verbände der Nutztierhaltung, die Naturschutzverbände, der Landesjagdverband NRW und weitere Verbände angehören, also alle, die von einer dauerhaften Ansiedlung von Wölfen in NRW betroffen wären. Ziel ist es, die sich abzeichnenden Konflikte möglichst frühzeitig zu erkennen und zu moderieren. Durch breite Beteiligung der betroffenen Interessengruppen sind gute Voraussetzungen geschaffen worden, um in diesem Arbeitskreis gesellschaftlich tragfähige Konzepte und Kompromisse zu erarbeiten, mit denen die Rückkehr eines großen Beutegreifers in die durch menschliches Wirtschaften geprägten Kulturlandschaften Nordrhein-Westfalens begleitet werden kann.

So hat das Land NRW inzwischen einen "Handlungsleitfaden für das Auftauchen einzelner Wölfe" herausgegeben, ein Netz von Wolfsberaterinnen und Wolfsberatern aufgebaut und die "Förderrichtlinien Wolf" in Kraft gesetzt. Beim Umgang mit dem Wolf berücksichtigt das Land NRW die Erfahrungen der Bundesländer mit großen Wolfsvorkommen. Zu diesem Zweck nimmt NRW auch an den länderübergreifenden Beratungen der koordinierenden Bund-Länder-Gremien teil.

Handlungsleitfaden (Wolfsmanagementplan)

Dieser sogenannte "Wolfsmanagementplan" gibt Auskunft über die rechtliche Situation rund um das Thema Wolf, dokumentiert die bisherige Entwicklung in NRW und zeigt Zuständigkeiten, Handlungsfelder und konkrete Hilfen für Tierhalter im Falle eines Wolfnachweises auf.

Der Managementplan wurde vom LANUV NRW erarbeitet. Er orientiert sich, wie vergleichbare Pläne anderer Bundesländer, an dem Fachkonzept "Leben mit Wölfen" des Bundesamtes für Naturschutz.

Netz von Wolfsberaterinnen und Wolfsberatern

Das Land NRW verfügt inzwischen über ein gut ausgebautes Netz regionaler Wolfsberaterinnen und Wolfsberater. Diese sind erste Ansprechpartner für die Dokumentation von Wolfssichtungen und werden zu Rate gezogen, wenn Nutztiere verletzt oder gerissen wurden und der Verursacher festgestellt werden muss.

Mittlerweile stehen über 60 regionale Ansprechpersonen zur Verfügung, mit denen für ganz NRW eine flächendeckende Präsenz gewährleistet wird.

Entschädigung und Förderung

Mit den Förderrichtlinien Wolf hat Nordrhein-Westfalen die Grundlage für einen finanziellen Ausgleich der durch den Wolf bedingten wirtschaftlichen Belastungen für Tierhalter geschaffen. Die Richtlinien regeln die Entschädigung von Tierverlusten und weiteren damit verbundenen Schäden. Darüber hinaus ist auch die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen vorgesehen. Ansprechpartner sind hier die für die Naturschutzförderung zuständigen Dezernate 51 bei den Bezirksregierungen.

Mit der Förderrichtlinie führt das Land NRW die bereits seit Anfang 2010 gängige Praxis fort, die vom Wolf verursachten Nutztierrisse finanziell zu entschädigen. Die aktuelle Richtlinie sieht Entschädigungen für Tierverluste, für die Kosten für den Tierarzt, für Medikamente und die Tierkörperbeseitigung vor. Das Land NRW entschädigt darüber hinaus zusätzlich die Schäden an Schutzvorrichtungen sowie die finanziellen Schäden durch Fehlgeburten, die durch Wölfe ausgelöst wurden.

Darüber hinaus können Halterinnen und Halter von Schafen und Ziegen sowie Betreiberinnen und Betreiber von Wildgehegen in NRW in einem offiziell festgelegten Wolfsgebiet Fördermittel für den Erwerb von Elektrozäunen und die wolfssichere Optimierung bestehender Zäune und Zubehör für den Schutz ihrer Herden vor Übergriffen durch Wölfe beantragen. Ein Wolfsgebiet wird offiziell festgelegt, sobald ein sesshafter Wolf nachgewiesen wurde. Darüber hinaus kann auch der Erwerb und die Ausbildung von Herdenschutzhunden finanziell unterstützt werden.

Herdenschutz-Sets

Unabhängig von der vorgesehenen Förderung von präventiven Herdenschutzmaßnahmen in einem späteren Wolfsgebiet hält das Land NRW Herdenschutz-Sets mit Elektronetzen und Weidezaungerät bereit. Für die Region Wesel werden kurzfristig zwei weitere Herdenschutz-Sets beschafft und können künftig von betroffenen Tierhaltungen bei der Biologischen Station des Kreises Recklinghausen e.V. in Dorsten ausgeliehen werden.

Wolf. Foto: Jan Preller/Landesbetrieb Wald und Holz NRW

Wölfe – eine Gefahr für den Menschen?

Die mit der Rückkehr des Wolfes verbundenen Ängste und Sorgen sind verständlich und werden vom Land NRW ernst genommen. Grundsätzlich gilt, dass die Sicherheit der Bevölkerung immer an erster Stelle steht.

Wölfe sind sehr scheu und meiden üblicherweise die Nähe des Menschen. Dennoch können Begegnungen mit einem Wolf nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Der Wolf reagiert auf den Anblick des Menschen vorsichtig, aber er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Oft zieht sich das Tier langsam und gelassen zurück. Daher ist nicht jede Sichtung eines Wolfes gleich ein Grund zur Beunruhigung. Falls Spaziergänger einen Wolf sichten, werden folgende Verhaltensregeln empfohlen:

  • Nicht versuchen, Wölfe anzufassen oder zu füttern.
  • Nicht weglaufen, sondern stehen bleiben.
  • Langsam zurückziehen, wenn man den Abstand vergrößern will.
  • Man kann einen Wolf vertreiben, indem man ihn laut anspricht, in die Hände klatscht und mit den Armen winkt.


Umgang mit auffälligen Wölfen

Das Land NRW wertet regelmäßig sämtliche Sichtungen von Wölfen aus und prüft in Zusammenarbeit mit Experten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW), ob Hinweise auf ein für Menschen problematisches Verhalten von Wölfen vorliegen. Dabei berücksichtigt das Land NRW die Empfehlungen des "Konzeptes zum Umgang mit auffälligen Wölfen, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten" der DBBW (veröffentlicht als BfN-Skript 502).

Aus den bisherigen bundesweiten Auswertungen geht hervor, dass der weit überwiegende Teil der Begegnungen eines Wolfs mit Menschen in Deutschland kein auffälliges Verhalten darstellt. Läuft etwa ein Wolf in Sichtweite von Ortschaften oder Einzelgehöften oder bei Nacht direkt an Ortschaften vorbei, besteht kein Handlungsbedarf. Dies gilt auch für Wölfe, die nicht sofort beim Anblick von Menschen und Autos flüchten, sondern zunächst stehen bleiben und beobachten. Auch Jungwölfe können durch ihre Neugierde und Naivität bisweilen geringere Fluchtdistanz zu Menschen aufweisen als erwachsene Wölfe. Insofern handelt es sich bei diesen Verhaltensweisen nicht um ein problematisches oder gar gefährliches Verhalten.

Handlungsmöglichkeiten bei auffälligen Wölfen

Obwohl der Wolf aufgrund der europarechtlichen Vorgaben den höchstmöglichen artenschutzrechtlichen Schutz genießt, bietet das Artenschutzrecht ausreichende rechtliche Handlungsmöglichkeiten. So wurden bereits einem "auffälligen" Wolf in Niedersachsen (im April 2016) und in Sachsen (im Februar 2018) die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz des Menschen ergriffen und einzelne Wölfe getötet. Auch das Land NRW wird alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um verhaltensauffälligen Wölfen wirksam zu begegnen. Dazu zählt als letztes Mittel auch der Abschuss eines Wolfes.

Neben den möglichen Gefahren für Menschen sind auch die Interessen der Weidetierhaltung zu berücksichtigen. So zeigt der Wolf mit dem Überwinden von Schutzmaßnahmen und dem Töten von Nutztieren aus Sicht des Menschen ein unerwünschtes Verhalten. Dies ist jedoch kein unnatürliches Verhalten von Wölfen. Das Töten von Beutetieren ist keine Form der Aggression, sondern dient dem Nahrungserwerb. Dabei unterscheiden Wölfe nicht zwischen wildlebenden Arten und den domestizierten Nutztieren des Menschen. Abhilfe schaffen effektive Herdenschutzmaßnahmen, wie z. B. Elektrozäune und Herdenschutzhunde, bei deren Anschaffung das Land NRW die Tierhaltungen finanziell unterstützt.

Um in einem Wolfsgebiet Schäden an Nutztieren zu vermeiden, sieht das Wolfsmanagement als Handlungsoption eine flächendeckende Umsetzung von Schutzmaßnahmen vor. Allerdings kann es vorkommen, dass sich ein Wolf auf Nutztiere spezialisiert hat und immer wieder einen Weg findet, empfohlene, zumutbare Schutzmaßnahmen – z. B. stromführende Zäune mit einer Höhe von 120 cm – zu überwinden. In diesen Fällen ist als letzte Option die Tötung des schadenverursachenden Wolfes anzusehen. Solche Fälle, in denen Wölfe nachweislich wiederholt empfohlene, zumutbare Schutzmaßnahmen überwinden, sind jedoch sehr selten.


Wolf. Foto: panthermedia.net/Jürgen Weber

Wolfsbeobachtung melden

Wenn Sie einen Wolf gesichtet haben, können Sie dies direkt an das LANUV NRW oder den regionalen Wolfsberatern melden. Beim LANUV können Wolfssichtungen rund um die Uhr gemeldet werden: tagsüber unter 02361-305-0 oder außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende bei der Nachrichtenbereitschaftszentrale des LANUV NRW unter
0201-714488.