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01.03.2022
Erster Naturschutzbericht Nordrhein-Westfalen vorgelegt

Ministerin Heinen-Esser: Licht und Schatten - Wir müssen als Gesellschaft gemeinsam für den Schutz von Arten und Lebensräumen eintreten und den Artenrückgang stoppen / Welttag des Artenschutzes am 3.3.2022

Eine wesentliche Grundlage für eine vorsorgende und nachhaltige Politik zum Schutz der Natur und der biologischen Vielfalt sind aktuelle und umfassende Daten. Den ersten Naturschutzbericht für Nordrhein-Westfalen hat heute das Umweltministerium vorgelegt. Er liefert erstmals eine gebündelte Analyse umfangreicher Fakten zur biologischen Vielfalt in Nordrhein-Westfalen. Mehr als 43.000 verschiedene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten teilen sich rund 70 verschiedene Lebensraumtypen.

Die Analyse der einzelnen Lebensräume verdeutlicht einerseits den weiterhin kritischen Zustand der Biodiversität, macht andererseits aber auch Verbesserungen sichtbar. So setzt sich auch im Jahr 2020 beim Indikator "Artenvielfalt und Landschaftsqualität" eine positive Entwicklung fort. Populationen bedrohter Arten wachsen wieder und einst verschwundene Tiere kehren nach Nordrhein-Westfalen zurück, darunter Biber, Weiß- und Schwarzstorch, Uhu, Wanderfalke, Feldhamster und Fischotter. Gleichzeitig zeigt der Naturschutzbericht weiteren Handlungsbedarf auf.

"Wir sehen Licht und Schatten - Wir müssen als Gesellschaft gemeinsam für den Schutz von Arten und Lebensräumen eintreten und den Artenrückgang stoppen. Jeder kann und muss zur Bewahrung der Vielfalt beitragen. Nachhaltige Produkte, heimisches Holz und regionales, saisonales Einkaufen, blühende Gärten und Grünanlagen, weniger nächtliche Lichtverschmutzung - im Alltag bestehen für jeden Einzelnen viele Möglichkeiten, aktiv zum Schutz der Natur und der natürlichen Ressourcen beizutragen. Eine intakte Natur ist elementare Lebensgrundlage - sei es als Luftfilter, Wasserspeicher, Garant für gesunde Nahrung, für die nachhaltige Bereitstellung von Rohstoffen oder zum Schutz im Klimawandel", betont Umweltministerin Ursula Heinen-Esser.

Der Indikator "Artenvielfalt und Landschaftsqualität" bewertet den Zustand von Natur und Landschaft als Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt. Er beruht auf der Bestandsentwicklung von 61 Brutvogelarten, die die Situation in den vier Hauptlebensräumen Agrarland, Wald, Siedlung und Gewässer repräsentieren. Darunter sind Arten wie Feldlerche, Kiebitz, Kleiber, Rauchschwalbe oder Eisvogel, die sensibel auf Veränderungen von Flächennutzungen reagieren und so Aussagen zur Nachhaltigkeit zulassen. Der Indikator zeigt in den letzten Jahren für alle vier Hauptlebensräume Verbesserungen, die sich in Wäldern und Siedlungen auch bereits in einem positiven 10-Jahrestrend widerspiegeln. Erstmals hat sich 2020 zudem ein positiver 10-Jahrestrend des Gesamtindikators im Folgejahr bestätigt. Es ist Ziel der Landesregierung, diese Trendwende zu verstetigen und die positive Entwicklung konsequent voranzutreiben.

Artenschwund in allen Lebensräumen zu stoppen

Ambitioniertes Ziel ist es, den Artenschwund in allen Lebensräumen zu stoppen. Zur Vernetzung der vielfältigen Lebensräume plant das Umweltministerium einen weiteren Ausbau des Biotopverbundes. Ein Schwerpunkt der Artenschutzpolitik des Landes sind unter anderem Initiativen in der Land- und Forstwirtschaft. Aufgrund ihrer großen ökologischen Bedeutung als Lebensraum für seltene und gefährdete Arten plant das Umweltministerium einen deutlichen Ausbau sehr extensiv genutzter Flächen sowie Naturarealen in der Land- und Forstwirtschaft. "Nichtgenutzte Natur- und Wildnisareale sind wichtige Kernelemente unsers Biotopnetzes. In der Landwirtschaft bieten sie wertvolle Lebens- und Schutzräume für Feldhasen, Insekten, Rebhühner, Feldlerchen und andere Bodenbrüter. Vom Alt- und Totholz in unseren Wäldern profitieren zum Beispiel Spechte, Fledermäuse, Insekten und Bilche. Ihren Anteil möchten wir landesweit und besitzartenübergreifend steigern", so Ministerin Heinen-Esser. Zur ökologischen Aufwertung der Agrarlandschaften sind unter anderem eine weitere Steigerung des Öko-Landbaus sowie ein Ausbau der Agrarumweltmaßnahmen und des Vertragsnaturschutzes geplant.