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16.01.2017

Minister Remmel: Umweltwirtschaft schafft bereits 346.000 Arbeitsplätze in NRW

Minister stellt Masterplan zur Förderung der Umweltwirtschaft für NRW vor – Fördervolumen von 800 Mio. Euro

Die Landesregierung will Nordrhein-Westfalen weiter zu einem führenden Standort der Umweltwirtschaft ausbauen und von den globalen Märkten der Zukunft profitieren. In einem ersten Schritt wurde im August 2015 der Umweltwirtschaftsbericht NRW vorgelegt, der eine Bestandserhebung und regionale Analysen beinhaltete. Darauf aufbauend wurde jetzt der Masterplan für die Umweltwirtschaft in NRW mit rund 100 Maßnahmen, Projektideen und Anregungen vom Kabinett beschlossen. "Mit grüner Technologie zu schwarzen Zahlen: Weltweit steigen die Investitionen in die Bereiche Klima-, Ressourcen- und Umweltschutz. Davon wollen wir in NRW langfristig profitieren. Schon heute ist die Umweltwirtschaft in NRW breit aufgestellt und gehört zu den Schlüsselbranchen. Unternehmen überall im Land stellen sich mit innovativen Technologien, Verfahren, Produkten und Dienstleistungen von höchster Qualität auf diesen Markt der Zukunft ein. Hier entstehen neue Märkte für Unternehmen der gesamten Wirtschaft in NRW, für große Industrieunternehmen ebenso wie für die kleinen und mittlere Betriebe, die das Rückgrat der NRW-Wirtschaft sind", sagte Umweltminister Johannes Remmel bei der Vorstellung des Masterplans.

Die Erwerbstätigkeit in der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft hat sich seit 2012 um 8,5 Prozent von rund 320.000 auf fast 346.000 Arbeitsplätze im Jahr 2015 erhöht. "Unser Ziel ist es, dass bis 2025 mindestens 420.000 zukunftsfähige Arbeitsplätze in der Umweltwirtschaft von Nordrhein-Westfalen entstehen oder gesichert werden. NRW hat die besten Voraussetzungen, um am Wachstum dieser Zukunftsmärkte zu profitieren. Mit dem Masterplan stellen wir die industriepolitischen Weichen für Wachstum, Beschäftigung und für einen nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen."

Umweltwirtschaft - Vorsprung für NRW

In der Fortschreibung des Umweltwirtschaftsberichtes aus dem Jahre 2015 zeigt sich, dass sich die Branche im Großteil besser entwickelt als die NRW-Wirtschaft insgesamt. "Bemerkenswert ist die Arbeitsplatzentwicklung auch vor dem Hintergrund, dass die Erwerbstätigkeit in der Gesamtwirtschaft Nordrhein-Westfalens im Zeitraum 2012 bis 2015 weniger stark zulegen konnte", erläutert Oliver Lühr, Leiter des Bereiches "Umweltwirtschaft und Klimawandel" der Prognos AG, die den ersten Umweltwirtschaftsbericht 2015 erstellt hat und zur Zeit am Folgebericht arbeitet, der im Herbst 2017 veröffentlicht werden soll.

Ähnlich erfreulich verlief die Entwicklung der Bruttowertschöpfung. Diese stieg zwischen den Jahren 2012 und 2014 auf 25,8 Mrd. Euro, was einer Zunahme von 10,1 Prozentpunkten entspricht und deutlich über dem Wachstum der nordrhein-westfälischen Gesamtwirtschaft von 3,4 Prozentpunkten liegt. Auch die Exporte der Unternehmen der Umweltwirtschaft stiegen zwischen 2012 und 2014 um 2,5 Prozentpunkte auf 8,7 Mrd. Euro und damit im Vergleich zur nordrhein-westfälischen Gesamtwirtschaft überdurchschnittlich.

Industriepolitische Weichen

Der Masterplan versteht sich damit auch als ein Beitrag zur aktuellen Debatte um die wirtschaftlichen Perspektiven Nordrhein-Westfalens. "Wir müssen uns in NRW mehr mit den Märkten der Zukunft beschäftigen. Der Masterplan zeigt, welche industriepolitischen Weichen gestellt werden müssen, um vom weltweiten Wachstum der Zukunftsmärkte zu profitieren. Nur wenn es uns gelingt, diesen Umbruch zu forcieren, wird der Wirtschaftsstandort NRW gestärkt. Wir dürfen nicht zulassen, dass das weltweite Wachstum an NRW vorbei geht", sagte Minister Remmel. Der nun vorgestellte Masterplan "Land der Umweltwirtschaft" umfasst rund 100 konkrete Maßnahmen, Projektideen und Empfehlungen in verschiedenen Handlungsfeldern zur Stärkung der Umweltwirtschaft:

Mit dem Innovationsleitsystem Umweltwirtschaft sollen kreative Köpfe und Unternehmen der Umweltwirtschaft von der Ideenfindung bis zur Umsetzung begleitet werden. Dazu gehört unter anderem:

  • ein Innovationsradar, mit dem das Fraunhofer-Institut ISI gezielt nach technischen Neuerungen sucht und diese regelmäßig für NRW veröffentlicht
  • Veranstaltungen und Fachnetzwerke, die gezielt Akteurinnen und Akteure aus Unternehmen und Hochschulen zusammen bringen
  • Innovationswettbewerbe, in denen sich besonders kleine und mittlere Unternehmen um Fördermittel bewerben können
  • gezielte Förder- und Finanzierungsberatung, inklusive Ausbau der Förderung umweltorientierter Gründungen
  • Innovationsscouts, die bei Genehmigungen und der Akquise von Fördermitteln beraten und unterstützen
  • Unterstützung umweltorientierter Unternehmen in der Nachgründungsphase

Das Kompetenznetzwerk Umweltwirtschaft.NRW nimmt im Januar 2017 seine Arbeit auf. Es stellt die regionale, nationale und internationale Vernetzung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen in den Mittelpunkt. Angebote sind unter anderem:

  • Begleitung der internationalen Aktivitäten von Unternehmen, etwa im Rahmen von Messebesuchen und Unternehmerreisen
  • Aufbau einer branchenspezifischen Unternehmensdatenbank als Grundlage für einen "Kompetenzatlas Umweltwirtschaft.NRW"

Im Masterplan werden gezielt Maßnahmen des Landes NRW zur Unterstützung der Marktentwicklung und der Internationalisierung der Unternehmen der Umweltwirtschaft zusammengeführt. Dazu gehört unter anderem:

  • Etablierung einer neuen Messe für Unternehmen der Umweltwirtschaft am Standort Nordrhein-Westfalen
  • Ausbau und Anpassung der Programme zur Markteinführung von klimaschonenden Produkten (z. B. Solarstrom, Holzpellets u. a. )
  • Aufbau eines "Low Carbon Zentrums" um kontinuierlich Impulse für die Minimierung der Kohlenstoffnutzung zu setzen
  • neue Schwerpunktbildung bei der Außenwirtschaftsförderung im Bereich der Umweltwirtschaft
  • Verstärkung des internationalen Standortmarketings in Bezug auf die Umweltwirtschaft

Regionale Standortinitiativen der Umweltwirtschaft fördert das Ministerium heute bereits in enger Zusammenarbeit mit den NRW-Regionen. Hierzu gehören unter anderem:

  • "Green Tech Ruhr", mit der die Metropolregion Ruhr eine Dachmarkenstrategie für kleine und mittelständische Betriebe der Umweltwirtschaft etabliert
  • "Innovationsnetzwerk GreenTec und Ressourceneffizienz" der Neuen Effizienz, die im Bergischen Städtedreieck die Steigerung der Ressourceneffizienz in den Teilbereichen Produktion und Produkte sowie Gebäude und Infrastruktur fördert
  • "Agrobusiness Niederrhein e. V.", die die Sensibilisierung von landwirtschaftlichen Unternehmen für die Herausforderungen im Bereich Ressourcenschutz, Klimaschutz und Energieeffizienz, sowie den Wissenschafts- und Technologietransfer zugunsten der regional ansässigen Agrobusiness Unternehmen unterstützt

Der Umweltwirtschaftsbericht definiert acht Teilmärkte (unter anderem Energieeffizienz, Wasserwirtschaft oder umweltfreundliche Mobilität), für die spezifische Maßnahmen vorgesehen sind. Dazu gehören unter anderem:

  • eine "Plattform Abwärme", die ungenutzte Abwärmepotentiale in NRW erschließen soll
  • eine Plattform "Virtuelles Unternehmen", die verschiedene Möglichkeiten des effizienten Einsatzes von Energie und anderen Ressourcen aufzeigt
  • Auszeichnung von vorbildlichen Projekten der Kreislaufwirtschaft
  • Pilotprojekt für eine emissionsarme Binnenschifffahrt
  • Bekanntmachung von Verfahren zum Flächenrecycling
800 Millionen Euro an Fördermitteln

Von 2014 bis 2020 stehen im Rahmen der Umweltwirtschaftsstrategie rund 800 Millionen Euro für die Förderung von Klimaschutzwirtschaft und Umweltwirtschaft zur Verfügung. Davon wurden bereits rund 270 Millionen Euro ausgegeben, bewilligt oder auf den Weg gebracht, z. B. für Innovationen in Unternehmen, für umweltorientierte Gründungen, Beratungs- oder Netzwerkangebote.

Der Masterplan für die Umweltwirtschaft basiert auf einer umfangreichen Bestandsaufnahme, die mit dem Umweltwirtschaftsbericht Nordrhein-Westfalen 2015 veröffentlicht wurde. Auf dieser Grundlage wurden von der Prognos AG Handlungsfelder und erste Empfehlungen abgeleitet, die im letzten Jahr in einem landesweiten Konsultationsprozess mit rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Unternehmen, Verbänden, Kommunen und den Einrichtungen der Wirtschaftsförderung diskutiert und weiter vertieft wurden. Dazu fanden insgesamt neun regionale Standortforen und neun Wirtschaftsforen in allen Landesteilen Nordrhein-Westfalens statt.