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29.08.2016

Minister Remmel: "Wir senken das Überflutungsrisiko am Niederrhein"

NRW-Umweltministerium unterstützt mit 40 Millionen Euro den Hochwasserschutz.

In Nordrhein-Westfalen hat Hochwasserschutz aufgrund der dichten Besiedlung und des hohen Grades der Industrialisierung eine besonders große Bedeutung. „Daher unterstützt das NRW-Umweltministerium die Kommunen sowie die Wasser- und Deichverbände beim Hochwasserschutz und trägt einen hohen Anteil der Kosten“, sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel am 29. August (heute) im Rathaus der Stadt Rees. Dort unterzeichnete der Minister mit Vertretern der Rheinstadt, des Deichverbandes Bislich-Landesgrenze und der Firma Hülskens eine Ergänzung der Vereinbarung zum Bau des „Polders Lohrwardt“ und gab somit den Startschuss für eine weitere Verbesserung des Hochwasserschutzes am Rhein.

Der Deichverband Bislich-Landesgrenze, die Stadt Rees und die Firma Hülskens aus Wesel begrüßen die nun unterzeichnete Vereinbarung. Neben der Flutmulde, die dazu beiträgt, den Druck auf die Stadtmauer zu verringern, trägt jetzt auch die Erweiterung des Polders Lohrwardt, der aus den ehemaligen Abgrabungen Lohrwardtsee und Rosenhofsee hervorgegangen ist, entscheidend zur Verbesserung des Hochwasserschutzes bei, waren sich die Vertreter des Deichverbandes und der Stadt Rees einig. Darüber hinaus profitiere die Stadt Rees auch touristisch: „Der landschaftlich sehr attraktive Bereich in den Rheinauen soll mit dem weiteren Ausbau des Fahrradwegenetzes weiter erlebbar gemacht werden“, erläuterte der Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers. „Wir freuen uns, durch die Rekultivierung unserer Abgrabung Reckerfeld aktiv zum Hochwasserschutz beigetragen zu haben“, sagte Werner Schaurte-Küppers, geschäftsführender Gesellschafter des Hülskens-Firmenverbandes.

Bereits 1998 hat die Landesregierung mit den Beteiligten den Bau der Deichrückverlegung Lohrwardt vereinbart, die heute bis auf die Dichtwand am Lohrwardtsee fertiggestellt ist. Auf Initiative des Deichverbandes Bislich-Landesgrenze kann heute mit der Optimierung des Hochwasserschutzes durch Einbeziehung des Abgrabungsbereiches „Reckerfeld“ der Firma Hülskens, die etwa drei Kilometer Deichbauwerk erstellt hat und dieses kostenlos an den Deichverband überträgt, begonnen werden. Mit dieser kann bei extremem Hochwasser der Wasserstand in der direkten Umgebung bis zu 20 bis 30 Zentimeter und bis in die Niederlande bis zu acht Zentimeter gesenkt werden kann. „Mit dieser Optimierungsmaßnahme wollen wir einen größtmöglichen Effekt für den Hochwasserschutz am Rhein erzielen“, sagte Minister Remmel.

Die derzeit veranschlagten Kosten für Planung und Umsetzung des verbesserten Hochwasserschutzes liegen bei circa 40 Millionen Euro. „Das Land NRW übernimmt diese Kosten zu 100 Prozent. Ich bin überzeugt, dass dieses Geld sinnvoll investiert ist, denn das Projekt hat eine überregionale Bedeutung für den Schutz vor extremen Hochwasserereignissen“, sagte Minister Remmel. Dies wird durch die Entscheidung der Bundesregierung, den Polder Lohrwardt in das nationale Hochwasserschutzprogramm aufzunehmen, noch unterstrichen.

„Als großer Deichverband leisten wir mit der Umsetzung dieser Maßnahme einen wirksamen Beitrag - weit über das Verbandsgebiet hinaus“, sagte Deichgräf Herbert Scheers.

Die Landesregierung unterstützt die Kommunen sowie die Wasser- und Deichverbände nicht nur seit Jahren beim Hochwasserschutz und trägt einen hohen Anteil der Kosten. Das Land koordiniert auch alle Maßnahmen und sorgt für eine abgestimmte überörtliche Planung. Bereits Mitte der 1990er-Jahre wurden Eckpunkte für die landesweite Hochwasserschutzstrategie entwickelt, die heute noch Bestand haben. Am Rhein bedeutet dies: 

  • Sanierung der Deiche
  • Deichrückverlegungen
  • gesteuerte Rückhalteräume.

Seit 1995 sind am Rhein 225 Kilometer Deiche saniert worden oder befinden sich im Bau. 84 Kilometer stehen noch aus, bei 33 Kilometern mit relativ neuen Anlagen wird der Sanierungsbedarf geprüft. Bis Ende 2025 sollen alle Hochwasserschutzanlagen am Rhein von Düsseldorf bis Emmerich, bei denen es nach derzeitigem Kenntnisstand notwendig ist, an die heutigen technischen Regeln angepasst werden. „Hierzu habe ich mit der Bezirksregierung Düsseldorf sowie den Deichverbänden und Kommunen einen Fahrplan vereinbart, der jedes Jahr überprüft und fortgeschrieben wird“, sagte Minister Remmel.

Weil Hochwasserschutz aber mehr ist als das Bauen von Deichen, wurden entlang des Rheins bereits sechs großräumige Deichrückverlegungen fertiggestellt bzw. befinden sich im Bau. „Wo es möglich ist, geben wir den Flüssen mehr Raum. Der Polder Lohrwardt ist ein gutes Beispiel dafür“, sagte Minister Remmel.

Mit der Rückverlegung der Deiche auch an kleineren Flüssen und Bächen werden nicht nur Menschen und Siedlungen vor Hochwasser geschützt, es wird auch Auenland zurückgewonnen, das vielen Tieren und Pflanzenarten ihre Lebensräume zurückgibt. Gleichzeitig werden damit die Forderungen der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union erfüllt. Mit dem Programm „Lebendige Gewässer“ der NRW-Landesregierung werden auch die Nebenflüsse des Rheins aus ihrem einengenden Korsett gelöst und Auen als Überschwemmungsflächen geschaffen. Dieser naturnahe Umbau der Nebengewässer wird sich auch am Rhein bemerkbar machen, wenn Hochwasserpegel dort um entscheidende Zentimeter niedriger ausfallen.

Angesichts weltweit steigender Durchschnittstemperaturen als Folge des Klimawandels ist auch in Nordrhein-Westfalen mit einer Zunahme von Extremwetterereignissen zu rechnen. Dies können extreme Hitzesommer mit langanhaltenden Trockenphasen oder zunehmende und andauernde Starkregen sein. „In diesem Sinne ist Klimaschutz ein echter, vorbeugender Hochwasserschutz“, sagte Minister Remmel und betonte: „Es ist von größter Bedeutung, sowohl das Ansteigen der weltweiten Durchschnittstemperatur auf die angestrebten zwei Grad zu begrenzen als sich auch frühzeitig auf die Folgen des Klimawandel einzustellen, die jetzt schon unvermeidlich geworden sind.“