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22.02.2019
Integriertes LIFE-Projekt Atlantische Sandlandschaften erhält Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt – Preis geht an Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen

Das Integrierte LIFE-Projekt (IP-LIFE) "Atlantische Sandlandschaften" wurde vom Bundesumweltministerium offiziell als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Der nordrhein-westfälische Umweltstaatssekretär Dr. Heinrich Bottermann betonte in seiner Dankesrede eine weitere Besonderheit des IP-LIFE: "Mit diesem Projekt wollen wir eine Trendwende beim Verlust der Artenvielfalt einleiten. Sandlandschaften zeichnen sich durch besonders hohe Artenvielfalt aus, leiden aber stark unter Nährstoffeinträgen. So werden hier Heide- und Dünenlandschaften sowie Magerrasen optimiert oder wiederhergestellt. Zugleich widmen wir uns damit auch den nährstoffarmen Teichen mit gefährdeten Arten, wie Froschkraut, Moorfrosch und Kreuzkröte."

Jens Palandt, Leiter des Referates für Natura 2000 und Schutzgebiete im Niedersächsischen Umweltministerium, ergänzte: "Das Projekt ist ein hervorragendes Beispiel für eine länderübergreifende, großräumige Zusammenarbeit, dessen Erfolge auf andere Regionen übertragen werden können. Der gebiets- und bundesländerübergreifende Ansatz des Projektes bietet die Möglichkeit, Naturschutzerfolge auch auf nationaler beziehungsweise biogeographischer Ebene sichtbar zu machen."

Zusammenarbeit von Bund, Ländern und lokalen Akteuren

Die Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen starteten im Oktober 2016 das von der Europäischen Union geförderte "Integrierte LIFE-Projekt Atlantische Sandlandschaften." Neben dem konzeptionellen Ansatz zur Abstimmung und Verbesserung der Umsetzung von NATURA 2000 in allen Bundesländern der atlantischen Region werden in diesem Projekt unterschiedlichste Akteure vor Ort einbezogen. Die Auszeichnung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen. Im Jahr 2018 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 44 Projekte ausgezeichnet, die mit ihren Aktivitäten einen Beitrag zur nationalen Strategie und zur Erhaltung der biologischen Vielfalt leisten. Bei der fachlichen Bewertung betrachtet die Expertenjury zudem die Multiplikationswirkung, die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, den Innovationsgrad und die Langfristigkeit der Projekte. Um den Einsatz aller Projektträger zu würdigen, wurden die UN-Dekade-Projekte des Jahres 2018 vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium zur Feier im Rahmen der Auszeichnung des IP-LIFE "Atlantische Sandlandschaften" eingeladen.

Mehr zu IP-LIFE "Atlantische Sandlandschaften"

Erster Baustein des IP-LIFE "Atlantische Sandlandschaften" ist die Erarbeitung einer Gesamtkonzeption für die atlantische Region in Deutschland, der zweite Baustein ist die Umsetzung konkreter Maßnahmen für zehn ausgewählte Arten und 15 "Lebensraumtypen" der Sandlandschaften. Auf der europäischen Ebene dient das LIFE-Programm als Förderinstrument für solche Maßnahmen. Der entsprechende Förderantrag wurde von der EU-Kommission zum 1. Oktober 2016 bewilligt. Das Projekt ist damit das erste Integrierte LIFE-Projekt im Bereich "Natur" in Deutschland. Das Projektbudget für die Laufzeit von zehn Jahren beträgt 16,875 Millionen Euro und wird zu 60 Prozent von der Europäischen Kommission gefördert.

In Nordrhein-Westfalen liegt die Gesamtverantwortung für die Umsetzung beim Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV), in Niedersachsen beim Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (MU). Die Gesamtkoordination des Projektes sowie die operative Umsetzung der konkreten Einzelmaßnahmen in Nordrhein-Westfalen wurde an die Bezirksregierung Münster übertragen. Unterstützt wird die Umsetzung des IP-LIFE durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). In Niedersachsen wird das Projekt durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) koordiniert und umgesetzt. Die Umsetzung von Maßnahmen vor Ort wird durch Untere Naturschutzbehörden, Biologische Stationen, Regionalforstämter und Naturschutzverbände durchgeführt und von zahlreichen Partnern unterstützt.

Im Kreis Viersen werden in der ersten Phase des IP-LIFE (Oktober 2016 bis März 2019) mehrere Maßnahmen durchgeführt. Im Frühjahr 2018 wurden beispielsweise im Elmpter Schwalmbruch Gehölze innerhalb der Moorfläche entfernt. Im Naturschutzgebiet Heidemoore im Brachter Grenzwald wurden im Oktober vergangenen Jahres Bäume und der vergraste Oberboden entnommen, um offene Binnendünen und Sandheiden mit ihrer typischen Vegetation wiederherzustellen. Die entstehenden offenen Sandflächen bieten Lebensraum für Dünenpflanzen und viele Tierarten, wie beispielsweise Zauneidechse und Schlingnatter.

Mehr zur UN-Dekade "Biologische Vielfalt"

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Ein breit verankertes Bewusstsein in unserer Gesellschaft für den großen Wert der Biodiversität ist eine wichtige Voraussetzung. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Gleichzeitig zeigen diese Modellprojekte, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltigen Nutzung oder der Vermittlung praktisch aussehen.

Über die Auszeichnung der Projekte entscheidet eine unabhängige Fachjury, an der Vertreter/innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind. Die UN-Dekade Fachjury tagt zweimal im Jahr. Zur Beteiligung am Wettbewerb bestehen keine Fristen. Die Bewerbung erfolgt online.

Eingeladen sind kleine ehrenamtliche Projekte ebenso wie große institutionell getragene Projekte.