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22.03.2019
Insgesamt gute Wasserqualität der nordrhein-westfälischen Badegewässer - Ergebnisse der Sonderuntersuchung zu antibiotikaresistenten Bakterien - zwei Proben am Elfrather See und Baldeneysee auffällig - Umweltministerium plant weitere Stichproben

In einem Sonderuntersuchungsprogramm hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) im vergangenen Jahr im Auftrag des Umweltministeriums zehn ausgewählte EG-Badegewässer in Nordrhein-Westfalen je viermal auf Bakterien untersucht, die Resistenzen gegen Antibiotika aufweisen. In zwei Gewässern, dem Elfrather See in Krefeld und im Baldeneysee in Essen, wurden jeweils in einer Probe sehr geringe Konzentrationen von Darmbakterien mit Resistenzen gegen drei Antibiotikagruppen nachgewiesen. Die anderen Proben in diesen beiden Seen und in allen anderen untersuchten Badegewässern wiesen keine klinisch relevanten Resistenzen auf. Damit bestätigen die Ergebnisse des Sonderuntersuchungsprogramms die insgesamt gute Wasserqualität ausgewiesener Badestellen in Nordrhein-Westfalen.

"Die in den beiden Seen gefundenen Mengen waren so niedrig, dass gesunde Menschen keiner Gefahr ausgesetzt waren", sagt Professor Martin Exner, Leiter des Hygiene-Instituts des Universitätsklinikums Bonn, der die Untersuchungen wissenschaftlich begleitet. Dennoch plant das Umweltministerium, weiterhin einzelne Badeseen stichprobenartig auf antibiotikaresistente Bakterien zu untersuchen. "Die Gewässerbelastung mit antibiotikaresistenten Bakterien hat für uns eine hohe Priorität", sagt Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann. "Daher werden wir weiterhin Untersuchungen in Gewässern in diesem und in den kommenden Jahren durchführen und besonders auch Abwässer und Fließgewässer analysieren, um relevante Eintrags- und Verbreitungspfade von Antibiotikarückständen und resistenten Keimen in Nordrhein-Westfalen zu identifizieren." Dabei werden die Fachleute im LANUV sowie die Projektmitarbeiter ihre langjährigen Erfahrungen bei der Ermittlung von Eintragsquellen vieler verschiedener Stoffe oder Bakterien wie zum Beispiel Legionellen in Gewässer nutzen.

Mit den Ergebnissen des bundesweiten Forschungsvorhabens "HyReKA" zu Antibiotikarückständen und resistenten Keimen, das unter anderem erste Eintragspfade beschreibt und untersucht hat, stehen in diesem Jahr zusätzliche Erkenntnisse zur Verfügung, mit denen eine Bewertung von gesundheitlichen Auswirkungen möglich wird. "Unsere künftigen Untersuchungen werden auf diesen Erkenntnissen aufbauen. Das Thema wird uns weiter beschäftigen, weil noch viele Fragen offen sind", sagt LANUV-Präsident Dr. Thomas Delschen. "Die aktuellen Ergebnisse sind jedoch erst einmal gute Nachrichten."

Badegewässer in Nordrhein-Westfalen sind von guter Qualität

Die vorläufigen Ergebnisse der regelmäßigen Bewertung aller EG-Badegewässer in Nordrhein-Westfalen nach europäischem Standard liegen vor: Demnach weisen 104 von 108 Messstellen an 82 Badegewässern eine ausgezeichnete Qualität auf. Einzige Ausnahme ist auch hier der Elfrather See in Krefeld, der als mangelhaft bewertet wurde. Ein Grund dafür sind zahlreiche Wasservögel, die das Gewässer verunreinigen. Vor diesem Hintergrund wurde der Elfrather See nun seitens der Stadt Krefeld als EG-Badegewässer abgemeldet. Die Qualität der Badegewässer wird nach den Regeln der europäischen Badegewässerrichtlinie auf Basis der Messwerte der vergangenen vier Jahre beurteilt. Eine offizielle Bewertung der Wasserqualität in Bezug auf die Gesamtkeimzahl ist also nur dann möglich, wenn Daten von vier zurückliegenden Jahren vorliegen. Daher gibt es für den Essener Baldeneysee noch keine Bewertung im Sinne der EU-Richtlinie. Dort wurde erst vor zwei Jahren eine Badestelle eingerichtet.

Zum Schutz der Badenden entnehmen die Überwachungsbehörden (Gesundheitsämter) während der Badesaison alle vier Wochen Wasserproben, die auf mikrobiologische Kenngrößen untersucht werden, um die bakterielle Belastung eines Badegewässers abzuschätzen. Ist die Belastung zu hoch, also der Grenzwert überschritten, wird umgehend ein zeitweiliges Badeverbot ausgesprochen.

Hintergrund-Informationen zum Sonderuntersuchungsprogramm

Die vorliegenden Bewertungen zum Vorkommen Antibiotika resistenter Keime in zehn ausgewählten Badestellen sind Ergebnisse einer Voruntersuchung zur geplanten systematischen Untersuchungen in 2019 und 2020. Zehn EG-Badegewässer in Nordrhein-Westfalen wurden in der Badesaison 2018 viermal, jeweils in etwa monatlichen Zeitabständen, auf klinisch relevante Antibiotika-resistente Bakterien sowie Antibiotika-Rückstände untersucht:

  • Aasee, Bocholt
  • Baldeneysee, Essen
  • Bettenkamper Meer, Moers
  • Bruchertalsperre, Marienheide
  • Eiserbachsee, Simmerath
  • Elfrather See, Krefeld
  • Fühlinger See, Köln
  • Großer Weserbogen, Porta Westfalica
  • Naturfreibad Heil, Bergkamen
  • Seebad Haltern, Haltern am See

Kriterien für die Auswahl der Badegewässer waren (1.) mögliche Belastungsfaktoren im Hinblick auf Einträge Antibiotika-resistenter Bakterien in die Gewässer, wie Krankenhaus-Abwasser, kommunales Abwasser oder Abschwemmungen von landwirtschaftlich genutzten Flächen, (2.) bekannte Belastungen, wie höhere Konzentrationen an Darmbakterien (Escherichia coli = E. coli) oder große Wasservogelaufkommen, sowie (3.) Region und Typ des Badegewässers. Die Untersuchungen werden vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) mit dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn durchgeführt. Untersucht werden die Badestellen auf klinisch relevante Bakterien mit Resistenzen gegen mehr als zwei Antibiotika-Wirkstoffgruppen. Klinisch relevante multiresistente Bakterien können Infektionen beim Menschen auslösen, die dann auf Grund ihrer Resistenzen schwer zu behandeln sind. Die Untersuchungen auf Antibiotika-resistente Bakterien in Badegewässern ist derzeit nach EG-Badegewässerrichtlinie nicht verlangt. Daher bestand bisher keine Kenntnis über eine mögliche Verunreinigung mit antibiotikaresistenten Erregern nach EG-Badegewässerrichtlinie.

Was sind klinisch besonders relevante Bakterien?

Klinisch besonders relevante Bakterien sind solche, die Erkrankungen beim Menschen hervorrufen können und Resistenzen gegen mehr als zwei Antibiotika-Wirkstoffgruppen aufweisen, die als primäre Therapeutika bei schweren Infektionen durch Bakterien eingesetzt werden. Die Festlegung der besonderen Relevanz bestimmter Bakterien sowie der betrachteten Antibiotika-Wirkstoffgruppen erfolgte durch Mediziner mit ausgewiesener Expertise im Bereich Hygiene und öffentliche Gesundheit auf Basis von Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut. (Bundesgesundheitsblatt 2012, 55: 1311-1354).