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21.01.2021
Online-Dialog zur Landwirtschaft im Rahmen der Internationalen Grünen Woche

Ministerin Ursula Heinen-Esser (Nordrhein-Westfalen) und Minister Jan Philipp Albrecht (Schleswig-Holstein) diskutieren über Wege zur Zukunft der Schweinehaltung

Verschiedene Lösungsansätze und Perspektiven der Schweinehaltung in Deutschland haben die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) und der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) heute in einem gemeinsamen Online-Dialog "Zukunft einer nachhaltigen Schweinehaltung in Deutschland" diskutiert. Als Perspektive sprachen sich Heinen-Esser und Albrecht für kleinere regionalisierte Kreisläufe, eine faire Preisgestaltung und mehr Transparenz im Markt unter anderem durch ein Tierwohlkennzeichen aus.

"Es muss gelingen, noch in der laufenden Legislaturperiode im Bund Pflöcke für einen Zukunftspfad einer nachhaltigen Nutztierhaltung einzuschlagen, um Landwirtinnen und Landwirten klare Perspektiven und Planungssicherheit zu geben", betonten beide Minister in einem gemeinsamen Online-Dialog mit rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Rahmen der Grünen Woche Digital. Unter den Teilnehmern waren unter anderem auch die Agrarökonomen Prof. Dr. Marcus Mergenthaler (Fachhochschule Südwestfalen, Soest) sowie Prof. Dr. Uwe Latacz-Lohmann (Christian-Albrechts-Universität, Kiel).

Heinen-Esser verwies auf die gemeinsame erfolgreiche Initiative Nordrhein-Westfalens und Schleswig-Holsteins für einen absehbaren Ausstieg aus der Kastenstandhaltung: "Dies ist ein Meilenstein für den Tierschutz in der Sauenhaltung. Aber die Corona-Krise hat gezeigt, welche Herausforderungen bestehen, wo Unterstützung erforderlich ist und wo Strukturen angepasst werden müssen. Dass der Ausfall eines Schlachtbetriebs die Fleischkette ins Stocken bringt, ist ein Indiz für eine erforderliche Neujustierung." Das System sei zu sehr auf Kante genäht, erforderlich sei mehr Puffer.

Weiter sagte die Ministerin: "Wir verfolgen in Nordrhein-Westfalen einen klaren Zukunftspfad einer nachhaltigen Nutztierhaltung. Dieser muss in der gesamten Kette, vom Stall bis zum Teller, gedacht und gestaltet werden. Dazu brauchen wir mehr Flexibilität in den Ställen und eine stärker regionalisierte Schlachthofstruktur." Faire Preise für qualitativ hochwertige Lebensmittel und Transparenz seien Dreh- und Angelpunkt, damit Tierschutz und Umweltschutz auf allen Stufen umsetzbar ist.

Die Abhängigkeit von großen Betrieben sei im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und dem Auftreten der Afrikanischen Schweinpest mit allen Risiken und Nebenwirkungen deutlich geworden, betonte Albrecht. Hier gelte es perspektivisch auf regionale Wertschöpfung und Wertschätzung umzustellen. Der Minister stellte auch das klassische Agrar-Konzept "Wachse oder Weiche" in Frage: "Für viele landwirtschaftliche Betriebe galt in den vergangenen Jahrzehnten das unumstößliche Prinzip, dass eine Produktionssteigerung immer einhergeht mit steigender Wirtschaftlichkeit."

In Zeiten hoher Anforderungen an Qualität und Nachhaltigkeit sowie heftiger Marktschwankungen erscheine es heute dringend nötig, von diesem Prinzip Abstand zu nehmen und stattdessen neue Formen der Veredelung und Vermarktung landwirtschaftlicher Güter im Zusammenspiel mehrerer Akteure zur wirtschaftlichen Grundlage der hiesigen Landwirtschaft zu machen. "Auch um ihre Krisen-Resilienz zu steigern und ihre Zukunft langfristig zu sichern", so Albrecht.