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18.06.2020
Ruhr-Konferenz: Müllverbrennungsanlage in Oberhausen stärkt grün-blaue Infrastruktur

Umweltministerin Heinen-Esser gibt Startschuss für Begrünungsprojekt: "Anschub für die Klimafolgenanpassung in der Metropole Ruhr"

In Oberhausen startete heute die Umsetzung der ersten Maßnahme des Ruhr-Konferenz-Projekts "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft". Es handelt sich um ein großes Begrünungsprojekt auf der Gemeinschafts-Müll-Verbrennungsanlage Niederrhein in Oberhausen-Lirich. Umweltministerin Ursula Heinen-Esser gab heute gemeinsam mit der Stadt Oberhausen und der Emschergenossenschaft vor Ort den Startschuss.

"Mit dem Startschuss für diese erste Maßnahme hauchen wir dem Projekt ,Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft' Leben ein. Die Begrünung von Dächern und Fassaden, aber auch die Entsiegelung von Flächen sollen dazu beitragen, den Abfluss in die Kanalisation zu reduzieren und die Verdunstungsrate zu erhöhen. Das gibt der Grünen Infrastruktur und der Klimafolgenanpassung in der Metropolregion Ruhr einen Schub", erklärte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. In einer gemeinsamen Erklärung haben das Land, die Emschergenossenschaft und die Kommunen entlang der Emscher gemeinsame Anstrengungen zur Anpassung an den Klimawandel vereinbart.

Die Gemeinschafts-Müll-Verbrennungsanlage Niederrhein GmbH (GMVA) ist eine der größten Müllverbrennungsanlagen in Deutschland. Auf rund 4,9 Hektar versiegelter Fläche werden rund 700.000 Tonnen Abfall pro Jahr angeliefert und verbrannt. Die Anlage befindet sich in einem klimatisch belasteten und stark versiegelten Industriegebiet im Ortsteil Lirich der Stadt Oberhausen.

Kühlung des Umfelds als wichtiges Ziel

Als erste Maßnahme des Projektes "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" plant die GMVA, auf einigen bestehenden Gebäuden mit Flachdächern eine Extensiv-Begrünung zu realisieren. Als eine weitere Maßnahme werden auf dem Gelände zwei Fassaden (Süd- und Westseite) des sogenannten Kleinen Kühlturms mit Immergrünem Geißblatt (Lonicera henryi) begrünt. Diese Pflanze ist stadtklimafest und die Blüten ziehen Insekten an. Insgesamt wird eine rund 300 Quadratmeter große Wandfläche des Kühlturms begrünt, um ein Biotop zu schaffen.

Die Dachbegrünung bewirkt durch den Rückhalt und die Verdunstung einerseits eine Reduzierung des Abflusses in die Kanalisation und trägt andererseits zu einer gesteigerten Verdunstung und somit zu einer Kühlung des Umfeldes bei. Die Fassadenbegrünung steigert ebenfalls die Verdunstung. "Wir leisten damit unseren Beitrag zur Klimaanpassung in diesem Quartier in Oberhausen", sagte Angela Sabac-el-Cher, Geschäftsführerin der GMVA. Die Maßnahme soll in der zweiten Jahreshälfte 2020 fertiggestellt werden. Investiert werden in die Begrünung rund 240.000 Euro.

Wasser kennt keine Stadtgrenzen

"Wasser kennt keine Stadtgrenzen, das gilt erst recht für Starkregen und Hochwasser genauso wie für Hitzewellen und Heißzeiten. Der Herausforderung Klimawandel müssen wir uns als Region stellen: Gemeinsam sind wir stark und meistern diese Herkulesaufgabe", sagte Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. Im Fokus des Projekts ,Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft' stehen Maßnahmen, die alle dem Ziel dienen, bis 2040 mindestens 25 Prozent der befestigten Flächen vom Kanalnetz abzukoppeln und den Verdunstungsgrad bis 2040 um zehn Prozent in der Region zu erhöhen. "Unsere Emschergenossenschaft ist dabei als Partnerin eine zentrale Anlaufstelle bei der Anpassung der Städte an den Klimawandel", so Paetzel weiter.

Mit der Eröffnung einer entsprechenden Service-Organisation im Januar in Essen hat die Emschergenossenschaft in enger Abstimmung mit den Kommunen, dem Land, weiteren Wasserverbänden sowie dem Regionalverband Ruhr eine wichtige Grundlage für die Umsetzung des Projektes "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" gelegt.

Daniel Schranz, Oberbürgermeister der bei diesem Projekt vorangehenden Stadt Oberhausen, ergänzte: "Mit diesem Projekt auf der GMVA in Oberhausen wollen wir Vorbild für die Klimaanpassung in unserer Region sein." Ullrich Sierau, Dortmunder Oberbürgermeister und zugleich Ratsvorsitzender der Emschergenossenschaft, betont die Bedeutung der interkommunalen Zusammenarbeit: "Eine gegenüber den Folgen des Klimawandels gesunde und resiliente Stadtentwicklung erfordert einen hohen interkommunalen Austausch. So geht regionaler Zusammenhalt zugunsten des Klimas."

Die Grüne Infrastruktur im Rahmen der Ruhr-Konferenz

Die Landesregierung will die Grüne Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen stärken und hat deshalb im November 2019 die Umsetzung der beiden Projekte "Offensive Grüne Infrastruktur 2030" und "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" im Rahmen der Ruhr-Konferenz beschlossen. Federführend ist hier das Umweltministerium. Bei letzterem Vorhaben sollen Maßnahmen zur Flächenentsiegelung, Steigerung der Verdunstung und Versickerungsraten und auch zur Dach- und Fassadenbegrünung umgesetzt werden, um so die Region bei der Bewältigung der jetzt schon bestehenden Folgen des Klimawandels zu unterstützen.

Die Emschergenossenschaft als Ko-Moderatorin des Ruhr-Konferenz-Themenforums "Grüne Infrastruktur Metropolregion Ruhr" setzt damit fort, was bereits seit 2004 erfolgreich mit Kooperationen wie der "Zukunftsvereinbarung Regenwasser" sowie der Zukunftsinitiative "Wasser in der Stadt von morgen" begonnen wurde - auch hier arbeiteten das Land, die Kommunen sowie die Emschergenossenschaft zusammen. Das Vorhaben ist mittlerweile deutlich ausgedehnt worden: Mit dabei sind nun auch der Lippeverband, der mit der Emschergenossenschaft unter einem Dach verwaltet wird. Darüber hinaus werden auch der Ruhrverband, die Linksniederrheinische Entwässerungs-Genossenschaft, der Niersverband und der Regionalverband Ruhr eingebunden.

Die im Emscher-Haus in Essen sitzende neue Service-Organisation wurde von der Emschergenossenschaft unter Beteiligung aller Kommunen und in enger Abstimmung mit dem Umweltministerium für alle Städte aufgebaut. Sie entwickelt die Zukunftsinitiative weiter und übernimmt wichtige Aufgaben bei der Umsetzung der Maßnahmen für die beteiligten Kommunen und Wasserverbände.

Hintergrund zur Ruhr-Konferenz

Die Ruhr-Konferenz ist eine umfassende Initiative der Landesregierung, um das Ruhrgebiet als wirtschaftlich starke und lebenswerte Zukunftsregion für alle Menschen zu gestalten. Der Prozess zur Entwicklung der Chancenregion Ruhr ist von Beginn an auf breite Beteiligung und das Engagement von Menschen und Partnern aus allen gesellschaftlichen Bereichen angelegt. Auf fünf zentralen Handlungsfeldern sollen dabei wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Ruhrgebiets gesetzt werden: Vernetzte Mobilität - kurze Wege; Erfolgreiche Wirtschaft - gute Arbeit; Gelebte Vielfalt - starker Zusammenhalt; Sichere Energie - gesunde Umwelt sowie Beste Bildung - exzellente Forschung.

Die Umsetzung der 74 erarbeiteten und ausgewählten Projekte hat Anfang 2020 begonnen. In den kommenden Jahren werden weitere Vorhaben und Ideen von Partnern wie Kommunen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern oder Unternehmen unter dem Dach der Ruhr-Konferenz diese Impulse verstärken und die Entwicklung der Chancenregion Ruhr unterstützen.

Pressekontakt zur Emschergenossenschaft:
Ilias Abawi (Leiter Kommunikation und Marketing)
abawi.ilias@eglv.de, Tel. 0201 104 2586