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01.12.2021
Fit für 2030: Verbraucherkongress NRW diskutiert verbindliche verbraucherfreundliche Designs für digitale Dienstleister

Verbraucherschutzministerin Heinen-Esser: Menschen benötigen eine hohe Verbraucherkompetenz, um ihren Alltag selbstbestimmt und datensparsam zu gestalten

Unter dem Motto "Fit für 2030: Verbraucherschutzland NRW" stand am Mittwoch der diesjährige Verbraucherkongress des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums. Ursprünglich als Hybrid-Veranstaltung geplant, wurde die Veranstaltung aufgrund der aktuellen Corona-Situation in einem rein digitalen Format durchgeführt. Dazu passend waren die Chancen und Risiken der Digitalisierung ein zentrales Thema.

Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser fordert in ihrem Grußwort die Verpflichtung zu einem verbraucherfreundlichen Design für digitale Dienstleister: "Während Einwilligungen in die Nutzung von Daten meistens mit einem Klick möglich sind, ist eine Ablehnung im Internet deutlich komplizierter. Auch Countdowns zur zeitlichen Befristung von Buchungen oder zu vermeintlich begrenzten Verfügbarkeit von Produkten setzen Verbraucherinnen und Verbraucher unter Druck, schnelle, oftmals unüberlegte Entscheidungen zu treffen. Der rechtliche Rahmen muss so gestaltet sein, dass Nutzerinnen und Nutzer sich selbstbestimmt in der digitalen Welt bewegen können."

In diesem Zusammenhang wurden geeignete Instrumente zur Verbraucherinformation und Maßnahmen der Verbraucherbildung diskutiert. "Menschen benötigen eine hohe Verbraucherkompetenz und gewisse Schlüsselkompetenzen, um ihren Alltag in einer zunehmend digitalen Welt selbstbestimmt gestalten zu können", sagte Heinen-Esser. Dass viele Menschen mit den rasanten digitalen Veränderungen nicht Schritt halten können, werde oft nur unzureichend bedacht. "In diesen herausfordernden Zeiten müssen die Menschen mehr denn je, gut informiert und bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützt werden. Wir wollen die Verbraucherinnen und Verbraucher widerstandsfähiger und kompetenter gegenüber den zukünftigen Herausforderungen, insbesondere des digitalen Verbraucheralltags machen."

Die aktuellen Herausforderungen der Verbraucherpolitik wurden auch aus europapolitischer Perspektive beleuchtet: Didier Reynders, EU-Kommissar für Justiz und Rechtsstaatlichkeit und Dr. Simone Kimpeler, Leiterin des Competence Centers Foresight beim Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI, gaben den Teilnehmenden der Digitalkonferenz erste Einblicke in die strategische Vorschau der Europäischen Kommission "Impact of Covid-19-Pandemic on European Consumer Behaviour". Die Studie der EU-Kommission, die noch bis Ende Februar 2022 läuft, identifiziert zukünftige Schlüsselfaktoren für die Gestaltung des "Verbraucherschutzes 2030" wie beispielsweise Digitalisierung, Umweltbewusstsein oder Datenschutz.

Mit der Verbraucherzentrale NRW und ihren 62 Beratungsstellen gibt es im "Verbraucherschutzland NRW" eine verlässliche und unabhängige Ansprechpartnerin für Ratsuchende. Sie tragen dazu bei, dass Verbraucherinnen und Verbraucher fundierte Entscheidungen treffen und den wachsenden Herausforderungen souverän begegnen können. Es bedarf aber auch neuer Konzepte digitaler Informationsvermittlung, aufsuchender Verbraucherberatung sowie Sprechstunden im ländlichen Raum. Hier gilt es in den nächsten Jahren neue Beratungsansätze zu erproben und auch wissenschaftlich zu evaluieren.

Der Verbraucherkongress NRW wird regelmäßig durch das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz veranstaltet und fand in diesem Jahr bereits zum 15. Mal statt. Für die digitale Fachtagung hatten sich mehr als 130 Expertinnen und Experten aus Forschung, Wirtschaft, Digitalgesellschaft und Verbraucherschutz angemeldet.