Untersuchungen zum PFT-Übergang vom Boden in Pflanzen bestätigen die hohe Mobilität dieser Stoffgruppe. Bei hohen Bodenbelastungen findet ein Transfer durch Aufnahme über die Wurzel in Pflanzen statt. Bei der Beurteilung der Auswirkungen der PFT-Belastungen von Böden im Hochsauerlandkreis und im Kreis Soest sind daher nicht nur die Stoffverlagerungen in die Gewässer, sondern auch der Übergang in Pflanzen zu beachten. Auf der hoch belasteten Fläche in Brilon-Scharfenberg, wo zur Sanierung eine Sickerwasser-Aufbereitungsanlage installiert wurde, dürfen daher auch auf absehbare Zeit keine Nahrungs- und Futterpflanzen angebaut werden.
Umweltminister Eckhard Uhlenberg: „Die zuständigen Behörden führen die notwendigen Untersuchungen zur Gefahrenbeurteilung im Einzelfall durch. Sie ergreifen die notwendigen Maßnahmen bei den hoch belasteten Flächen und führen zu weiteren Flächen das Monitoring von PFT in Böden, Gewässern, Nahrungs- und Futterpflanzen fort.“
Im Auftrag des Umweltministeriums hatte das Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie (IME) in Schmallenberg systematische Versuche zum PFT-Transfer aus unterschiedlich hoch belasteten Böden in verschiedene Nahrungs- und Futterpflanzen durchgeführt. Die Ergebnisse der Pflanzenuntersuchungen von Gras, Silomais, Weizen und Kartoffeln zeigen, dass mit höherer Bodenbelastung die PFT-Gehalte in den Pflanzen entsprechend steigen. Bisher wurde davon ausgegangen, dass Stoffe mit einer solchen Molekülgröße die natürliche „Wurzelbarriere“ nicht überwinden würden. Der Übergang erfolgt insbesondere in Blatt und Spross, aber auch Getreide-Korn und Kartoffel weisen erhöhte PFT-Werte auf. Auch wenn noch keine abschließende Bewertung aus Sicht der Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung möglich ist, sollten diese stark erhöhten Spitzenbelastungen nicht als Lebens- bzw. Futtermittel in Verkehr gebracht werden, um einen hohen PFT-Eintrag in die Nahrungskette zu unterbinden.
Bei ersten Kontrolluntersuchungen von Nahrungs- und Futterpflanzen im vergangenen Jahr war bereits die hoch belastete Fläche in Rüthen mit einem erhöhten PFT-Gehalt im Silomais aufgefallen. Die Futtermittel sind unter amtlicher Kontrolle. Auf weiteren schwach belasteten Flächen erfolgt eine Überwachung des Pflanzenaufwuchses.
Die wissenschaftliche Untersuchung des Fraunhofer Institutes, die in Großgefäßen im Freiland unter realitätsnahen Bedingungen durchgeführt wurde, ist ein weiterer Baustein in der systematischen Aufarbeitung der PFT-Problematik, die durch illegale Aufbringung von belasteten Abfallgemischen verursacht worden sind. Damit untermauert Nordrhein-Westfalen seine Vorreiterrolle in der offensiven Aufarbeitung dieses Schadensfalles. Den Bericht lesen Sie hier.