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Waldzustandsbericht 2012: Wald erholt sich leicht, aber keine Entwarnung in Sicht

Minister Remmel: "Eiche bleibt Sorgenkind des Waldes" - Bodenbelastung nimmt ab

Der Waldzustandsbericht 2012 zeigt, dass sich der Zustand des Waldes in NRW in diesem Jahr wieder etwas erholt hat. Im Zehn-Jahresvergleich waren die Werte nur im Jahr 2009 besser. "Auch wenn wir in diesem Jahr eine leichte Erholung feststellen konnten, können wir mit Blick auf die längerfristigen Vergleiche keine Entwarnung geben", so Umweltminister Johannes Remmel. "Die Werte sind noch immer besorgniserregend. Wir haben heute mehr als doppelt so viele Bäume mit starken Schäden wie zu Beginn der Aufzeichnungen vor etwa 30 Jahren. Der Klimawandel und die damit einhergehenden Wetteränderungen machen unserem Wald stark zu schaffen."

Der Anteil der Bäume ohne Schäden liegt in diesem Jahr bei 34 Prozent, das sind zehn Prozentpunkte mehr im Vergleich zum Vorjahr. Besonders die deutlich geschädigten Bäume sind im Durchschnitt um acht Prozent auf 25 Prozent gesunken. Die schwachen Schäden haben sich kaum verändert und bilden weiterhin die größte Gruppe mit 41 Prozent. Zum Vergleich: Bei der ersten Waldzustandserhebung 1984 waren noch 59 Prozent ohne Schäden und nur 10 Prozent in der höchsten Schadensklasse. "Klimatisch gesehen war 2012 ein gutes Jahr für unseren Wald, was sich positiv auf den Kronenzustand ausgewirkt hat", erläuterte der Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW, Andreas Wiebe. "Der Witterungsverlauf war nicht von Wetterextremen wie in den letzten Jahren mit Trockenheit, Sturm und starken Frösten beeinflusst. Dadurch entfiel der für die Bäume und ihre Entwicklung bedeutsame Wasserstress im Frühjahr und Sommer."

Der Zustand der wichtigsten Baumarten in der Übersicht:

Die Eiche hat von den relativ günstigen Rahmenbedingungen des Jahres 2012 nicht profitieren können. Sie ist die einzige Hauptbaumart, deren Zustand sich weiter verschlechtert hat. Die Eiche bleibt das Sorgenkind im NRW-Wald. Ihr Zustand ist der schlechteste seit Beginn der Waldzustandserhebung vor fast 30 Jahren.

Die Buche hat sich im Vergleich zum Vorjahr stark verbessert, da die Fruktifikation minimal war. Daran wird deutlich, wie groß das Regenerationsvermögen der Waldbäume ist, wenn die Wetterverhältnisse günstig sind.

Auch die Fichte weist eine Vitalitätssteigerung aus. Sowohl beim Rückgang der deutlichen Schäden als auch beim Aufschwung der ungeschädigten Bäume ist die Entwicklung vielversprechend.

Die Kiefer hat in diesem Jahr von allen Hauptbaumarten die besten Messwerte.

Die Waldzustandserhebung wird bundesweit seit 1984 jährlich von den Ländern basierend auf einem systematischen Netz von Stichproben vorgenommen. Durch die regelmäßigen Stichprobenerhebungen beim Kronenzustand können Veränderungen erkannt und Risiken bewertet werden. Die Informationen sind eine wichtige Grundlage für forst- und umweltpolitische Entscheidungen zum Schutz des Waldes.

Zu Beginn der Aufzeichnungen zum Waldzustand im Jahre 1984, waren für die starken Schäden im Wald vor allem Industrie und Verkehr verantwortlich, die über Jahrzehnte Schadstoffe ungefiltert in die Luft geblasen hatten. Diese Schadstoffe reicherten sich im Boden an, so dass für die Bäume nicht mehr genügend Nährstoffe zur Verfügung standen. Eine aktuelle Erhebung zum Bodenzustand in den nordrhein-westfälischen Wäldern hat nun ergeben, dass Ablagerungen von Schadstoffen mittlerweile als Hauptursache für einen schlechten Waldzustand ausgeschlossen werden können.

"Die Böden sind auf dem Weg der Besserung", so Minister Remmel. "Trotzdem können die Probleme der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem Klimawandel auch heute noch eine entscheidende Rolle spielen. Wir wissen noch viel zu wenig über die Wechselwirkungen zwischen den Schadstoffablagerungen im Boden und den schon heute spürbaren Folgen des Klimawandels. Hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf. Der Landesbetrieb Wald und Holz ist damit beauftragt, diesen Fragen weiter nachzugehen."

Wald bedeckt fast ein Drittel der Landesfläche von NRW. Damit stehen jeder Einwohnerin und jedem Einwohner im Schnitt rund 500 m2 Wald zur Verfügung (Bundesdurchschnitt: 1200 m2). Für den Waldzustandsbericht werden jedes Jahr im Juli und August von rund 10.000 Einzelbäumen der Kronenzustand nach einem vorgegebenen Stichprobenverfahren von Fachleuten aus der Forstwirtschaft begutachtet. Unter Einbeziehung von Wetterdaten und der Entwicklung von Schadorganismen werden die Ergebnisse ausgewertet und im Waldzustandsbericht zusammengefasst.

Das Verfahren der Waldzustandserfassung

Grundlage zur Ermittlung ist ein bundesweit einheitlicher Kriterienkatalog, der unter anderem ein regelmäßiges Raster vorsieht, welches in den meisten Jahren einen Abstand von 4 x 4 km im Gelände besitzt. An den Schnittpunkten des Rasters wird durch speziell geschulte Forst-Fachleute der Kronenzustand von dauerhaft markierten Probebäumen beurteilt. Die wichtigsten Kriterien sind die Verlichtung der Baumkronen und die Vergilbung der noch vorhandenen Nadeln und Blätter sowie weitere Faktoren, die Einfluss auf das Erscheinungsbild der Baumkronen haben. Dazu zählen besonders die Fruktifikation, Insekten- und Pilzbefall, Sturm- und Wetterschäden sowie zusätzliche biotische und abiotische Schadereignisse.