Zauneidechse
Die Zauneidechse ist in NRW eine typische Reptilienart halboffener, sonnenreicher Lebensräume. Sie bevorzugt strukturreiche Flächen wie Brachen, Heiden, Waldränder oder Trockenmauern, wo sich offene, besonnte Stellen mit dichter Vegetation abwechseln. Dort findet sie sowohl Sonnenplätze zum Aufwärmen als auch Versteckmöglichkeiten.
Verbreitung:
- Schwerpunkt im Tiefland im Bereich des Münsterlandes sowie im Rheinland
Bestand:
- in NRW stark gefährdet
Sonnenliebende Eidechsenart
Die Art ist tagaktiv und wechselwarm. Männchen tragen während der Paarungszeit im Frühjahr eine auffällige grünliche Färbung, während Weibchen und Jungtiere eher braun gemustert sind. Nach der Paarung legen die Weibchen im Sommer ihre Eier in lockeren Boden. Die Jungtiere schlüpfen nach etwa zwei bis drei Monaten. Die Zauneidechse ernährt sich überwiegend von Insekten und anderen kleinen Wirbellosen. Sie ist vielerorts durch Lebensraumverlust und Zerschneidung der Landschaft gefährdet und steht daher unter strengem Schutz.
Die Zauneidechse stellt hohe Ansprüche an ihre Lebensräume. Der englische Name lautet „Sand Lizard“. Dieser Name ist Programm, denn im nördlichen Mitteleuropa bewohnt sie primär Sandheiden. So sind die größten NRW-Vorkommen in den Truppenübungsplätzen bzw. ehemaligen Truppenübungsplätzen Senne bei Paderborn und Wahner Heide zwischen Köln und Bonn. Auch kleinere Heiden wie die Westruper Heide bei Haltern werden besiedelt. Ansonsten gilt sie als typische Zeigerart für extensiv genutztes, strukturreiches und mageres Grünland mit offenen Bodenstellen – beispielsweise auf Kalk- und Sandmagerrasen oder auf mageren Brachflächen. Auch künstlich geschaffene Strukturen können wichtige Lebensräume darstellen: So bieten Böschungen entlang Bahnlinien oder Wegen durch gezielte Pflegemaßnahmen geeignete Bedingungen. Werden Flächen jedoch sich selbst überlassen, kommt es durch Stickstoffeinträge aus der Luft oder Überdüngung aus der Landwirtschaft zu einer zunehmenden Verbuschung und Verdichtung der Vegetation. Dadurch gehen offene Bodenstellen verloren, die u.a. für die Eiablage unerlässlich sind. Eine intensive Mahd stellt ebenfalls eine direkte Gefahr für die Art dar.
Aufgrund von Lebensraumverlusten wird die Zauneidechse in NRW als ,,stark gefährdet‘‘ eingestuft. Ihre Verbreitung konzentriert sich vor allem auf die Tieflandregionen des Münsterlandes und des Rheinlandes. In Mittelgebirgslagen tritt sie nur vereinzelt auf.
Artenhilfsprogramm Geeignete Lebensräume in ehemaligen Kiesgruben
Am Schutz der Zauneidechse in NRW sind zahlreiche Akteure beteiligt – darunter Biologische Stationen, Naturschutzverbände, Fachgruppen, Stiftungen, Behörden und Ehrenamtliche. So setzt sich zum Beispiel die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft e.V. gemeinsam mit den Unteren Naturschutzbehörden dafür ein, geeignete Lebensräume in ehemaligen Kiesgruben oder auf Flächen mit offenen Böden und schütterer Wiesen-Vegetation zu sichern. Dort werden Hänge freigestellt, Holz- und Sandhaufen angelegt sowie Schaf- und Ziegenbeweidung organisiert, damit insgesamt strukturreiche Landschaften entstehen, die u.a. der Zauneidechse als Lebensraum zugutekommen.
Ein weiteres Beispiel ist die Biologische Station Mittlere Wupper e.V., die durch Monitoring und praktische Pflegemaßnahmen zum Schutz beiträgt. In Zusammenarbeit mit lokalen Stiftungen verbessert sie beispielsweise im FFH-Gebiet Ohligser Heide sowie am Felsporn Müngsten die Habitatqualität für die Zauneidechse. Zentrale Maßnahme ist das Freistellen besonnter, offener Flächen von aufkommenden Gehölzen.
Darüber hinaus führt die Biologische Station Ravensberg im Kreis Herford e.V. regelmäßig Bestandsaufnahmen im Kreisgebiet durch, um die Situation der Art dort langfristig im Blick zu behalten.
Weitere Informationen zum Schutz der Zauneidechse
Artenporträt "Zauneidechse" beim Landsumweltamt
Die Zauneidechse ist Reptil des Jahres 2020 und 2021 - NABU
Biologische Station Paderborn Senne: Zauneidechse
Artenschutzprojekt für Reptilien im Kreis Gütersloh | Biologische Station Gütersloh/Bielefeld