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Klimaanpassung in NRW

Fassadenbegrünung. Foto: MichaelGaida/Pixabay

Auch Nordrhein-Westfalen ist vom Klimawandel betroffen. Neben dem Klimaschutz kommt deshalb der Anpassung an die Folgen des Klimawandels eine besondere Bedeutung zu.


Anpassung an den Klimawandel in NRW

Die Erkenntnis, dass Klimaschutz und Klimaanpassung eine Einheit bilden, ist nicht nur international, sondern auch in NRW längst akzeptiert. Es reicht nicht mehr, die Ursachen zu bekämpfen, auch die Symptome müssen behandelt werden. Da sich die Klimaänderungen in ihrer Art und Weise und in ihrem Ausmaß von Region zu Region unterschiedlich zeigen, müssen die meisten Anpassungsmaßnahmen auf lokaler und regionaler Ebene getroffen werden – damit stehen das Land und die Kommunen vor großen Herausforderungen.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung beschäftigt sich seit 10 Jahren intensiv mit der Anpassung an den Klimawandel. Die im Jahre 2009 entwickelte Klimaanpassungsstrategie wurde 2015 im Klimaschutzplan NRW fortgesetzt. Die Landesregierung benennt im Klimaschutzplan in 16 Handlungsfeldern mehr als 60 Maßnahmen, mit denen sie den Folgen des Klimawandels begegnen will. Zu den Handlungsfeldern zählen unter anderem Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz, Katastrophenschutz, Stadtentwicklung, Wald und Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe, menschliche Gesundheit oder Tourismus. Der Klimaschutzplan wird in naher Zukunft mit einer neuen Klimaanpassungsstrategie fortgeschrieben. Darüber hinaus befindet sich ein eigenes Klimaanpassungsgesetz für das Land NRW in der Vorbereitung.

Ziel im Bereich Klimaanpassung ist es, Maßnahmen flächendeckend umzusetzen und die Strategie zur Klimaanpassung auf der Grundlage neu gewonnenen Wissens fortläufig zu überarbeiten. Gleichzeitig gilt es, Akteure der Klimaanpassung wie Kommunen, Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen bei ihren Aktivtäten bestmöglich zu unterstützen. Die Unterstützungsangebote reichen von der Datenbereitstellung über Information und Beratung bis zur Projektförderung sowie Struktur- und Netzwerkbildung.

Datenbereitstellung

Daten zur Klimaveränderung und zu deren Folgen sind für Akteure eine wichtige Wissens- und Entscheidungsgrundlage. Das LANUV ist in NRW erste Anlaufstelle, wenn es um Datenfragen zum Klimawandel geht. Seit Jahren werden dort – zum Teil auf Basis von Daten des Deutschen Wetterdienstes – Daten ermittelt, nach neuestem Wissen überarbeitet und aktualisiert. Dieses Wissen wird über Webanwendungen und Broschüren der Öffentlichkeit und damit allen interessierten Akteuren frei zur Verfügung gestellt.

  • FIS Klimaanpassung NRW
    Das Fachinformationssystem Klimaanpassung NRW des Landesamtes für Natur, Umwelt und Landwirtschaft stellt exemplarisch mögliche Auswirkungen der zukünftigen Klimaentwicklung dar und liefert so Planungsgrundlagen für Anpassungsmaßnahmen. Zurzeit sind mögliche Klimafolgen für sieben Handlungsfelder im FIS Klimaanpassung enthalten.
  • Klimaanalyse
    Im Rahmen des Fachinformationssystems Klimaanpassung NRW wurde eine landesweite Klimaanalyse NRW durchgeführt. Bei einer Klimaanalyse werden in erster Linie die räumliche Ausprägung des Luftaustausches sowie thermisch belasteter Gebiete betrachtet und die Ausgleichs- und Belastungs-/Wirkräume zueinander in Beziehung gesetzt. Aus den Ergebnissen werden Empfehlungen für die Planung zur Verbesserung oder zum Erhalt der Situation abgeleitet. Der Fokus wird hierbei auf das Thema der bioklimatischen Belastung (Hitze) gelegt. Sämtliche daraus entstandenen Karten sind im FIS Klimaanpassung hinterlegt.
  • Waldinfo.NRW
    Das Internetportal bietet umfassende öffentliche Informationen zu den Wäldern in Nordrhein-Westfalen, ihren vielfältigen Funktionen und ihrer nachhaltigen Bewirtschaftung. Dies beinhaltet in erster Linie digitale Karten zu verschiedenen Aspekten der Wälder, der Waldbewirtschaftung und der Nutzung der Wälder durch die Öffentlichkeit. Die Themenbereiche der verschiedenen Karten reichen von Waldbedeckung und Waldökologie über Waldbewirtschaftung und Waldnaturschutz bis zu Freizeitnutzung, Gefahrenabwehr und Forstverwaltung und eine wichtige Datengrundlage zum Umgang mit den Folgen des Klimawandels.

Information und Beratung

Um im Sinne der vorsorgenden Anpassung an die Folgen des Klimawandels aktiv zu werden und nachhaltig wirksame Entscheidungen zu treffen, bedarf es einer guten Wissensgrundlage zum Thema. Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es? Wie kann ich mehr dazu erfahren? Wo kann ich Fördermittel beantragen? Dies alles sind Fragen, auf die Akteure Antworten benötigen. Folgende Angebote hält das NRW-Umweltministerium hierzu bereit:

  • Kommunalberatung Klimafolgenanpassung NRW
    Seit dem Jahr 2019 steht das Deutsche Institut für Urbanistik im Auftrag des MULNV NRW-weit als Anlaufstelle für Beratungsleistungen zur Fördermittelakquise und zur Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen zur Verfügung. Damit werden Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen gezielt dabei unterstützt, in der Klimavorsorge aktiv zu werden!
    Außerdem bietet das Deutsche Institut für Urbanistik die Durchführung von Sensibilisierungs- und Informationsveranstaltungen in kommunalen Entscheidungsgremien an. Ziel ist es, das Wissen zur Klimafolgenanpassung in Kommunalpolitik und -verwaltung aufzubauen und die Umsetzung von integrierten Klimaanpassungskonzepten und -maßnahmen zu unterstützen.
  • Beratungsangebote der Verbraucherzentrale NRW für Bürgerinnen und Bürger
    Die Verbraucherzentrale NRW hält für das Thema Klimaanpassung einige interessante Angebote bereit: Sie bietet unter anderem Beratung zu Themen wie Regenwassernutzung und –versickerung sowie Hitzeschutz an und informiert zum Wetterextremen rund ums Haus. Darüber hinaus hält die Verbraucherzentrale diverse Bildungsangebote für Schulen rund ums Thema Klimawandel bereit.
  • Fortbildungen des Bildungszentrums für die Ver- und Entsorgungswirtschaft (BEW)
    Das BEW bietet praxisorientierte Workshops und Seminare zum Thema Klimaanpassung für Kommunen und kommunale Betriebe, Stadtplaner, Architekten u.ä. Akteure der Klimaanpassung an. Das MULNV bezuschusst die Seminare und unterstützt damit die Teilnahme kommunaler Akteure mittels reduzierter Teilnahmegebühren.
  • Seminare und Bildungsangebote der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA)
    Die NUA bietet regelmäßig Workshops zum Klimawandel, Klimaanpassung und Klimaschutz an und unterstützt die aktuellen Diskussionsprozesse im Land mit Fachtagungen.

Förderung

Auch die Förderung von Projekten und Maßnahmen kann für die Akteure einen wichtigen Anreiz oder die finanzielle Basis bilden, im Bereich Klimaanpassung aktiv zu werden. Mit dem Ziel, die Klimaanpassung langfristig in NRW zu verankern und die Auseinandersetzung mit dem Thema sowie die Umsetzung von Maßnahmen zu verstetigen, unterstützt das Ministerium gezielt Maßnahmen: von der Konzepterstellung bis hin zu konkreten Projekten.

  • Sonderprogramm "Klimaresilienz in Kommunen"
    Im Rahmen des NRW-Konjunkturprogramms zur Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie fördert die Landesregierung seit Oktober 2020 Maßnahmen zur Klimaanpassung. Mit Hilfe des Sonderprogramms "Klimaresilienz in Kommunen" sollen Kommunen klimaresilienter gemacht und indirekt Unternehmen unterstützt werden, die sich in Richtung Anpassungswirtschaft neu oder verstärkt orientieren. Das Klimaresilienz-Programm fördert insbesondere die Umsetzung von investiven Maßnahmen zur Herstellung hitzemindernder Strukturen.
  • Kommunale Qualitätsmanagementsysteme zur Klimafolgenanpassung
    Seit September 2019 fördert das Land Nordrhein-Westfalen kommunale Qualitätsmanagementsysteme im Bereich Klimafolgenanpassung. Im Rahmen dieser Förderung können Kommunen mit externer Unterstützung eine Vulnerabilitätsanalyse erstellen und ein Maßnahmenpaket erarbeiten. Zur erfolgreichen Zertifizierung zum Abschluss des Programms ist die Umsetzung von Maßnahmen erforderlich.
  • Kommunales Starkregenrisikomanagement
    Auf Grundlage der „Förderrichtlinie Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie“ sind verschiedene Maßnahmen zur Vorsorge gegenüber Starkregenereignissen förderfähig. Dazu zählen z.B. Starkregengefahrenkarten, Risikoanalysen und Handlungskonzepte.
  • Projektförderungen im Rahmen der Ruhrkonferenz
    Innerhalb des Strukturwandelprogrammes „Ruhrkonferenz“ werden verschiedene Vorhaben zur Klimaanpassung realisiert. Im Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ wurde eine Service-Stelle für die Kommunen der Emscherregion eingerichtet, die eine integrierte, wassersensible Stadtentwicklung koordiniert. Erste Maßnahmen zur Flächenentsiegelung, Steigerung der Verdunstung und Versickerungsraten und auch zur Dach- und Fassadenbegrünung werden bereits umgesetzt. Letztere Anpassungsmaßnahmen nimmt zusätzlich die „Offensive Grüne Infrastruktur 2030“ in den Fokus mit dem Ziel des Erhalts der Biologischen Vielfalt, der Milderung der Klimafolgen und der Steigerung der Lebensqualität.
  • „Evolving Regions – NRW wird klimarobust“ (LIFE-Projekt)
    Sieben Kreise aus Nordrhein-Westfalen und eine Region aus den Niederlanden nehmen an diesem, von EU und MULNV finanzierten, Projekt teil und werden gezielt bei der Klimaanpassung unterstützt. Mit Hilfe einer Gefährdungsanalyse auf Geodatenbasis werden regionalspezifische Anpassungsstrategien und –maßnahmen entwickelt. Im Ergebnis entsteht eine „Road-Map“, die den Kreisen als überprüfbares und anpassungsfähiges Planungs-, Entwicklungs- und Umsetzungsinstrument dient.

Strukturen- und Netzwerkbildung

Strukturen und Netzwerke ermöglichen es, vorhandenes Wissen zu teilen und gelebte Erfahrung auszutauschen. Damit können gerade in einem noch relativ jungen Handlungsbereich wie der Klimaanpassung die Verbreitung von Wissen beschleunigt und durch Interaktion Synergien geschaffen werden, die wichtige Impulse setzen können. Das Ministerium unterstützt daher die Struktur- und Netzwerkbildung im Bereich Klimafolgenanpassung mit Hilfe eines langfristigen Projekts.

  • Klimaschutz- und Anpassungsnetzwerker
    Bei der Energieagentur NRW stehen den NRW-Kommunen und Regionen sowie Unternehmen im Auftrag des Landes seit 2016 Klimanetzwerker beratend zur Verfügung. Speziell zum Thema Anpassung unterstützt der Klimaanpassungsnetzwerker durch:
    • Sensibilisierung, Information und initiale Beratung in Anpassungsfragen
    • Begleitung, Bündelung und Vernetzung regionaler Anpassungsinitiativen
    • Organisation (inter-)regionalen Erfahrungsaustauschs
  • Regionalforen zur Klimaanpassung
    Die Energieagentur hat im Rahmen des Klimanetzwerker-Projekts unter Beteiligung der Bezirksregierungen sowie regionaler Entwicklungsgesellschaften im Zeitraum 2018/2019 in allen Regierungsbezirken je ein Regionalforum organisiert. Diese fünf Foren bildeten auf regionaler Ebene die Gelegenheit, sich zum Thema Klimaanpassung umfassend zu informieren und als Kommunen oder andere regionale Akteure zum Thema in Kontakt zu kommen. Für die NRW-Großstädte gab es ein auf die Großstädte zugeschnittenes zusätzliches Forum.

Die Regionalforen bildeten den Auftakt für regionale Kooperations- und Vernetzungsaktivitäten, die seitdem von der Energieagentur gemeinsam mit den regionalen Partnern fortgesetzt werden. Aktuelle Informationen hierzu finden Sie auf den entsprechenden Seiten der Energieagentur bzw. direkt über den Klimaanpassungsnetzwerker.