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Luftqualitätsüberwachung

Messgeräte zur Luftqualitätsüberwachung. Foto: patibutkan singsoot/ Panthermedia.net

Seit vielen Jahrzehnten wird in NRW die Luftqualität kontrolliert, indem an repräsentativen und besonders belasteten Standorten regelmäßig gemessen wird. Insgesamt belegen die Ergebnisse, dass die Luftschadstoffbelastung kontinuierlich zurückgeht. Sie zeigen aber auch, wo noch Handlungsbedarf besteht.


Das Messnetz

Um die Luftqualität kontinuierlich zu erfassen, gibt es in NRW ein Luftqualitätsüberwachungssystem (LUQS) mit mehr als 60 Messstationen. Hier wird die Konzentration vor allem von Feinstaub, Stickstoffdioxid, Benzol und Ozon erfasst.  Betrieben wird es durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Das LANUV verfügt über weitere Messeinrichtungen für spezielle Luftschadstoffe.


Bilanz der Luftqualität 2016: Stickstoffdioxid ist Problem Nr. 1

Die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid ist unverändert hoch und damit das Problem Nr. 1 in den Städten Nordrhein-Westfalens. Das zeigen die Ergebnisse der Messungen zur Luftqualität im Jahr 2016, die das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) im April 2017 vorgestellt hat. An 60 von 127 Messstellen wurde der EU-Grenzwert für die mittlere Jahresbelastung nicht eingehalten. Besonders hoch belastet war die Luft an stark befahrenen Straßen in Ballungsräumen. Dort wird die Einhaltung des Grenzwertes ohne weitere und einschneidende Maßnahmen auf längere Sicht nicht möglich sein. Damit bleibt Stickstoffdioxid weiterhin der kritischste Luftschadstoff in NRW. Hauptverursacher dieser hohen NO2 -Belastung (Stickstoffdioxid) sind nach wie vor der Straßenverkehr und besonders die Diesel-Fahrzeuge.

Dagegen wurden die Grenzwerte für Feinstaub (PM10) 2016 das dritte Jahr in Folge an allen 65 Messstellen eingehalten. Wie bei NO2 sind auch bei PM10 die Verkehrsmessstellen überwiegend die höher belasteten Standorte. Ein Grund zur vollständigen Entwarnung ist das jedoch nicht, denn die gesundheitsschädliche Wirkung von Feinstaubpartikeln besteht auch unterhalb des Grenzwertes.

Erläuterung von Abkürzungen und Begriffen:

µg/m3: Mikrogramm pro Kubikmeter
ng/m3: Nanogramm pro Kubikmeter
Feinstaub PM10: Partikel < 10 Mikrometer (µm)
Feinstaub PM2,5: Partikel < 2,5 Mikrometer (µm)
NO2 : Stickstoffdioxid
Benzo[a]pyren: Leitkomponente für polyzyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

Wichtige Ergebnisse zur Luftqualität 2016 im Einzelnen:

Stickstoffdioxid (NO2): weiterhin deutliche Überschreitungen

Noch immer gibt es in den Ballungsräumen deutliche Überschreitungen des EU-Jahresmittel-Grenzwerts für Stickstoffdioxid. Der Grenzwert wurde im Jahr 2016 an 47 Prozent der NRW-Messstellen überschritten, im Vorjahr an 44 Prozent der Messstellen. Die 60 NO2 -Grenzwertüberschreitungen (Vorjahr: 56) wurden ausschließlich an verkehrsnahen Messstellen registriert. Insgesamt kam es im Jahr 2016 in 32 Städten zu NO2 -Grenzwertüberschreitungen. Damit ist die Zahl der Städte mit Grenzwertüberschreitungen wieder angestiegen. Im Vorjahr wurde der NO2 -Grenzwert in Halle/Westfalen knapp eingehalten. Im Jahr 2016 jedoch wieder mit 41 µg/m³ überschritten.
Nicht überschritten werden dürfen 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft (µg/m³) ermittelt über alle Werte im Jahr (Jahresmittelwert). Im Vergleich mit der NO2 -Belastung des Vorjahres ist im Jahr 2016 keine Abnahme der Immissionsbelastung erkennbar.
Die höchsten Belastungen traten im Jahr 2016 in Köln am Clevischen Ring (63 µg/m³, Vorjahr 66 µg/m³), in Düren an der Euskirchener Straße (61 µg/m³, Vorjahr 61 µg/m³), an der Corneliusstraße in Düsseldorf (58 µg/m³, Vorjahr 59 µg/m³) und in Düsseldorf-Bilk (56 µg/m³, Vorjahr 56 µg/m³) auf.
In den von Grenzwertüberschreitung betroffenen Kommunen sind Luftreinhaltepläne in Kraft. Der Luftreinhalteplan für Leverkusen wird derzeit aufgestellt. Wegen der anhaltenden NO2 -Grenzwertüberschreitung müssen eine Reihe von Luftreinhalteplänen fortgeschrieben werden, weil das Potenzial der Maßnahmen ausgeschöpft ist.

Feinstaub (PM10, PM2,5): EU-Grenzwerte landesweit eingehalten
PM10

Die PM10-Belastung ist im Jahr 2016 landesweit weiter zurückgegangen. Neben dem EU-Grenzwert für das Jahresmittel (40 µg/m³) wurde im dritten Jahr in Folge an allen 65 Messstellen in NRW der Tagesmittel-Grenzwert (50 µg/m³ bei 35 zulässigen Überschreitungen) eingehalten.

Die Spannweite der landesweiten PM10-Jahresmittelwerte reicht mit 9 bis 10 µg/m³ an den beiden Waldstationen in Eifel und Rothaargebirge mit bis zu 27 bis 28 µg/m³ an den am höchsten belasteten Verkehrsstationen in Gelsenkirchen und Köln sowie an Industriestandorten in Duisburg.

PM2,5

Je kleiner die Feinstaubpartikel sind, umso größer ist ihre gesundheitliche Relevanz, denn kleinere Partikel dringen tiefer in die Atemwege ein. Seit dem Jahr 2015 gilt für PM2,5 europaweit ein Jahresgrenzwert in Höhe von 25 µg/m³. Im Jahr 2016 wurde der PM2,5-Grenzwert an allen 26 NRW-Messstationen bei abnehmendem Belastungstrend sicher eingehalten.
Eine Entwarnung bezüglich der Feinstaub-Belastung der Luft kann dennoch nicht ausgesprochen werden. Weil bisher für Feinstaub kein Schwellenwert ermittelt wurde, unter dem keine gesundheitsschädlichen Wirkungen auftreten, ist jede Verringerung der Belastung mit Feinstaub mit einem Gesundheitsgewinn für die Bevölkerung verbunden. In diesem Zusammenhang ist die Forderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach einer weiteren Grenzwertabsenkung zu betrachten.

Schwefeldioxid, Staubinhaltsstoffe, Benzol, Benzo[a]pyren und Ozon

Der EU-Grenzwert für Schwefeldioxid wird seit Jahren überall eingehalten, so auch im Jahr 2016. Auch für Konzentrationen der gesundheitlich relevanten Staubinhaltsstoffe Blei, Arsen, Kadmium und Nickel sowie für Benzol in der Umgebungsluft wurden im Jahr 2016 keine Überschreitungen gemessen. Die Benzo[a]pyrenkonzentration an der Messstelle im Umfeld der Kokerei Bottrop im Stadtteil Welheim belief sich im Jahr 2016 auf 1,7 ng/m³ und liegt damit über dem Zielwert von 1ng/m. Die Bezirksregierung Münster als zuständige Überwachungsbehörde der Kokerei ist informiert und wird weitergehende Maßnahmen zur Reduzierung der Belastung ergreifen. Die Ozonkonzentration war im Sommer 2016 an einem Tag so hoch, dass der Alarmschwellenwert von 240 µg/m³ überschritten wurde (2015: Überschreitungen an zwei Tagen). An den insgesamt 27 Ozon-Messstationen wurde an 6 Tagen im Jahr 2016 der Informationsschwellenwert von 180 µg/m³ überschritten.


Landesumweltamt (LANUV)

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz ist die technisch-wissenschaftliche Fachbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen für den Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz. Seine Hauptstandorte sind Recklinghausen, Essen und Düsseldorf.

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