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Konsum und Wertschätzung von Lebensmitteln

Einkauf von Lebensmitteln. Foto: Arne Trautmann/ Panthermedia.net

Mindestens 11 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jährlich verschwendet – von der Erzeugung bis zum Verbrauch. NRW hat sich zum Ziel gesetzt, die Wertschätzung für Lebensmittel zur verbessern. Eine Studie im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums geht deshalb den Ursachen der Verschwendung nach, ein Runder Tisch von Herstellern, Handel, Verbrauchern und Wissenschaft stößt Maßnahmen an und initiiert Projekte.


Nachhaltiger Konsum

Klimawandel, Ressourcenverknappung und Umweltverschmutzung sind aktuelle und zukünftige Herausforderungen für die gesamte Gesellschaft. Um CO2-Emissionen zu reduzieren und den Umgang mit begrenzten Ressourcen nachhaltig und verantwortungsvoll zu gestalten, müssen  - von der Produktion bis hin zum Endverbraucher - neue Wege entlang der gesamten Wertschöpfungskette beschritten werden. 

Rund 40% der durchschnittlichen jährlichen pro Kopf CO2-Emissionen entfallen allein auf die Bereiche Ernährung und Konsum. Und nicht selten landen beispielsweise einwandfreie Nahrungsmittel in der Mülltonne, obwohl sie noch genießbar sind. In privaten Haushalten und Gemeinschaftseinrichtungen, zum Beispiel Küchen in Schulen und Altenheimen, liegt demnach ein enormes Klimaschutz-Potenzial. Maßnahmen zur Förderung und Etablierung einer nachhaltigen Lebensweise sowie die Förderung von nachhaltigen Strukturen in Gemeinschaftseinrichtungen sind deshalb ein wichtiger Ansatz, um die Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Die Ernährung, das Wohnumfeld sowie die alltäglichen Verhaltensweisen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sind relevante Bereiche für maßgebliche Schritte in Richtung Energie- und Ressourceneffizienz. So können Verbraucherinnen und Verbraucher mit ihrem individuellen Konsumverhalten erheblichen Einfluss auf das Angebot nachhaltiger und fair gehandelter Produkte und Dienstleistungen nehmen und auf diese Weise mit ihren alltäglichen Konsumentscheidungen nicht nur zum Klima- und Ressourcenschutz beitragen, sondern auch zu mehr sozialer Gerechtigkeit.

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Voraussetzungen für klimafreundliche Konsumentscheidungen zu schaffen und zu verbessern. Durch gezielte Informations-, Beratungs- und Bildungsmaßnahmen soll die Kompetenz von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie von Trägern von Gemeinschaftseinrichtungen gestärkt, ein Bewusstsein für einen nachhaltigen Lebensstil unterstützt und die Fähigkeit zur Orientierung am Markt gefördert werden. Durch den Ausbau einer nachhaltigen Ernährungs- und Verbraucherbildung an Schulen sollen schon Kinder und Jugendliche für die Thematik sensibilisiert werden. Damit soll ein positives Bewusstsein für nachhaltige Lebensstile geschaffen und ein klimafreundliches Konsumverhalten breitflächig in der Gesellschaft verankert werden.


Wertschätzung für Lebensmittel: Runder Tisch erörtert Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung

Aktuellen Studien zufolge werden jedes Jahr in Deutschland mindestens 11 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet - vom Hersteller bis zum Verbraucher. Hinzu kommen weitere Verluste in der Landwirtschaft, die auf mindestens zwei Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt werden. 

Im Dezember 2010 hat das NRW-Verbraucherschutzministerium deshalb einen Runden Tisch „Neue Wertschätzung für Lebensmittel“ ins Leben gerufen, zu dem jährlich Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft, des Einzelhandels, der Lebensmittelwirtschaft, von Verbraucher- und Wohlfahrtsverbänden sowie der Wissenschaft zusammen kommen, um gemeinsam über praktikable Handlungsansätze zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung diskutieren.

Ziel des Runden Tisches ist neben der Vernetzung und der Förderung von Projekten die Aufmerksamkeit und die Sensibilität für das Thema Lebensmittelverschwendung und Wertschätzung für Lebensmittel entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette zu erhöhen. Durch den regelmäßigen Austausch konnten in Nordrhein-Westfalen verschiedene wegweisende Projekte ins Leben gerufen, Kooperationen gebildet und die Zusammenarbeit gefördert werden.

Im Frühjahr 2012 wurde eine vom NRW-Verbraucherschutzministerium beauftragte Studie der Fachhochschule Münster und der Verbraucherzentrale NRW mit dem Titel „Verringerung von Lebensmittelabfällen – Identifikation von Ursachen und Handlungsoptionen in Nordrhein-Westfalen“ vorgestellt. Sie ist wesentliche Grundlage der vom Runden Tisch beschlossenen Handlungsempfehlungen.

Ein Werkzeugkoffer für Lehrkräfte an Grundschulen und weiterführenden Schulen in NRW wurde durch die Universität Paderborn mit der Verbraucherzentrale NRW entwickelt. Die Unterrichtsmaterialien des Werkzeugkoffers, der im Internet zur Verfügung steht, wurden inzwischen um Module für berufsbildende Schulen erweitert. Der Koffer ist auch Teil der flankierenden Maßnahmen des EU-Schulobst- und - gemüseprogramms, das in NRW im Schuljahr 2014/2015 über 186.000 Schülerinnen und Schüler in über 1000 Grund- und Förderschulen erreicht.

Ein studentischer Wettbewerb der Verbraucherzentrale NRW an der Ecosign Akademie für Gestaltung in Köln mit dem Titel „Verzehrte Welt“ erbrachte eine Reihe guter Ideen.

Zur Verringerung der Lebensmittelverluste in der Produktion hat das NRW-Verbraucherschutzministerium das Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung der Universität Witten/Herdecke mit einem Forschungsprojekt beauftragt, dessen Ergebnisse bis Ende 2016 vorliegen sollen. Ziel des Vorhabens ist es, mit Unternehmen der Lebensmittelbranche einen praxisorientierten Leitfaden zur Erhebung, Nutzung und Kommunikation von Daten zu Lebensmittelverlusten zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen den Unternehmen helfen, Lebensmittelverluste wirksam vermeiden zu können. Im Rahmen des Forschungsprojekts wird unter anderem ermittelt, welche bestehenden Abfalldefinitionen in der Praxis anwendbar sind, welche Informationen zu Lebensmittelverlusten in Unternehmen vorhanden sind und welche Hindernisse bei der Ermittlung von Abfalldaten in Unternehmen auftreten.

Leitfaden zu Lebensmittelabfällen für die Ernährungsbranche

Von den mindestens elf Millionen Tonnen weggeworfener Lebensmittel in Deutschland fallen rund 17 Prozent im Bereich der Lebensmittelindustrie an. Doch nicht nur in den Haushalten ist das Wegwerfen von Lebensmitteln ein Problem; es beginnt schon auf der Produktionsebene. Um Unternehmen der Ernährungsindustrie dabei zu helfen, Lebensmittelabfälle in den Betrieben zu erfassen und zu vermeiden, hat das NRW-Verbraucherschutzministerium die Studie "LeDaNa – Lebensmittelabfalldaten für mehr Nachhaltigkeit in der Ernährungsbranche" in Auftrag gegeben. Auf der Basis internationaler und nationaler Studien hat das ZNU – Zentrum für nachhaltige Unternehmensführung der Universität Herdecke dabei praxistaugliche Definitionen von Lebensmittelverlusten in Unternehmen entwickelt. Gemeinsam mit Partnern aus der Lebensmittelbranche wurde ermittelt, welche Abfalldefinitionen in der Praxis Anwendung finden können, welche Informationen zu Lebensmittelverlusten in Unternehmen vorhanden sind und welche Hindernisse bei der Ermittlung von Abfalldaten auftreten. Im Rahmen der Studie wurde ein Leitfaden zur Erhebung, Nutzung und Daten-Kommunikation zu Lebensmittelverlusten entwickelt. Dieser zeigt praxisorientierte Handlungsoptionen für die Lebensmittelindustrie auf und ist für alle Interessierten nutzbar.

NRW-Studie zu den Ursachen der Lebensmittelverschwendung

Nicht nur das Mindesthaltbarkeitsdatum ist für die Verschwendung von Lebensmittel verantwortlich. Die Verluste entstehen vielmehr auf allen Stufen der Wertschöpfungskette, von der Landwirtschaft über die Verarbeitung und den Handel bis hin zu Verbraucherinnen und Verbrauchern. Das ist das Ergebnis einer im März 2012 veröffentlichten Studie der Fachhochschule Münster und der Verbraucherzentrale NRW im Auftrag des NRW-Verbraucherschutzministeriums.

Die Studie, für die unter anderem Experten der Produktgruppen Gemüse, Brot und Backwaren, Milch und Milchprodukte sowie Fleisch und Wurstwaren befragt wurden, arbeitet heraus, an welchen Stellen vermeidbare Verluste auftreten und beschreibt mögliche Ursachen. Die wesentlichen Ergebnisse:

  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum dient danach nicht mehr nur – wie bei seiner Einführung – der Qualitätssicherung von Lebensmitteln, sondern wird von den Unternehmen als Organisationsinstrument für die Mengensteuerung und als Marketinginstrument verwendet. Zudem werden Lebensmittel ohne Mindesthaltbarkeitsdatum wie Brot, Obst und Gemüse häufiger weggeworfen als Lebensmittel mit Datum.
  • Gemüse: Hier sind häufig Produktspezifikationen, Vermarktungsnormen und standardisierte Verpackungen im Handel Gründe für die Entstehung von Lebensmittelverlusten. Bei der Direktvermarktung von Gemüse ist der Verlust dagegen geringer.
  • Backwaren: Die zentralen Ursachen für Verluste sind hier die kurze Produktfrische bei gleichzeitig geforderter Verfügbarkeit der frischen Waren bis kurz vor Ladenschluss.
  • Milchprodukte: In der Wertschöpfungskette für Milch und Milchprodukte treten nennenswerte Ursachen meist durch technische Fehler (zum Beispiel Fehlproduktion durch Maschinenschäden) auf. Auf der Handelsstufe ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) von Milch und Milchprodukten ein wichtiges Kriterium für den Absatz. Bei zu kurzer MHD-Restlaufzeit werden Waren aussortiert.
  • Fleisch und Wurstwaren: Die industrialisierte Wertschöpfungskette für Fleisch und Wurstwaren steht unter hohem Zeit- und Kostendruck. Personal und Zeit einzusetzen, um Abfälle zu verringern/vermeiden ist wirtschaftlich nicht darstellbar. Darüber hinaus führen Abweichungen von vorgegebenen Spezifikationen in Bezug auf Qualität, Optik, Textur und Temperatur aufgrund des hohen gesundheitlichen Risikos tierischer Lebensmittel automatisch zu Warenverlusten.

Die Verbraucherzentrale NRW ließ Verbraucherinnen und Verbraucher im Hinblick auf den Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum befragen. Dabei kam heraus, dass es häufig jüngere Menschen und Personen mit einer Vorliebe für Außer-Haus- und Fertiggerichte sind, die dazu neigen, noch verzehrfähige Lebensmittel in die Mülltonne zu befördern. Über die  Bedeutung des Mindesthaltbarkeits- bzw. -verbrauchsdatums waren drei Viertel der Befragten dagegen zutreffend informiert.

Nachhaltige Ernährungsbildung als Beitrag zur Wertschätzung von Lebensmitteln

Die Universität Paderborn und die Verbraucherzentrale NRW haben im Auftrag des NRW-Verbraucherschutzministeriums ein Unterrichtsmodul für die Grundschule bis zum Berufskolleg mit dem Titel "Wertschätzung und Verschwendung von Lebensmitteln" entwickelt, das im Internet zur Verfügung steht.  Die Materialien rüsten Lehrerinnen und Lehrer mit dem nötigen Handwerkszeug, um das Thema Wertschätzung von Lebensmitteln im Unterricht zu behandeln. Vom Mindesthaltbarkeitsdatum über persönliches Einkaufsverhalten oder Fleischkonsum bis zum Film "Taste the Waste" werden in insgesamt 19 Bausteinen zahlreiche Themen angesprochen. Im September 2013 wurden an einer Kölner Schule die Ergebnisse der Pilotphase zur Erprobung der Unterrichtsmaterialien vorgestellt.

Ein weiteres Bildungsangebot wurde durch die Verbraucherzentrale NRW entwickelt: Das „Duell der Sterneköche“ – ein Spiel für Kinder ab sieben Jahren. Es kann gegen eine Versandkostenpauschale bei der Verbraucherzentrale NRW bestellt werden.


Nachhaltiges NRW

Die Landesregierung hat die nachhaltige Entwicklung zu einem Leitprinzip ihrer Politik erklärt und will bis Ende 2015 zusammen mit Akteuren aus Zivilgesellschaft, Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeiten. Ein wichtiger Ansatz dabei ist „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“, die in allen Bereichen von Bildung und Lernen breit verankert und gemeinsam mit den vielen Partnern im Lande umgesetzt werden soll.

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