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Konsum und Wertschätzung von Lebensmitteln

Einkauf von Lebensmitteln. Foto: Arne Trautmann/ Panthermedia.net

Mindestens 11 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jährlich verschwendet – von der Erzeugung bis zum Verbrauch. NRW hat sich zum Ziel gesetzt, diese Verschwendung zu reduzieren und die Wertschätzung für Lebensmittel zu erhöhen. Forschung und Ursachenanalyse spielen hierbei eine ebenso wichtige Rolle wie die Vernetzung der relevanten Akteure, Bildungsmaßnahmen und Best-Practice-Projekte.


Lebensmittelverluste reduzieren – Wertschätzung für Lebensmittel erhöhen

In Deutschland landen jährlich mindestens elf Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel auf dem Müll - in der Industrie, bei Großverbrauchern, im Handel und in Privathaushalten. Ein großer Teil dieser Verluste wäre vermeidbar. Nordrhein-Westfalen hat sich deshalb gemeinsam mit der Bundesregierung dem Ziel der Vereinten Nationen verpflichtet, die Lebensmittelverluste bis 2030 zu reduzieren.

Dabei setzt das Land auf Forschung und Ursachenanalyse, den Austausch mit den Beteiligten und deren Vernetzung, Bildungsmaßnahmen und Best-Practice-Projekte .

Mit dem Runden Tisch „Neue Wertschätzung für Lebensmittel“ lädt das NRW-Verbraucherschutzministerium seit 2010 jährlich Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft, des Einzelhandels, der Lebensmittelwirtschaft, der Wissenschaft und der Verbraucher- und Wohlfahrtsverbände zum Dialog ein.

Ziel des Runden Tisches ist neben der Vernetzung der Akteure, die Aufmerksamkeit und die Sensibilität für das Thema Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette zu erhöhen und das Bewusstsein für den Wert der Lebensmittel zu steigern. Dabei gilt es nicht nur die Wertschätzung für Lebensmittel selbst zu erhöhen, sondern auch für die Leistung derjenigen, die sie erzeugen.

Durch den regelmäßigen Austausch konnten in Nordrhein-Westfalen verschiedene wegweisende Projekte ins Leben gerufen, Kooperationen gebildet und die Zusammenarbeit gefördert werden.

Mit den Nachhaltigen Ernährungstagen NRW plant das Verbraucherschutzministerium in den kommenden Jahren neue Impulse zu setzen und die Initiative zu übernehmen, landesweit gute, nachhaltige Ideen und Handlungsansätze zu unterstützen.

Die Aktionstage nachhaltige Ernährung „Köln isst joot“ waren hier ein Anfang: Im September 2016 zeigten über 60 Partnerorganisationen interessierten Bürgerinnen und Bürgern gute Beispiele für wertvolle Ernährung aus der Region. Bei rund 120 Veranstaltungen wurde eine neue Wertschätzung für Lebensmittel erlebbar und ein großes Publikum erreicht.

Weitere Informationen:

NRW geht den Ursachen der Verschwendung nach - Grundlagen- und anwendungsbezogene Forschung

Die 2012 veröffentlichte NRW-Studie „Verringerung von Lebensmittelabfällen – Identifikation von Ursachen und Handlungsoptionen in Nordrhein-Westfalen“ zeigte schon früh, dass nicht nur das Mindesthaltbarkeitsdatum für die Verschwendung von Lebensmitteln verantwortlich ist. Die Verluste entstehen vielmehr auf allen Stufen der Wertschöpfungskette - von der Landwirtschaft über die Verarbeitung und den Handel bis hin zu Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Um Unternehmen dabei zu helfen, Lebensmittelabfälle in den Betrieben zu vermeiden, hat das NRW-Verbraucherschutzministerium 2015 die Studie "LeDaNa – Lebensmittelabfalldaten für mehr Nachhaltigkeit in der Ernährungsbranche" in Auftrag gegeben. Auf der Basis internationaler und nationaler Studien hat das ZNU – Zentrum für nachhaltige Unternehmensführung der Universität Herdecke - gemeinsam mit Partnern aus der Lebensmittelbranche ermittelt, welche Abfalldefinitionen in der Praxis Anwendung finden können, welche Informationen zu Lebensmittelverlusten in Unternehmen vorhanden sind und welche Hindernisse bei der Ermittlung von Abfalldaten auftreten. Im Rahmen der Studie wurde ein Leitfaden zur Erhebung, Nutzung und Daten-Kommunikation zu Lebensmittelverlusten entwickelt. Dieser zeigt praxisorientierte Handlungsoptionen für die Lebensmittelindustrie auf und ist für alle Interessierten nutzbar.

Die Ursachen für Lebensmittelverluste in der Landwirtschaft und an der Schnittstelle zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Handel beleuchtet die Studie „Lebensmittelverluste bei Obst, Gemüse und Kartoffeln – Lebensmittelverluste zwischen Feld und Ladentheke, Situation in NRW“.

Bildungsmaßnahmen und Best-Practice-Projekte

Die Universität Paderborn und die Verbraucherzentrale NRW haben im Auftrag des NRW-Verbraucherschutzministeriums einen Werkzeugkoffer erstellt, mit dem Lehrerinnen und Lehrer das Thema Wertschätzung von Lebensmitteln im Unterricht vermitteln können. Der Koffer enthält das didaktische Handwerkszeug für 19 Themen-Bausteine - vom Mindesthaltbarkeitsdatum über persönliches Einkaufsverhalten und Fleischkonsum bis zum Film "Taste the Waste".

Ein weiteres Bildungsangebot wurde durch die Verbraucherzentrale NRW entwickelt: Das „Duell der Sterneköche“ – ein Spiel für Kinder ab sieben Jahren. Das Kartenspiel wird als flankierende Maßnahme zum EU-Schulprogramm NRW für Obst, Gemüse und Milch in über 1.000 Schulen in NRW eingesetzt.

Gute Ideen und neue Sichtweisen auf das Thema Lebensmittelverschwendung brachte der studentische Wettbewerb „Verzehrte Welt“. In Kooperation mit der Verbraucherzentrale NRW haben die Studenten der Ecosign Akademie für Gestaltung zahlreiche Ideen und Ansätze konzipiert, um das Thema aufzugreifen: Von einer Internetplattform zur Nachernte beim Bauern ("Stoppeln") über eine Imagekampagne für den "Doggybag" für Restaurants ("Zehnnachzwei") bis hin zu humorvollen Videoclips und einem Kartenspiel für Kinder wurden Preise an junge Studentinnen und Studenten vergeben.

Mit dem Projekt „Reduktion der Lebensmittelabfälle bei Brot und Backwaren - Entwicklung eines Konzepts für Handel, Handwerk und Verbraucher“ wurde der Blick auf das Handwerk gerichtet - mit dem Ziel, die Wertschätzung für das Lebensmittel Brot zu steigern. Dies betrifft die Reduzierung der Verluste in der Backstube wie auch die Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden.

Im Rahmen des Projekts "MehrWert NRW" hat die Verbraucherzentrale NRW, gefördert durch das NRW-Verbraucherschutzministerium, von 2015 bis 2018 ein Pilotvorhaben für eine klimafreundliche und gesunde Schulverpflegung durchgeführt. Die Erkenntnisse aus der Arbeit mit vier Modellschulen wurden im 2018 gestarteten neuen Projekt "MehrWertKonsum" auf weitere Schulen in Nordrhein-Westfalen ausgeweitet. Neben Schulen werden Kindertageseinrichtungen und Jugendherbergen angesprochen. Gemeinsam mit allen Akteuren sollen attraktive und klimafreundliche Speisepläne entwickelt und anfallende Speiseabfälle reduziert werden. Begleitende Bildungsworkshops für Schülerinnen und Schüler vermitteln den Wert von Lebensmitteln und regen zu nachhaltigen Konsumweisen an. Das Projekt "MehrWertKonsum" wird mit Mitteln der EU und des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Nachhaltiger Konsum

Nicht nur beim Umgang mit Lebensmitteln sondern auch in den Bereichen Wohnen und Haushalt, Bekleidung, Mobilität und Freizeit können Verbraucherinnen und Verbraucher mit ihrem individuellen Konsumverhalten erheblichen Einfluss nehmen, beispielsweise auf den Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastung oder auf das Angebot nachhaltigerer und fair gehandelter Produkte und Dienstleistungen. Auch innovative Konsummodelle wie das Sharing und Leihen von Autos, Fahrrädern, Haushalts- und Gartengeräten oder das nachhaltige Produktdesign können zu mehr Energie- und Ressourceneffizienz und damit zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beitragen.

NRW unterstützt deshalb die Sensibilisierung der Verbraucherinnen und Verbraucher und die Stärkung von Initiativen für ressourcenfreundliche Konsumentscheidungen.

Projekt "MehrWertKonsum"

Seit 2018 fördert das Verbraucherschutzministerium NRW das Projekt "MehrWertKonsum", das bei der Verbraucherzentrale NRW angesiedelt ist. Grundidee ist es, Verbraucherinnen und Verbrauchern die Lebensqualität und den Zusatznutzen nachhaltigeren Konsums aufzuzeigen. Im Mittelpunkt stehen die Wertschätzung von Lebensmitteln und begrenzten Ressourcen sowie Beiträge zur Verringerung von CO2-Emissionen.

Besonders unterstützt und berät das Projekt lokale bürgerschaftliche Initiativen, die sich für Klima- und Ressourcenschutz einsetzen. Die vielerorts entstehenden Gemeinschaftsgärten, Foodsharing-Initiativen, Lastenradverleihe, Reparatur-Cafés oder Projekten der solidarischen Landwirtschaften zeigen, wie nachhaltigerer Konsum praktisch möglich ist. So schließt sich bei der Solidarischen Landwirtschaft ein Kreis von Verbrauchern mit einem landwirtschaftlichen Betrieb zusammen, finanziert nach einem gemeinsam festgelegten Wirtschaftsplan (Erntevereinbarung) die Jahreskosten der Lebensmittelproduktion und erhält dafür die erzeugten Produkte.

Die ehrenamtlich Tätigen erhalten durch das MehrWert-Projekt nützliche Werkzeuge für die Weiterentwicklung ihrer Aktivitäten. Außerdem schafft das Projekt Plattformen für Vernetzung und Austausch und fördert die Zusammenarbeit von Engagierten und Kommunen. Landesweite Aktionstage mit den 62 Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW machen die lokalen Initiativen öffentlich sichtbar und erlebbar und regen Verbraucherinnen und Verbraucher zur Mitwirkung an. Ein weiteres Handlungsfeld des Projektes ist eine abfallarme und klimafreundliche Gemeinschaftsverpflegung in Schulen, Kindertagesstätten und Jugendherbergen. Durch die Vermeidung von Speiseabfällen und eine klimafreundliche Speiseplanung können Einrichtungen und ihre Verpflegungsdienstleister Kosten sparen und mehr Nachhaltigkeit auf den Teller bringen. Zugleich kann die Schulmensa ein praktischer Lernort für die Wertschätzung von Lebensmitteln und eine zukunftsorientierte Ernährung sein.

Das Projekt "MehrWertKonsum" wird gefördert durch das Land Nordrhein-Westfalen und die EU. Es knüpft an das Projekt "MehrWert NRW" an. In diesem wurden von 2015 bis 2018 vielfältige Aktivitäten durchgeführt, um Verbraucherinnen und Verbraucher in den drei Themenfeldern Mobilitätsverhalten, Ernährung und Ressourcenschutz auf dem Weg zu einem klimafreundlicheren und nachhaltigeren Konsum zu unterstützen.

Weitere Informationen:


Nachhaltiges NRW

In der Nachhaltigkeitsstrategie NRW wird die nachhaltige Entwicklung zu einem Leitprinzip des politischen Handelns erklärt. Ein wichtiger Ansatz dabei ist "Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)", die in allen Bereichen von Bildung und Lernen breit verankert und gemeinsam mit den vielen Partnern im Lande umgesetzt werden soll.

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