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Verbraucherschutz in der digitalen Welt

Smart Home. Panthermedia/ pol_1978.

Der Verbraucheralltag wird immer digitaler. Digitale Produkte und Dienstleistungen machen Vieles einfacher, bergen aber auch Risiken. Ein zeitgemäßer Verbraucherschutz benötigt daher verlässliche und faire Regeln und Instrumente, um die Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher auch im digitalen Verbraucheralltag zu stärken.


Onlinemedien. Panthermedia/ rawpixel.

Onlinemedien. Panthermedia/ rawpixel.

Digitale Umwälzungen begleiten und Verbraucher stärken!

Die Weichen für eine verbraucherfreundliche Zukunft in der digitalen Gesellschaft werden auf europäischer Ebene derzeit neu gestellt. Mit den Rechtsakten Digital Services Act sowie Digital Markets Act möchte die Europäische Kommission unter anderem die Verantwortungs- und Sicherheitsbestimmungen für digitale Plattformen, Dienstleistungen und Produkte aktualisieren. Im Rahmen ihrer Strategie für ein digitales Europa hat die Europäische Kommission darüber hinaus beispielsweise einen Vorschlag für eine Verordnung zu Künstlicher Intelligenz (KI) veröffentlicht sowie eine Datenstrategie vorgestellt. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen bringt sich in diese Prozesse durch Stellungnahmen etwa in Bundesratsverfahren ein.

Es ist Ziel des NRW-Verbraucherschutzministeriums, notwendige rechtliche und ethische Fragen für die Digitalisierung frühzeitig zu thematisieren. Insbesondere die verstärkte Datenkonzentration bei einzelnen Anbietern, die zunehmende Verbreitung von Scoring und Profiling, die Auswirkung Künstlicher Intelligenz auf den Schutz personenbezogener Daten sowie Anforderungen an Gewährleistungsrechte bei digitalen Produkten sind wichtige verbraucherpolitische Handlungsfelder.



Dark Patterns, künstliche Intelligenz & Co.

Gute Verbraucherentscheidungen werden in der digitalen Welt oftmals durch den Einsatz von sog. Dark Patterns erschwert. Dark Patterns sind Gestaltungsmuster auf Webseiten, die Verbraucherinnen und Verbraucher z.B. bei Kauf- und Datenschutzentscheidungen so beeinflussen, dass ihnen Nachteile entstehen. So sind beispielsweise die vielen Einwilligungen in "Cookie-Banner" auf Webseiten für uns alle ein ständiges Ärgernis. Während Einwilligungen in die Nutzung von Daten meistens mit einem Klick möglich sind, ist eine Ablehnung deutlich komplizierter. Auch Countdowns zur zeitlichen Befristung von Buchungen oder zur vermeintlich begrenzten Verfügbarkeit von Produkten ("nur noch 3 Plätze frei") setzten Verbraucherinnen und Verbraucher unter Druck schnelle, oftmals unüberlegte Entscheidungen zu treffen.

Auf Initiative des Verbraucherschutzministeriums des Landes NRW hat sich die Verbraucherschutzministerkonferenz 2021 daher eine ausdrückliche Normierung von manipulativen und suchterzeugenden Dark Patterns als irreführende und aggressive Geschäftspraktiken ausgesprochen. Außerdem solle Plattformbetreibern und Anbietern von digitalen Dienstleistern auf europäischer Ebene eine "Fairness-by-Design"-Verpflichtung auferlegt werden, um digitale Dienstleistungen und Angebote fair, angemessen und benutzerfreundliche auszugestalten, sodass Verbraucherinnen und Verbraucher ausgewogene Entscheidungen nach ihren Präferenzen treffen können.


Beratungs- und Informationsangebote "Datenschutz in der Digitalen Welt" der Verbraucherzentrale NRW

Die Verbraucherzentrale NRW bietet in ihren Beratungsstellen für alle Zielgruppen Rechtsberatungen und Rechtsvertretungen zu den datenschutzrechtlichen Themen an. Regelmäßig werden zudem Aktionen durchgeführt, um Verbraucherinnen und Verbraucher für das Thema Datenschutz und IT-Sicherheit zu sensibilisieren und sie mit relevanten Informationen zu versorgen.

Die Verbraucherzentrale NRW hält im Rahmen des Beratungsangebotes "Datenschutz in der Digitalen Welt", auch Vorträge in Schulen, bei Initiativen und zahlreichen Kooperationspartnern in NRW-Städten sowie in den Beratungsstellen. Ziel ist es, die jeweils angesprochenen Verbrauchergruppen und in Schulen insbesondere Jugendliche für den Schutz der Privatsphäre zu sensibilisieren und ihnen Instrumente zur "digitalen Selbstverteidigung" an die Hand zu geben.


Foto: Panthermedia/ Anna Omelchenko.

Foto: Panthermedia/ Anna Omelchenko.

Messengerdienste - Wie schütze ich die Daten meiner Kinder?

Schnell, unkompliziert, immer und überall Kontakt zu Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen oder Bekannten aufzunehmen ist in unserem Kommunikationsalltag mittlerweile selbstverständlich. Via Smartphone werden Text- und Sprachnachrichten, Videos, Bilder oder Emoticons untereinander ausgetauscht. Vor allem bei der jungen Generation sind Instant-Messengerdienste hoch im Kurs:

Rund 90 Prozent der 12- bis 13-Jährigen nutzen den Dienstanbieter WhatsApp. Aufgrund der Verarbeitung personenbezogener Daten hat der Gesetzgeber zwar das Mindestalter für die Nutzung des Messengerdienstes auf das vollendete 16, Lebensjahr erhöht, jüngere Kinder können den Dienst aber nutzen, wenn sie vor der Nutzung die Einwilligung der Erziehungsberechtigten dafür haben. Wenn Eltern sich dafür entschieden haben, die Nutzung zuzulassen, sollte es bei dieser Erklärung aber nicht bleiben: Der Umgang mit Sozialen Medien will gelernt sein.

Eltern in der Pflicht: Hilfestellung für die digitale Welt

So kann der Umgang mit Messengerdiensten am besten zuerst in der Familie eingeübt werden. Es ist wichtig, mögliche Risiken der Kontaktaufnahme durch Fremde - online oder am Telefon - mit dem Kind zu besprechen. Denn jede Nutzerin oder jeder Nutzer, der z.B. über WhatsApp in Kontakt mit dem Kind steht, verfügt auch über dessen Mobilfunknummer, die als Messenger-Identifikation dient.

Eltern sollten auch die Mediennutzung ihrer Kinder eng begleiten. Klare Verhaltensregeln bei Umgang mit WhatsApp & Co. helfen Eltern und Kindern. Nachrichten von unbekannten Kontakten können grundsätzlich blockiert werden, sodass von dieser Person keine Mitteilung mehr beim Empfänger eingehen kann.

Tipp: Die Nutzung eines Messengerdienstes mit klaren Verhaltensregeln kann zunächst in einem geschützten Raum wie einem „Familien-Gruppen-Chat“ geübt werden.

Vorsicht mit privaten Daten

Das Internet vergisst nichts! Jeder Inhalt, ob privates Foto oder eigenes Video, was über den Chat versendet wird, kann von den Lesenden dauerhaft gespeichert und nachteilig weiterverwendet werden. Dies gilt für Text- und Sprachnachrichten, aber auch für TikTok und andere Apps, die bei Kindern auf Begeisterung stoßen. Eltern sollten daher bei Ihren Kindern ein Verständnis für die „Öffentlichkeit“ der Messengerdienste aktiv fördern. Auch hier kann der regelmäßige Austausch in der Familie Hilfestellungen bieten, wenn sich Kinder im Einzelfall nicht sicher sind. Ein offenes Gesprächsklima in der Familie über das Internet und seine Risiken ist dafür die beste Grundlage.

Tipp: Wer persönliche Informationen wie Profilbild, Status-Nachrichten, Live-Standort, Lesebestätigung oder den letzten Online-Zugriff auf den Dienst nicht mit jedem teilen will, muss die Standard-Einstellungen zum Datenschutz auf seinem Gerät ändern und neu konfigurieren.

Kindgerechte Alternativen

Was viele nicht wissen: Es gibt auch Alternativen zum Marktführer WhatsApp, auch wenn die Reichweiten (Nutzerzahlen) deutlich geringer sind. Falls Eltern auf kinderfreundlichere Messengerdienste zurückgreifen wollen, sind diese ebenfalls in den gängigen App-Stores zu erhalten. Kinder- bzw. Familien-Messenger bieten für Eltern meist bessere Schutz- oder Kontrollfunktionen von Nachrichten und Kontakten.