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Radon

Messung von Radioaktivität. Foto: Albert Lozano / panthermedia.net

Die Bevölkerung in Deutschland ist in etwa zu gleichen Teilen natürlicher und künstlich erzeugter ionisierender Strahlung ausgesetzt, zumeist Radioaktivität genannt. Den größten Anteil an natürlicher Radioaktivität liefert das natürlich vorkommende, radioaktive Gas Radon.


Radon – natürliche Radioaktivität in der Umwelt

Radon entsteht im Erdboden durch den Zerfall radioaktiven Urans, das seit der Erdentstehung als natürlicher Bestandteil in der Erdkruste enthalten ist. Durch den Zerfall von Uran bilden sich neue Stoffe, die im weiteren Umwandlungsprozess Radon entstehen lassen. Radongas kommt auf unserem gesamten Planeten im Boden, in der Luft und im Wasser vor. Es ist farb-, geschmack- und geruchlos und kann daher vom Mensch nicht unmittelbar wahrgenommen werden.

Da Radon gasförmig ist, kann es aus dem Boden entweichen und in die Atmosphäre gelangen. Es zerfällt in mehrere radioaktive Folgeprodukte. Die Konzentration des radioaktiven Radons in der Luft wird in Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) angegeben. Die daraus für den Menschen resultierende Strahlenbelastung wird in Millisievert (mSv) angegeben.

Für Deutschland wurde ermittelt, dass die Bevölkerung durch Inhalation von Radon und seinen Folgeprodukten einer mittleren Strahlenbelastung von 1,1 Millisievert pro Jahr (mSv/a) ausgesetzt ist, davon rund 0,9 mSv/a durch den Aufenthalt in Gebäuden. Zur Orientierung: Für die Bevölkerung in Deutschland beträgt die mittlere Gesamtstrahlenbelastung, also die Summe der natürlichen und der künstlich erzeugten Radioaktivität, die hauptsächlich aus der Medizin stammt, etwa 4 Millisievert pro Jahr.

Wie wirkt Radon auf die menschliche Gesundheit?

Die Radonproblematik beruht weniger auf einer direkten Schädlichkeit von Radon selbst als vielmehr auf den gesundheitlichen Wirkungen seiner Folgeprodukte. Während das Radon zum größten Teil wieder ausgeatmet wird, können seine Zerfallsprodukte – an kleine Staubteilchen angelagert – im Atemtrakt verbleiben und hier ihre schädliche Wirkung entfalten. Sie zerfallen mit der Zeit und setzen dabei energiereiche Strahlung frei. Wenn dieser Zerfallsprozess in der menschlichen Lunge stattfindet, können die sehr empfindlichen Zellen der Bronchien durch die freigesetzte Strahlung geschädigt werden. Damit erhöht sich das Risiko für die Entstehung einer Lungenkrebserkrankung. Bevölkerungsrepräsentative Studien haben gezeigt, dass sich das Lungenkrebsrisiko mit steigender Radonkonzentration erhöht. Eine signifikante Erhöhung dieses Krankheitsrisikos konnte schon im Bereich zwischen 100 und 200 Bq/m³ ermittelt werden. Weiterhin zeigte sich, dass ein Anstieg der Radon- Konzentration in der Innenraumluft um 100 Bq/m³ mit einer linearen Zunahme von Lungenkrebsfällen um 10 bis 16% in Verbindung steht.

Insgesamt betrachtet wird das Vorkommen von Radon in Häusern heute nach dem Rauchen als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in der Bevölkerung angesehen. Die ermittelten Zusammenhänge zwischen der Inhalation von Radon bzw. seinen Zerfallsprodukten und der Erhöhung des Lungenkrebsrisikos gelten sowohl für Raucherinnen und Raucher als auch für Nichtraucherinnen und Nichtraucher. Es gibt deutliche Hinweise, dass das Lungenkrebsrisiko der Raucher bei gleichzeitiger Radonexposition besonders hoch ist. Bisher gibt es in Deutschland noch keine rechtliche Regelung zur Bewertung und Minimierung der Radonbelastung in Innenräumen. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt aber aus Vorsorgegründen, eine Radon-Konzentration von 100 Bq/m³ in Aufenthaltsräumen nicht zu überschreiten.


Übersicht über die Radon-Konzentration in Nordrhein-Westfalen

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat für die ganz Deutschland eine Radon-Karte zusammengestellt. Als Datenbasis wurden die im Auftrag des Bundes durchgeführten Messungen an geologisch repräsentativen Messorten mit Stand September 2003 herangezogen. Die Karte gibt eine Orientierung über die regionale Verteilung der Radonkonzentration in der Bodenluft 1 Meter unter der Erdoberfläche.

Sie ist gegliedert in großräumige, verschiedenfarbige Rasterflächen, die anzeigen, welche Radonkonzentrationen in der Bodenluft prognostiziert werden. Anhand der Prognose für eine bestimmte Rasterfläche kann nicht generell auf die Radonkonzentration an einem bestimmten Standpunkt (zum Beispiel ein Baugrundstück) geschlossen werden. Daher ist auch keine Aussage über eine gegebenenfalls erhöhte Konzentration in einem einzelnen Haus möglich, da die Radonkonzentrationen in der Bodenluft kleinräumig variieren können.

Die Radonkonzentration in der Bodenluft ist ein Maß dafür, wie viel Radon im Untergrund vorhanden ist und somit in die Gebäude gelangen kann. Die Ausbreitung des Radons, das heißt, wie viel Radon aus dem Baugrund in die Gebäude gelangen kann, lässt sich statistisch abschätzen. Für unterkellerte Erdgeschoss-Wohnräume beziehungsweise Kellerräume wurde dabei ermittelt, dass von dem in der Bodenluft vorhandenen Radon im Mittel (Medianwert) zwischen 1,1‰ und 1,6‰ (Promille) in die Häuser gelangen kann.

Allerdings lassen sich diese Medianwerte nicht auf alle Gebäude übertragen, da die Isolierung und die Gebäudestruktur sowie andere Faktoren Einfluss darauf haben, wie viel Radon in die Räume gelangt. Die Spannweite ist hier sehr groß; sie liegt zwischen 0,1 ‰ und 20 ‰. Die tatsächlichen Belastungen, denen Bewohner eines Gebäudes ausgesetzt sind, können nur durch eine individuelle Messung der Radonkonzentration in der Raumluft ermittelt werden. Auf der Internetseite des Bundesamtes für Strahlenschutz werden hierfür geeignete Labore genannt.

In den Jahren 2001 bis 2003 wurden im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz mehr als 2.200 Einzelmessungen in Innenräumen in NRW durchgeführt. Die Daten liegen dem Umweltministerium NRW vor. Es ist jedoch zu beachten, dass diese Daten lediglich als Anhaltspunkte für eine mögliche erhöhte Radonbelastung anzusehen sind. Die Ergebnisse werden Kommunen und interessierten Bürgern vom NRW-Umweltministerium auf Anfrage mit Angabe von Ort und Postleitzahl zur Verfügung gestellt. Nutzen Sie hierfür bitte das Kontaktformular.